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Full text of "Sitzungsberichte der mathematisch-physikalischen Classe der K.b. Akademie der Wissenschaften zu ..."

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HARVARD 
COLLEGE 
LIBRARY 




FROM THE 

Siibscription Fund 

BEGUN IN 1858 




y 



^Sitzungsberichte /^ 



der 



mathematisch - physikalischen Classe 



der 



k. b. Akademie der Wissenschaften 



zu ]Nd^ÜTichen. 






Band VII. Jahrgang 1877. 



>y 





^* Mflnchen. 

Akademische Bnchdrackerei tod F. Stranb. 

1877. 

In CommiBfion bei O. P r a d t. 



l^oc 112-1. »5.2. 




Affii9:'i85 



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<^u^i^ur^. 



Uebersicht 

des Inhalts der Sitzungsberichte Band TU 

Jahrgang 1877. 



Oeffentliche Siteung zur Feier des 118. Stiftungsiages der 

Je. Akademie am 28, März 1877. 

Seite 

V. Kobell: Nekrologe der verstorbenen Mitglieder der mathe- 

raatisch-pbysikalischen C lasse 140 



Sitssung vom 3. März, 

y. Jolly: üeber die elektriscbe Influenz auf nicbt leitende feste 

Körper. Von A. Wüllner 1 

Zittel: Neue Beobachtungen über Ozon in der Luft der Libyschen 

Wüste. Von P. Ascherson 77 

V. Beetz: üeber den electrochemischen Vorgang an einer Alu- 
miniumanode 90 



Sitzung vom 10. März. 

y. Bischoff: üeber das Gehirn eines Gorilla und die untere oder 

dritte Stimwindung der Affen 96 



Sitzung vom 5. Mai. 

-^ • 

Zittel: üeber den Fund eines Skeletes von Archaeopteryx im 

lithographischen Schiefer von Solenbofen 155 

Seidel: üeber eine einfache Entstehungsweise der Bernoulli*schen 

Zahlen und einiger verwandten Beihen 157 



IV 

Sit Je un ff vom 2, Juni. 

Seite 

V. ßezold: Die Theorie der statioDären Strömung unter ganz 

allgemeinen Gesichtspunkten betrachtet 188 



Sitzung vom 7. Juli, 

V. Eobell: Versuche über das Verhalten des Wassers in engen 

Bäumen bei GmUhitse. Von Dr. Fr. Pf äff 216 

y. Bezold und G. Engelhardt: Ueber die Flnorescenz der 

lebenden Netzhaut 226 

V. Jolljr: Ueber den Einfluss des Lösungsmittels auf die Absorp- 

tionsspectra gelöster absorbirender Medien. Von Aug. Eundt 234 
V. Pettenkofer: Vorlaufige Mittheilung über das Verhalten der 

Milch auf Thonplatten und über eine neue Methode der 

Casein- und Fettbestimmung in der Milch Von Prof. Dr. 

Julius Lehmann 263 

Erlenmeyer: 1. Ueber Paramethoxyphenylglycolsäure undPara- 

methoxyphenylglycocoU 273 

2. Ueber polymerisirten Zimmtsaureatherthylester 276 



Sitzung vom 3. November, 

Vogel: Ueber den Wassergehalt des Eiweisses 285 

y. Beetz: Ueber die electromotorische Kraft und den inneren 

Widerstand einiger Thermosäulen 292 



Sitzung vom 1, Decefnher, 

H. Schröder: Das Sterengesetz S02 

Erlenmeyer: 1) Ueber Hydrozysauren 823 

2) Ueber das Verhalten des aciylsauren Natrons 
gegen wässerige und schmelzende alkalische 

Basen 330 

T. Schlagintweit-SakünlQnski: Bericht über die ethno- 
graphischen Gegenstände unserer Sammlung und über die 
Baumanweisnng in der k. Burg zu Nürnberg. Mit einer 
Kartenskizze 336 



Sitzungsberichte 

der 

königL bayer. Akademie der Wissenschaften, 



Sitzang vom 3. März 1877. 

Mathematisch-physikalische Glasse. 



Herr Prof. t. Jolly legt vor und bespricht die Ab- 
handlung : 

„üeber die elektrische Influenz auf nicht- 
leitende feste Körper von A. Wüllner, 
corresp. Mitgliede^^ 

1. 

Vor einiger Zeit hatte ich die Ehre der Akademie 
einige Versuche mitzutheilen ^), ans denen sich ergab, dass 
die flüssigen Nichtleiter in ähnlicher Weise elektrisch in- 
flnenzirt werden, wie die flüssigen Leiter; dass in Bezug 
auf die elektrische Influenz die Nichtleiter von den Leitern 
sich nur in soweit unterscheiden, dass während bei den 
letztern die Influenz momentan in ihrer ganzen Stärke auf- 
tritt, bei den erstem dieselbe eine längere Zeit braucht um 
denselben Werth zu erreichen. Es ergab sich das daraus, 

1) Sitzungsberichte der k. b. Akademie zu München (math.-phys. 
Classe) Bd. V. p. 147 (Jnni 1875). 
[1877. 1. Math.-phy8. Cl.] 1 



2 Sitzung der math.-phya. Olasse vom 3. M&rg 187t. 

dass das Potential in einer elektrisirten , mit dem Sinas- 
elektrometer yerbondenen Metallplatte, welche über einer 
flüssigen Platte Ton immer derselben Form in immer gleicher 
Entfernung schwebte, immer in demselben Verhältnisse ver- 
mindert wurde, sowohl, wenn die Flüssigkeit leitend als 
anch wenn sie nichtleitend war. Es wurde nämlich das 
Potential der frei schwebenden Platte am Sinuselektrometer 
beobachtet, Y^ ; es wurde dann diese Platte bis zu einem 
bestimmten bei allen Versuchen constanten Abstände über 
der Flüssigkeit herabgelassen und das Potential der Platte 
in dieser Lage am Sinuselektrometer beobachtet gleich V. 
Bezeichnet man nun das Potential der in der Flüssigkeit 
influenzirten Elektricität auf die elektrisirte Platte resp. auf 
das immer gleiche elektrische System, von welchem die 
Platte ein Theil ist, mit Vg, so ist 

Da nun immer 

V, =aV, 
gesetzt werden kann, wenn a die Ton der Platte aasgeübte 
Influenz bedeutet, für den Fall, dass bei den gegebenen Um- 
ständen die influenzirende Platte das Potential Eins besitzt, 
so ist 

V = V,(l+a) 

Dieser Quotient 1 + a wurde nun immer derselbe, 
einerlei ob die Platte aus einer leitenden oder nichtleitenden 
Flüssigkeit bestand, ein Beweis, dass bei hinreichender Dauer 
die nichtleitenden Flüssigkeiten durch Influenz bis zu dem- 
selben Grade elektrisirt werden wie die leitenden. 

Im Anschlüsse an diese Beobachtungen erlaubte ich 
mir gleichzeitig einige vorläufige Versuche über die In- 
fluenz auf feste Isolatoren mitzutheilen, welche den Beweis 
zu liefern schienen, dass auch dort die Elektrisirung bei 






A. WüUner : tnfiuenz auf nichüeitende feaU Körper, ä 

dauernder Influenz stetig zunimmt, aber nicht Us zu jenem 
Werthe, welche sie in den Leitern erreicht. Ich habe diese 
Versuche seitdem weiter verfolgt und die mit der Zeit 
wachsende Influenz bei einer Anzahl von festen Isolatoren, 
so genau es eben geht, messend verfolgt. Die Frage gerade 
nach dieser mit der Zeit wachsenden Influenzirung schien 
nur, ausser dem Interesse, das sie an sich bietet, auch für 
unsere theoretischen Anschauungen nicht ganz ohne Be- 
deutung zu sein. Bei den meisten theoretischen Entwicke- 
lungen von Fragen, bei denen die Isolatoren eine Bolle 
spielen, und in den neueren elektrischen Untersuchungen 
wird die Bolle der Isolatoren eine immer wichtigere, be- 
trachtet man die Isolatoren als Dielektrica im Sinne der 
ursprünglich von Faraday ausgesprochenen Anschauung. 
Man setzt voraus, dass jeder Isolator ein bestimmtes Induc- 
tionsvermögen habe, und fuhrt den Einfluss desselben in die 
Bechnung durch die sogenannte Dielektricitätsconstante ein, 
welche das Mass der dielektrischen Polarisation ist. Die 
Grösse der letzteren ist davon abhängig ein wie grosser 
Theil der in der Yolumeinheit des Isolators vorhandenen 
Moleküle vollkommen leitend sind. 

Die sich in der Bückstandsbildung zeigende Zunahme 
der Influenz mit wachsender Dauer der Einwirkung sieht 
diese Auflassung als einen Vorgang ganz anderer Ordnung 
an, man betrachtet ihn als dielektrische Nachwirkung oder 
als eine mit der Zeit wachsende Influenz in den die lei- 
tenden Moleküle trennenden nicht vollkommen isolirenden 
Molekülen. Ein Znsammenhang zwischen den beiden Er- 
scheinungen ist nur in soweit vorhanden, dass je voll- 
kommener das Dielektricum, je grösser die Dielektricitäts- 
constante ist, um so geringer die dielektrische Nachwirkung 
sein muss. ^ 

Sollte sich nun aber herausstellen, dass bei alleu Iso- 
latoren die Influenz mit der Zeit ziemlich gleichmässig 

1* 



4 SiUmng der matK^hyB. (JUum wm 3. Mätrs 187t. 

wächst, aber um so schneller, je grösser auch die momen- 
tane Influenz ist, so würde die andere Auffiissimg der Iso- 
latoren, dass sie Ton den Leitern sich nicht qualitativ unter- 
scheiden, dajBs sie nur schlechte Leiter sind, als die rieh- 
tigere erscheinen. 

Ich habe desshalb eine Anzahl von Isolatoren, deren 
DielektricitatscoBstanten nach den vorliegenden Unter- 
suchungen ziemlich verschieden sind, nach dieser Richtung 
hin der Messung unterzogen. 

Methoden der Messung. 

2. 

Die einfachste und direkteste Methode, nach welcher 
die Influenz in einem sogenannten Isolator bestimmen kann, 
ist die, dass man das Potential der im Isolator influenzirten 
Elektricität auf eine leitende Platte bestimmt, und zwar auf 
jene, welche selbst die Influenzwirkung im Isolator hervor- 
ruft. Ist y das Potential der Elektricität in der GoUector- 
platte eines plattenförmigen Ansammlungsapparates, wenn 
der Zwischenraum zwischen den Platten mit Luft gefüllt 
ist, und wird Y^ das Potential, wenn die Lufb durch einen 
andern Isolator ersetzt wird, so folgt lediglich aus der An- 
nahme, dass die Influenz im Isolator dem Potential der in- 
fluenzirenden Elektricität proportional ist 

V , = V (1 -- a). 

Es ist - aN das Potential der im Isolator influenzirten 
Elektricität auf die leitende Platte. Die Grosse a ist somit 
das Mass der Influenz im Isolator, es ist das Potential der 
im Isolator influencirten Elektricität auf die influenzirende 
Platte, wenn dieselbe bis zum Potentialwerth Eins geladen 
ist. Ist der Zwischenraum zwischen den leitenden Platten 
nicht ganz mit dem betre£Penden Isolator ausgefüllt, so geht 
das Potential V^ über in V,, so dass 



j 



Ä. Wüßner: Influenz auf nichtleitende feste Körper. 5 

V,=V(l-a) 
worin a<a. Ist der Abstand der leitenden Platten von 
den Flächen des Isolators nicht zu gross, nicht grösser als 
dass. für diesen Abstand noch die Theorie des platten- 
formigen Ansammlungsapparates in der einfachen Form an- 
gewandt werden kann, dass man also die Abstände der 
Fachen als hinreichend klein gegen den Durchmesser der 
Platten ansehen darf, so kann man setzen 

wenn d der Abstand der leitenden Platten und d^ die Dicke 
des Isolators ist. Dieser Gleichung liegt nnr die Annahme 
zu Grnnde, dass die im Isolator durch Influenz geschiedenen 
Mektricitäien sich auf den beiden den leitenden Flächen 
parallelen Grenzflächen des Isolators befinden. Aber selbst, 
wenn man diese Annahme nicht ohne weiters zugeben will, 
bleibt obige Gleichung bestehen, wenn man a als das Mass 
des elektrischen Zustandes der Grenzflächen des Isolators 
definirt, welcher nach aussen, resp. auf die influenzirende 
Pktte genau so wirkt, wie die im Isolator durch Yertheilüng 
wirklich geschiedene Elektricität. Man wird daher stets, 
wenn d — d^ nur hinreichend klein ist, aus einem beob- 
achteten Werthe a den Werth von a aus der Gleichung 

i 

et = a-»- 

berechnen kennen. Es genügt somit die Grosse a bei v^- 
schiedener Dauer der Influenz zu beobachten. 

Die hierdurch gegebene Methode zur Bestimmung der 
Influenz in Nichtleitern habe ich in zwei rerschiedenen 
Formen angewandt. Die eine derselben stimmt im wesent- 
lifdien übwein mit deirjenigen, nach welcher ich die Influenz 
in Flüssigkeiten gemessen habe. Das Potential einer elek- 
trisirfcen, als GoUectorplatte dienenfden, mit dem Sinus- 
elekfarometer verbundenen Platte wurde gemessen, wenn 






6 Sitiung der matK-phys. Cktsse vom 3. Märe 1877, 

zwischen den Platten des Ansammlungsapparates Luft war, 
und wenn die Luft zum Theil durch eine isolirende Platte 
ersetzt war. Die Gondensatorplatte des Ansammlungs- 
apparates lag auf dem Glasring des in meiner Mittheilung 
über die Lifluenz auf Flüssigkeiten erwähnten ganz aus 
Glas hergestellten Gefösses. Mit EUlfe von Stellschrauben, 
die in der Bodenplatte des Gefösses angebracht waren, 
konnte diese, durch einen Draht mit den Gasleitungen des 
Laboratoriums leitend verbundene Platte genau horizontal 
gestellt werden. Auf diese Platte wurden die verschiedenen 
isolirenden Platten gelegt, welche möglichst genau plan- 
parallel hergestellt waren, so dass also auch die obere F^.che 
des Isolators m5gliclist genau horizontal war. üeber der 
Gondensatorplatte resp. der isolirenden Platte schwebte, an 
dem ebenfalls in der erwähnten Mittheilung beschriebenen 
Gelagen befestigt, die CoUectorplatte, welche durch einen 
äusserst feinen, etwa 0,05 Mm. dicken Golddraht mit dem 
Sinuselektrometer verbunden war. Die Platte konnte an 
dem Galgen auf und niedergelassen werden; in ihrer höchsten 
Stellung war sie von der abgeleiteten Platte resp. der obem 
Fläche des Isolators etwa 12 Gentim. entfernt. Ihre tiefste 
Lage war durch eine feine an dem Galgen befestigte 
Schraube, in welche die Tragschnüre eingehakt wurden, 
verstellbar, und sie konnte so in einem genau bestimmbaren 
Abstände über der Gondensatorplatte. oder der obern Fläche 
der isolirenden Platte festgestellt werden. Dieser Abstand 
wurde gemessen durch ein Glasgitter, welches in dem Ocu- 
lare eines Mikroskopes angebracht war ; das Mikroscop war 
sn eingestellt, dass der Abstand der Theilstriche des Gitters 
0,059 Mm. bedeutete. Um sich zu überzeugen, dass die 
obere Platte der untern resp. der obern Fläche der iso- 
lirenden Platte parallel war, wurden die entsprechenden 
Abstände in zwei zu einander senkrechten Richtungen ge- 
messen, P^kmit diese Messungen gemacht werden konnten, 



A WaUner : Lifluene auf nichtleitende feste Körper, 7 

war bei den meisten Yer^Qchen der Durchmesser der iso- 
lirenden Platten genau gleich demjenigen der leitenden 
Platten gemacht, nämlich 11,5 Centim. 

Es wurde nun die obere in ihrer höchsten Lage schwe- 
bende Platte mit Elektricität geladen und das Potential 
einige Zeit am Elektrometer verfolgt, um so den Ele!^- 
citatsyerlust kennen zu lernen und das Potential im Mo- 
mente des Herablassens über den Isolator bestimmen zu 
können. Nach dem Herablassen der Platte wurde dann so 
rasch wie möglich, meistens schon nach 20 Secunden wieder 
das Potential am Sinuselektrometer beobachtet, und dann 
der Gktng desselben in bestimmten Intervallen beobachtet. 
Nach hinreichender Zeit wurde dann die Platte wieder 
emporgezogen und das Potential der freischwebenden Platte 
gemessen. Diese letzte Beobachtung hatte hauptsächlich 
den Zweck den Elektricitätsverlust während der Dauer des> 
Versuches in Rechnung zu ziehen, wie ich das in meiner 
Mijdiheilung über den elektrischen Rückstand auseinander- 
gesetzt habe'). Indem man die allerdings nur annähernd 
richtige Voraussetzung macht, dass der Verlust in gleichen 
Zeiten dem in der betreffenden Zeit vorhandenen Potential 
proportional ist, lässt sich aus der unmittelbar vor- dem 
Niederlassen der Platte und nach dem AuJEdehen derselben 
gemachten Beobachtung das Potential der Platte f&r jeden 
zwischen diesen Beobachtungen liegenden Zeitpunkt berechnen. 

Die Beobachtung wurde dann damit geschlossen, dass 
nach Fortnahme der isolirenden Platte die elektrische Platte 
wieder in die frühere Lage herabgelassen und so das Po- 
tential derselben gemessen wurde, wenn zwischen den beiden 
Platten des Gondensators Luft vorhanden war. 



2) Poggend. Ann. Bd. CLIII. p. 2^. 



8 Sitzung der maiih.'phys. Cla8$e vom 3. März 18T7. 

3. 

Die so gemessenen Potentiale, wenn zwischen den 
Platten des Condensators der Isolator eingeschoben, tind 
wenn der Ranm zwischen denselben mit Luft gefallt ist, 
lassen nicht anmittelbar die Grosse a wie sie ob^i definirt 
ist, ableiten. Es würde das nor dann der Fall sein, wenn 
die im Elektrometer, welches mit der Platte leitend ver* 
banden ist, vorhandene Elektrioitatsmenge gegen die in der 
Platte vorhandene verschwindend klein wäre. Ist das nicht 
der Fall, so fiiesst aas dem Elektrometer Elektricitat in die 
Platte hinüber, sobald in der GoUectorplatte das Potential 
vermindert wird and um so mehr, je mehr das Potential 
vermindert wird, da in leitend verbandenen Körpern das 
Potential überall denselben Werth haben muss. Da nnn 
der Einfluss des Isolators aaf die GoUectorplatte eine Yer- 
minderong des Potentials in derselben bewirkt, so flieset ans 
dem Elektrometer eine grossere Menge von Elektricitat in 
dieselbe, wenn sich der Isolator zwischen den Platten be- 
findet, als wenn der Zwischenraom mit Lnft gefallt ist Es 
entspricht also das bei Zwischenlegang des Isolators ge- 
messttde Potential der GoUectivplatte einer grossem- in der- 
selben vorhandenen Elektricitatsmenge als jenfis welches 
gemesaea wird, w^on der Zwischenraom gefüllt iek. 

Es hat indess keine Schwierigkeit aaf Grand be- 
kannter Sätze die Grosse a aas diesen Beobachtangen 
abznleiten, wenn man weiss, wie sich bei freischwebender 
GoUectorplatte eine elektrische Ladang zwischen dieser and 
dem Elektrometer theilt, welches also das Yerhältniss 
zwischen den Gapacitäten der Platte and des Elektrometers 
ist, wenn man in bekannter Weise als Gapacität eines 
elektrischen Systems jene Elektricitatsmenge bezeichnet, 
welche dasselbe enthalt, wenn es bis zam Potentialwerthe 
Eins geladen ist. 



A, WüUner: Influenz auf nichtleitende feste Körper. 9 

4. 

Das Yerhältniss zwischen den Gapacitäten der CoUector- 
platte und des Elektrometers erhält man direkt, wenn man 
zunächst das Elektrometer isolirt ladet, das Potential der 
Ladung beobachtet, dann dasselbe durch einen feinen Draht 
mit der CoUectorplatte in Verbindung setzt und wieder das 
Potential misst, nachdem die dem Elektrometer ertheilte 
Ladung sich zwischen diesem und der Platte getheilt hat. 
Bezeichnet man die Gapacität des Elektrometers mit E, so 
ist die einem beobachteten Potential V entsprechende in 
demselben enthaltene Elektricitätsnenge Q 

Q = E . V. 

Verbindet man dann das Elektrometer durch einen 
feinen Draht mit der Platte, so theilt sich die Elektricität 
zwischen Platte und Elektrometer, Toräusgesetzt, dass wir 
einen Draht von solcher Feinheit wählen, dass wir die auf diesen 
übergehende Elektricität als yerschwindend klein ansehen 
können. Beobachtet man dann im Elektrometer des Potential 
V^ , so wird, wenn man die Capacität der Platte mit P bezeichnet, 

Q = (E + P)V, 
somit 

E "" Vi ^' 

Zur Bestimmung dieses Verhältnisses wurde in der an- 
g^ebenen Weise yerfahren. Der äusserst feine Verbindungs- 
draht zwischen Elektrometer und CoUectorplatte wurde an 
ein feines Schellakstiftchen gekittet und yom Elektrometer 
losgenommen und dann das Elektrometer geladen. Nach- 
dem der Rand der Nadel im Sinuselektrometer beobachtet 
war, wurde dann der Verbindungsdraht in das Elektrometer 
eingehängt, und wieder der Stand der Nadel beobachtet. 
Dasb durch das Schellackstäbchen hdne Ableitung der Elek- 
tricität eintrat, dayon überzeugte man sich dadurch, dass 



10 



Sitnmg der math.-phys. Clasae vom 3, März 1877, 



eine Berührung desselben mit der Hand, nachdem der Ver* 
bindungsdraht mit dem Elektrometer verbunden war, den 
Stand der Nadel im Elektrometer nicht veränderte. Zwei 
Beobachtungen ergaben folgende Werthe 



V> log sin 9p 

0,96072 — 
0,95971 — 
0,95869 — 
0,95768 — 
0,77484 — 
0,77484 — 



Zeit. 


Ablenknng 

<(> der 

'adel 


0' 


56 24' 


0' 20" 


56^ 10' 


0' 40" 


55» 46' 


1' — 





2' — 


200 46' 


3'- 


20« 45' 



= log Y (Moment der Berühnrng) 

= log V, 



Y ^ 0,523 



0' 


19» 44' 


0' 30" 


19» 44' 


1' 


19» 44' 


1' 30" 




2' 


8» 24' 


3' 


8» 24' 



0,76423 
0,76423 • 
0,76423 
0,76423 

0,58230 

jP 

E 



1 
1 
1 
1 = log y (Moment der Berührung) 

1 = log V, 
: 0,529 



Zwei andere in derselben Weise durchgeführte Versuche 

ergaben 

P P 



E^ = 0.512 



g- = 0,516 
P ,- 



Der 80 bestimmte Werth von -^ lasst sich durch andere 

Versuche leicht controliren. Lässt man die Collectorplatte 
bis auf eine bestimmte Entfemui^ Ton der Gondensator- 



Ä, Wüilner: Influenz auf nichtleitende feste Körper. 1 1 

platte hinab, so wäclist ihre Capacität, da durch die in der 
abgeleiteten Platte inflnenzirte Elektricität bei gleicher La- 
dung der CoUectorplatte das Potential in derselben Weise 
vermindert wird. Verfahrt man nun bei herabgelassener 
GoUectorplat^ gerade so wie vorher bei frei schwebender, 
so erhält man zunächst das Yerhältniss zwischen der Capa- 
cität der über der Gondensatorplatte schwebenden CoUector- 
platte P^ und derjenigen E des Elektrometers 

P V 

1 -4- — ^ =— • 
^ ^ E Vi ' 

Bestimmt man dann zweitens das Potential V^ der 
Platte, nachdem sie aufgezogen ist, also frei schwebt, für 
dieselbe Ladung, bei welcher sie in der eben genommenen 
Entfernung über der Condensatorplatte das Potential V^ 
hatte, so erhalten wir für die in dem Systeme bei diesen 
beiden Beobachtungen vorhandene Elektricitätsmenge die 
beiden Gleichungen 

Q=(E + P,).V, 

Q = (E + P).V' 



und daraus 



.+'■ 



E _ V, 



oder 



P V 

14-^ 
^ E 

P V V 

1 + 4- = — 



E V V, 
So ergab sich, als die CoUectorplatte in einem Abstände 



mm. 



von 13,12 über der Gondensatorplatte schwebte, bei drei 
Versuchen 

1 +^ = Y" = 1^992 ; 1,986 ; 1,991. 

Mittel 1,9897 



12 Siigumg der math.'phifs, Claase vom 3. Märg 1877, 

Das Yerhaltniss zwischen dem Potential der herab- 
gelassenen und der frei schwebenden Platte ergaben zwei 
Versuqhe 

^= 0,7644 ; 0,7618 
Mittel 0,7628 



und daraus 



1+^=1,518 



Als Mittel aus diesen and andern Versuchen ergab sich 
schliesslich 

1 + ^ = 1,513 



5. 

Wie man nun mit Hülfe des so bestimmten Werthes 

p 

Yon -=- aus den oben angegebenen Versuchen den Werth 

von a ableiten kann, ergibt sich unmittelbar. Die Beobach- 
tungen ergeben erstens das Verhältniss zwischen den 
Werthen des Potentials, wenn die Gollectorplatte in einem 
bestimmten Abstände über der Gondensatorplatte schwebt, 
während der Zwischenraum mit Laft gefüllt ist, V^, und 
wenn die Platte frei schwebt, V. Daraus erhält man 
wie oben 

E + P ~V, ~ 

also fftr die Oapacitat P^ 

P' P 

Die Beobachtungen ergeben zweitens das Verhältniss 
zwischen dem Potential V^ der l^tte, wenn sie in der- 



J 



r- 



I 



A, WaUner: Influenz auf nkhÜeiteTide feste Körper. 13 

selben Entfern nng über der CoUectorplatte schwebt, aber der 
Isolator dazwischen geschoben ist, nnd dann der frei schwe- 
benden Platte V. Nennen wir die Gapacitat der über dem 
Isolator schwebennen Platte P,, so erhalten wir 

A±A_Z_R 

§-=B(l+|)-l 

Da nnn die Zwischenlagerung des Isolators das Poten- 
tial der von der Verbindung mit dem Elektrometer los- 
gelösten CoUectorplatte, auf welche sich die Gapacitäten P 
beziehen, bei gleichet! in derselben vorhandenen Elektricitäts- 
menge nach der Bemerkung des § 2 von 1 auf 1 — a ver- 
mindert, so folgt, dass zur Herstellung des gleichen Poten- 
tials, bei zwischen gelegtem Isolator die der CoUectorplatte 
zu gebende Elektricitätsmenge im Verhältniss von 1:1 — a 
vergrössert werden muss, oder mit andern Worten, die Ca- 
padtat der Platte P^ ist gegeben durch 

p =-?^. 

* 1 - a 
Darch diese Bestimmung Ton P, ergibt sich dann 

1 B(l + |)-1 



1 — ft P 

A(l+^)-l 



^ Setzen wir nun 



i + ¥ 



E 



= D 



so ergibt sich 



1 _ A-D 

1 *-B-0 



14 SitMung der matK-phys, ölasse vom 3. März 187t. 

and schliesslich 

B-A 
*" "" B - D 

oder nach der oben gemachten Bestimmung von D fflr die 
vorliegenden Versuche 

B — A 



a ^ 



B — 0,6605 



6. 

Die in den vorigen §§ beschriebene Methode misst die Aen- 
derung, welche das Potential einer über dem Isolator schwe- 
benden leitenden Platte bei nahezu gleicher Elektriciiätsmenge 
mit wachsender Zeit erfahrt, indem man die der verschiedenen 
Dauer der Einwirkung entsprechenden Werthe von B misst. 
Die Methode hat in ihrer experimentellen Durchführung 
zwei üebelstände, welche den fOr die Influenzirung des Iso- 
lators gefundenen Werthen einigen Eintrag thut. Da mir 
zur Messung des zeitlichen Verlaufs der Potentiale kein an- 
derer Messapparat als das Sinuselektrometer zu Gebote 
stand, und da die Art der Versuche bei jeder Reihe die 
Verwendung nur einer Nadel gestattete, so musste der Col- 
lectorplatte bei dem Beginne der Versuche eine ziemlich 
starke Ladung gegeben werden, weil sonst nach herab- 
gelassener Platte die Ablenkungen der Nadel zu klein, somit 
die Beobachtungen zu unsicher geworden wären. Dabei 
zeigte sich dann, dass in der Regel etwas Elektricität auf 
die Glasstäbchea überging, an denen die CoUectorplatte 
schwebt. Diese Elektricität kehrte dann auf die CoUector- 
platte zurück, wenn dieselbe herabgelassen und durch die 
Condensatorplatte und die Wirkung des Isolators das Po- 
tential in der Platte vermindert wurde. Dieses Zarück- 
fliessen von Elektricität gab sich, besonders dann, wenn bei 



A. Waüner: Influenz auf nichUeitende feste Aörp^. 15 



dem Herablassen eine starke Yerminderang des Potentials 
eintrat, dadurch zu erkennen, dass trotz der mit der Zeit 
wachsenden Influenz im Isolator das Potential auf der Col- 
lectorplatte in den ersten Minuten nur wenig oder gar nicht 
abnahm, zuweilen sogar nach der ersten, 20 bis 30 Secunden 
nach dem Niederlassen erfolgten Beobachtung in geringem 
Grade wieder zunahm. Es folgt daraus, dass in den ersten 
Minuten das Potential der herabgelassenen Platte gegenüber 
dem vorher an der freischwebenden Platte beobachteten 
resp. mit Berücksichtigung des Elektricitätsverlustes aus 
demselben berechneten etwas zu gross ist. Damit wird der 
Werth von B und mit diesem, weil A stets grosser als D 
ist, der berechnete Werth von a etwas zu klein. 

Der zweite Umstand, der den Gang der Influenz im 
Isolator etwas unsicher macht, ist die Bestimmung des 
Elektricitätsverlustes von der Collectorplatte während der 
Dauer des Versuches. Wie vorhin erwähnt wurde, wird 
dazu die Ladung der Platte beim Beginn und am Schlüsse des 
Versuches beobachtet. Letztere 'Beobachtung gibt gegen- 
über der erstem den ganzen während der Dauer des Ver- 
suches stattfindenden Verlust an. X3m nun die Ladung der 
Platte für die zwischenliegenden Zeiten zu berechnen, wurde 
die Annahme gemacht, dass der Verlust in gleichen Zeiten 
immer der gleiche Bruchtheil der im B^nne der Zeiten 
vorhandenen Ladung sei, dass also, wenn man den Verlust 
als Folge der Zerstreuung ansehen würde, der Zerstreuungs- 
coefficient während der Versuchsdauer constant sei. Diese 
Annahme kann nur angenähert richtig sein, da der Verlust 
keineswegs mit einer solcten ßegelmässigkeit erfolgt, eben 
deshalb können die beobachteten Werthe den Gang der 
Influenz im Isolator nur im grossen und ganzen darl^en. 

Schliesslich kann man nach dieser Methode eben wegen 
des Elektricitätsverlustes die Influenz nicht beliebig lange 
verfolgen, da die zu messenden Winkel schliesslich zu klein 



16 Sitmmg der fnaih.»fhys. CIobu ioom S, Mär» 187T. 

und damit bei dar mit dem Sinnselektrometer zu erreichenden 

Gexiauigkeit, die Messungen zn ungenau werden. 

» 

7.- 

Den ersten und letzten üebelstand habe ich dadurch zu 
heben versucht, dass ich noch eine zweite Methode zur 
Messung der Grosse a angewandt habe, bei welcher die 
Platte stets bis zu demselben Potential geladen würde, 
wenn sie über der Gondensatorplatte schwebte, sei es mit, 
sei es ohne Zwischenschaltung des Isolators. 

Als Elektricitatsquelle wurde zu dem Zwecke eine 
Batterie Ton 12 Meidinger^schen Elementen angewandt, 
deren einer Pol zur Ejde abgeleitet war, und dann die 
Elektricitätsmenge gemessen, welche die GoUectorplatte auf- 
nahm, einmal wenn zwischen ihr und der Gondensatorplatte 
sich Luft befand, dann wenn zwischen beiden Plätten der 
Isolator lag. 

Als Messapparat wurde ein Eohlrausch'sches Torsions- 
elektrometer von grosser Empfindlichkeit angewandt, und 
die Ladung stets so gemessen, dass man durch Torsion des 
Glasfadens der Nadel des Elektrometers die Ablenkung von 
10^ ertheilte. Ich zog diese Beobachtungsweise der Be- 
nutzung einer für das Elektrometer entworfenen Tabelle vor, 
welche aus den Beobachtungen der durch die Ladungen be- 
wirkten Ablenkungen der Nadel, wenn man den Faden in 
der Torsionslage Null stehen lässt, die Ladungen bestimmt, 
weil diese direkte Beobachtung besonders bei grossem La- 
dungen jedenfalls genauer ist. Zur Durchführung der Ver- 
suche waren auf einem Fussbrette von trocknem Holze vier 
Schellacksäulchen jedes etwa 6 Gentim. hoch an den vier 
Ecken eines Quadrates aufgestellt. Die Säulchen trugen 
eiserne Näpfchen, welche zur Hälfte mit Quecksilber gefüllt 
waren. In .das Quecksilber tauchten gut amalgamirte 
Kupferdrähte, welche die Quecksilbemäpfchen mit den ein- 



r 



A. WiiUner: Influenz auf niehüeitende feste Körper. 17 

zelnen^Theflen der Apparate in Yerbindang setzten. So stand 
das eine der Näpfchen durch einen Draht in Verbindung 
nut dem einen Pole der Batterie; der Draht war ausser in 
dem Näpfchen und an dem Batteriepole noch ah dnem 
Punkte durch ein Schellackstäbchen gestützt, sonst berührte 
er nirgend einen andern Körper, er war also gut isolirt. 
Das diesem Näpfchen diagonal gegenüberstehende war in 
ganz gleicher Weise ein für allemal fest mit dem Zuleitungs- 
drahte des El^trometers verbunden. In das dritte Napfchen 
war ein ziemlich dicker Enpferhaken eingesetzt und an 
diesen war der zur GoUectorplatte führende im übrigen frei 
in der Luft schwebende feine Golddraht angel&thet. Von 
dem vierten Näpfchen war ebenso wie von dem zweiten 
Pole der Batterie ein Draht zu den Gasleitungen des Labo- 
ratoriums geführt. Die Verbindung zwischen den Näpfchen 
wurde durch Eupferhaken vermittelt, welche an Schellack- 
stäbchen befestigt waren, und welche theils die Länge der 
Quadratseiten theils die Länge der Diagonalen hatten. Be- 
zeichnen vnr die Näpfchen mit 1, 2, 3, 4, so dass 1 mit 
der Batterie, 2 mit der GoUectorplatte, 3 mit dem Elektro^ 
meter, 4 mit der Erde in leitender Verbindung steht. 

Die Näpfchen 2 und 3 waren bei den Versuchen, welche 
zur Messung der Gr5sse a dienten, stets durch einen und 
denselben Eupferhaken verbunden; dieselben hätteYi soweit 
durch ein Näpfchen ersetzt werden können, welches einer- 
seits mit dem Elektrometer andrerseits mit der GoUector- 
platte verbunden gewesen wäre; die Anwendung zweier 
Näpfchen war indessen zur Bestimmung des Verhältnisses 
zwischen den Gapacitäten der GoUectorplatte und des Elektro- 
meter^ bequemer. 

Zur Bestimmung der Influenz in dem Isolator warde 

nun zunächst die GoUectorplatte bis zu einer gewissen 

genau bestimmten Entfernung von der abgeleiteten Gon- 

densatorplatte herabgelassen und dann durch einen Eupfer- 

[1877. 1. Math.-phys. Cl] 2 



18 iSttPNfi^ i«r vmAK-^%. CHasH vom 3. Märi 1877. 

haken das N&pfchen 1 mit 3 verbanden. Dadnrcli wurde 
das Elektrometer sowohl als die CoUeetorplatte bis zu dem 
Potentialwerthe des Batteriepoles geladen. Es wurde die 
Ladung resp. das Potential derselben im Elektrometer ge- 
messen, dabei aber während der Messung die Verbindung 
der CoUeetorplatte mit dem Batteriepole fortdauern ge- 
lassen, damit nicht durch etwaigen Elektricitats verlost 
während der Zeit, welche die Messung in Anspruch nabm, 
die Ladung der Platte kleiner wurdö. Die Messung wurde, 
wie oben erwähnt, so ausgeführt, dass der Glasfaden des 
Elektrometers so weit tordirt wurde, bis die Nadisl mit dem 
Bügel einen Winkel von 10^ bildete. 

Nach der Messung wurde der Bügel des Elektrometers 
wieder mit der Nadel zur Berührung gebracht, dann die 
Verbindung der CoUeetorplatte mit der Batterie aufgehoben, 
die CoUeetorplatte aufgezogen und nun im Elektrometer 
das Potential der firei schwebenden Platte gemessen. 

Um sich zu überzeugen, dass die Ladung der CoUeetor- 
platte, wenn zwischen ihr und der Condensatorplatte nur 
Luft war, durch eine länger dauernde Verbindung mit dem' 
Batteriepole nicht grosser wurde, Hess man dann die lei- 
tende Verbindung zwischen CoUeetorplatte und Batteriepol 
nur 1 Secunde dauern, und mass sofort nach dem Empor- 
ziehen das Potential der frei schwebenden Platte. Es liess 
sich bei allen in der Weise durchgeführten Versuchen nie-^ 
mals eine Zunahme der Ladung der Platte durch länger 
dauernde Verbindung erkennen. . Es wurde dann , nachdem 
sämmtUche Apparate entladen waren, die isolirende Platte 
zwischen die Condensatorplatte und die CoUeetorplatte ge- 
legt, während der Abstand der beiden Platten genau der 
frühere war. Dann wurde die CoUeetorplatte und das 
Elektrometer eine genau bestimmte Zeit mit dem Batterie- 
pole in Verbindung gebracht, nach Unterbrechung der Ver- 



/ 



Ä, WvUner: Influenz auf nichtleitende feste Körper. 19 

bindung die CoUectorplatte aufgezogen, und sofort die von 
ihr anfgenommene Ladimg im Elektrometer gemessen. 

Die beiden Yersache geben in genau derselben Weise 
wie die nach der ersten Methode berechnet, vorausgesetzt, 
dass man das Verhältniss zwischen den Gapacitäten der frei 
schwebenden Platte und des Elektrometei^ mit den zu dem- 
selben fuhrenden Leitungen kennt, die Influenz des Iso- 
lators resp. die Grösse a, welche der Dauer der Verbindung 
zwischen CoUectorplatte und Batteriepol entspricht. Denn 
nennen wir das Potential des Batteriepols Y, das der auf- 
gezogenen Platte, nachdem sie ohne Zwischenschaltung des 
Isolators geladen war, Y^, das nach Zwischenschaltung des 
Isolators Y^, behalten im übrigen ganz die vorher gewählte 
Bezeichnung bei, nur das jetzt E die C^pacität des Elek- 
trometers mit der zur CoUectorplatte führenden Leitung 
bedeutet, so erhalten wir für die bei dem ersten Yersuche 
in die CoUectorplatte übergeflossene Elektricitätsmenge 

Q = (E + P,)V 

Q = (E + P)V, • 
somit 



E 



= ^0+i)=-0+T)-l 



Für die bei dem zweiten Yersuche in die CoUectorplatte 
übergeflossene Elektricitätsmenge wird 



vJi-V'' ' 1-a;^ 




Q, =(E + PJV, 




P> *=^*Cl+ P)-Bfl4- ^^- 


B 


(l-a)E V V ' ¥.)-^V 1 EJ- 


D 


Somit wie früher 

B-A 

Q 





B-D 



20 Sitsung der maifi.'phys, ClaB»e wm 3, März 1877. 

8. 

Es bedarf demnach zur Berechnung von a nur mehr 
der Bestimmung von D; zur Ausführung derselben wurde 
zunächst das Elektrometer mit einer ziemlich starken Lan- 
dung versehen, indem man die GoUeetorpIatte bei kleinem 
Abstände von der Gondensatorplatte lud, und dann dnroh 
Au&iehen der Platte die Ladung in das Elektrometer über* 
fährte. Dann wurde die Verbindung der Näpfchen 2 und 
3 unterbrochen ond die GoUeetorpIatte mit der zu ihr 
föhrenden Leitung bis zum Näpfchen 3 entladen. Nachdem 
dann die Ladung des Elektrometers und des ein f£br allemal 
mit demselben fest verbundenen Theiles der Leitung ge«- 
messen war, wurde die Verbindung zwischen den Näpfchen 
2 und 3 hergestellt und nun die zurückgebliebene La^ 
düng gemessen. Dieser Versuch liefert das Verhältniss 
zwischen den Gapacitäten des Elektrometers mit dem an 
demselben unveränderlich festen Leiterstücks und der 
GoUeetorpIatte in Verbindung mit der Leitung bis zum 
Näpfchen 3. Bezeichnen wir mit P die Gapacität der Platte, 
mit L diejenige der Leitung zwischen Platte und dem 
Näpfchen 3, mit E^ die des Elektrometers und des an ihm 
festen Leitertheik, so geben die beiden Versuche für die 
ipi Elektrometer und in der an demselben festen Leitung 
bei der ersten Messung vorhandene Elektricitätsmenge Q 

Q = E, V 
Q=:(E,+P4-L)V, 

^ + T-="v7-P 

Zur B^timmung der Q^pacität L der Leitung, welche 
aus dem die Näpfchen 2 und 3 verbindenden Eupferdraht, 
dem Näpfchen 2 und der von diesem %vly GoUeetorpIatte 
führenden Verbindung bestand, wurde die Leitung von der 
GoUeetorpIatte losgenommen, und dann eine dem Elektro- 



Ä, 'Wailneri Influeng auf nichtleitende feste Körper. 21 

meter' ertheilte Ladimg zwischen' diesem and der Leitung 
getheilt. Man erhielt so 

Die in die Gleichung zur Berechnung von a eingehende 
Grosse E ist die Summe der Gapacitaten des Elektrometers 
und der die GoUectorplatte mit dein Elektrometer yerbin- 
denden Leitung, welche bei allen Lagen der GoUectorplatte 
constant gesetzt werden kann, da die Platte mit denjenigen 
Theilen der Leitung, welche eine merkliche Gapacitat be- 
sitzen, durch deo feinen Golddraht Terbunden war. Die 
beobachteten Werthe yon p und q geben unmittelbar 

L -j- Ej E q 

Bei den Messungen zur Bestimmung von p und q 
wurde, um den Elektricitätsverlust, der etwa in der Leitung 
vom Näpfchen und zum Elektrometer w&hrend der Messung 
stattfand, in. Rechnung zu ziehen, die Messung der Ladung 
des Elektrometers in bestimmten Zeiträumen mehrfach 
wiederholt, indem nach finer durchgeführten Messung der 
Bügel wieder zur Nadel des Elektrometers gehoben wurde. 
Dann wurde in einem bestimmten Momente das Elektro- 
meter mit der J^itung verbunden und gleichzeitig der Bügel 
mit der Nadel zur Berührung gebracht. Wie nothwendig dieses 
Verfahren war, trotzdem die Leitung nur an zwei Punkten leicht 
an Schellacksäulchen gekittet, im übrigen durch die Luft ge- 
führt war, zeigt z. B. folgender Versuch zur Bestimmung yon p« 

TowionTdes Potentialwerth 
EUktrm.-PadenB log V = log y ^ ^ 

0' 612« 0,89337 

3' 586^ 0,88398 0,00942 

6' 561 • 0,87448 0,00947 

9' 161^ 0,60341 Moment der Yerbindang 



Zdt 



22 SitMung der UMth.'phys. Glosse vom i. Mär» 1877. 

lagp = 0,86503 — 0,60341 = 0,26162 = log 1,826. 

Wäre .der 'Yerlnst nicht in Rechnung gezogen, so 
würde man aus diesem Yersache p =^ 1,867 erhalten haben. 

In dieser Weise durchgeführt ergaben 9 Versuche für 
p die Werthe 

1,878 ; 1,879 ; 1,826 ; 1,863 ; 1,839; 

1,856 ; 1,861 ; 1,852 ; 1,879 

Mittel p = 1,8592 

Für q ergaben 5 Versuche 

1,467 ; 1,416 ; 1,425 ; 1,467 ; 1,449 

Mittel 9 = 1,446 

Hieraus ergibt sich 

1 + 1^ = 1,286 

D = -T^ = 0,7775 
1,286 

und schliesslich 

B — A 



a = 



B — 0,7775 



9. 

Dass nach der in den beiden letzten §§ beschriebenen 
Methode der erste und der letzte der vorhin erwähnten 
üebelstände gehoben sind, erkennt man unmittelbar. Was 
zunächst den letzten Uebelstand, der zu starken Abnahme 
des zu messenden Potentials angeht, so findet hier während 
des ganzen Versuches keine Abnahme statt, da die mit dem 
Batteriepole in fester Verbindung stehende CoUectorplatte 
auf constantem Potential gehalten wird. Aber ebenso kann 
auch nach Aufheben der Verbindung der CoUectorplatte 
mit der Batterie keine El^tneität mehr auf die Gollector- 



A. Wüüner: Influenz auf nicMeitende feste Körper. 23 

platte hinfliesseii, selbst wenn die Glasstäbclien während der 
Ladung etwas Elektricität angenommen hätten, da das 
Potential auf der Platte jedenfalls grösser ist als auf den 
Qlasstäbchen. Trotz des letztem ümstandes ist aber doch 
kein Abfliessen der Elektricität auf die Glasstäbchen, also 
eine Verminderung des Potentials auf der Platte nach dem 
Aufziehen, ein umstand, der gerade den Fehler auch hier 
veranlassen würde, der vermieden werden soll, zu befürchten. 
Denn einmal ist die Ladung g^enüber der bei dem Sinus- 
elektrometer anzuwenden äusserst klein, und weiter nimmt 
das Aufziehen der CoUectorplatte und das Ueberflihren der 
Ladung in das Elektrometer nur einen Bruchtheil einer 
Seeunde in Anspruch, so dass selbst bei noch stärkerer 
Ladung ein messbares Abfliessen auf die isolirenden Stäb- 
chen nicht stattfinden kann. Der auf diese Weise bestimmte 
Werth des Quotienten B gibt deshalb in der That genau 
den Werth des Quotienten der Potentiale, welche in der 
CoUectorplatte vorhanden sind, wenn sie frei und wenn sie 
bei gleicher Ladung über dem Isolator auf der Condensator- 
platte schwebt, so genau wie ihn diese Messungen über- 
haupt zu liefern im Stande sind. 

Demnach könnte es auf den ersten Blick scheinen, dass 
auf diesem Wege auch der zweite der erwähnten üebel- 
stände gehoben werden konnte, dass man den Verlauf der 
Influenz im Isolator in ihrer Abhängigkeit von der Zeit 
mit aller Sicherheit dadurch erhalten könnte, dass man die 
Verbindung der über dem Isolator schwebenden CoUector- 
platte mit der Batterie bei den einzelnen Versuchen erst 
eine, dann bei einem folgenden Versuche zwei Minuten u. s. f. 
dauern liesse. Es ergab sich indess bald, dass das nicht 
möglich ist, indem nach Ausweis der später mitzutheilenden 
Zahlen der Gang der Influenz in den Isolatoren zu ver- 
schiedenen Zeiten sehr verschieden sein kann. Gs zeigt 



24 SiUung der matK-phya. Cltaae wm B^'M4m iW7. ^ 

sich| dass die durch eine gleiche Daner der Einwirkaiig 
hervorgebrachte Influenz in verschiedenen Zeiten sehr ver- 
schieden sein kann. Eine genauere Bestimmung desöanges 
der Influenz als durch die Beobachtungen mit dem Sinus- 
elektrometer war mir deshalb nichi mSglich. 

10. 

Die ftr die Werthe von a erreichbare Genauigkeit ist 

hauptsächlich durch die Genauigkeit bestimmt, welche man 

bei der Messung von B erreicht, da man den Werth von 

A in jedem Falle, ebenso wie den von D ak Mittel aus 

mehreren Messungen nehmen kann, während B jedesmal aus 

einem Versuche abzuleiten ist. Die in den firfihem §§ mit* 

getheilten zur Bestimmung von D ausgeführten Messungen, 

welche gerade wie diejenigen ausgeführt werden, die das 

einzelne B liefern, Messungen zweier Potentialwerthe, deren 

Quotient B ist, zeigen nun Schwankungen von 3— :4 Procent. 

Diese Schwankungen rühren besonders bei der zweiten 

Methode hauptsächlich daher, dass trotz der schon menrfach 

hervorgehobenen sorgfaltigen Isolation der Leitung, welche 

die GoUectorplatte mit dem Elektrometer verUndet, ein zu 

verschiedenen Zeiten verschiedener Verlust an Elektricität 

stattfindet, selbst in der kurzen Zeit, während weli^er die 

üeberführung der Elektricität aus der GoUectorplatte in das 

Elektrometer stattfindet. Man wird deshalb in den Werthen 

von B eine Ungenauigkeit von 2 Procent annehmen müssen. 

Der Fehler, welcher dadurch in a entsteht, hängt nach d^ 

Form der Gleichung ab von dem Werthe von B, und zwar 

wird er um so kleiner je grösser B ist, damit also auch bei 

gleicher isolirender Substanz, je näher die Platten des 

Gondensators sind oder je dünnere Platten man untersucht. 

Indess ernennt man aus der Gleichung für a auch, dass die 

Unrichtigkeit in a. immer ein kleinerer Bruchtheil von a ist 



A, Müller: Influehe auf nicktleüende feste Körper. 25 

als die Ungenauigkeit in B, auch wenn man dickere Platten 
benutzt. 

Da nun andere Gründe für die Anwendung dickerer 
Platten sprachen, so habe ich zur Bestimmung der Werthe 
von a vorzugsweise Platten von mehr als 3"*" Dicke ange- 
wandt. Bei zu dünnen Platten, also kleinen Abständen der 
leitenden Platten ist nämlich in den Werthen von B eine 
geringere Genauigkeit zu erreichen, da man dann, wenn 
das Potential der frei schwebenden Platte nicht zu gross 
werden soll, bei niedergelassener Platte zu kleine Werthe 
anwenden muss oder bei der ersten Methode erhält, so dass 
eine genaue Messung weder am Sinuselektrometer noch am 
Torbionaelektrometer möglich ist. Da gleich nach dem 
Niederlfussen der Condensatorplatte bei dünneren Platten 
die Ablenkung der Nadel am Sinuselektrometer nur wenige 
(1 — 3) Grade betrug, Hess sich der Gang der mit der Zeit 
waehsenden Influenz an diesen gar nicht mit Sicherheit 
bestimmen. Es konnten deshalb dazu im allgemeinen nur 
die di^^kem Platten benutzt werden. 

In anderer Beziehung ist ein grösserer Abstand der 
Platten sogar für die erreichbare Genauigkeit von Yortheil. 
Wenn nämlich auch der Werth von A als Mittel aus 
mehreren Beobachtungen erhalten wird, und dadurch eine 
gmngere Unsicherheit bietet, so kann in demselben doch 
dadurch eine Ungenauigkeit entstehen, dass er nicht genau 
4em beobachteten Werthe von B entspricht, das heisst, dass 
deir Abstand von CoUector und Condensatorplatte nicht 
g^mau derselbe ist, wenn die isolirende Platte sich zwischen 
denselben befindet, als wenn sie nicht dazwischen liegt. 
Denn so' soi^faltig man auch den gleichen Abstand herzu- 
stellen sucht, ein kleiner Fehler ist bei den Einstellungen 
meht zn vermeiden. Dieser Einstellungsfehler hat nun auf 
Am Werth von A einen um so geringereii Einfluss, je weiter 



26 SiUung der math.-phys, Classe vom 3. Märsf 1877. 

» 

die Platten von einander entfernt sind, da, sobald der Ab- 
stand einigermassen gross geworden ist, das Potential der 
Platte in sehr viel langsamem Yerhältniss sich ändert als 
die Entfernung. Bei gleichem Einstellungsfehler ist also 
die dadurch bedingte üngenauigkeit in A viel kleiner, wenn 
die Abstände der Platten grösser sind. 

11. 

Die untersuchten Substanzen sind Ebonit, Paraffin, 
Schellack, Schwefel und verschiedene auf ihrer Oberfläche 
mit braunem Schellackfirniss überzogene Platten von Spiegel- 
glas. 

Die Ebonitplatten waren von der Qnmmiwaarenfabrik 
vormals Bolle, Elliot und C. in Berlin erhalten, sie waren 
schon planparallele Platten mit ziemlich polirter Oberfläche 
und, wie abgeschnittene Proben zeigten, sehr homogen ge- 
arbeitet. Die Paraffinplatten waren aus einem grössern 
Stücke Paraffins ausgeschnitten und dann durch Schaben 
auf die gewünschte Dicke gebracht; nur eine der dünnem 
Platten war durch erneuertes Schmelzen und Giessen dar- 
gestellt. Die Schellackplatten waren gegossen und dann 
auf der Drehbank bearbeitet. Um einen leichtern und 
homogenem Guss zu erzielen , war dem Schellack etwas 
venetianischer Terpentin zugesetzt worden. Die Glasplatten 
waren aus Spiegelglasplatte herausgeschnitten und dann auf 
ihren Randern abgeschliffen worden, so dass sie wie die 
übrigen Platten kreisförmig wurden und einen dem der 
leitenden Platten möglichst genau gleichen Durchmesser 
erhielten. 

Die zu den Versuchen benutzten drei Schwefelplatten 
waren auf Glasplatten mit Papierrand gegossen und dann 
später durch Schaben bearbeitet, dass ihre Flächen plaii«^ 
parallel wurden. Zwei derselben hatten denselben Dureh-^ 



Ä, Wütlner: Influenz auf nichüeiiende feste Körper. 27 

messer wie die leitenden Platten, die dritte mehr als den 
doppelten Durchmesser. 

Die aaf diese Weise erhaltenen Schwefelplatten waren 
nicht durchweg von gleicher Dichte, sondern besonders die 
beim Guss obere Hälfte der Platte zeigte eine Menge kleiner 
Locher, um wenigstens angenähert zn bestimmen, in wie 
weit der von der Schwefelplatte umschlossenen Raum wirk- 
lich mit Schwefel ausgefüllt war, wurde das Gewicht einer 
der Platten verglichen mit demjenigen, welches sie als ganz 
homogene Schwefelplatte hätten haben müssen. Die Platte 
hatte einen Durchmesser von 11,6 Ctm. und eine Dicke von 
1,034 im Mittel aus einer grossen Zahl mit dem Sphäro- 
meter vorgenommener Messungen, welche im Maximum eine 
Differenz von 0,06 Mm. zeigten. Da das specifische Ge- 
wicht des Schwefels 2,033 ist, so hätte das Gewicht der 
Platte im Falle reeller Homogenität 222,16 Gramm sein 
müssen. Es fand sich statt dessen 211,99 Gramm, so dass 
also etwa 0,05 des Raumes nicht mit Schwefel ausgefüllt war. 

Die Platten der übrigen Substanzen waren ohne der- 
artige Discontinuitäten. 

Die Dicke der Platten mit Ausnahme derjenigen der 
grossen Schwefelplatte wurde mit einem von den Herren 
Hermann und Pfister in Bern construirten Sphärometer 
gemessen, welches ich im 1. Bande meiner Experimental- 
physik p. 21 ff. (3. Aufl.) beschrieben und abgebildet habe^ 
Dasselbe gestattet auch bei Platteii die Dicke an verschie- 
denen Stellen mit der grössten Genauigkeit zu messen, in- 
dem man die Platten auf dem etwa 1 Cent, im Durchmesser 
habenden Tisch verschiebt und durch Auflegen kleiner Ge- 
wichte auf der Seite, wo die Platte den Tusch am wenigsten 
überragt, balancirt«. In dieser Weise würde die Dicke der 
Platten an 12 bis 15 Stellen gemessen und aus den ge- 



28 SiiMung der math.'phys. ClasH vom 3, Mäte 1877. 

messenen Werthen, in denen sich nicht 0,2 Mm. fiberstei- 
gende unterschiede fanden, das Mittel genommen. 



üeber den Einflnss der Dicke des Isolators 
anf den Gang der Influenz in demselben. 

12. 

Eohlrausch hat in seiner Untersuchung über den elek- 
trischen Rückstand in der Leydner Flasche') es als wahr- 
scheinlich hingestellt, dass die Grosse des Bückstandes 
wesentlich von der Dicke des Glases abhängt, und zwar 
derart, dass das dickere Glas den grösseren Bückstand 
heryorbringt. Er fand nämlich, dass von zwei Flaschen, 
deren eine ungefähr die dreifache Glasdicke der: andern 
hatte, die mit dem dickem Glase etwa einen dreimal so 
grossen Bückstand bildete als die dünnere. In der dickeren 
war der Bückstand 0,3052, in der dünnern 0,1180 der ur- 
sprünglichen Ladung. Indess erklärt Eohlrausch selbst den 
Versuch für nicht yollkommen entscheidend, da die beiden 
Flaschen von verschiedenem Glase waren und die Grösse des 
Bückstandes offenbar von der Sorte der Glases sehr wesent«- 
lieh abhängt. 

Herr von Bezcld hat dann später^) eine Anzahl 
Franklin^sch^ Platten untersacht, deren Gläser sämmtlich 
aus einem und demselben Hafen geblasen waren und ge» 
fnnden, dass der Gang der sogenannten disponibeln Ladung 
für die Gläser verschiedener Dicke ein nicht unbeträchüioh 
verschiedener ist. Er findet bei annähernd gleicher anfängt* 
lieber Ladung bei den dünnem Gläsern in gleichen Zeiten 
eine sehr viel stärkere Abnahme des Potentials, welches ea^ 



3) Eohlrausoli. PoggendorfiEs Annalen Band XCI p. 81. 

4) von Bezold. Po^^gendorffs Annalen Band GZXXVII. p. 228. 



A. Wüßner: Influetut auf ni&htleHende fesU Körper. 29 

an einem mit der Franklin'sclieii Platte yerbnndenen Sinus- 
elektrometer beobachtet, als bei den dickerii Gläsern. So 
erhält er for 4 Platten folgende Werthe des Potentials 

Zeit itk Werthe des am Sinuselektrometer beobachteten 
Secnnde Potentials bei einer Glasdicke von 

mm. mm. mm. mm. 





3,76 


3,13 


2,12 


1,65 





9,60 


9,46 


9,26 


8,68 


60 


' 2,74 







1,45 


61 






— 


69 


— 





1,76 


— 


125 


1,92 





1,25 


— 


126 


— 






0,89 


128 


— 


1,79 


— 




205 


1,38 




— 


— 


206 


■ — 


— 


— 


0,44 


207 


— 


1,28 






211 


— 


— . 


0.81 





In der That ist das gleichen Zeiten entsprechende 
Potential ein am so kleinerer Brnchtbeil des anfönglichen, 
je dünner die Platte ist. Es zeigt sich also hier unzweifel- 
haft ein Einflnss der Dicken, indess in enig^engesetztem 
Sinne als es Eohlransch vermuthete, die Rückstandsbildang 
ist nm so grosser, je dünner die Platte ist. 

Ich habe in meinen Yersnchen'^) einen solchen Ein- 
flnss der Dicke nicht constatiren können, da er durch die 
Yerschiedenheit der damals benntzten OFlaser verdeckt wurde. 

Herr yon Betold hat damals in diesen Beobachtungen 
einen Grund gesehen gegen die von Eohlransch vertheidigt^ 
Erklärung der Rückstandsbildung, nach welcher dieselbe 
durch die Influenz im Isolator zu Stande kommt, sich aus- 
zusprechen, indem er darauf hinwies $ dass aus der Gleichung 



5) Wftllner. PoggendorfiiB Annalen Baad CLIII. p. 22, 



dO SüMung itt matK^phyM. ClaBse vom 3. Mäts 1877, 

far den Werth des Potentials zwischen den leitenden Platten 
folgt, dass die Influenz von der Dicke der Platten unab- 
hängig sein muss. Er glaubte desshalb, dass das bei 
Franklinschen Platten von verschiedener Glasdicke am 
Sinuselektrometer zu beobachtende Potential, die sogenannte 
disponible Ladung, stets derselbe Brucbtheil der ursprüng- 
lichen Ladung sein müsse. 

Das ist indess nur der Fall, wenn die von der Frank- 
linschen Platte zu dem Sinuselektrometer fährende Leitung 
und des Elektrometer eine gegen diejenige der Franklinschen 
Platte verschwindend kleine elektrische Capacität haben. 
Sowie die Capacität der mit der Franklinschen Platte in 
Verbindung stehenden leitenden Theile eine merkliche ist, 
muss bei gleicher Influenzwirkuug auf den Isolator der Gang 
des Potentialwerthes ein ähnlicher sein, wie ihn Herr von 
Bezold beobachtete. Es ergibt sich das unmittelbar aus der 
Gleichung die wir in den früheren §§ für a oder wenn der 
Zwischenraum zwischen den leitenden Platten ganz mit dem 
Isolator ausgefüllt ist, für a erhielten 

B-~A 
"-B3D 

In dieser Gleichung ist, wie wir sehen, B der Quotient 

der Potentiale der freischwebenden und der auf dem Iso- 

lator liegenden, A der Quotient zwischen den Potentialen 

der frei schwebenden und der in gleicher Entfernung über 

der Gondensatorplatte schwebenden aber statt des Isolators 

durch Luft von derselben getrennten Platte. Es folgt 

somit, dass 

\^ 

B A ^ 
_ = -=L 

* _ 

X 

die dem einer bestimmten Daner der Eünwirkung ange- 



A.WuUner: Inflttene auf nichtleitende feste Körper, 31 

hörenden Werthe von B entsprecliende sogenannte disponible 
Ladnng ist. Entwicklen wir ans obiger öleichnng dieser 
Quotienten, so wird 

A_A(1 — o) 1 — a 



B "" A — «D , D 



A 



In dem Ausdrucke für L ist a das Mass der in gleichen 
Zeiten im Isolator bewirkten Influenz, somit wenn die In- 
fluenz von der Plattendicke unabhängig ist, für alle Platten- 
dicken dasselbe. D ist eine Constante des Apparates kleiner 
wie 1 aber grösser wie Null, sobald die Capacitat des 
Elektrometers nicht verschwindend klein gegen die Capacitat 
der frei schwebenden Collectorplatte ist. Der Werth von 
A wird dagegen um so grösser, je geringer der Abstand 
von Collectorplatte und Condensatorplatte ist, er nimmt 
also mit wachsender Plattendicke ab. Die Form obiger 
Gleichung lässt nun schon unmittelbar erkennen, dass bei 
gleichem a grossem Werthen von A kleinere Werthe von 
L entsprechen, da der Zähler des Ausdrucks constant ist, 
der Nenner dagegen mit wachsendem A grösser wird. So 
würde sich z. B. bei den Capacitätsverhältnissen meiner 
Apparate und Plattendicken, welche denen, die Herr von 
Bezold angewandt ähnlich sind, für die am Sinuselektrometer 
beobachteten disponibeln Ladungen ergeben: 

Für a = 0,5 und einer Plattendicke von 

mm. mm. mm« 

3,53 2,65 1,77 

würde L gleich 0,5909 0,5786 0,5565 

Für a = 0,75 

wörde L gleich 0,3249 0,3138 0,3044. 

Die von Herren von Bezold gefundenen Werthe gaben 
allerdings viel grössere Unterschiede in den disponibeln 
Ladungen, will man nicht annehmen, dass die Werthe 



32 Sitzung der math.'^hys. Clasie vom 3. Märe 1877^ 

we^ntlich von dem während der Versuche stattfindenden 
Elektricitätsverlnst beeinflusst sind, so würde ans diesen. 
Werthen zu schliessen sein, dass trotz gleicher influenzirender 
Kraft, die Influenz in dünnere Platten eine viel stärkere 
ist, als in dickern Platten. 

Der Versuch von Eohlrausch würde, wenn man d^i 
Unterschied in der Rückstandsbildung nicht der Verschieden- 
heit des angewandten Glases zuschreiben will, das gerade 
entgegengesetzte Resultat liefern, es müsste die Influenz in 
sehr viel stärkerm Verhältniss in den dickern Platten 
wachsen, als in den dünnern. 



13. 

Ich habe besonders die Ebonikplatten, deren ich 6 von 
verschiedener Dicke gleichzeitig aus derselben Fabrik be- 
zogen hatte, benutzt, um einen etwaigen Einfluss der Dicke 
auf die Grösse und den Gang der Influenz in den Isolatoren 
zu untersuchen. Die Platten hatten folgende Dicken: 

mm. 

Platte VI. 15,30 

V. 10,41 

VI. 8,36 

III. 3,53 

II. 2,24 

I. 1,12 

Die Beobachtungen mit dem Sinuselektrometer wurden 
theils so angestellt, dass die CoUectorplatte auf den Ebonit- 
platten auflag, theils dass sie in geringer Entfernung 
0,294 oder 0,588 darüber schwebten. Die Uebereinstimmung 
der unter diesen verschiedenen Umstanden ade den an einer 
und derselben Platte berechneten Werthe von a bietet eine 
Controlle f&r die Beobachtungen. 



Ä. WvUner: Influenz auf nichtleitende feate Körper. 



83 



In der nachfolgenden Tabelle gebe ich die in 6 Beob- 
achtungsreihen , welche im December 1875, Januar und 
Februar 1876 angestellt sind, für die Ebonitplatte VI ge- 
fundenen Werthe von a. Die erste Golnmne enthält die 
Zeit in Minuten, für welche der betreffende Werth Von a 
gilt, die folgenden diese Werthe, wie sie bei den über den 
betreffenden Colnmnen angegebenen Abständen der Collector- 
platte erhalten wurden. 



Tabelle I. 
Ebonitplatte VI. 



Zeit iD 
Minnten. 


Abstand der Collectorplatte 1 


mm 


mm. 


inm. 


mm^LMUM ^m W^#** * 


0,00 


0,294 


0,588 


1 


1 

0,5364 


0,5684 


0,4986 


0,5684 


0,5352 


0,5737 


2 


0,5514 


0,5972 


0,5206 


0,5999 


0,5611 


0,6064 


3 


0,5577 


0,6183 


0,5300 


0,6267 


0,5648 


0,6232 


4 


0,5770 


0,6405 


0,5502 


0,6635 


0,6064 


0,6370 


6 


0,5881 


0y6634 


0,5715 


0,6836 


0,6294 


0,6611 


8 




0,6823 


0,5860 


0,7112 


0,6483 


0,6813 


12 


0,6121 


0,7152 


0,6047 


0,7458 


0,6877 


0,7129 


16 


0,6292 


0,7384 


0,6226 


0,7636 


0,6955 


0,7300 


20 


0,6419 


0,7543 


0,6389 


0,7729 


0,7125 


0,7495 


24 


0,6535 


0,7727 


0,6521 


— 


0,7317 


0,7576 


28 


0,6588 


0,7845 


0,6613 


0,7880 




0,7713 


32 


0,6687 




0,6655 


— 


0,7420 


0,7769 


36 


0,6751 


0,7909 


0,6784 




0,7508 


— 


40 


o;6839 


0,7952 


0,6868 


0,7994 


0,7568 


0,7842 


52 


0,7029 




0,7062 


^^^^ 


~"^ 


1 



[1877. 1. Math.-ph78. Gl.] 



34 Sünmg der ma&k.'^hys, CkUH vom 3. Märg 187T, 

Die folgende ganz wie die erste angeordnete Tabelle 
enthält die ftlr die Ebonitplatte Y gefnndeten Werthe von a; 
die Beobachtnngsreihen sind in demselben Zeitraum ge- 
wonnen worden^ wie diejenigen an Platte YI. 



Tabelle II. 



Ebonitplatte Y. 



Die nächstfolgende Tabelle enthält die in demselben 
Zeitraum för die Ebonitplatte lY erhaltenen Werthe von a. 



Zeit in 
Minutdii 


Abstand der GoUectorplstte 


\ 


mia« 


mm. 


flEUII« 


AJKAAJkS lA W^f «V 


0,00 


0,294 


0,588 


1 


1 


0,5295 


0,5688 


0,5354 


0,5367 


0,6738 


0,5756 


2 


0,5610 


0,6023 


0,5533 


0,5625 


0,5932 


0,6025 




3 


0,5755 


0,6222 


0,5644 


0,5781 


0,6068 


0,6162 




4 


0,5889 


0,6405 


0,5872 


0,5840 


0,6178 


0,6191 




6 


0,e088 


0,6639 


0,5971 


0,6030 


0,6344 


0,6384 




8 


0,6270 


0,6815 


0^6263 


0,6243 


0,6484 


0,6503 




12 


0,6596 


0,7134 


0,6531 


0,6544 


0,6657 


0,6757 




16 


0,6729 


0,7348 


0,6795 


— 


0,6774 


0,6874 




20 


0,6877 


0,7476 


0,7034 


0,7054 


0,6894 


0,6928 




22 


0,7001 


0,7542 


0,7126 


— 


0,7012 


— 




28 


0,7123 


0,7690 


0,7292 


0,7300 


0,7083 


— 




32 


0,7231 


0,7818 


0,7353 


0,7400 


0,7192 


0,7250 


1 


36 


0,7287 


0,7856 


0,7420 


— 


0,7247 







40 


0,7350 


0,7949 


0,7490 


0,7500 


0,7291 


0,7400 





A. WmUner^i Influenz auf nichtleitende feste Körper. 



35 



Tabelle III. Ebonitplatte IV. 



Zeit in 
Minuten 


Abstand der < 


Collectorplatte 1 


nun« 


mm. 


mm. 




0,00 


0,294 


0,588 


1 


0,5599 


0,6691 


0,5589 


0,5776 


2 


0,5732 


0,7098 


0,5704 


0,5973 


3 


0,5828 


0,7279 


0,5836 


0,6150 


4 


0,5937 


0,7466 


0,5945 


0,6155 


6 


0,6118 


0,7778 


0,6126 


0,6320 


8 


0,6243 


0,7955 


0,6289 


" 0,6565 


12 


0,6412 


0,8289 


0,6591 


0,6726 


16 


0,6490 


0,8547 


0,6650 


0,6870 


20 


0,6616 




0,6954 


0,6967 


24 


0,6694 




0,7030 


0,7058 


28 


0,6761 


— 


0,7146 


0,7207 


32 i 


0,6765 




0,7237 


0,7265 


36 


0,6838 




0,7330 


0,7308 


40 


0,6860 


"*~~ 


0,7397 


0,7358 



Tabelle IV gibt die in dem gleichen Zeitraum für die 
Ebonitplatte III gefundenen Werthe von a. 

Tabelle IV. Ebonitplatte III. 



Zeit in 
Minuten. 


Abstand der GoUeotorplatte 1 


mm» 

0,294 


mm. 

0,588 


1 

2 

3 

4 

6 

8 

12 

16 

20 


0,5847 
0,6057 
0,6218 
0,6283 
0,6453 
0,6659 
0,6774 
0,6818 
0,6950 


0,6194 

0,6335 

0,6496 

0,6617 , 

0,6732 

0,6865 

0,7077 

0,7232 

0,7400 


0,5896 
0,6116 
0,6173 
0,6261 
0,6422 
0,6533 
0,6607 
0,6771 
0.6965 


0,5742 
0,5862 
0,5965 

0,6216 
0,6425 
0,6551 
0,6682 
0,6839 



3- 



36 SiUung der math.-phya. Cla$$e vom 3, Marx 1877. 

U. 

Vei^leieht man zunächst die für ein nnd dieselbe Platte 
erhaltenen Werthe für a so findet man in den för gleiche 
Zeiten bei jeder der 4 Platten bestimmten Werthen von a 
ziemlich beträchtliche Unterschiede, welche bei der Platte 
Vi bis auf 0^2 des mittlem Werthes von a reichen, bei 
Platte IV einen noch beträchtlich hohem Betrag erreichen. 
Dass diese unterschiede nicht etwa einen Fehler in der Be- 
stimmung der Constanten des Apparates begründet sind, er- 
gibt sich abgesehen von der Grösse der Unterschiede daraus, 
dass die Unterschiede bei gleicher Lage der CoUectorplatte 
in jeder Tabelle ebenso gross sind, als diejenigen, welche 
bei den verschiedenen Lagen derselben erhalten sind. Bei 
gleicher Lage der CoUectorplatte ändert sich aber nur der 
Werth des Quotienten B, in welchem wie vorher gezeigt 
wurde, Fehler von solcher Grösse nicht möglich sind, die 
nothwendig wären um derartige Unterschiede zu erklären. 

Wir müssen daher schliessen, dass der Gang der In- 
fluenz bei einer und derselben isolirenden Platte in der 
That zu verschiedenen Zeiten ein sehr verschiedener sein 
kann. Als einen wesentlichen Grund dieser Verschiedenheit 
gab sich der Feuchtigkeitszustand der Luft zu erkennen, 
indem die Werthe von a stets rascher wachsen, wenn die 
Luft feuchter ist. 

Den Nachweis hierfiir lieferte der Gang der Versuche 
selbst, indem die Zunahme von a mit der Zeit stets dann 
ein rascherer war, wenn auch der Etektricitlltsverlust ein 
grösserer war. Es genügt das an einzelnen Beispielen zu 
zeigen. Bei Platte VI zeigen die zweite und dritte Columne 
den grössten Unterschied in den gleichzeitigen Werthen 
von a. Bei der Versuchsreihe, welche die Columne 2 lie- 
ferte nahm der Werth des Potentials auf der CoUectorplatte 
während der Dauer des Versuches ab von 0,9635 auf 0^6602 ; 



A. WuOner: Influenz auf niehtleitende feste Körper. 37 

bei der in Golnmne 3 dargestellten Versuchsreihe in der 
beträchtlich grossem Zeit nur von 0,9769 auf 0,8335. 

Einen noch grössern unterschied zeigen die Reihen 2 
und 3 der Tabelle HI för die Platte IV. Bei der zweiten 
Reihe für die Platte IV nahm der Werth des Potentials in 
12 Minuten von 0,8871 ab auf 0,6275, bei der in der fol- 
genden Columne dargestellten Reihe dagegen in 40 Minuten 
nur von 0,9257 auf 0,8043. 

Man ist geneigt diesen Unterschied auf eine mehr oder 
weniger starke Leitung der Oberflächen der Isolatoren zu 
schieben, welche durch eine Gondensation der Luftfeuchtig- 
keit bedingt wird, da die Temperatur, bei welcher die den 
einzelnen Platten angehörigen Werthe gefunden wurden, 
immer sehr nahe die gleiche war, etwa 18® G, die Tempe* 
ratur bis zu welcher der Raum meines Laboratoriums ziem- 
lich constant geheizt ist. 

Man muss dann für alle von mir untersuchten Isola- 
toren einen ziemlich gleichen Einfluss der condensirten 
Feuchtigkeit auf die Oberfläohenleitung annehmen, da sich 
bei allen ihntiche Unterschiede in dem Verlaufe der Influenz 
zeigen ; weiter aueh muss diese Gondensation ziemlich schnell 
erfolgen, denn die Unterschiede zeigten sich auch, wenn 
man die Platten vorher in einem durch wasserfreie Phosphor- 
säure getrockneten Räume aufbewahrt hatte. Ausserdem 
müssen dann aber auf diese Oberflächenleitnng noch andere 
nicht erkennbare Einflüsse von Bedeutung sein, da selbst 
bei gleichem, an der gleichen Schnelligkeit des Elektricitäts- 
verlustes erkennbaren, Feuchtigkeitszustande der Luft sich 
Unterschiede in dem Gange der Influenz bemerklich machen. 

Trotz dieses Unterschiedes in dem Gange der Influenz 
iat, wie die vorigen Tabellen zeigen der anfangliche Werth 
der Xnfiuenz niisht sehr verschieden, und ebenso werden wir 
erkennen, dass der schliesslieb erreichbare Werth nicht 
davon beeinflusst wird. 



38 



Sitsung der maih.'phys, Qcuae vom 3. März 1877, 



15. 

Vergleicht man darnach die Werthe von a für die 4 
Platten, deren dickste eine mehr als vierfache Dicke als 
die dünnste hat, so erkennt man unmittelbar, dass die f(ir 
die verschiedenen Platten erhaltenen Werthe von a nicht 
mehr von einander abweichen als die für eine Platte er- 
haltenen. Es tritt das besonders deutlich hervor, wenn man 
die für die verschiedenen Platten aus obigen Beobachtungs- 
reihen sich ergebenden den gleichen Zeiten entsprechenden 
Mittelwerthe von a zusammenstellt. Folgende Tabelle zeigt, 
wie wenig die Mittelwerthe von einander abweichen, beson- 
ders die für die beiden ersten Platten, für deren jede 6 
Reihen zu Gebote standen, trotz der grossen in den einzelnen 
Reihen vorhandenen Unterschiede. Es erklärt sich das eben 
dadurch, dass die Beobachtungen alle in dem gleichen Zeit- 
räume angestellt sind, so dass die äussern Einflüsse alle 
Platten nahezu gleichmässig trafen. 

Tabelle T. 
Mittelwerthe von a für die verschiedenen Platten. 



Zeit in 


Werthe Tob a fQr Platte | 


Minuten 


VI 


V IV lU j 


1 


0,5468 0,5533 


0,5911 


0,5920 


2 


0,5728 


0,5791 


0,6126 


0,6092 


3 


0,5901 


0,5939 


0,6298 


0,6213 


4 


0,6108 


0,6062 


0,6375 


0,6303 


6 


0,6329 


0,6244 


0,6585 


0,6456 


8 


0,6515 


0,6430 


0,6763 


0,6641 


12 


0,6794 


0,6703 


0,6979 


0,6752 


16 


0,6966 




0,7114 


0,6876 


20 


0,7116 


0,7060 




0,7039 


24 


0,7246 


— 






28 


0,7334 


— 


— 


— 


32 


— 


0,7374 




• 


36 


— 


0,7400 


— 





48 


0,7510 


0,7497 


— 






■^ " 



iL Wuüneri Influens auf niehtkitende feste Körper, 



39 



Trotz der in der That nahen Uebereinstimmung der 
Werthe fOr a ist indess nicht zu verkennen, dass die far 
die ersten Minnten erhaltenen Werthe von a fdr die dün- 
nera Platten die grossem sind, dass erst etwa von der 
8 Minuten ab die Werthe wirklich gleich werden. Das 
zeigt sich ebenso, wenn man die Werthe von a für die beiden 
noch dünnem Platten I und II hinzufügt. Für diese musste 
man aich begnügen die Werthe von a für die erste und 
eine oder einige spätem Zeiten zu bestimmen, da die Ab- 
lenkncgen am Sinuselektrometer schon sofort nach dem 
Niederlassen der CoUectorplatte nur 2^-3^ betrugen; es 
war desshalb bei der mit dem Sinuselektrometer erreich- 
baren Genauigkeit ein stetiges Verfolgen der Influenz bei 
diesen Platten nicht durchzufCLhren. Die so für die beiden 
Platten erhaltenen Werthe waren folgende 







Tabelle Tl. 






Werthe von a für Platte II and I. 


Platte n. 


Zeit. 


WeTthe von « 


1' 
35' 
40' 


0,6514 


0,6218 


0,6035 
0,6707 


0,6356 


0,6281 
0,6950 


Platte I. 


0' 
53' 
55' 


0,6059 


0,5976 


0,6074 
0,6789 


0,6140 
0,7393 


0,6129 



Der der ersten Minute entsprechende Mittelwerth für 
Platte n ist 0,6281, für Platte I 0,6063. Hier gibt also 
die dickere Platte einen etwas grossem Werth, während der 
for die dünnere Platte erhaltene nur wenig mehr grösser 
ist als der für Platte in erhaltene. 

Sehen wir von Platte II ab, so ist ein Wachsthum der 
Werthe a mit abnehmender Plattendicke unverkennbar 



40 Sittnmg der math.-phy8. Clasae «o» 3. ifärs 1877. 

Dasselbe gaben die naeh der zweiten Methode unter 
gleichen Yerhältnissen gefundenen Werthe zu erkennen. Sine 
Anzahl für die verschiedenen in den Tagen vom 12. bis 
18. Mai 1876 bestimmter Werthe ergaben in Mittel für die 
Dauer der Influenz von 10 Secunden 

Platte VI. « = 0,6881 Platte HI. a = 0,6036 
„ V. ä = 0,5930 „ IL a = 0,626$ 

,^ IV. a = 0,6042 „ IL a = 0,6135 

Dass diese Werthe trotz der kürzer dauernden Influenz 
zum Theil etwas grösser sind als die vorher für 1 Minute 
angegebenen Werthe, zeigt den im § 6 erwähnten Einfluss 
des Abstromens der Elektricität von den die CoUectorpIatte 
tragenden Glasstäbchen. 

Diese Verschiedenheit der Werthe a verschwindet indess 
mit wachsender Zeit, indem für die dickeren Platten die 
Zunahme von a anfanglich eine etwas raschere ist als für 
die dünnere, von der 6 oder 8 Minute ab lässfc sich ein 
Einfluss der Plattendicke nicbt mehr erkennen. Diese nach 
einiger Zeit eintretende Gleichheit von a zeigt sich auch, 
wenn man nach der zweiten Methode die Influenz eine sehr 
lange 2eit nämlich 3 Stunden wirken lässt. Der Werth a 
wächst dann, wie schon hier erwähnt werden mag, sehr 
stark und nähert sich sehr der Einheit. Es ergab sich für 

Platte VI. Platte V. Platte IV. Platte m. 

a =r 0,9561 a - 0.9486 « ^ 0,9424 « = 0,9468 

Mittel a = 0,9486. 

Dieser Gang der Werthe von a beweist, dass in den 
Isolatoren, wie es die Theorie der Influenz verlangt, die 
Influenz von der Dicke der Platten unabhängig ist. Die 
Potentialtheorie zeigt, dass bei einem plattenf5rmigen Gon* 
densator die scheidende Kraft zwischen den Platten unab- 
hängig von deren Abstimd überall den gleichen Werth hat. 
Ist h die EKehtigkeit d^ Elektrieiiält in der GoUeotorplatte 
und i der Abstand der CoUeotor*- nnd Condensatorpkitte, so 



Ä. WuUner: Influenz auf nichtleitende feste Körper. • 41 

ist das Potential in einem Abstände x von der GöUector- 
platte zwischen den Platten 

V, = inh (<J — x) 
somit die scheidende Kraft 

Es gilt das mit aller Strenge jedoch nnr für Platten 
Yon solcher Grosse, dass der Abstand d gegen den Durch- 
messer der Platten yerschwindend klein ist. Bei begrenzten 
Platten, bei denen der Abstand einen im Yerhältniss zu 
den Plattengrössen nicht sehr kleinen Werth hat, moss sich 
der Einfluss der Ränder bemerklich machen, durch welchen 
die Scheidungskraft etwas kleiner werden mnss. Desshalb 
mnss im Anfange die Influenz in einer dickem Platte etwas 
kleiner sein. Ist aber der Isolator elektrisch, so wirkt 
dessen Elektricität der Influenz im Isolator entgegen, und 
nm so mehr je grösser a schon ist. Das Potential geht 
über in 

V, = 47rh (1 - a) (d - x) 

und die scheidende Kraft 

dV 
= -^=;±4«h(l-a) 

ÜArans folgt dann, dass die Influenz in den dickem 
Platten anfänglich etwas rascher wachsen mnss wie in den 
dünnem Platten, ein Unterschied, der um so mehr ver- 
schwinden muss^ je. stärker die Influenz in dem Isolator 
wird, je grosser a, je mehr sieh also das Potential in dem 
Isolator d^m Werthe null nähert, den es überall haben 
würde, wenn der Isolator bis zn derselben Stärke influencirt 
würde wie ein Leiter, a also den Werth eins annähme. 

Es folgt somit unzweideutig, dass die Influenz in den 
Isolatoren bei gleicher influenzirender Kraft von der Dicke 
der Isolatoren nnabhan^ ist. Der von Koblrausch sowie 



42 8iUung der math.'phyB. CUi»86 vom 3, Man 1877. 

von Herrn Ton Bezold beobachtete Einflim der Glasdicke 
auf die RfickstaDdsbfldimg lesp. die Abnahme der disponibeln 
Ladung ist somit andenf Umstanden zuzuschreiben, bei 
EoHbrausch der verschiedenen Beschaffenheit der Glaser, bei 
Herrn von Bezold dem während der Versuche bei den 
dünnern Platten stattfindenden starkern Verlust an Elek- 
tricitat, ein Umstand auf den schon Herr Glausius*) hin- 
gewiesen hat« 

Ueber die Abhängigkeit der Influenzen in 
den Isolatoren von der Zeit. 

16. 

Die in den letzten §§ für den Ebonit mitgetheilten 
Zahlen beweisen schon, dass die Influenz in den Isolatoren 
mit der Zeit stetig erst rascher, dann immer langsamer 
wächst, und dass sie schliesslich sich einem bestimmten 
Werthe anzuimhern scheint, der bei dem Ebonit indess 
kleiner ist, als der Werth den die Influenz in einem Leiter 
erreicht. Vor einer genauem Besprechung der Frage wird 
es aber gut sein erst die an den andern Isolatoren er- 
haltenen Resultate kennen zu lernen. Ich theile zunächst 
die an den Schwefelplatten gemachten Beobachtungen mit, 
welche ich an diejenigen mit Ebonit anschloss, weil der 
Schwefel als ein vorzüglicher Repräsentant eines reinen 
Dielektricums gilt, und weil es mir bei einzelnen frühem 
Beobachtungen schien, als wenn die Influenz im Schwefel 
nur wenig mit der Zeit zunähme. 

Die Dicke der hauptsächlich untersuchten Schwefel- 
platte war fast genau gleich der von Ebonitplatte V, näm- 
lich 10,34 Mm. im Mittel aller nur 0,06 Mm. differirender 
Messungen. Sie möge als Schwefelplatte I bezeichnet 



6) Clauflius. Poggend. Ann. Bd. CXXXIX p. 278. 



A» WuUner : Influcne auf nichUeitenäe feste Körper, 43 

werden; die Schwefelplatte II, welche wie die erste den 
gleichen Durchmesser wie die leitenden Platten besass, hatte 
eine Didce von 5,14 Mm. und die dritte Schwefelplatte III, 
deren Durchmesser mehr als doppelt so gross war, eine 
Dicke von 16 Mm. 

Nur die erste Platte ist mit dem Sinuselektrometer 
untersucht worden; sie lag dabei um eine etwaige Ober- 
flächenleitung möglichst zu eliminiren, nicht direkt auf der 
abgeleiteten Condensatorplatte, sondern auf drei auf dieselbe 
aufgesetzten Schellacktropfchen, so dass die untere Fläche 
der Schwefelplatte 0,59 Mm. von der oberen Fläche der 
Condensatorplatte entfernt war. Die CoUectorplatte schwebte 
0,295 Mm. über der Schwefelplatte. 

Folgende Tabelle enthält zwei an dieser Platte ge- 
machten Beobachtungsreisen angeordnet wie die die frühere 

Tabelle VII. 
Schwefelplatte L 



Zeit 


« 

Werth von a 


0' 20" 


0,5914 


0,5754 


40" 


0,5886 


0,5900 


1' 


0,5900 


0,6060 


2' 


0,5941 


0,6299 


3' 


0,5990 


0,6488 


4' 


0,6024 


0,6632 


6' 


0,6083 


0,6762 


8' 


0^6109 


0.6852 


12' 


0,6222 


0,7185 


24' 


0,6255 


— 


36' 


0,6323 


— 


40' 


0,6341 — 1 



L- 



44 8H9tmg der tHatn.-phy8. C(««ie vom 3, Mäm 1B77. 

Von den beiden Reihen wurde die erste am 25. Febmar 
die andere am 2. M&rz 1876 erhalten, die ünterBckiede 
beider Reihen sind ähnliche wie sie beim Ebonit vor- 
kommen, bei der ersten Reihe wächst a in 40 Minuten nur 
äusserst wenig, wie wenn in der That dar Schwefel nahezu 
ein reine« Dielektricum im Sinne der AufiEassung von Fa- 
raday wäre, bei der zweiten ist dagegen das Wachsthum 
ein ziemlich beträchtliches. Der unterschied bei beiden 
Reihen war wieder der, dass bei der zweiten die Luft ziem- 
lieh feucht, bei der ersten dag^n sehr trocken war. Die 
Abnahme des Potentials ging bei der ersten Reihe in 40^ 
von 0,9609 bis zu 0,8029 während bei der zweiten Reihe 
das Potential der Collectorplatte in 12 Minuten von 0,9470 
auf 0,5912 herabsank. Ich mache dabei darauf aufmerksam, 
dass der in jeder Reihe als letzter angegebener Werth min- 
destens dieselbe Sicherheit hat als der erste, da er aus 
einem Werth von B abgeleitet ist, der der Quotient aus 
dem in der letzten Minute beobachteten Potentiale der über 
dem Isolator schwebenden Collectorplatte und dem un- 
mittelbar nachher an der aufgezogenen Beobachteten ist. 

17. 

Bei den mit der Schwefelplatte I nach der zweiten 
Methode durchgeführten Versuchen« lag die Schwefelplatte 
direkt auf der abgeleiteten Gondensatorplatte, die Collector- 
platte schwebte über derselben in einem Abstände von 



S1II&« 



0,295. Die Werthe von a ergaben sich also aus der 
Relation 

10,635 



o = a . 



10,340 
und a aus der Gleichung 

^ B-^A 
* B - 0,7775' 



A. WüÜner: Influenz auf nichUeitende feste Körper. 45 

Den Werth von A gaben 15 im Laufe der Beobach- 
tungen von Zeit zu Zeit gemachte Bestimmungen zu 

1,456 1,437 1,459 

1,438 1,445 1,476 

1,461 1,468 1,450 

1,488 1,482 1,453 

1,466 1,471 1,473 

also im Mittel aus allen Beobachtungen 

A= 1,461. 

Die nächstfolgenden Tabellen geben, alle an dieser 
Schwefelplatte gemachten Beobachtungen, bei denen eine 
Ladungsdauer von 10^' angewandt wurde, in der Reihen- 
folge, in welcher sie angestellt wurden. Columne I gibt 
den Tag der Beobachtung, Columne II gibt an, welche Lage 
die Platte hatte, das heisst, welche Seite die der CoUector- 
platte zugewandt war, wobei eine Lage als die normale be- 
zeichnet ist. Columne III gibt das Vorzeichen der zur 
Ladung der Collectorplatte benutzten Elektricität, Columne lY 
die direkt beobachteten Werthe von B, die Quadratwurzeln 
aus den Quotienten der jedesmaligen Torsionen, welche die 
Nadel des Elektrometers auf 10^ stellte, wenn das Elektro- 
meter mit der aufgezogenen Collectorplatte verbunden ge- 
wesen war, dividirt durch die, welche das Potential des 
Batteriepoles mass Columne. V gibt endlich die daraus und 
aus den obigen Angaben berechneten Werthe von a. 

Die jedesmal zwischen zwei horizontalen Strichen ein- 
geschlossenen Beobachtungen wurden unmittelbar nach ein- 
ander angestellt, wobei jeder Versuch etwa eine Viertel- 
stunde in Anspruch nahm. So lange in den aufeinander- 
folgenden Versuchen bei gleicher Lage der Platte dieselbe 
Elektricitat zur Ladung der Collectorplatte angewandt wurde, 
überzeugte man sich vor jedem Versuche, dass die Schwefelplatte 
nicht elektrisch war, indem man die nichtgeladene Collectorplatte 



46 SitMung der math^-phyB. Olaese vom 3. Mäir$ 187T. 

bis zu der stets angewandten Entfernung von der Schwefel- 
platte herabliess, dann ableitend berührte und während sie 
mit dem Elektrometer in Verbindung war nach aufgehobener 
Berührung emporzog. Konnte man dann im Elektrometer 
keine Ladung erkennen, so bewies das, dass die Schwefel- 
platte nicht elektrisch war, oder genauer, das« das ^ek* 
trische Potential der Schwefelplatte in der Collectorplatte 
nicht messbar war, was für unsere Versuche dieselbe Be«- 
deutang hat. Liess sich bei diesem Versuche im Elektrot- 
meter aach nur eine Spur von Elektricitat €f keinen, ^ 
wurde die Schwefelplatte durch die Flamme eines Bunsen'schefi 
Brenners gezogen, bis sie iß der angegebenen Weise gej- 
prüfk unelektrisch gefunden wnrde. Die in der letzten Cof 
lumne stehende Bemerkung „Flamme" bedeutet, dass voj: 
dem nebenstehenden Versuche die Platte durch die Flamme 
gezogen war. 

Um eine Vorstellung von der Grösse der zur Bestimm- 
mung von B gemessenen Torsionen des Glasfadens zu geben, 
bemerke ich, dass das Potential des Batteriepoles bei An- 
wendung der 12 Meidinger'schen Elemente durch eine Tor- 
sion von etwa 60® gemessen wurde. Dem Werthe B = 2,270 
entspricht dann eine Torsion von 366® nach dem Aufziehen 
der Collectorplatte, dem Werthe B =: 3 eine Torsion von 
540^ dem Werthe B = 3,5 eine Torsion von 735® u. s. f. 



A. Wiäfmer: InfliMn« auf nvM»/t«i»At fette Kärptr. 47 



Tabelle -VIII. 

Schwefelplatte I stets 10^' inflaenzirt. 



Zeit 


Lage 

der 

Platte 


Vorzeichen 
der Ladung. 


B 


■ 


Bemerbmgen 


1876' 
Mai 20. Vorm. 


normal 

11 
11 


i 

+ 

+ 


2,470 
2,626 
3,051 


0,6132 
0,6483 
0,7193 


Flamme 


Mai 20. Nachm. 

11 
i> 

.11 
11 
>i 


normal 

11 

11 

umgekehrt 

normal 

11 


2,652 

2,785 
2,898 
2,707 
2,840 
2,829 


0,6535 
0,6737 
0,6917 
0,6643 
0,68 77 
0,6859 


Flamme 


• 
11 

11 

11 

11 


• 

11 

11 
11 
11 


2,596 
2,652 
2,623 
2,899 


0,6420 
0,6535 
0,6477 
0,6969 


1 V» Stunde 
später , 

Flamme 


Mai 22. Vorm. 

11 

»' 
11 

11 

11 

11 

11 

1^ 


normal 

11 
11 
11 
11 
11 
11 
11 
11 
11 


2,587 
2,743 
2,828 
2,832 
2,925 
2,883 
2,885 
3,039 
3,000 
2,969 


0,6382 
0,6709 
0,6859 
0,6865 
0,7028 
0,6947 
0,6952 
0,7178 
0,7123 
0,7078 


Flamme 

Flamme 
Flamme 


Mai 22. Nachm. 


^^ 


2,679 


0,6589 





L 



•48 Sit9utig der math.-phya. Clasw vom B, Märt 1B77, 

18. 

Die in vorstehender Tabelle VIII mitgetheilten Zahlen 
zeigen einen darchaas unerwarteten Verlauf; anstatt wie 
man erwarten sollte constant zu sein, nehmen die Werthe 
für B und damit für a, welche bei aufeinander folgenden 
Versuchen erhalten wurden, im grossen und ganzen stetig 
zu, und werden im allgemeinen um so grosser, je öfter man 
den Versuch ohne Zwischenzeit wiederholt. Ueberlässt man 
dann aber die Platteu eine Zeitlang sich selbst, so wird B 
wieder kleiner und damit sinkt der V7erth von a wieder 
hinab. Es ist gerade, wie wenn durch eine mehrfach 
wiederholte Influenzirang die Elektricitat in dem nicht- 
leitenden Schwefel beweglicher würde und deshalb bei 
gleicher Dauer der Influenz immer starker auseinander 
ginge, ueberlässt man die Schwefelplatte sich selbst einige 
Zeit hindurch, so würde die Beweglichkeit wieder abnehmen. 

Dass diese Zunahme von B nicht etwa einem Herab- 
sinken der CoUectorplatte oder einer Zunahme des Poten- 
tials am Batteriepole zuzuschreiben ist, davon überzeugte 
man sich stets indem man die Abstände controlirte, ebenso 
das Potential der Batterie jedesmal beobachtete und femer 
von Zeit zu Zeit den Werth von A bestimmte. 

Man konnte indess bei obigen Versuchen noch ver- 
muthen, da bei denselben mit nur zwei Ausnahmen stets 
dieselbe Elektricitätsart zur Ladung angewandt ist, dass 
trotz der vor jedem Versuche vorgenommenen Prüfung der 
Platte, in derselben sine gewisse bleibende Vertheilung der 
Elektricitäten eingetreten sei, zu welcher sich dann die neue 
Influenz addirt habe, dm das zu prüfen wurde bei weitern 
Versuchen stets das Vorzeichen der influenzirenden Elek* 
tricität oder die Lage der Platte gewechselt, so dass die 
vorher obere Seite die untere wurde. Wäre bei den vorher- 
gehenden Versuchen die Ursache des Wachsens eine blei-* 
bende Influenz gewesen, so hätte jetzt ein soleheiß Wadie^ 



i 



Ä. WiOlnerx Influenz auf nichüleitende feste Körper. 49 

nicht stattfinden können. Tabelle IX zeigt dagegen, dass 
das Wachsen ein noch sürkeres war. 

Tabelle IX. 

Schwefelplatte I. stets 10" influenzirt. 



■ 




Vor- 






Zeit 


Lage 
der Platte 


zeicben 
der 


B 


v 


. 




Ladung 






Mai 23 Vorm. 


normal 


.... 


2,819 


0,6843 


i> 


>» 


+ 


2,954 


0,7056 


« 


11 


— 


2,999 


0,7122 


n 


11 


+. 


3,191 


0,7373 


n 


11 




3,196 


0,7381 


11 


11 


+ 


•3,082 


0,7236 


11 


11 


— 


3,121 


0,7286 


Mai 23 Nachm. 


normal 




2,883 


0,6946 


1» 


11 


+ 


3,111 


0,7273 


1» 


11 


. 


3,296 


0,7495 


»1 


11 


+ 


3,310 


0,7510 


»1 


umgekehrt 


+ 


3,414. 


0,7795 


i> 


11 




3,314 


0,7514 


11 


11 


— 


3,348 


0,7576 


11 


normal 


— 


3,995 


0,8114 


Mai 24 Vorm. 


normal 


+ 


2,910 


0,6990 


11 


11 


— 


3,247 


0,7448 


11 


umgekehrt 


— 


3,296 


0,7495 


1» 


normal 


— 


3,715 


0,7893 


11 


umgekehrt 




■3,428 


0,7635 


11 


11 


-- 


3,490 


0,7694 


11 


i< 




3,529 


0,7739 


11 


11 


+ 


3,680 


0,7864 


11 


normal 


— 


3,552 


0,7753 


11 


11 


+ 


3,640 


0,7834 


Mai 24 Nachm. 


i> 


+ 


3,482 


0,7687 


Juni 1 


normal 




2,692 


0,6614 


11 


umgekehrt 


— 


2,692 


0,6614 



[1877. 1. Math.-phyB. CL] 



60 



Sitzung der math.-phya, Gasse vom 3. Mars 1877, 



Ich habe dann später diese Beobachtungen noch öfters 
wiederholt, stets mit demselben Erfolg, es wurde im all- 
gemeinen bei gleicher Dauer der Inflaenz der Werth von a 
um so grosser je öfter man den Versuch wiederholte. Ich 
theile von diesen Versuchen noch in Tabelle X. zwei Reihen 
mit, deren erste am 12. Juni, deren zweite am 27. Juni 1876 
erhalten wurde. In der ersten wurden halbe und ganze 
Secunden als Dauer der Influenz genommen in der zweiten, 
wechselte die Dauer zwischen V und 10". Da die Ladungen 
durch das Eintauchen eines mit der Hand geführten Eupfer- 
hakens, der an einem isolirenden Stiele befestigt war, bewirkt 
wurden, so können die halben und einzelnen Secunden nicht 
mit derselben Genauigkeit genommen werden wie die Daner 
von 10", indes3 tritt das Wachsen der Influenz bei öfterer 
Wiederholung des Versuches doch nicht minder deutlich hervor. 

Tabelle X. Schwefelplatte I. 







Vor- 


' 




Bauer der 


Lage 


zeichen 


n 


^M 


Inflaenz 


der Platte 


der 


D 


w 






Ladung 


■ 




0",5 


normal 


+ 


2,609 


0,6447 


0",5 


umgekehrt 


+ 


2,778 


0,6773 


0",5 


11 


— 


2,682 


0,6594 


0",5 


normal 


— 


2,768 


0,6754 


1" 


>» 


+ 


2,840 


0,6877 


1" 


umgekehrt 


+ 


2,907 


0,6984 


1" 


« 




2,715 


0,6657 


1" 


normal 




2,910 


0,6989 


10" 


normal 


— 


3,250 


0,7443 


1" 


?? 




2,658 


0,6601 


10" 


H 


"h 


3,688 


0,7871 


1" 


1? 


-[- 


2,972 


0,7083 


1" 


11 


■ — 


3,291 


0,7485 


10" 


^^ 




3,936 


0,8061 


1" 


11 




3,177 


0,7378 


10" 


11 


-|- 


4,172 


0,8215 


1" 




— - 


3,378 


0,7583 



Ä. WaÜner: Inftuenz auf nichUeiteHde feste Körper. 51 

19. 

In der folgenden Tabelle XI theile ich zwei Versuchs- 
reihen mit, welche mit der Schwefelplatte II aosgefiihrt 
sind, die nur etwa halb so dick war als Schwefelplatte I; 
sowohl die Werthe von a als der Gang derselben stimmen, 
mit Beachtung dessen, was vorhin über den Einflass der 
Dicke der Platten gesagt ist, vollständig mit den an der 
ersten Schwefelplatte erhaltenen Ergebnissen überein. Der 
Werth von A e^gab sich aus 4 Versuchen 

A = 1,823 

Von den beiden Reihen ist die erste am 9. die zweite 
am 12. Juni 1876 erhalten. 



! 



Tabelle XI. 
Schwefelplatte II. 



Dauer der 
Infiaenz 


Lage 
der Platte 


Vor- 
zeichen 

der 
Ladung 


B 


a 


0",5 
0",5 

10" 

10" 

10" 
0",5 
0",5 
0",5 
0",5 
0",5 
0",5 


normal 

11 
11 
11 
^^ 
11 
11 
11 
11 
11 
11 


+ 

+ 

+ 
+ 


3,492 
3,608 
5,038 
4,957 
5,500 
4,005 
3,841 
5,005 
3,862 
3,975 
3,988 


0,6492 
0,6668 
0,7979 
0,7853 
0,8147 
0,7140 
0,6965 
0,7140 
0,6990 
0,7117 
0,7131 


0",5 

0",5 

0",5 

10", 


umgekehrt 

11 
normal 

11 


+ 

+ 


3,619 
3,729 
3,831 
4,627 


0,6684 
0,6828 
0,6954 
0,7702 



4» 



52 Sitzung der math.'phya. daase vom 3. März 1876, 

20. 

Die in den letzten §§ mitgetheilten Versuche beweisen, 
dass anch bei wechselnder Ladung oder bei wechselnder 
Lage der Platte der durch eine gleiche Dauer der Einwir- 
kung hervorgerufene Grad der Influenz bei öfterer Wieder- 
holung zunimmt, ähnlich wie durch längere Dauer der In- 
'fluenz, ja dass es selbst den Anschein hat, als würde durch 
häufigeres Inflnenziren selbst dauernd der Schwefel leichter 
influenzirbar, ein Zustand der nur durch längeres Liegen 
allmählich yerschwindet. 

Diese Zunahme der Influenz bei gleicher Dauer der 
Einwirkung lässt sich nicht auf eine Vermehrung der ober- 
flächlichen Leitung erklären, wenigstens nicht durch et- 
waige Condensation von Feuchtigkeit, da sie unter allen 
Umständen bei Wiederholung der Influenz eintritt, und da 
in der Zeit eines Vormittags oder Nachmittags sich der 
Feuchtigkeitszustand der Luft nicht in dem Masse ändert, 
um derartige Aenderungen von a zu erklären. Um. indess 
auch experimentell mich davon zu überzeugen, dass die 
Oberflächenleitnng bei diesem Verhalten der Schwefelplatten 
keine wesentliche Rolle spielt, habe ich auch die Schwefel- 
platte III zn einigen Versuchen benutzt. Die mit dieser 
erhaltenen Zahlen können nicht die gleiche Genauigkeit be- 
anspruchen wie die frühere, da die Dicke der Platte nicht 
mit dem Sphärometer gemessen werden konnte, und da der 
Abstand der CoUectorplatte von der obern Fläche der 
Schwefelplatte nicht so genau bestimmt werden konnte, da 
der Rand der Schwefelplatte um etwa 6 Centim. über den 
Rand der CoUectorplatte hervorragte, somit nicht mit dem 
Mikroskope der Abstand gemessen werden konnte. Trotz- 
dem die Platte so viel grösser war, zeigte sich dennoch in 
den Werthen von a derselbe Gang. So nahm an einem 
Tage bei 4 Versuchen der Werth von a von 0,5882 bei 
dem ersten zu bis 0,6086 bei dem vierten, bei einer andern 



A. WuRner: Influenz auf niehtieiiende feste Körper, 53 

Versuchsreihe von demselben Werthe 0,5882 beim ersten 
bis zu 0,6844 bei dem 13 Versuche, wenn stets wechselnde 
Ladungen and eine Ladungsdauer von 0,5 Secunde ange- 
wandt wurde. £s wird überflüssig sein auch die Tabellen 
dieser Versuche mitzutheilen^ da sie nichts neues bieten. 



21. 

Nach der zweiten Methode sind auch die Werthe von 
a bestinmit, welche bei sehr langer Dauer der Influenz ein- 
treten. Der Werth von a nahm dann in einer solchen 
Weise zu, dass selbst bei den dicken Platten zur Ladung 
nicht die 12 Elemente benutzt werden konnten. Schon 
bei Anwendung von 6 oder 4 Elementen ergaben sich Tor- 
sionen des Glasfadens von bis zn 5 ganzen Umdrehungen. 
Diese vertrug der Faden indess ganz gut, es zeigte sich 
nach einer solchen Torsion nur eine elastische Nachwirkung 
von einigen Graden, die sich indess nach Verlauf einiger 
Zeit, höchstens 1 Stunde, wieder verlor. Bei Anwendung 
von 6 Elementen ist die Torsion nur V* von derjenigen 
bei Ladung mit 12 Elementen, da der Werth des Potentials 
des Batteriepoles dann nur V^ ^s^- Deshalb konnte das 
Potential des Poles nicht mit derselben Sicherheit gemessen 
werden, da bei der schwachen Torsion der Einstellungsfehler 
der Nadel nicht viel kleiner ist als bei der Torsion von 
60^, welche die 12 Elemente stets annähernd geben, der 
Einfluss der Luftströmungen aber ein grösserer ist. Es 
wurde daher das Potential des Batteriepoles ausser der di- 
rekten Messung hier stets auch dadurch bestimmt, dass un- 
mittelbar nach Beendigung des Versuches 'das Potential des 
Batteriepoles bestimmt wurde, von denen die benutzten 6 oder 
4 einen Theil ausmachten. Es wurde dann, wenn beide 
Werthe nicht genau übereinstimmten, das Mittel aus beiden 
genommen. 



54 



SitMvng der math.'phys. Claase vom 3. Märe 1877* 



In dieser Weise ergaben sich for die drei Schwefelplatten 
folgende Werthe 

TabeUe Xu. 



Dauer der 
Inflaenz 



a fUr Schwefelplatte 



II 



1 Stunde 

2 Stunden 

3 Stunden 

4 Standen 



0,9500 
0,9680 



0,9884 



III 



0,9360 
0,9665 



Wie man sieht nähern sich diese Werthe sehr der 
Einheit ohne sie indess ganz za erreichen, selbst bei der 
Schwefelplatte III, welche wie erwähnt einen etwa doppelt 
so grossen Durchmesser hatte, als die leitenden Platten, so 
dass bei diesen eine oberflächliche Leitung wohl nicht an- 
genommen werden kann. 



22. 

Für die Ebonitplatten habe ich bereits in dem vorigen 
Abschnitte die einer Influenz von 10'' entsprechenden 
Werthe von a sowie die schliesslich erreichten Wgrthe für 
die 4 dickern Platten angegeben (§ 15). Die der Daner 
von 10" entsprechenden Werthe sind aus einer Anzahl ein- 
zelner Beobachtungen abgeleitet, welbhe nach einander in 
dem dort angegebenen Zeitraum mit den verschiedenen 
Platten angestellt wurden, und bei denen zufallig mit einer 
und derselben Platte die Versuche nach einander nicht mehr 
als höchstens zweimal angestellt waren. Nachdem bei der 
Schwefelplatte sich das eigenthümliche Verhalten heraus- 
gestellt, dass bei häufigerer Wiederholung der Influenz der 
einer gleichen Dauer der Einwirkung entsprechende Werth 
von a beträchtlich zunahm, habe ich mit der Ebonitplatte 
V die Versuche nach der gleichen Richtung wiederholt. 



Ä, WüUner: Ivflueng auf nkhüeitende feste Körper. 



55 



Das Resultat war auch hier dasselbe, der Werth von a 
nahm in ganz ähnlicher Weise zu wie bei dem Schwefel. 
Ich begnüge mich damit zwei Versuchsreihen mitzutheilen, 
welche am 26. Mai 1876 bei trockner und am 27. Mai 1876 
bei trockner und am 27. Mai bei sehr feuchter Luft aus- 
geführt worden sind. Bei fester Lage der Platten wurde 
stets das Vorzeichen der Ladimg gewechselt, die Ladungs- 
dauer ist jedesmal 10'^ 

Tabelle Xn. 

Eboftitplatte V. 



26. Mai 


27. Mai 1 


Vorzeichen 
der Ladung 


a 


Vorzeichen 
der Ladung 


« 


■f" 


0,5982 
0,6281 
0,6428 
0,6436 
0.6506 
0,6618 
0,6619 


+• 
+ 
+ 


0,6879 
0,7109 
0,6980 
0,7297 
0,7230 



Dasselbe ergab eine Versuchsreihe für Ebonitplatte IV, 
in welcher a von 0,7417 bei dem ersten Versuche bis 
0,6999 bei dem vierten Versuche zunahm. 

Die beiden dünnen Ebonitplatten lieferten bei langer 
Dauer der Influenz ebenfalls Werthe für a, welche an- 
nähernd den für die dickern gefundenen gleich waren. Für 
Platte II, deren Dicke 2,24 Mm. betrug, erhielt ich bei 
drei 2 bis 3 Stunden dauernder Influenz, als die Collector- 
platte 0,35 Mm. über derselben schwebte für a. die Werthe 
0,9465; 0,8152; 0,9040. Für Platte I deren Dicke 1,12 Mm. 
betrug, ergab sich als die CoUectorplatte 0,59 Mm. darüber- 
sch webte, ein Werth von a, der sogar etwas grösser als 1 



56 Sitaung der math.-phiys, Clane vom 3, März 1877. 

war oämlicli 1,030. Da indess bei diesen dünnen Platten 
ein kleiner Fehler in der Bestimmung des Abstandes der 
CoUectorplatte von sehr beträchtlichem Einflnss ist, so ist 
der bei ihnen durch lange Daner der Influenz erreichte 
Werth von a mit einer grosseren Unsicherheit behaftet, als 
bei den dickem Platten. Jedenfalls zeigen auch diese Be- 
obachtungen, dass der nach langer Dauer der Influenz im 
Ebonit erreichte Werth Ton a der Einheit ziemlich nahe kommt. 

23. 

Die übrigen von mir untersuchten isolirenden Sub- 
stanzen boten im wesentlich dieselben Erscheinungen wie 
Schwefel und Ebonit, es wird deshalb nicht erforderlich sein 
die Resultate mit der gleichen Ausflihrlichkeit mitzutheilen. 

Von Paraffin sind zu den Versuchen 5 Platten ver- 
schiedener Dicke benutzt worden, dieselben waren 



nun. 



Platte I mit einer Dicke von 13,20 

n 11 11 11 11 11 9,40 

11 ^A-»- 11 »1 1» 1» D,7l 

11 ■*-^ 11 1^ 11 n 2,15 

>i ■'•^^11 11 11 i> 2)2{j 

Die vier ersten Platten waren, wie früher schon an- 
gegeben ist, aus einem Stück käuflichen Paraffins heraus- 
geschnitten und durch Schaben auf die betreffende Dicke 
gebracht, die Platte IVa war durch Schmelzen der bei Dar- 
stellung der andern Platten abgefallenen Stücke und Giessen 
erhalten. Ich führe die mit derselben erhaltenen Resultate 
deshalb an, weil die Werthe von a dort wesentlich andere 
sind als bei Platte IV, ein Beweis wie wesentlich der Gang 
der Influenz durch geringe Umstände beeinflusst werden kann. 

Um die Schwankungen der für eine und dieselbe Platte 
zu verschiedenen Zeiten sich ergebenden Werthe von a 
hervortreten zu lassen, theile ich in der folgenden Tabelle 
drei mit Platte III erhaltene Reihen mit, welche mit dem 
Simuselektrometer durchgeführt worden sind. 



A. Wnilner: If^tuene auf niehl^itende fitste Körper. 



57 



TabeUe XIV. 

Paraffinplatte III. 



Zeit 


Werth yon « 


1' 


0,4520 


0,4789 


0,5249 


2' 


0,4594 


0,4881 


0,5362 


3' 


0,4644 


0,4979 


0,5481 


4' 


0,4663 


— 


0,5579 


6' 


0,4755 


0,5000 


0,5635 


8' 


0,4849 


0,5159 


0,5753 


12' 


0,4988 


0,5263 


0,5920 


20' 


0,5257 


0,5482 


0,6225 


28' 


0,5486 


— 


0,6300 


40' 


0,5643 


0,5636 


0,6383 


60' 


— 


0,6000 


— 


80' 


j 


0,6427 


•^~ 



In folgender Tabelle stelle ich die Mittelwerthe für die 
5 Faraffinplatten, wie sie sich aus den Versuchen mit dem 
Sinuselektrometer ergeben haben, zusammen 

Tabelle XY. 

Paraffin. 



Zeit. 


I 


Werthe 

n 


von a f&r 

m 


Platte 
IV 


IVa 


1' 


0,4592 


6,4530 


0,4853 


0,4933 


0,5599 


4' 


0,4822 


0,4754 






0,6246 


8' 


0,5011 


0,5022 


0,5253 


0,5094 


0,6777 


12' 


0,5146 


0,5148 


0,5390 


0,5205 


0,6945 


20' 


0,5356 


0,5336 


0,-5655 






28' 


0,5509 


— 


— 




— 


40' 


0,5730 


— 


0,5886 


0,5752 


— 


48' 









— 


0,8067 


60' 


0,6052 


— 


0,6000 


0,5978 






58 8Uzwng der math.-fhys. Classe vom 3. MärM 1877. 

Die Platte IVa hatte wie erwähnt fast genau dieselbe 
Dicke wie Platte IV und unterschied sich nar dadnrch^ 
dass sie ans den bei Bearbeitnng der andern Platten er- 
haltenen Abfallen durch Zusammenschmelzen erhalten war. 
Die Tabelle zeigt wie gross durch dies einmalige Schmelzen 
der unterschied in der Influenz dieser Platte gegenüber den 
andern Platten geworden ist. Die für die übrigen Platten 
erhaltenen Werthe zeigen denselben Verlauf wie die Ebonit" 
platten, nur dass die Werthe von a ganz beträclxtlich 
kleiner sind. 

Dass auch bei dem Paraffin eine wiederholte Influenz 
den Werth von a steigerte zeigten unter andern folgende 
an Platte II gemachte Beobachtungen, bei einer Ladnngs- 
dauer von 10". 

Vorzeichen 
der Ladang. ^ 

— 0,4306 
+ 0,4734 

— 0,5173 
+ 0,5173 
+ 0,5265 

Die für die Paraffinplatten bei jedesmal erster 10" 
dauernder Ladung waren im Mittel 

für Platte I a = 0,4235 
^, II 0,4397 

„ III 0,4358 

„ IV 0,4867 

„ IVa 0,5355 

Für eine vierstündige Ladungsdauer ergab sich für 
Platte II, deren Dicke jener der dickem Schwefelplatte am 

nächsten kam 

a = 0,7851 

und far die Platte IV 

a = 0,7820 



w 



A. Wvllner: Influenz auf nichtleitende feste Körper. 59 

Wie man sieht wächst auch für Paraffin der Werth 
von a ganz beträchtlich, bleibt aber weit hinter dem für 
Schwefel und Ebonit erhaltenen zurück. 

24. 

Die verschiedenen zu den Versuchen benutzten Schellack- 
platten, oder genauer aus einer Mischung von Schellack und 
venetianischem Terpentin bestehenden Platten ergaben für 
die Influenz ziemlich verschiedene Werthe, was indess, da 
wir es hier mit Gemischen zweier Substanzen zu thun 
haben, in denen die Mengenverhältnisse der Bestandtheile 
keinenfalls die gleichen sind, nicht au^Uig erscheinen kann. 
Es möge genügen für zwei Schellackplatten je drei und zwei 
Reihen von Beobachtungen mitzutheilen, welche den Unter- 
schied der für a erhaltenen Werthe zeigen, gleichzeitig aber 
erkennen lassen, dass auch hier der Gang der Influenz im 
grossen und ganzen der gleiche ist, wie bei den andern 
Substanzen. Von den Platten hatte die Platte I eine Dicke 
von 10,93; Platte II von 13,58* Mm. 

Tabelle XVI. 

Schellackplatte I und IL 





Werth Ton a fOr Platte 


1 


Zeit 


1 1 


„ f 1 




I 


I 


I 


n 


U 


1' 


0,7094 




0,6946 


0,5929 


0,5998 


4' 


0,7723 


0,6804 


0,7383 


0,6329 


0,6300 


8' 


0,7920 


0,7025 


0,7620 


0,6554 


0,6446 


16' 


0,8148 


0,7373 


0,7870 


0,6832 


0,6650 


24' 


0,8321 


0,7505 


0,7900 


0,6946 


0,6747 


32' 


0,8356 


0,7650 


0,7946 


0,6990 


0,6839 


40' 






0,7987 


0,7016 


0,T033 


48' 


— 


— 




0,7033 


0,7099 


[ 56' 


— 


— 





0,7087 


0,7099 



Für die Platte II wurden dann nach der zweiten Me- 
thode unter andern folgende Werthe erhalten. 



60 



Sittmg der ma«ft.-pky«. Clatae vom 3. Mars 187t. 



Daner 
der Ladnng. 


Voneichen der 

Ladung und Lage 

der Platten 


tc 


10" 
10" 
10" 
10" 


normal 
umgekehrt - 
umgekehrt - 
normal 


- 


0,5639 
0,6032 
0,6277 
0,6185 


0",5 
0",5 

10' 

1' — 


normal — 
umgekehrt — 
normal — 
normal — 


0,5933 
0,6130 
0,6757 
0,7585 


3 Stunden 

2 „ 


normal — 
normal — 


0,9405 
0,9369 



Für Platte I ergab ein Versuch nach 1,5 Stunden 
a = 0,9107. 

Nach der zweiten Methode wurde noch eine dritte 
Platte untersucht, deren Dicke 7,7 Mm. war, sie ergab am 
11. und 13. Juni 1876 folgende Werthe von a. 



Daner 
der Ladnng 


Vorzeichen der 

Ladnng nnd Tiage 

der Platten 


a 


0",5 
0",5 
10" 
10" 
1' — 
2' — 


normal — 
umgekehrt — 
normal — 
normal -f 
normal — 
normal — 


0,5998 
0,5946 
0,6530 
0,6472 
0,6834 
0,6907 


0",5 
0",5 
0",5 
0",5 


normal — 
umgekehrt — 
umgekehrt -f 
normal -f- 


0,6129 
0,6039 
0,6199 
0,6269 


1 Stande 


normal -|- 


0,8358 




Ä. wmlner : Influenz auf niehtHeitende fegte Körper, 61 

25. 

Schliesslich theile ich noch die an zwei Spiegelglas- 
platten gemachten Beobachtungen mit, von denen die eine 
7,52, die andere 1,18 Mm. dick war. Die Platten waren, 
um die in Folge der Hygroskopie des Glases zxx befürch- 
tende Oberflächenleitnng möglichst unschädlich zu machen, 
mit braunem Schell ackfirniss überzogen. Die folgende Ta- 
belle XVII enthält zunächst die mit dem Sinuselektrometer 
für beide Platten enthaltenen Werthe. 

Tabelle XYII. Spiegelglas. 



Zeit 


Werthe von a fOr 


Platte I Platte n 


0' 20" 


0,7946 


0,8415 


40" 


0,8274 


0,8526 


1' — 


0,8475 


0,8825 


2' — 


0,8765 


0,9413 


3'- 


0,8968 


0,0080 


4' — 


0,9118 


0,9857 


6'- 


0,9461 




8' - 


0,9603 





12'- 


0,9753 





Bei der dünnern Platte ist nach 3 Minuten die Influenz 
schon ebenso stark als in einem Leiter, bei der dicken Platte 
ist derselbe Werth nach 12' noch nicht erreicht. Ich be- 
merke indess, dass bei der Kleinheit der Ablenkungen am 
Sinuselektrometer, die nur etwa 30' betrugen, die letzten 
Werthe von a unsicher sind, wie das ja auch schon die 
letzten Werthe bei Platte II erkennen lassen. 

Dass indess bei diesen Glasplatten in der That schon 
nach kurzer Zeit der Werth von a der Einheit sehr nahe 
kommt, das zeigten auch die Versuche nach der zweiten Me- 
thode, welche gleichzeitig wieder das hier sehr rasche Wachsen 
von a bei öfterer Wiederholung der Influenz erkennen lassen. 



SiUtmg der ma(h.-p/iy<. Claaae vom 3. JUäre 1877. 



Tabelle XVIII. 

Glasplatte 7,32 Mn: 



10. Juni 1876 


26. JnDi 1876 


Daner 

der 

Ladimg 


Voraeichen nnd 




Dauer 


ToraeicheD und 




Laue der Platte 


" 


L.dra|, 


Lage der Platte 


^ 


0",5 


normal + 


0,7361 


0", 5 


normal ■\- 


0,8078 




+ 


0,7873 


0",5 


„ — 


0,8581 




„ — 


0,8066 


0", 5 




+ 


0,8539 




+ 


0,8206 


0", 5 






0,8630 




nmgeltelirt+ 


0,8230 


10" 




' + 


0,9223 




,, — 


0,8216 


10" 






0,9288 




Dormal — 


0,8280 


10" 




; + 


0,9358 




+ 


0,8169 


10" 




+ 


0,9224 




umgekelirt + 


0,8335 


1' 




+ 


0,9432 




normal + 


0,8339 


10" 






0,9276 




+ 


0,8854 


V 






0,9600 




umgekelirt + 


0,8854 


V 
2' 
1' 
2' 




+ I++ 


0,9420 
0,9699 
0,9537 
0,9796 



hnlich war das Verhalten der dünnen Glasplatte, 
BS bei dieser nach mehr&cher Inäaenzirnng sich 
lei einer Uaner der Influenz von 10" Wertlie von ff 
, welche der Einheit ziemlich nahe kamen. 

Betreff des Ganges der Influenz im Glase möge es 
tattet sein, zu bemerken, dass sich fßr die in meiner 
rorhin erwähnten kleinen Untersnchung über den 
chen Rückstand benatzten, Spi^elglasplatten 
inlicher Gang für a ergibt wie für daa hier benut 
1. dicke Glaa. Für das damals zu den Verauci 
3 Fensterglas ergibt sich dag^en ein sehr viel lar 

Wachsen von a. 



r 



A. WHiÜner: Influenz auf nichtleitende feste Körper, 63 

26. 
Ueberblicken wir das hier vorgef&hrte ziemlich ausge- 
dehnte Beobachtungsmaterial für den Gang der Influenz in 
den Isolatoren mit wachsender Zeit, so ist der im grossen 
und ganzen übereinstimmende Gang in den verschiedenen 
Isolatoren nicht zu verkennen. Bei allen wächst die In- 
fluenz ganz beträchtlich, wenn auch nicht im gleichen 
Masse, und bei allen ist die Zunahme im An&ng eine sehr 
viel raschere als später, so dass bei allen der Werth von a sich 
einer bestimmten Grenze nähert, der von der Natur des 
Isolators abhängig zu sein scheint, bei einzelnen aber 
gleich 1 ist. 

Unter gewissen einfachen Voraussetzungen lässt sich 
leicht aus der Theorie der Influenz ableiten, in welcher 
Weise a mit der Zeit sich ändern muss, wie das unter an- 
dern in ähnlicher Weise schon von Eohlrausch und Herrn 
von Bezold bei ihren Untersuchungen über den elektrischen 
Rückstand geschehen ist. Setzen wir einen plattenförmigen 
Ansammlungsapparat voraus, dessen Radius gegen den Ab- 
stand der Platten hinreichend gross ist, so ist, wenn h die 
Dichtigkeit der Elektriciiät auf der nicht abgeleiteten 
CoUectorplatte ist, der Werth des Potentials zwischen den 
Platten im Abstände x von der CoUectorplatte 

V, = 47rh(<J — x) 
wenn der Zwischenraum zwischen den Platten mit Luft ge- 
ftUt ist. Ist der Zwischenraum mit einem Isolator ausge- 
füllt, auf dessen den leitenden Platten zugewandten Flächen 
in Folge der Influenz zur Zeit t die elektrischen Dichtig- 
keiten ^ ah sind, so wird das Potential im Abstände x 

V, = 4/rh(l — a) (* — x). 
Für die im Innern des Isolators wirksame, die negative 
fllektricität gegen die eine die positive gegen die andere 
Grenzfläche des Isolators parallel der Richtung a treibende 
&aft ergibt sich daraus 



SituiMg der mith.-phi/». Claue v<m 3, Mön l&rr. 



A 



Setzen wir nun voraas, daes die Elektrieit£t in dem 
IsolHtoT in ähnlicher Weise bewegt wird, wie in einem 
Leiter, und nennen die Leitangsföbigkeit des Isolators, also 
die Elektrifiitätsmenge, welche dnrch die Flächeneinheit dea 
Iflolators parallel der Richtung x nach beiden Seiten hin- 
durchtritt, wenn der Werth des Potentials für die Längen- 
einheit um die Einheit abnimmt k, so wird parallel der 
Richtung x dorch die Flächeneinheit den Isolators in dem 
Zeitelement dt die Elektricitätsmenge 

hin durchgehen. In Folge dessen wächst die elektrische 
Dichtigkeit auf den Grrenzflächen des Isolators am hda, 
so dasB 

hda =- dq 
somit 

hda = 4^h.k.(l-a)dt 
oder 

da = 4?c . k . {1— a) dt. 

Nach dieser Gleichung müsste a bis zu dem Werthe 
1 wachsen, was nach den vorliegenden Erfafarnngen nicht 
allgemein der Fall zu sein scheint. 

Dieser Erfahrung tragen wir Rechnung, wenn wir die 
Annahme machen, dass in jedem Isolator der Scheidung der 
ElektricitÄteu eine gewisse von der Natur des Isolators ab- 
hängige Gegenkraft entgegenwirkt, die man ais eine mole- 
kulare Anziehung auf die getrennten Eiektricitäten be- 
trachten kann. Diese Kraft kommt zur Wirkung 
beiden Eiektricitäten geschieden sind und nimmt zu m: 
der Menge resp. Dichtigkeit derselben. Damit wurde dan.^ 
die Menge der in dem Zeitelement dt durch die Querschnitt! 



A. "WUlnw, Influenz auf nichtleitende feste Körper. 65 

einlieit des Isolators nach beiden Seiten hindurchgehende 
Elektricitätsmenge nicht einfach der scheidenden Kraft 
sondern der Differenz dieser und jener molekularen Gegen- 
kraft proportional zu setzen sein, oder es wäre 



dq = :fk(^-Ai'ah) 



dt 



worin fi'ah jene der Dichtigkeit, ah der geschiedenen Elek- 
tricitäten proportionale Gegenkraft, also /u' eine von der 
Natur des Isolators abhängige Constante ist. 

Damit würde dann 

dq = h da = k . 47rh (1 — a — fia) dt 

u' 
wenn wir fi = - — setzen, oder 

4:TC 

da = k . 47r . (1 + Ai) (^^ - a) dt. 

Setzen wir nun - — ; — = c, 4/rk (1 + iw) = c, so ist 

1 +M 

da = (c — a) c dt 

■ 

und man sieht, dass der schliesslich erreichte Werth von a 

nicht I sondern e ist. 

Hiernach ergibt sich a aus der Gleichung 

da 
— = — = cdt 
e — a 

Ist nun Oq der der Zeit t = o entsprechende Werth 
Ton a so folgt 

log = c . t 

° c — a 

oder 

. . — ct. N^t 

e — a = (6 — Oq) e = (c — aQJ a 

Der der Zeit t = o entsprechende Werth Oq braucht 
auch, wenn man die Isolatoren nicht als Dielektrica be- 
[1877. 1. Math.-phy8. CL] ö 



66 Hitsung der math.-phys, Classe vom 3. März 1877. 

trachtet nicht gleich zu sein, da schon eine molekulare 
and desshalb in unmessbar kleiner Zeit stattfindende Ver- 
schiebung der beiden Elektricitäten eine messbare Elektri- 
sirung des Isolators zur Folge haben kann. 

unter diesen Voraussetzungen mtissten also die Dif- 
ferenzen zwischen dem Grenzwerthe und den zur Zeit t er- 
reichten Werthen von a fiir gleiche Zeitunterschiede einer 
geometrischen Reihe angehören, deren Coefficient a um so 
grosser ist, je grosser die Leitungsfahigkeit des Isolators ist. 



27. 

Eine lieber einstimmung zwischen der soeben abgelei- 
teten Beziehung, deren strenge Richtigkeit vorausgesetzt, 
und den zu verschiedenen Zeiten beobachteten Werthen von 
a kann nur fiir die mit dem Sinuselektrometer erhaltenen 
Reihen erwartet werden, da sich gezeigt hat, dass im Sinne 
der obigen Gleichung die Leitungsfahigkeit des Isolators zu 
verschiedenen Zeiten eine sehr verschiedene sein kann. 
Dieser umstand bewirkt, dass die mit dem Torsionselektro- 
meter erhaltenen Zahlen jener Beziehung nicht entsprechen 
können. Denn bestimmt man die einer verschieden langen 
Dauer der Influenz angehörenden Werthe aus den Beob- 
achtungen verschiedener Tage, so weiss man nicht ob die 
Leitungsfahigkeit des Isolators dann immer dieselbe war, 
da wie schon hervorgehoben wurde, auch bei annähernd 
gleichem Feuchtigkeitszustande der Luft, sich noch merk- 
liche Unterschiede in dem Gange der Werthe bei den mit 
dem Sinuselektrometer erhaltenen Reihen finden. Der Be- 
stimmung von a aus unmittelbar auf einander folgenden 
Versuchen, bei denen man die Infiuenz eine verschiedene 
Zeit dauern lässt, tritt der aus allen Versuchen sich er- 
gebende Umstand hindernd entgegen, dass auch bei gleicher 
Dauer der Influenz bei aufeinander folgenden Versuchen die 



r 



Ä. WüUner: Influenz auf nichtleitende feste Körper, 67 

Werthe von a ganz beträchtlich wachsen. Nur die Beob- 
achtungen einer und derselben Reihe, wie sie mit dem 
Sinuselektrometer erhalten wurden, sind also mit einander 
vergleichbar; dasselbe gilt mit sehr grosser Annäherung 
aucli für die aus einer Anzahl von Reihen für dieselbe 
Platte erhaltenen Mittel werthe, wenn die Quotienten der 
Reihen, wie hier meist, nur wenig von einander und von 
1 verschieden sind, indem dann die mittlem Werthe der 
Reihen ebenfalls als einer geometrischen Reihe angehörend 
betrachtet werden können, deren Quotient gleich ist dem 
Mittelwerthe der Quotienten der einzelnen Reihen. 

Aber auch dann kann die üebereinstimmung besonders 
der den kleinern Zeiten angehörigen Werthe nach dem 
frühern und hauptsächlich nach den Bemerkungen des § 15 
nur eine angenäherte sein; die anfänglichen Werthe müssen 
und zwar zumeist bei den dickem Platten zu klein sein, 
weil sich bei diesen der Einflnss der Begrenzung der Platten 
bemerkbar macht. Dazu kommt dann, wie früher hervor- 
gehoben wurde, dass bei dem Beginne der Versuche stets 
von den Glasstäbchen, welche die CoUectorplatte trugen, 
etwas Elektricität auf die Platten zurückkehrte. Alles 
dieses in Betracht gezogen ergibt sich, dass die beobachteten 
Werthe von a sich vortrefflich durch die obige Gleichung 
darstellen lassen. Dass damit kein strenger iSeweis für die 
Richtigkeit unserer Theorie gegeben wird, versteht sich 
von selbst, da die beobachteten Werthe immer nur ein 
kleines Stück der Gurve umfassen, wenn auch gerade das 
Stück, welches am stärksten gekrümmt ist. Es genügt 
indess zu erkennen, dass die gefundenen Werthe jener 
Theorie hinreichend entsprechen, um in der Grösse von a 
ein Mass für die in obige Gleichungen eingehende Leitungs- 
fähigkeit der Isolatoren zu erhalten. 

Für Ebonit benutzte ich zur Vergleichung der Theorie 
mit der Erfahrung die an der dünnsten Platte, No. III, 



68 



Sitsung der matK-phys» Classe vont 3. März I67t. 



erhaltenen Werthe, denen ich für die Zeit von 20 bis 40 
Minuten die an Platte V und VI erhaltenen Werthe hinzu- 
füge, da sich dort der Einfluss der Plattendicke wohl kaum 
mehr bemerklich macht. 

Mit Benutzung der so vorhandenen Werthe von der 
3 Minute an, ergibt sich fOr Ebonit 

6 = 0,9584 ao = 0,6141 log a = 0,00650 

a = 1,0151 

In der folgenden Tabelle sind die beobachteten und be- 
rechneten Werthe zusanunengestellt. 

Tabelle XIX. 

Werthe von a für Ebonit. 



Zeit 


• , 1 




oeoD. 


ber. 


A 


1' 


0,5920 


0,6198 




2' 


0,6092 


0,6247 


— 


3' 


0,6213 


0,6297 


- 


- 84 


4' 


0,6303 


0,6346 


- 


- 43 


6' 


0,6456 


0,6441 


— 15 


8' 


0,6641 


0,6534 


— 107 


12' 


0,6752 


0,6771 


- 


h 19 


16' 


0,6876 


0,6878 


- 


- 2 


20' 


0,7039 


0,7035 


— 4 


24' 


0,7246 


0,7183 


— 63 


28' 


0,7334 


0,7323 


— 11 


32' 


0,7374 


0,7453 


+ 79 


36' 





0,7578 





40' 


0,7505 


0,7697 


+ 189 



Für Parafün benutzte ich zur Berechnung die an Platte 
IV gefundenen Werthe, ferner für Zeiten grösser als 20' 
die an den andern Platten erhaltenen dazu noch einen in 
Tabelle XV nicht angegebenen Werthe für 90' an Platte IV. 
Es ergab sich 

6 = 0,8000 fi — «0 = 0,3081. log a == 0,00344 

a = 1,0080 



k 



F 



Ä. WüUner: Infltunt auf niehüeitende feste Körper. 



69 



TabeUe XX. 

Werthe von a für Paraffin. 



Zeit 


1 

1 




beob. 


ber. 


A 


1' 


0,4933 


0,4943 


+ 10 


4' 


— 


0,5016 





8' 


0, 5049 


0,5109 


- 


-60 


12' 


0,5205 


0,5198 


- 


h 7 


20' 


0,5449 


0,5369 


-80. 


28' 


0,5509. 


0,5532 


4-23 


40' 


0,5789 


0,5756 


-83 


60' 


0,6010 


0,6085 


+ 75 


80' 


0,6427 


0,6365 


— 52 


90'- 


0,6474 


0,6490 


+ 16 



Die an der dickern Spiegelglasplatte mit dem Sinus- 
elektrometer erhaltene Beihe lässt sich schon von der 
zweiten Minute an sehr gut darstellen mit den Gonstanten 

6 = 1 6 — «0 = 0,1629 log a = 0,07000 

a = 1,175 

Von den an der Schwefelplatte erhaltenen Reihen liegen 
in der ersten die Werthe so nahe zusammen, dass log a 
kaum von verschieden ist, das rasche Anwachsen der 
zweiten ist deshalb ohne Zweifel einer starken Oberflächen- 
leitnng zuzuschreiben. Nichtsdestoweniger lassen sich die 
Ton der dritten Minute an beobachteten Werthe sehr gut 
darstellen mit den Constanten 

6 = 1 e — aQ = 0,3766 log a = 0,01056 

a = 1,0244 

In folgender Tabelle XXI sind die beobachteten und 
berechneten Werthe für Glas und Schwefel zusammen- 
gestellt. 



Sitnmg der math.-phyi. Ckute vom 3. Marx 1877. 



Tabelle XXI. 



A 



. ftr Gh. 


« fOi Schvefel 


^" l»,b. 1 l»r. 1 A 


l)«ob. 1 bm. 1 A 


1' 


0,8475 


0,8621 


+ 146 


0,6060 


0,6325 


_ 


2' 


0,8765 


0,8826 


-- 61 


0,6299 


0,6413 


— 


3' 


0,8968 


0,9002 


-- 34 


0,6488 


0,6499 


+ 11 


4' 


0,9U8 


0,9150 


-- 32 


0,6632 


0,6583 


— 49 


.6' 


0,9461 


0,9384 


— 77 


0,6762 


0,6745 


+ 17 


»■ 


0,9606 


0,9554 


— 52 


0,6852 


0,6900 


+ 48 


Vi' 


0,9753 


0,9771 


+ 18 


0,7185 


0,7187 


+ 2 



SchliesBlich lassen sieb die bei den beiden Schellack- 
platten erhaltenen Werthe von a hinreichend genan mit 
folgenden Constanten darstellen am in dem Logaritbmns 
von a ein Mass für die Leitungsföbigkeit dieser Gemenge 
von Schellack nnd renetianischem Terpentin zu erhalten. 

t«=l « — tt, = 0,2678 loga = 0,00411 

a = 1,0095 

te = l e — «0=0,3385 loga = 0,00126 

a = 1,0030 

TalwUe XXII. 
ihellackplatte I nnd IL 



ÜT Platte I. [j « für Platte II 


ber. A i beob. | ber. j A 


0,7421 


+ 148 0,6315 


_ 


_ 


0,7517 


— 5 


0,6500 


0,6693 


+ 193 




— 97 


0,6741 


0,6769 


+ 24 


0,7868 


— 40 


0,6846 


0,6843 


— 3 


0,7977 


— 7 


0,6915 


0,6914 


— 1 


— 


— 


0,7024 


0,6986 


— 38 


— 


— 


0,7066 


0,7055 


+ 11 




— 


0,7093 


0,7122 


+ 29 



A, WüUner: Influenz auf nichtleitende feste Körper. 71 

Die Tabellen zeigen, dass in der That der Verlauf der 
Influenz in den untersuchten Isolatoren dem im vorigen § 
gemachten Voraussetzungen entspricht, selbst die Abwei- 
chuiigen der beobachteten und berechneten Zahlen entsprechen 
nach den vorhin gemachten Bemerkungen der Theorie ; die 
im spätem Verlaufe der Influenz, in welchem der Einfluss 
der Dicke immer mehr zurücktreten muss, sich findenden 
Unterschiede zwischen Beobachtung und Rechnung über- 
schreiten nirgend die unvermeidlichen Beobachtungsfehler. 

Wir können also die mit der Zeit wachsende Influenz 
in den Isolatoren als eine Bewegung der Elektricität in 
einem Mittel von sehr geringer Leitungsfähigkeit au£fassen, 
der aber in manchen Isolatoren eine merkliche Gegenkraft 
entgegenwirkt, welche von der Natur des Isolators ab- 
hangig ist, und die desshalb als eine molekulare zu be- 
zeichnen ist. • Von der Grösse dieser Gegenkraft hängt der 
Grenzwerth ab, welchem sich die Influenz nähert. 

Die die Schnelligkeit des Wachsens der Influenz be- 
dingende Leitungsfahigkeit des Isolators ist nach den Ver- 
suchen zu verschiedenen Zeiten nicht unbeträchtlich ver- 
schieden. Als Grund dieser Verschiedenheit können wir 
nur eine verschieden grosse Oberflächenleitung ansehen, wie 
das ja auch aus dem Einfluss der Feuchtigkeit zu schliessen 
ist, der in einzelnen Fällen ein sehr schnelles Wachsthum 
der Influenz zur Folge haben kann z. B. bei der Reihe II 
für die Ebonitplatte IV und bei der zweiten Reihe für 
Schwefel. Deshalb wird überhaupt auf die Zunahme der 
Influenz die Oberflächenleitung einigen Einfluss haben, der 
indess bei trocknem Wetter wohl nicht sehr gross ist, 
wie die sonst nahe üebereinstimmung der an denselben 
Substanzen gefundenen Werthe zu verschiedenen Zeiten 
zeigen. 

Einen eigenthümlichen Einfluss auf die Leitungsfahig- 
keit der Isolatoren zeigt die in kurzen Zwischenräumen 



SitMtig der math.-phys. Ctaau vom 3. Märt 1877. 



Torgenommene Wiederholung der Influenz, die Leitungi 
föbigkeit wächst dann nicht unbeträchtlich, wie wenn durch 
Öfteres Hin- and Herbewegen der Elektricität dieselbe be- 
weglicher wnrde, eine Beweglichkeit, die sie aber bei längerer 
Rahe wieder yerliert. 



28. 

In der Einleitung hob ich hervor, dass es mir schiene, 
als könnten die beabsichtigten Versuche uns auch einigen 
Aufechlnss darüber geben, wo wir die Isolatoren als Dielek- 
trica im Sinne der Faradaj' sehen Theorie anzusehen hätten, 
also als zusammengesetzt aus vollkommen leitenden Mole- 
külen die durch nicht oder nur sehr unvollkommen leitende 
Zwischenräume getrennt sind, oder oh die Isolatoren nur 
schlechte Leiter sind. In der That scheinen mir die Ver- 
suche darüber eine ganz anzweideutige Auskunft zu geben, 
und zwar, wie ich es offen gestanden noch im Laufe der 
TJntersachnng nicht erwartete, zu Gunsten der Faraday' sehen 
Anffassung. Es ergibt sich das mit Nothwendigkeit ans 
einer Veigleichung der aus nnsem Versuchen sich ergebenden 
Werthe yon «(, der Wertbe ftr die Zeit t — o und den 
Leitungsfähigkeiten der Isolatoren. 

Ist nämlich der Werth der Influenz zur Zeit t = o als 
der B^inn der ganzen Influenzwirkung zu betrachten, so 
zwar, als er die erste in anmessbar kleiner Zeit stattfin- 
dende Scheidung der Elektricitäten nnr auf molekulare 
Distanzen in demselben Medium angibt, in welchem dann 
im weiteren Verlauf der Influenz die Elektriciläten nach 
Massgabe der Leitungsfahigkeiten schneller oder langsamer 
auseinandertreten, so muss notbwendig die momentane In- 
fluenz der durch den weitem Verlanf derselben messba 
Leituugsfähigkeit proportional sein, eben weil dann die ei 
Bewegung der Elektricität in demselben Medium stattfin< 






r 



Ä, WiÜlner: Influenz auf nichtleitende feste Körper. 73 



in welchem sieh auch die weitere Scheidung vollzieht. Zeigt 
sich ein solcher Zusammenhang zwischen den Werthen von 
ao und der Leitungsfähigkeit nicht, so sind wir genöthigt 
zu schliessen, dass die momentane Influenz als ein ganz 
anderer Vorgang aufzufassen ist, als die fortdauernde, oder 
dass, wie es die Faraday*sche Auffassung annimmt, in den 
Isolatoren zweierlei vorhanden ist, vollkommen leitende 
Moleküle in einem schlechtleitenden ZwischenmitteL 

Dabei kann es nicht von Bedeutung sein, ob zur eigent- 
lichen Leitung des Isolators eine Oberfiadhenleitung hinzu- 
kommt oder nicht, da diese nur als eine Verbesserung der 
Leitungsfahigkeit zu betrachten ist , welche im ersten Mo- 
mente ebenso vollständig zur Wirkung kommt als später. 

Da zeigt sich nun zunächst, dass bei einer und der- 
selben Substanz das durch die Oberflächenleitung bedingte 
schnellere oder langsamere Wachsen der Influenz auf den 
der Zeit t =: o entsprechenden Werth mir einen sehr ge- 
ringen Einfluss hat. Ich hebe zum Beweise dessen die 
Extreme hervor. Die Reihe II für die Ebonitplatte IV 
wächst soviel rascher als die im vorigen § berechneten 
Werthe von Platte III, dass der die Leitungsfähigkeit 
messende log a einen fast 5 fachen Werth hat. Für ao er- 
gibt sich aber nur etwa 0,65 anstatt 0,614, den für Ebonit 
aus Platte III gefundenen Werth. Ebenso zeigen die beiden 
für die Schwefelplatte gefundenen Reihen einen äusserst 
grossen Unterschied in den Leitungsfahigkeiten, die anfang- 
lichen Werthe sind aber in der langsamer ansteigenden 
Reihe sogar grosser als in der rascher steigenden Reihe. 

Noch deutlicher tritt es hervor, dass gar keine Bezie- 
hung zwischen den aus den Beobachtungen sich angebenden 
Werthen von a^ und den in dem Anwachsen der Influenz 
messbaren Leitungsfakigkeiten der Isolatoren besteht, wenn 
man die für die verschiedenen Substanzen sich ergebenden 



74 Sitzung der math.-phya. Classe vom 3, März 1877. 

Werthe von a,, mit den Leitungsfahigkeiten zusammenstellt. 
Die letztern ergeben sich, da nach § 26 gesetzt wurde 

k . 47ir (1 + /w) z^ c ; e" = a 



k = 



log a 



4:7t (1 + m) log e 

Im folgenden stelle ich die gefundenen Werthe von «o, 
dieselben geordnet nach ihrer Grosse, und die nach dieser 
Gleichung berechneten Leitungsfähigkeiten der untersuchten 
Platten zusammen. 

Substanzen ccq k 

Paraffin 0,4919 0,00050 

Ebonit 0,6141 0,00114 

Schwefel 0,6234 0,00193 
Schellack II 0,^614 0,00019 
Schellack I 0,7322 0,00075 
Glas 0,8371 0,01287 

Ein Blick auf diese Zusammenstellung zeigt auf das 
unzweideutigste, dass zwischen den Werthen von Oq °^d 
denjenigen von k gar keine Beziehung besteht, dass grossem 
Werthen von «^ kleinere Werthe von k entsprechen können 
und dass bei annähernd gleichen Werthen von «q die Lei- 
tungsfahigkeiten sehr verschieden sein können. 

Wir müssen also schliessen, dass die momentane In- 
fluenz ein Vorgang anderer Art ist, als die allmählich wachsende 
Influenz, resp. da sie von der Leitungsfähigkeit des Isolators 
sich ganz unabhängig zeigt, dass die momentane Influenz 
in ganz andern Molekülen stattfindet als die allmählich 
wachsende, wir werden also zu der Faradayschen Auffassung 
der Isolatoren als Dielektrica geführt, als bestehend aus 
vollkommen leitenden Molekülen in einem unvollkommen 
leitenden Zwischenmittel. Anstatt des letztern würde man 
auch in der Art wie es Kohlrausch und Herr Clausius an- 
sehen eine Drehung der elektrischen Moleküle und eines in 




A* iTößwer: Influenz auf nichtleitende feste Körper. 75 

Folge dessen eintretenden Wachsens des elektrischen Mo- 
mentes annehmen können, was im Effect auf dasselbe hinaus-- 
kommt. Die Leitungsfilhigkeit , die vorhin nach der ein- 
fachem Anschauung eingeführt wurde, würde dann eine ge- 
ringere oder grössere Beweglichkeit der Moleküle bedeuten. 
Auf diese Fragen will ich hier aber nicht eingehen. 

Zur Bestimmung der Dielektricitätsconstanten 

1 — «0 

sind strenge genommen nur die für Paraffin und Ebonit 
gefundenen Werthe geeignet, da nur bei diesen beiden Sub- 
stanzen die Platten so dünn waren, dass man den Einfluss 
der Dicke vernachlässigen kann. Da sich indess bei diesen 
gezeigt hat, dass die für grössere Zeiten erhaltenen Werthe 
sich ganz in die für die dünnern Platten gefundenen Werthe 
einordnen, so werden auch die für die andern Substanzen 
aus den Werthen von Gq abgeleiteten Dielektricitäts- 
constanten nicht weit von der Wahrheit abweichen. Der 
für Schwefel sich ergebende Werth muss nach der Dielek- 
tricitätstheorie mit 1,05 multiplicirt werden, da nach § 11 
die Schwefelplatte 0,048 Hohlräume enthielt. Für die 
Schwefelplatte habe ich die Constante noch in anderer 
Weise berechnet. Da die Platte fast genau die gleiche 
Dicke wie die Ebonitplatte V hatte, so habe ich angenommen, 
dass der Mittelwerth für Schwefel nach 1 Minute sich zu 
dem Werthe von a© für Schwefel verhalte wie der Mittel- 
werthe des nach 1 Minute für Ebonitplatte V erhaltenen 
Werthes zu «o» ^^ Ebonit. Der sich so aus den mitge- 
theilten und einigen andern Beobachtungen für Schwefel 
nach einer Minute befundenen Werthe a = 0,5920 erge- 
bende Werthe für Schwefel ist neben den aus dem oben 
angeführten a^ berechneten gestellt. Die Werthe sind dann 



76 SitMMtg der matA.-phys. CUme vom 3. M&rt 1877. 

Sabfltaiuen D 
Paraffin 1,96 

EboDit 2,56 

Schwefel 2,58 — 3,21 
Schellack II 2,95 
Schellack I 3,73 
Olas 6,10 

Für Paraffin erhielten Barckley und Gibeon 1,976, 
Boltainiann *) 2,32, Schiller») 1,81 bis 2,47 je nach Ver- 
schiedenheit der Präparate nnd verBchiedener Dauer der 
ffir Ebonit Boltzmann 3,15, Schiller 2,21—2,76. 
wefel Siemens*") 2,9, Boltzmann 3,84, für weisses 
las erhielt Schiller 5,83 — 6,34. Man sieht die obigen 
li^en zwischen den von den andern Experimen- 
för die gleichen Substanzen gefandenen. Für die 
ten des Schellack ist zu beachten, dass sie für nicht 
n definirende nnd verschieden zusammengesetzte 
! von Schellack und venetianischen Terpentin gelten, 
ihen d. 19. Februar 1877. 



larkla; nnd QibsoD. Philotophtcal Hagaiin IT aer. vol. XLI. 
toltimann. Poggend. Ann. Bd. CLL 

Ichiller. Poggend. Ann Bd. CLIL Die greeate von Sohillei 
[ladnngsdaner ist 0,02, die kleinste 0,0001 Seeande etwa, 
iiemem. Poggend. Ann. Bd. CU. 



1 



P, Ascheraon: Ozon'Beohaektungmud.Luftd. Libyschen Wüste. 77 



Herr Professor Zittel 1^ vor und bespricht die Ab- 
handlung: 

„Neue Beobachtungen über Ozon in der 
Luft der Libyschen Wüste vonP. Ascher- 
fion." 

Als ich auf meiner im Frühjahr 1876 im Auftrag« des 
Dr. G. Schweinfarth ausgeführten Reise nach der Kleinen 
Oase (üah-el-Beharieh) in der Libyschen Wüste München 
passirte, forderte mich Prof. E. Zittel auf, die von ihm 
zwei Jahre früher während der Rohlfs*schen Expedition 
gemachten Ozon-Beobachtungen ^) wieder aufzunehmen. Ich 
unterzog mich dieser Aufgabe um so lieber, als sowohl das 
Ton mir durchzogene Gebiet sich räumlich an das der 
früheren Beise anschliesst, als auch der Jahreszeit nach 
meine Beobachtungsreihe die unmittelbare Fortsetzung der 
ZitteVschen bildet, welche die Monate Januar bis März 
umfasst, während die meinige sich noch bis Mitte Mai 
erstreckt. 

Es wurden mir von Prof. Zittel zu diesem Zwecke 
der Best der Reagenzpapiere, soMrie die Schonbein'sche 
lOtheilige Scala, welche seinen Beobachtungen gedient 
hatten, zur Verfügung gestellt. Meine Beobachtungen geben 



Sitzimgsber. der math.-phys. Classe, 4. Joli X874, S. 215—280. 



78 Sitzung der math^-phys. Classe vom 3. Märe 1877. 

keinen Anlass, anzunehmen, dass die Empfindlichkeit der 
ersteren durch die zweijährige Aufbewahrung abgenommen 
hahe. ^) 

Die Beohachtungen worden möglichst in derselben Weise 
gemacht, wie Prof. Zittel die seinigen angestellt hat. Die 
Exposition der Reagenzstreifen dauerte stets 12 Stunden; 
in der Regel fand der Wechsel derselben um 6 Uhr Abends 
und Morgens statt; es empfiehlt sich den Vergleich des 
angefeuchteten Papierstreifens mit der Farbenscala bei Tages- 
licht vorzunehmen. Der Mangel an Uebereinstimmung in 
der Parbennuance der letzteren mit dem Violett des durch 
das frei gewordene Jod gefärbten Stärkepapiers war auch 
für mich Anfangs störend; doch gelingt es nach einiger 
Uebung, durch successiven Vergleich die entsprechende 
Farbenstufe sicher zu bestimmen. Während der Wüsten- 
märsche konnten nur Nachtbeobachtungen gemacht werden ; 
im Nilgebiet dagegen (Benisuef, Medinet-el-Pajüm, 
Cairo) und in der Oase (Bauiti) war es möglich, auch am 
Tage vor dem directen Sonnenlicht geschützte und dabei 
hinlänglich dem Luftzuge zugängliche Beobachtungspunkte 
zu benützen. In Benisuef und Bauiti waren dieselben nahe 
genug der Peripherie der Ortschaft gelegen, um den Ver- 
dacht einer die Ozon-Reaction schädigenden Verunreinigung 
der Luft auszuschliessen. Weniger möchte dies von den in 
mitten volkreicher Städte angestellten Beobachtungen von 
Fajüm und Cairo zu behaupten sein ; die auffallend schwache 
Reaction, welche durch die Tagesbeobachtungen an 
ersterer Station constatirt wurde, deutet in der That auf 
einen von mir übrigens nicht auf seine Ursache zurück- 



*) Die Papiere wurden im hygienischen Institut des Herrn Geheim« 
rath von Pettenkofer durch Herrn Dr. Wolffhügel mehrfachen Control- 
versuchen unterworfen und erwiesen sich als vollständig unverändert. 

Zittel. 




P. Äschersan : Ozon-BeöboLchtungen i. d» Luft d. Libyschen Wüste. 79 

geführten schädlichen Einflnss ; die Nachtbeobachtungen da- 
selbst weichen nur unerheblich von denen in Benisuef, der 
zunächst zu vergleichenden Station, ab. Die Beobachtungen, 
welche ich im Hotel du Nil in Cairo anstellte, habe ich 
nicht ausschliessen wollen, da in der Beobachtungsperiode 
ein in so später Jahreszeit ungewöhnliches meteorologisches 
Ereigniss stattfand , nämlich ein starker Regenfall bei Nord- 
wind, welcher im ägyptischen Nilthal, aufwärts mindestens 
bis Sint, beobachtet wurde, während gleichzeitig in Europa 
jene verspäteten Fröste eintraten, die der Land- und zum 
Theil auch der Forstwirthschaft so erhebliche Nachtheile 
zugefügt haben. 

Auf besondern Wunsch von Prof. Zittel habe ich schon 
auf der Ueberfahrt zwischen Triest und Alexandrien Ozon- 
Beobachtungen angestellt, die allerdings, wohl wegen des 
theilweise ungünstigen Wetters, geringere Zahlen ergaben 
als die von ihm auf der Fahrt von Alexandrien nach Messina 
im April 1874 aufgezeichneten Beobachtungen. 

Da von den 106 Beobachtungen, welche überhaupt 
gemacht wurden , nur 1 isolirte Nachtbeobachtungen in der 
Wüste sind, hielt ich es nicht für erforderlich, Tag- und 
Nachtbeobachtungen zu scheiden, sondern habe sämmtliche 
Aufzeichnungen, chronologisch und geographisch geordnet, 
in nachfolgender Tabelle zusammengestellt. Die meteoro- 
logischen Beobachtungen, welche ich nach Zittel's Vorgange 
beigefügt habe, wurden für die Wüste, Fajüm und die kleine 
Oase von mir selbst aufgezeichnet; die von Benisuef ver- 
danke ich der Güte des Dr. P. Güssfeldt, welcher auch 
so freundlich war, aus den mir von Herrn A. Pirona 
gütigst mitgetheilten Beobachtungen der chedivischen meteo- 
rologischen Station auf der Sternwarte zu Abassieh bei Cairo, 
für Mai 1876 die relative Feuchtigkeit zu berechnen. Ich 
bedaure sehr, dass meine Aufzeichnungen über Himmels- 



80 



Sitzung der matK-phys, CUiaae t)om 3, März 1877, 



beschaffenheit , Wind-Richtung und Starke, namentlicli für 
die Nächte, viele Lücken haben, und dass ich kein Instru- 
ment besass, um die Luftfeuchtigkeit, welche von allen 
meteorologischen Einflüssen die innigsten Beziehungen zTixn 
Ozongehalt der Lufk besitzt, selbst zu beobachten. 

Die angegebenen Temperaturen (nebst relativer Feuch- 
tigkeit)^ beziehen sich im Grossen und Ganzen für die Tag- 
beobachtungen auf die Zeit zwischen 2 und 3 Uhr Nach- 
mittags, für die Nachtbeobachtungen auf die um Sonnen- 
aufgang, und zwar in Cairo auf die Stunden 3 Uhr Nach- 
mittags und 6 Uhr Früh ; in Benisuef beobachtete Dr. Güss- 
feldt zwischen 2 und 3 Uhr Nachmittags und zwischen 7 
und 7 Uhr 30 Minuten Früh. Was meine eigenen Auf- 
zeichnungen betrifft, so habe ich für die Nacht die am 
Morgen gemachte Ablesung des. Minimum -Thermometers, 
oder falls eine solche fehlt, die g^en Sonnenaufgang ge- 
machte niedrigste Ablesung mitgetheilt; für die Tagestem- 
peratur sind fast überall Aufzeichnungen zwischen 2 und 
3 Uhr vorhanden, in den wenigen Fällen, wo sie fehlten, 
wurde die höchste Ablesung mitgetheilt , welche sich in 
keinem Falle weit von dem Tagesmaximum entfernen dürfte. 
(Das Maximum-Thermometer wurde von mir zur Bestimm- 
ung der Insolation verwendet.) 



I 



P. Aaeherton ; Oson-BeobacMutym i. d. Luft d. Libyschen WütU. 8 1 

Ozon-Beobachtnngen 

vom Februar bis Mai 1876. 



lOthei- 
ligen 
Sc&U 



Fencb- 
tigkeit 
p. Ct. 



Wind- 
Bichtnng 



Stärke 



Himmel unticht 
QDd 

Niederschlfige 



Anf dem Meere zwischen Triest and Älezandrien : 

&at windetill schSn 

achGn 



Tonnittag Begen, d^nn 
Regen 



Pebmw 
27. 


5 




■V- 


7 
5 




28./29. 


6 




29. 


5 




29,/l.M. 


5 




März 
1. 


6 




l.|2. 


5 





2. BenianSf (Niltbal) : 



4 


76 


2 


29 


4 


65 


2 


91 


2 


27 


4 


■ 86 


4 


40 


6 


«4 



windstill 
WBWniri.iB 

oao.cb.«ek 


9,2 
21.1 
12.1 


NW schwach 
WNWmäsBig 


9.6 
24,0 


NW nitoig 


21.1 
13,2 



3. Medinet -el-Fajdm: 



[1877. 1. Math-phy«. Cl.] 



84 Sitzung der matK-phys. Glosse votn 3. Märe 1877. 



Datum 


Ozon 
nach 
der 
lOthei- 
ligen 
Scala 


Rela- 
tive 
Feuch- 
tigkeit 
p.Ct. 


Wind- 
Bichtung 

und 
Starke 


Tem- 
pera- 
tur 
Grad 
Celsius 


Himmelsansicht 

und 
Niederschläge 


April 












23./24. 


2 






15,5 




24. 


1 




MW schwach 


35 


klar 


24./25. 


1 




NW stark 


18,5 


klar 


25. 


3 




MW schwach 


36,5 


Nachmittag Cirrus 


25./26. 


4 






18 




26. 


0.5 




NW 


33,5 


gegen Mittag bewölkt 


26./27. 


6 




NW stark 


16,5 


bewölkt, Thau 


27. 


5 




NW 


30,5 


klar 


27./28. 


3 






16 




28. 


2 




NW 


29 


Nachmittag bewölkt 


28729. 


2 






20 


bewölkt 


29 


3 




NW 


81 


ziemlich unbewölkt 


29./30. 


5,5 






14 


Thau 


30. 


4* 




NW 


27,3 


Nachmittag hewölkt 


30 ./l. M. 


6 






15,5 


bewölkt 


Mai 












1./2. 


4 






12 




(Mendi- 












Bcheh) 













6 Zwischen der Kleinen Oase und dem Nilthale bei Samalüt: 



2./3. 


1 




(QuelleAln 






Gelid, mit 






wenig Ve- 






getation) 






3./4. 


4,5 




4./5. 


6 




5./6. 


5,5 





NO 



NO* stark 
NO stark 
NO stark 



16 



14 

14 

14,5 



fast unbewölkt 



fast unbewölkt 
fast unbewölkt, Thau 
klar, schwacher Thau 



9./10. 

10. 

12. 
12./13. 



4 


15 


3 


49 


1 


18 


1 


10 


1 


53 



7. Cairo: 



35,3 


klar 


21,4 




36,1 


klar 


40,0 


klar 


20,5 


klar 



r 



I'.A8chawn:0ton-Beoba<Muitgeni.d.Luftd.IAbys<!hen Watte. 85 



13. 


3,5 


28 


CbamaiD 


32,1 


13./14. 


6 


77 


N 


20,0 


14. 


6 


43 


N 


25,0 


U./15. 


5 


73 


N 


15,0 


15. 


3,5 


84 


N 


27,1 


15./16. 


4.5 


92 


N 


15,3 


16. 


3,5 


34 




31,4 


16./17. 


1.5 


70 




20.0 


la 


0,5 


23 




40,0 



schwacher Regen am 

Naohmittag 

atarker Regen 

Morgeos n. Abeuos Begea 



Vormittag n. Nachmittag 
einige ftegen tropfen 



Aus den in dieser Tabelle mitgetheilten Zahlen ergibt 
sich zunächst in Uebereinstimmung mit Zittel ein dnrchweg 
grösserer Ozongehalt der Lnft in der Nacht als am T^e. 
Wenn wir die obeti besprochenen abnorm grossen unter- 
schiede in Fajfim (Mittel ans 7 Kachtbeobachtangen 3,36; 
aas 5 Tagbeobachtangen 0,90) ausser Acht lassen, so be- 
trageo diese Zahlen für 

Benisu^f Nacht: Mittel ans 5 Beobachtniigen 3,80, 



iag: 
DieKleineOaseKadit: „ 


11 4 ) 

„ 28 


3,125, 


T.g: „ 


„ 26 


2,29. 


0»iro NocM: „ 


„ 6 


3,50, 


Tag: „ 


,. ^ . 


2,80. 



Wenn wir die Beziehungen der Ozon-Reaction zn den 
meteorologischen Bedingungen er&rscben wollen, so tritt 
ans allerdings die Unvollständigkeit der Autzeicbnnugen 
über Fenchtigkeit, Bew&lknug uud Windverhältnisse störend 



86 8ii9ung der tnatK'ph^s. Olaue vom 3. März 1877. 

entg^en. So viel ist indess ersichtlicli, dass bei Wind- 
stille stets niedrige Zahlen notirt sind. Die höchsten 
Zahlen fallen auf die Windrichtung N.W., einmal auch N.O. ; 
die Richtungen aus der südlichen Hälfte der Windrose er- 
reichen nur einmal, in der Nacht Yom 29./30. März 4, 
sonst höchstens 2,5. Allerdings kommen auch bei nörd- 
lichen Windrichtungen häufig ebenso niedrige Zahlen vor. 
Die beiden Male, wo gar k^ne Reaction bemerkt werden 
konnte, sonderbarer Weise am 19. März und 19. April, 
herrschte schwacher W. und N.W. Bei bedecktem wie bei 
unbewölktem Himmel finden sich niedrige und hohe Zahlen 
notirt ; die beiden erwähnten Fälle völlig fehlender Reaction 
wurden, die eine bei theil weise, die andere bei völlig klarem 
Himmel beobachtet. In der Nacht vom 29./30. März und 
am 6. April, an welchen so reichlicher Tropfenfall statt- 
fand, dass man denselben wohl Regen nennen konnte, wurde 
die relativ nicht unbeträchtliche Nummer 4 notirt und in 
Cairo in der Nacht vom 18./ 14. Mai, sowie am 14. selbst, 
an denen der Regenfall auch nach europäischen Begriffen 
ziemlich reichlich war, sogar 6 resp. 5. 

Die höchsten Zahlen^ 5 und mehr, selten nur 4, wurden, 
wie von Zittel stets auch von mir nach thaureichen 
Nächten aufgezeichnet, nach denen am Morgen die Reagenz- 
streifen bereits gefärbt vorgefunden wurden (eine Erschei- 
nung', die auf dem Meere nie vermisst wurde). Ich muss 
daher ZittePs Ansicht beitreten, dass die Gondensation des 
Wasserdampfes, ebensowohl als die Verdunstung, eine Quelle 
für Ozon abgebe. Die beträchtliche Reaction an Regen- 
tagen könnte wohl auch durch die Verdunstung erklärt 
werden. Ich gestehe, dass ich Anfangs den Verdacht hegte, 
dass die ^enetzung der Reagenzpapiere durch Thau an 
und für sich schon die Reaction vermehre. Nach einem in 
Berlin nach meiner Rückkehr angestellten Versuche scheint 
mir indess diese Annahme nicht gerechtfertigt, da bei gleich- 






JP. Äscherson : Oeon-Beöbachtungen i, d, Luft d. Libyschen Wüste. 8 7 

zeitiger Exposition eines trocknen und eines absichtlich mit 
Brunnenwasser angefeuchteten Streifens letzterer eine etwas 
schwächere Färbung zeigte. 

Ich komme nun zu dem Ergebnisse der ZitteTschen 
Beobachtungen, welches, weil durchaus unerwartet, auch 
über die fachwissenschaftlichen Kreise hinaus das grösste 
Aufsehen erregt hat ; ich meine den von ihm beobachteten 
grösseren Ozongehalt in der Luft der Wüste in Vergleich 
mit der der Culturlandschaften. Aus meinen Beobachtungen 
würde sich ein solches Resultat nicht ergeben , wobei aller- 
dings zu bemerken ist, dass unter denselben die Zahl der 
in der Wüste gemachten Aufzeichnuugen einen noch klei- 
neren Bruchtheil darstellt als die Notirungen im Cultur- 
terrain in ZitteVs Beobachtungsreihe, während die von mir 
im Gnlturlande gemachten Nachtbeobachtnngen (die selbst- 
verständlich allein zum Vergleich mit den Notirungen in 
der Wüste heranzuziehen sind) ein ziemlich übereinstimmen- 
des Resultat ergeben: 

BenisuSf . . . . 3,80 

Fajüm 3,36 

Kleine Oase . . . 3,125 

Cairo 3,50 

bleibt das Mittel der 6 Beobachtungen in der Wüste zwi- 
schen Fajüm und der Oase mit 2,25 unter denen des Cultur- 
landes, während das von 4 Beobachtungen in der Wüste 
zwischen der Oase und Samalüt mit 4,25 sich etwas über 
dieselben erhebt. Das Gesammtmittel aus allen 10 Wüsten- 
beobachtungen würde 3,05 betragen, also immer noch unter 
dem niedrigsten Mittel des Culturlandes bleiben. 

Ein ganz ähnliches Ergebniss lässt sich übrigens auch 
aus ZitteTs Beobachtungen auf den allerdings kleineren 
Wüstenstrecken ableiten, welche wir gemeinschaftlich in der 
zweiten Hälfte des März 1874 durchzogen. 



88 Siteung der matK-phys. Classe vom 3. April 1877. 

Die zwischen Dachel and Ghargeh ans 3 Beobachtungen 
erhaltene Mittelzahl 3.66 und das ans 2 Beobachtangen 
zwischen Ghargeh und Esneh gezogene Mittel 4,3 weichen 
nicht erheblich von den um dieselbe Zeit in Dachel (4), 
Ghargeh (3,66) und Esneh (3) erhaltenen Mitteln ab. 

Der überraschende Ozonreichthum der Wüstenluft be- 
schränkt sich daher, wie Zittel mit Recht hervorgehoben 
hat, auf die Wintermonate Januar und Februar. 

Wir werden schwerlich irren, wenn wir die auffällige 
Uebereinstimmung in der Ozon-Beaction der Luft der nackten 
Wüste Nord-Afrika's und der Wälder Mittel-Europa's auf 
eine gemeinschaftliche Ursache zurückfuhren, welche ich in 
der reichlichen Thaubildung an beiden Localitäten 
zu finden glaube, die freilich hier und dort aus ganz ver- 
schiedenen Ursachen zu Stande kommt. In der Wüste sind 
es die in jener Jahreszeit so auffallend kalten Nächte, 
welche trotz des nur massigen absoluten Dampfgehaltes die 
Ueberschreitung des Thaupunktes veranlassen ; in unsem 
Wäldern ist, wie Ebermayer gewiss mit B>echt bemerkt, 
die reichliche Feuchtigkeit die Quelle des Thau's und 
mittelbar des Ozon^s. Es steht mit dieser Anschauungs- 
weise in gutem Einklänge, dass der Ozongehalt im Innern 
des Waldes geringer ist als in seiner Nähe* auf freiem Felde ; 
an letzterer Oertlichkeit , welche noch an der Feuchtigkeit 
der Waldluft Theil nimmt, kann durch die ungehemmte 
Strahlung eine stärkere Abkühlung und desshalb eine reich- 
lichere Thaubildung stattfinden, während innerhalb des 
Waldes die Strahlung in den Baumkronen ein Hinderniss 
findet. 

Jedenfalls dürfte es erwünscht sein, über den Ozon- 
gehalt der Luft in Nord -Afrika, welcher bisher immer- 
hin nur für die kleinere Hälfte des Jahres bekannt ge- 
worden ist, ausgedehntere Beobachtungsreihen zu erhalten. 



P. Äacherson : Ozon-Becbachtungen i, d. Luft d. Idhyschen Wüste. 89 

Dr. W. Reil in Cairo , der verdienstvolle Begründer des 
Bades Helaän, hat während seines mehrjährigen Aufent- 
haltes an diesem mehrere Kilometer ausserhalb des Nil- 
bodens gelegenen Orte derartige Beobachtungen in grosser 
Zahl gemacht, durch deren Veröffentlichung er sich ein 
grosses Verdienst um diesen jungen Zweig der Meteorologie 
erwerben würde. 



90 Süzung der matK-phys. Gkuie vom 3. März 1877. 



Herr W. von Beetz sprach: 

„Ueber den electro che mischen Vorgang an 
einer Alnminiumanode/^ 

Am Schlüsse meiner (in diesen Sitzungsberichten 1875 
p. 59 enthaltenen) Mittheilung über die galvanische Polari- 
sation des Aluminiums hatte ich die Bemerkung gemacht, 
dass die Menge des bei der Electroljse von verdünnter 
Schwefelsänre an einer Alumininmanode abgeschiedenen Sauer- 
stoffes stets zu klein erscheine. Dieser Sauerstoff wird theils 
gasförmig abgeschieden, theils ist er in der durch Auflosung 
des Aluminiums entstandenen Thonerde enthalten, theils 
endlich in einer Oxydschichte, welche das Aluminium über- 
zieht; denn als solche glaubte ich den äusserst schlecht 
leitenden üeberzug ansehen zu müssen, welcher sich auf 
der Aluminiumanode bildet und dadurch die Stromstärke 
auf eine sehr geringe Grösse hinabdrückt. In welcher dieser • 
drei Gestalten der Sauerstoff in grosserer Menge auftritt, 
hängt von den besonderen Umstanden ab, unter denen die 
Electrolyse Vor sich geht. In der ersten Zeit nach Schluss 
des Stromes wird vorzugsweise Aluminium aufgelöst; in 
dem Maasse, als sich die schlechtleitende Oxyddecke bildet 
wird die Anode mehr und mehr gegen die Auflösung ge- 
schützt und tritt eine grössere Sauerstoffmenge frei auf. 
Ich habe eine Reihe von Electrolysen angestellt, bei welchen 
die Gestalt und das Gewicht der Anode, die Art der elec- 
trolysirenden Batterie und die Stromstärke, sowie die Dauer 



TT. o. Beetz: Ekctrochetnischer Vorgang an einer Jluminiumanode, 91 

des Processes mannigfach abgeändert wurden. Die Leitungs- 
flüssigkeit war immer im Yerhältniss 1 : 12 yerdünnte 
Schwefelsäure, die Kathode eine Platin platte. Das Gewicht 
der Anode wurde bestimmt, dann wurde sie, in einen Eaut- 
schucpfropf eingesteckt, von unten durch einen im Boden 
der Zersetzungszelle befindlichen Tubulus in diese eingeführt 
und ein ebenfalls mit der verdüniiten Säure gefülltes Eudio- 
meterrohr darübergestürzt. Das in diesem Rohre aufgefangene 
Gas zeigte sich immer als reiner Sauerstoff, falls nicht, 
durch später zu erwähnende umstände, auch etwas Wasser- 
stoff entwickelt worden war. Das Gasvolumen wurde auf 
0* und 760"" Barometerstand reducirt und daraus sein 
Gewicht berechnet. Die in der Lösung enthaltene Thonerde 
wurde durch Ammoniumcarbonat niedergeschlagen und das 
in ihr enthaltene Aluminium berechnet. Wiewohl die ange- 
wandten Aluminiumdrähte und Platten nicht eisenfrei waren, 
zeigte sich die Thonerde doch rein, weil in der Electrolyse 
das Aluminium zuerst aufgelöst wird. Nach Beendigung des 
Versuches war unterdess die Aluminiumanode sorgföltig ab- 
gewaschen und über Schwefelsäure getrocknet worden, Ihr 
Gewichtsverlust hätte gleich dem Gewichte des in der Thon- 
erde enthaltenen Aluminiums sein sollen, es fiel aber immer 
zu gering aus, so dass die Differenz dieser beiden Grössen 
als das Gewicht des Sauerstoffes betrachtet werden musste, 
welcher in der das Aluminium bedeckenden grauen (auf 
Platten irisirenden) Schichte enthalten ist. 

In den Strom war gleichzeitig ein Silbervoltameter ein- 
geschaltet. ^) Die in dem Voltameter niedergeschlagene Silber- 



1) Als solchen bediene ich mich einer sehr bequemen Abänderung 
des PoggendorfTschen Silbervoltameters. Es besteht aus einem kleinen 
Btatif mit Scbieferfussplatte , in welchem ein Platingefäss mit Ausguss 
festgeklemmt ist. In diesem hängt, mit seinem breiten Bande von 
Ebonit aufliegend, ein poröses Porzellangefäss, das ebenso wie das Platin- 
gefäss mit Silbemitratldsung gefüllt ist. Dann wird ein dicker, spiral- 



92 Sitzung der math.-phys, Ckuse vom 3. März 1877, 

menge müsste nun aequivalent sein dem in den genannten 
drei Gestalten auftretenden SauerstoflPl Meine früheren 
Versuche hatten gezeigt, dass dies nicht der Fall sei, es 
fehlte immer ein beträchtliches SauerstoflFquantum. Es hat 
sich nun aber ergeben, dass dieser Mangel Nebenumständen 
zuzuschreiben ist, wie aus den Zahlen der umstehenden 
Tabelle hervorgeht. Alle Gewichte in derselben sind in 
Grammen angegeben. 

In den Versuchen 1 und 2 fehlen bezüglich 10,1 nnd 
8,5 p. G. von der, dem ausgeschiedenen Silber aequivalenten 
SaTrerstofi&nenge. Die Anoden bestanden hierbei einmal ans 
einem dünnen Draht, das andere Mal aas einer schmalen 
Platte, beide von kleiner Oberfläche. Die Stromstärke cT" 
(immer nach absolutem magnetischen Maasse angegeben) 
war sehr klein, die Dauer der Zersetzung sehr gross, die 
Gasentwickelung äusserst spärlich. Bei den folgenden Ver- 
suchen vergrösserte ich die wirksame Aluminiumfläche, 
indem ich den Aluminiumdraht zu einer Spirale rollte. 
Hierdurch wurde die Sauerstoffentwickelung viel lebhafter, 
wenn an der Batterie nichts geändert wurde, wie in- Versnob 
3, bei welchem wie bei 1 und 2 zur Zersetzung 6 Meidinger- 
Elemente dienten; der Sauerstoffv^erlust wurde geringer, 
nämlich 5,4 p. C. Wurde die Stromstärke aber bedeutend 
vermehrt, wie in Versuch 4 durch Anwendung von 6 Grove- 
oder in Versuch 5 von 10 Bunsenelementen, so verminderte 
sich die Menge des frei abgeschiedenen Sauerstoffes wieder, 
die Gesammtmenge des erhaltenen Sauerstoffes aber näherte 
sich inuner mehr der dem Silber aequivalenten, so dass in 



förmig gerollter und mittelst eines Armes am Statif verschiebbarer 
Silberdraht in das Porzellangeföss gesenkt. Das auf der inneren Platin- 
fiäche niedergeschlagene Silber wird in der bekannten Weise abgewaschen, 
getrocknet nnd gewägt. Der kleine Apparat war im Kensington- 
Mnsenm ausgestellt. 



W' «7. Beete: Elektrochemischer Vorgang an einer Alumimuwanode, 93 



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94 SUgung der math'phyg, Cltuae wmi 3, Märe 1877. 

Versuch 5 beide Mengen innerhall) der erlaubten Fehler- 
gränzen einander gleich sind. 

Der Grund, weshalb bei den ersten Versuchen so viel 
Sauerstoff abhanden kam, liegt augenscheinlich in der spär- 
lichen Entwickelung des gasförmigen Theils desselben. Die 
kleinen Gasblasen werden lebhaft von der Leitnngsflüssigkeit 
in der Umgebung der Anode absorbirt und entweichen zum 
grossen Theil in die Luft. Bei den späteren Versuchen 
steigen die Blasen sofort lebhafter auf, bei Anwendung 
starker Ströme aber erhitzt sich die Flüssigkeit so stark, 
dass auch die Gasabsorption nur gering sein kann. Unter- 
bricht man den Strom auch nur auf kurze Zeit, so enthält 
der Gas sofort Wasserstoff, der durch die rein chemische 
Auflösung des Aluminiums in der heissen Säure entsteht. 
Man muss deshalb bei der Beendigung eines Versuches und 
dem Auseinandernehmen des Apparates besonders sorgfaltig 
und schnell verfahren. Der kleine Ueberschuss, den der 
Versuch 5 liefert, ist wohl auch einer solchen Beimengung 
einer geringen Wasserstoffmenge zuzuschreiben. Auch während 
des Stromschlusses entwickelt sich bei zu grosser Erhitzung 
der Leitungsflassigkeit am Aluminium leicht Wasserstoff, so 
dass man gut thut, dieselbe kühl zu halten. 

Ich glaube nach diesen Ergebnissen meiner Versuche 
jeden Zweifel an der Richtigkeit des electrolytischen Gesetzes 
bei der Electrolyse an Aluminiumelectroden als beseitigt 
ansehen zu dürfen. 

Die schon von Buff ^) beobachtete Eigenschaft des die 
Aluminiumonode bedeckenden Ueberzuges, dem Strom einen 
nngemein grossen Leitungswiderstand entgegenzusetzen, ist 
neuerdings wiederholentlich abermals entdeckt worden. 
Gleichzeitig mit meinen oben citirten Versuchen über diesen 



2) Liebig nnd Wöhler. Annalen der Chemie und Pharmarie. CII, 
P. 290, 



W.V.Beete: Eleäroehemischer Vorgang an einer Äluminiumanode. 95 

Gegenstand sind ähnliche angestellt von Ducretet'), 
'welcher sagt, dass ein Strom durch ein Voltameter mit 
einer Platin- und einer Aluminiumelectrode nur in einer 
Bichtung gehe; bei Umkehrung des Stromes höre die Zer* 
Setzung auf und fast gar keine Electricität werde hindurch- 
gelassen. Er glaubt sogar, durch Anwendung solcher, als 
Ventile dienenden Voltameter das Problem des gleichzeitigen 
Durchganges zweier Telegramme in entgegengesetzter Rich- 
tung durclf denselben Draht in der einfachsten Weise lösen 
zu können; wie das erreicht werden soll, ist freilich nicht 
angegeben. Auch Ducretet hält den schützenden üeber- 
zng für ein Oxyd des Aluminiums und zwar für Thonerde, 
die sich freilich wohl in der Säure lösen dürfte. Eine 
Isolirung des Ueberzuges will nicht gelingen. Bei lange 
fortgesetzter Electrolyse trübt sich wohl die Leitungsflüssig- 
keit, und man kann eine kleine Menge des sich loslösenden 
Beschlages in sehr feinem Pulyerzustande auf einem Eiltrum 
sammeln. Die Menge betrug aber in meinen Versuchen nie 
mehr als einige Milligramm. Trotz sorgfaltigstem Waschen 
mit heissem Wasser behielt ich auf dem Filtrum immer 
eine Substanz, welche vor dem Löthrohr auf Thonerde 
reagirte, während ich niemals Silicium darin nachzuweisen 
vermochte. Ich glaube daher ebenfalls, den üeberzug be- 
stimmt für ein Aluminiumoxyd halten zu müssen , um so 
mehr, als die siliciumreichsten wie die reinsten Aluminium- 
sorten sich in Bezug auf die beschriebenen electrolytischen 
Vorgänge ganz gleich verhielten. Ganz siliciumfreies Alu- 
minium mir zu verschaffen ist mir freilich nicht gelungene 
und dies ist die Hauptursache, weshalb ich diese zur Er- 
gänzung meiner firüheren Mittheilung dienende Notiz der- 
selben so spät folgen lasse. 

3) Compt. rend. LXXX p. 280 und SUlim. Americ. Jonrn. (8) IX 
p. 467, ans Jonrn. d. Phys. lY. p. 84. 

■ ■ ■ ■ ■ t ii ^ if 



Süftuig dar wtath.-ph9*. Gtame uo« 10. Märt 1877, 



Sitianft Tom 10. Hüe 1877. 



IT Professor v. Bischoff hielt einen Vortrag: 

,,Üeher das Gehirn eines Gorilla und die 
untere oder dritte Stirnwindung der 
Affen." 

1 glaabe es wagen za dürfen, die AufinerbBamkeit 
ehrten Klasse noch einmal einem Affen-Crehime za- 
m, da eg sich diesesmal nm ein ünicnm handelt, 
erat wenige Sterbliche bisher zn Gesicht bekommen 
Es ist das Gehirn eines jungen männlichen Go- 
welchea ich die Ehre habe Ihnen hier Torzuzeigen. 
8 Tbier von welchem dieses Gehirn herrührt, kam 
ibend in den Besitz der amerikanischen Mission in 
, starb aber dort schon nach drei Tagen. Zum 
gelangte es alsbald in die Hände eines von der zoo- 
D Gesellschaft in Hamburg nach Gaboon gesendeten 
irtera, welcher nach der yon mir empfohlenen Me- 
en Eopf des Thieres mit einer Chlorzinklösni^ in- 
nnd dann den Schädel aufschnitt, so daas der Wein- 
en dem das Thier aufbewahrt wurde, eindringen 
So geschah es denn, dass als dasselbe in Hamburg 
' und unterancht wurde, das Gehirn vortrefflich er- 
^ar, und sich ganz anagezeichnet zur anatomischen 
ehnng eignete und noch eignet. 



r 



i\ Bischoff i Üeber äaa Oehim eines GmOa ete. 97 

Zuerst kam das Gehirn in die Hände des Hm. Prof. 
Pansch in Eiel, welcher es in der den Mitgliedern der 
Naturforscher- Versammlung in Hamburg 1876 gewidmeten 
Festschrift, von einigen Photographien begleitet, bekannt 
machte. Da mich die hier gegebene Beschreibung und 
namentlich auch die Photographien nicht ganz befriedigten, 
indem letztere nur in % der natürlichen Grösse gegeben 
sind, und gerade die interessantesten Stellen des Gehirns 
bei ihnen ganz in unerkennbarem Dunkel liegen, ich mich 
aber sehr für dieses letzte mir noch unbekannte Anthro- 
poiden-Gehirn interessirte, so wandte ich mich an Hr. Dr. 
Bolau, den jetzigen Vorstand des zoologischen Gartens und 
des naturhistorischen Museums in Hamburg, einst unseren 
Schaler hier, mit der Bitte mir das Gehirn zu überschicken. 
Ich empfinde es mit grossem Danke, dass Hr. Dr. Bolau 
mir das grosse Zutrauen geschenkt hat, mir dieses kostbare 
Object zu uneingeschränkter wissenschaftlicher Untersuchung 
und Beschreibung zu überlassen, und halte mich geradezu 
für verpflichtet zu der bestmöglichsten Kenntniss desselben 
beizutragen, so viel in meinen Kräften steht. Ich habe 
also das Gehirn sorgfaltig untersucht, es aufs Neue photo- 
graphiren und auch in Wachs auf den Schädelausguss eines 
erwachsenen männlichen Gorilla mit möglichster Treae 
und Sorgfalt modelliren lassen , ' so dass wir annehmen 
können, dieses Gehirn hier in seinen Formverhältnissen 
vollkommen naturgetreu vor uns zu sehen. Allerdings war 
das Thier selbst noch jung. Es war mit etwas gebogenen 
Knien nur 52 Ctm. gross und männlichen Geschlechtes, be- 
sass aber sein vollständiges Milchgebiss von 20 Zähnen, 
und bei einer Yergleichung der Grösse des Gehirns mit der 
Grösse des Sehädelausgusses eines erwachsenen Männchens, 
sieht man, was auch schon früher die bekannten Schädel- 
Verhältnisse junger und alter Thiere kennen lehrten, dass 

die Schädelhöhle verhältnissmässig mit dem Alter und den 
[1877. 1. Math.-phyB. CL] 7 



98 Sütung der vuUh.-phyg. CUmt vom 10. Märä 1877. 

Schädelknocheni besonders den Antlitzknochen, nur massig 
grösser wird. 

Ich habe das Gehirn wie es jetzt ist gewogen, nnd 
finde dasselbe 265 6rm. schwer. Die Er&hmng hat ge- 
lehrt, dass man annehmen kann, dass ein solches Gehirn 
durch die Injection mit Ghlorzink und Anfbewahmng in 
Weingeist gegen 25 ^/o an seinem Gewicht yerliert. Es 
würde also frisch 33 1.25 Grm. gewogen haben. Nach 
Quatre&ges (BulL de la Soc. d'Anthropol. 1866 p. 648) 
soll der Admiral Fleuriot de TAngle das Gehirn eines 
1,7 Meter grossen gegen 6 Jahr alten Goiilla, 400 Grm., 
das eines zweiten 1,9 Meter grossen nur 300 Grm, schwer 
gefunden haben; das Geschlecht ist leider nicht ang^eben, 
worauf vielleicht dieser ansehnliche Gewichtsunterschied 
grosstentheils zurücklief. Nach Du Chaillu soll das Ge- 
hirn eines Gorilla 560 Grm. schwer werden;' allein wenn 
man auch mit dem Misstrauen gegen diesen Beisenden in 
manchen Stücken zu weit g^angen ist, so lässt sich doch 
kaum annehmen, dass derselbe die nothigen Kenntnisse, 
technische Fertigkeit und Mittel besessen hat in den afri- 
kanischen Wäldern ein Gehirn kunstgerecht herauszunehmen 
und zu wi^en. Man hat sich bei Mangel wirklicher Hirn- 
gewichte des Gorilla, mit Ermittelung der Schädel-Gapa- 
cität b^nügt. Diese Schadelcapacität von erwachsenen Gth* 
rilla beträgt: 

Nach Wymann und Owen 
(Transact. of the zool. Soc. of Lond. VoL IV, p. 85) 

beim Männchen 34,5 Engl.G.Z. = 565,28 Cctm. 

„ „ 32,6 „ = 534,15 „ 

„ „ 30,3 „ = 496,46 „ 

„ „ 28,3 „ = 463,69 „ 

beim Weibchen 25,0 „ = 409,62 „ 



1^. :bi8choff: Üeber das Gehirn etfiM &<niUa ete, 9d 

Nach Turner 
(Proceedings of the Royal Soc. of Edinb. V. 1864, p. 349) 

beim Männchen 28,0 EngLCZ. =? 458,78 Cctm. 
beim Weibchen 26,5 „ = 434,19 „ 

Nach Huxley 
(Anatomie der Wirbelth., p. 405) 

im Maximum 35,0 EngLCZ. = 573,00 Cctm. 

Nach DuTernoy 
(ArchiTee du Mus d^Hist. nat. VIII, 1855 1. p. 170) 

500,00 Cctm. 
520,00 „ 

Nach Broca 
(Ballet de la Soc. d*AnthropoL 1869, p. 874) 

550,00 Cctm.- 

Nach mir bei einem alten Mannchen 465,00 „ 
„ „ „ „ „ Weibchen 350,00 „ 

Würde man annehmen können, dass sich der Schädel- 
innenraum zu dem Himgewicht ohngeföhr wie bei dem 
Menschen, nämlich wie 100:95 verhalte, so würde man 
für einen ausgewachsenen männlichen Gorilla ein Mittel- 
Himgewicht von etwa 442 Grm. berechnen können. 

Ich habe das Gehirn, wie es jetzt ist, auch gemessen, 
indem ich dasselbe in yerschiedenen Richtungen zwischen 
zwei senkrechte parallele Flächen legte, und deren Ent- 
fernung von einander bestimmte. Ich erhielt für den Län- 
gendurchmesser 120 Mm., für den Breitendurchmesser 92 Mm., 
für die Höhe 73 Mm., während Prof. Pansch dieselben Ver- 
hältnisse zu 100, 85 und 70 angiebt. Diese Unterschiede 
sind yielleicht darin begründet, dass sich die Form des Ge- 
hirns weiter verändert hat; yielleicht aber auch in der 
Methode des Messens^ wenn Prof Paasch etwa das Maass 



100 SÜHmg der maih.-phffs. (Haut Mn 10. Miurß 1877. 

oder den Zirkel direct angelegt haben sollte. Der Index 
cephalicos wäre nach meiner Messung 76.6. 

Obwohl indessen das Gehirn in seinen Formen sehr 
wohl erhalten ist, kann man doch diesen Maassen keinen 
absoluten Werth beilegen. Wenn wir sie aber mit denen 
des Schädelansgusses eines erwachsenen männlichen Gorilla 
Tergleichen, so ergiebt sich doch daraus das auch sonst zu 
erwartende Resultat, dass sich der dolichocephalische Cha- 
rakter des Thieres mit fortschreitendem Alter stärker ent- 
wickelt ; denn die Maasse des Schädelausgusses des erwach- 
senen Thieres sind: 115, 90 und 76, was einen Index 
cephalicus von 78,2 ergiebt» * 

Ich habe in gleicher Weise dieselben Durchmesser der 
Schädelausgüsse eines alten männlichen Chimpans^ und alten 
Orang gemessen, und fand sie bei jenen 110, 92 und 74 
und bei letzterem 92, 86 und 80, was also für diese den 
Index cephalicus von 84 und 93 giebt, d. h. der Gorilla 
hat das am meisten dolichocephale Gehirn, dann kommt der 
Chimpanse und dann der Orang. 

Ausserdem ist die Verschiedenheit in der Bildung des 
Stirnlappens bei diesen drei Ausgüssen sehr bemerkenswerth. 
Er ist bei dem Gorilla abgeflacht, zugespitzt ohne eigent- 
liche Stirnfläche. Beim Chimpanse ist er auch noch zu- 
geschärft, aber nicht so abgeflacht; beim Orang weniger 
zugescharft und weniger abgeflacht als beim Cbimpans^. . 

In Beziehung auf das Verhältniss des grossen Gehirns 
zum kleinen Gehirn ist zu bemerken, dass letzteres bei dem 
Gorilla absolut und relativ grösser ist als bei den beiden 
anderen Anthropoiden; auch bemerke ich, dass es bei 
ersterem am wenigsten yon den Hinterlappen der grossen 
Hemisphäre bedeckt wird, . und bei der Betrachtung des 
Schädelausgusses von oben mit seinem hinteren Rande sicht- 
bar wird. 



f>. Bisehofi: üeber das Gehirn eines GoHUa etc. 101 

Es giebt, wie ich bereits erwähnt habe, bis jetzt keine 
irgend genügende Beschreibung des Gehirns eines öorilla. 
Gratiolet hatte ein Gehirn in den Händen und theilte auch 
darüber in den Comptes rendus 1860. L p. 801 einige No- 
tizen mit. Allein das Gehirn befand sich in einem solchen 
Znstandie der Auflösung, dass die Beschreibung nur sehr 
unvollständig sein konnte. Gratiolet sagt, die Grosshim- 
windnngen seien wenig und auffallend einfach gewesen ; die 
obere StimwinduAg sei durch eine dreiarmige Furche in 
zwei einfache Windungen getheilt gewesen; die mittlere 
und untere nur sehr weniir irewunden. Die yordere Central- 
wind«^ w« „.ig g^L» ..d «.„k ^ hü>l» g. 
neigt ; die hintere noch stärker geneigt, ganz oben in einen 
kleinen dreieckigen Lappen übergegangen, d. h. der Yor- 
zwickel habe bis auf dieses Rudiment gefehlt. Ebenso soll 
der Premier Pli de Passage ganz gefehlt haben, der deuxieme 
ganz unter dem Operculum verborgen, der sog. Pli courbe 
sehr spitz gewesen sein. Wir werden sehen, dass selbst 
diese wenigen Angabjen keineswegs mit der Beschajffenheit 
unseres Gehirns übereinstimmen. 

Dr. B. Meyer in Offenbach bemerkt in seiner Abhandlung : 
Ueber den Gorilla (Denkschrift des Offenbacher Vereins f&r 
Naturkunde 1863, p. 24), Owen sage Ton dem Gorilla aus, 
däss der Gorilla von allen Yierhändem das grosste Gehirn 
habe , mit den tiefsten Furchen und zahlreichsten Wind- 
ungen, dass das grosse Gehirn, im Yerhältniss zum kleinen, 
ias grosste von allen Affen sei, und der hintere Lappen 
desselben fast das kleine Gehirn bedecke. Wo Owen diese 
Angabe machen soll wird nicht gesagt, und ich kann eine 
solche auch nirgends finden. Yermuthlich ist es aber ein 
Missverständniss. An einer Stelle seiner Schrift: On the 
Classification and geograph. distribution of the Mammalia 
p. 77 sagt Owen: Wenn? das Gorilla-Gehirn diese Eigen- 
sehäfien habe, so würde der vergleichende Anatom nicht 



102 aUgimg der wuUh.^liy$. Oam vom 10. Man 187T. 

anstehen, den Gorilla fttr den menschenähnlichsten Affen 
zn erklären. Inzwischen besitzt das Gorilla -Gehirn nicht 
alle diese Eigenschaften. 

Die Tollständigste Beschreibnng gab, wie ich oben be* 
merkte, von dem gegenwärtig vorliegenden Gehirn eines 
Gorilla Prot Pansch in Kiel. Ich werde im Nachfolgenden 
Gtelegenheit haben nnd nehmen, über seine einzelnen An- 
gaben zn referiren, denn es ist ein Hauptzweck meiner 
gegenwärtigen Arbeit meine Ansichten fiber mehrere wich- 
tige Pankte des Anthropoiden -Gehirns gegen die g^^n- 
theüigen Ansichten nnd Einwürfe des Prof. Pansch zn ver- 
treten, wodnrch, wie ich hoffe, überhaupt über mehrere 
Verhältnisse der Forchen nnd Windungen des Gehirns noch 
mehr Licht verbreitet werden wird. 

Zuvor bemerke ich indessen noch, dass über das vor- 
liegende Gorilla -Gehirn sich auch in der Zeitschrift „Na- 
ture", Vol, 15. No. 372. pag. 142. d. 14. Dec. 1876, eine 
Mittheilung eines Herrn G. D. Thane findet, die sich unter 
Wiedergabe der Photc^raphien der Panscheschen Abhand- 
lung und der Benutzung der Beschreibung, in bestimmter 
Weise selbstständig über dieses Gehirn ausspricht, indem 
der Verfasser namentlich die Windungen weit mehr bernck- 
siehtigt, als Prof. Pansch dieses gethan hat, auch allge- 
meine Vergleichspunkte zwischen dem Gehirn des Gorilla 
und dem der beiden anderen grösseren Anthropoiden, sowie 
des Menschen hervorhebt. Da indessen der Verfasser, wie 
es scheint, eben nur die ihm vorli^enden, und wie ich 
schon bemerkt habe, in bestimmter Weise unzureichenden 
Photographien zu seinem Studium benutzt hat und benutzen 
konnte , so war es , wie ich glaube , eine unausbleibliche 
Folge, dass von ihm die wirklichen Verhältnisse dieses Ge- 
hirns doch wesentlich irrig aufgefasst wurden. Wer sieh 
viel mit diesem Studium der Gehirnwindungen be&sst hat, 
der weiss, dass man um ein Gehirn richtig zu beurtheilen. 



r 



F 



V. Bisehofft Ueher das Gehirn eines Ooritta ete. 103 

dasselbe absolut in der Hand haben muss; man fasst sonst 
Vieles &lscli anf und Manches bleibt Einem yerborgen. Ich 
habe es desshalb nicht für thnnlich und nöthig gehalten, 
die Angaben des Herrn Thane ausfOhrlicher and im Ein- 
zelnen zu berücksichtigen. Auch hat der Terfasser in 
seinen aUgemeineu Schlüssen nicht genügend bedacht, dass 
er es bei diesem Oehim mit dem eines noch ganz jungen 
Thieres zu thun hatte, obgleich er im Allgemeinen wohl 
darauf auftnerksam war. 

Was nun die Bearbeitung des Yorliegenden Gorilla« 
Gehirns durch Prof. Pansch betrifft, so muss ich zunächst 
ein bei derselben hervortretendes allgemeines Missyerständ- 
niss meiner Bearbeitung der Gehirnwindungen, berichtigen. 
£r sagt pag. 22 der erwähnten Schrift, die von mir ab- 
'weichenden Resultate, zu welchen er über die Verhältnisse 
der Windungen des grossen Gehirns gekommen sei, seien 
die Folge der yerschiedenen Principien, denen wir 
gefolgt seien. Er habe zu wiederholten Malen darauf hin- 
gewiesen, dass man in der Topographie der Hirnoberfläche 
sich einzig und allein an die typischen oder Hauptfurohen 
halten solle, während ich den Typus für die Anordnung 
vieler Windungen darin gefunden zu haben glaube^ dass sie 
in Bogen um die Enden der primären Furchen gelagert 
seien. 

Sind denn das, muss ich fragen, verschiedene Prin- 
cipien nach denen wir handeln? Ich dächte doch nicht. 
Vielmehr ist es ganz sicher, dass ich mindestens einen ebenso 
groisHsen Werth wie Prof. Pansch auf das Verhalten der 
Hauptfnrchen des Gehirns l^e, ja legen muss, wenn ich 
die um die Enden dieser Furchen gelegenen Windungsbogen 
aufsuchen oder studiren will. Ich muss und kann nicht 
anders als vbn diesen Furchen ausgehen. Allein damit be^ 
endet sich allerdijigs meine Untersuchung nicht, sondern 
ich frage sodann, wie verhalten sich nun die Windungen 



104 aUmmg ä» mM.^ph^: Claue vom 10. Mär$ 1877. 

za diesen Forchen? Und da glaube ich, dass ich durch die 
allerdings sehr einfache, und wie Professor Ecker in seiner 
Schrift: üeber die Hirnwindung des Menschen pag. 22 
sagt, «ich Ton selbst yerstehende und nicht anders sein 
konnende Beobachtung und Bemerkung, die aber eben Nie- 
mand Anderer vor mir gemacht und ausgesprochen liat, 
dass diese Windungen in mehr oder weniger einfachen oder 
zusammengesetzten Bogen um die Enden der Furchen liegen, 
ein wesentliches Hülfsmittel zur Erleichtei;ung der Erkennt- 
niss des Verhaltens der Windungen, und zur leichten Ver- 
ständigung über dieses Verhalten gegeben habe. Dieses 
aber fehlt bei Prof. Pansch so sehr, dass er es sogar f&r 
ganz fiberflüssig hält sich mit den Verhältnissen der Wind- 
ungen überhaupt einzulassen, und am Schlüsse seiner Ab- 
handlung sagt: „Diese müssen sich aus der Beschreibung 
der Furchen von selbst ergeben, und würde eine eingehende 
Betrachtung derselben wenig Nutzen haben.^* Hier gehen 
allerdings unsere Principien ganz auseinander ; denn ich bin 
ganz entgegengesetzter Meinung. Ich glaube, dass es in 
letzter Instanz grade nur auf eine g^enaue Einsicht und ein 
Verständniss des Verhaltens der Windungen ankommt, 
denn ich bin und bleibe der schon in meiner ersten Ab- 
handlung über die Grosshirnwindungen pag. 64 ausge- 
sprochenen Ansicht, dass es der Hauptzweck dieser Topo- 
graphie der Gh*osshirnoberfläche ist, in diesen Windungen 
deü Verbreitungs-Bezirk der in ihnen ausstrahlenden Fasern 
bestimmen zu können. 

Dass aber auch ich vollkomt en der Ansicht bin, dass 
tOr Allem an einem Gehirn das Verhalten seiner Haupt- 
furchen festgestellt sein muss, wenn man über die betref- 
fenden Windungen ins Reine kommen und sich yerständigeu 
will, das wi^ sich nun sogleich ergeben, wenn ich bemerke, 
/\a8s eine der wichtigsten Abweichungen des Prof. Pansch 
mn der vpn mir gelehrten Betrachtung des Affengefairns, 



V. B%96hioljfi üiher das OeMm eines OariOa etc. 105 

n&mlich in Beadebang auf die sogen, dritte oder untere 
Stirnwindnng daranf beruht, das», wie icb glaube, Prof. 
Pansch fiber das Verhalten des sog. vorderen Schenkels der 
Fossa Sylyii im Irrthum ist. Prof. Pansch betrachtet eine 
¥Hirche des Affen-, und in specie des Gorilla-Gehirns, als 
^den vorderen Schenkel dieser Fossa Sylvii, welche dieses 
nach meiner Ansicht durchaus nicht ist. Er weicht dess- 
Halb auch von mir in Betreff der unteren Stimwindung 
so weit ab, dass während ich diese bei den niederen Affen 
für gar nicht ^ bei den Anthropoiden für schwach und nur 
in ihren ersten Rndim^iten entwickelt halte, Prof. Pansch 
umgekehrt, sowohl früher als jetzt, in Beziehung auf den 
Gorilla, diesen Theil far nnverhältnissmässig gross erachtet. 
Dieser Punkt verdient bei der Wichtigkeit, welche 
diese Windung wahrscheinlich in Beziehung auf das Sprach- 
▼ermogen besitzt, eine ausführliche Erörterung, und er be- 
darf dieselbe, weil der erste Schein gerade bei dem Gorilla- 
Gehirn so sehr für Prof. Pansch spricht, dass, als ich das- 
selbe zuerst zu Gesicht bekam, ich in der That glaubte, 
Prof. Pansch Hecht geben zu müssen, und nicht zweifle, 
dass ein Jeder, welcher die Sache nicht mit grosser Um- 
sicht untersucht, unbedingt derselben Ansicht sein wird. 

Prof. Pansch lehrt, dass bei dem Gorilla und, wie er 
meint, auch bei dem Ghimpanse und Orang die Fossa Sylvii 
an der Stelle des Auseinandergehens ihrer drei Schenkel 
durch die umgebenden Windungen des Stirn-, Scheitel- und 
Sehlafenlappens so wenig geschlossen sei, dass ein bemerk- 
barer Theil der Reirschen Insel zwischen diesen Wind- 
ungen frei zu Tage liege. Er lehrt dann fefner, dass der 
vordere Schenkel der Fossa Sylvii ansehnlich entwickelt sei, 
und von einer ansehnlichen unteren Stimwindung umgeben 
werde. 

Nuü hatte ich bisher bei keinem einzigen Affenhirn 
jemals einen frei liegenden Theil der Insel beobachteii son- 



106 BUMvmg der maäk^yt. Oatae wm 10. Mötm 1B77. 

dem dieselbe, so weit sie fiberfaaapt entwickelt war, immer 
Yollst&ndig bedeckt gesehen, so dass es sogar einer be- 
trachtlicben Anseinander-Biegnng der sie bedeckenden ESm- 
theile bedurfte, nm sie überhaupt zu G-esicbt zu bekommen. 
Ebenso erinnerte ich mich nur einer einzigen Angabe von 
Huzlej (Yergl. Anatomie der Yertebraten, übersetzt von 
Dr. Ratzel pag. 406) und einer in derselben Schrift pag. 56 
gegebenen Abbildung eines Ghimpans^Gehirns, durch welche 
das Freiliegen eines Theiles der Insel angegeben wird. Ich 
habe auch aufs Neue alle mir bekannten und zugänglichen 
Beschreibungen und Abbildungen von Affen- und insbeson- 
dere von Anthropoiden -Gehirnen, von Owen, Tiedemann, 
Vrolik, Marshall,' Embleton, Turner, BoUetson, Gratiolet, 
DuYemoy etc. durchgesehen, und entweder in dieser Hin- 
sicht gar keine Aeusserung gefunden, was wohl als ein 
nefptiver Beweis angesehen werden kann, oder es wird die 
Insel ausdrücklich als bedeckt bezeichnet, und keine Ab- 
bildung lässt sie irgendwo sichtbar werden. 

Ich war daher im äussersten Grade überrascht, als ich 
das Hamburger Gorilla-Gehirn zu Gesicht bekam , und bei 
demselben in der That die Spitze der Insel frei • zwischen 
den umgebenden Theilen des Stirn-, Scheitel- und Schläfen- 
lappens zu Tage treten sah. und als ich nun an einem 
mir gleichfalls durch Dr. Bolau von Hamburg gütigst ge- 
sendeten weiblichen Orang-Gehirn das Gleiche beobachtete, 
so begriff ich vollkommen, wie Prof. Pansch zu seiner An- 
sicht und seinen Angaben gelangt war» obgleich zwei weitere 
von Hamburg fiberschickte Ghimpans^-Gehimefwieder Nichts 
von dieser Eigjinthämlichkeit zeigen. Dieselbe bildet also 
jedenfalls eine Ausnahme, und um so mehr sah ich mich 
veranlasst, die dabei auftretenden Verhältnisse und Fragen 
einer sorgfältigen Prüfung zu unterwerfen, welche mir denn 
auch, wie ich glaube Aufschluss, und wie mir scheint, in 
'echt interessanter Weise gegeben haben. 




V. Bischofft üeher das Gehirn eines GarUla etc. 107 

Um diesen aber aneli für Andere verständlich und an- 
nelunbar zu machen, ist es nothwendig, dass ich die Ver- 
lialtnisse der Insel, der Fossa Sylvii und der benachbarten 
Fi:irchen, der sogenannten Fissnra anteriori des Snlcus antero- 
parietalis oder praecentralis, und der ersten primären Ba- 
diärfiirche, sowie des S. orbitalis (Ecker) seu S. transversus 
plus extemus (Weisbach), etwasK ansffthrlicher an der Hand 
der menschlichen Anatomie, der vergleichenden Anatomie 
uixd der Entwicklungsgeschichte auseinandersetze« 

Die Fossa Sylvii entsteht bekanntlich schon sehr früh 
an dem Fötus -Gehirn, etwa in der 11. Woche, als eine 
Binknickung der Hemisphärenblase an ihrer unteren 
und lateralen Fläche, wodurch jene in zwei Theile getheilt 
wird. Sie ist Anfangs zwar flach und weit, verdient aber 
in dieser ersten Zeit doch eher den Namen einer Furche 
als einer Grube, welche sich von vorne und unten- nach 
liinten und oben zieht. Erst ällmählig , im fSnften Monai( 
verwandelt sich diese Furche in eine wirkliche dreieckige 
Grube, indem sich der spätere vordere Schenkel auszubil- 
den anfangt. Sie stellt dann ein ungleichseitiges Dreieck 
dar, dessen Spitze an die Basis des Gehirns fallt, die Basis 
nach oben an der lateralen Fläche desselben liegt, der 
längere Schenkel stark geneigt nach rückwärts, der knrzere 
vorne mehr gerade aufwärts steigt. Den Boden der drei- 
eckigen Grube bildet der von den Seh- und Streifenhügehi 
iind dem Linsenkern gebildete Kern der Hemisphäre, dessen 
hier die Hemisphären-Blase verdrängende äussere Fläche sich 
zur Insel entwickelt. Durch die immer stärkere Erhebung und 
Entwicklung der Ränder derGrübe verwandeltsiesicheiner Seits 
inimer mehr, wenigstens äusserlich, in eine dreischenkliche 
Spalte, und die Insel wird anderer Seits immer mehr und mehr 
bedeckt, obwohl sie selbst bei dem Neugebomen nach Ent- 
fernung der Hirnhäute noch nimmer mit ihrem erhabensten 
Theile zu Tage tritt. Die ehemalige Spitze des Dreiecks ' 



108 Sitmng der wuOhrpki^s. dam vom 10. Märä 1877. 

li^t jetzt ganz an der Basis des Gehirns als Stamm der 
Furche zwischen dem hinteren Rande des Stirnlappens ond 
dem Yorderen Theile des Schlafenlappens; der hintere län- 
gere Ast reicht mehr oder weniger weit an der lateralen 
Flache der Hemisphäre nach hinten nnd oben hinauf, endet 
hier entweder einfach oder oft auch gespalten, nnd wird 
von einer einfiftchen oder «neh doppelten Bogenwindnng 
(meiner ersten Scheitelbogen- Windnng, Gratiolets Pli mar- 
ginal snp^rienr nnd infiSrieur) umgeben und abgeschlossen. 
Der vordere kürzere Schenkel der Spalte ist bei dem Menschen 
immer in mehrere, wenigstens zwei, aber auch drei und 
selbst vier Zweige zerlegt, um welche sich die Windungen 
der dritten oder unteren Stirnwindung in Bogen hermn- 
ziehen. 

Diese vielfach auf- nnd absteigende imtere Stirn windong 
geht immer mit einer Wurzel von dem unteren Ende der 
vorderen Central windung, oder dem vorderen Schenkel des 
unteren Schlussbogens der Gentralfiirche aus. Aber dieser 
Abgang von der Central windung verlauft bald oberflächlich,^ 
bald geht er in der Tiefe ab, was gleich weiter zu er- 
örternde bemerkenswerth verschiedene Yerhältnisse bedingt. 
Das vordere, medialwärts gerichtete Ende dieser gewundenen 
unteren Stirnwindung macht den hinteren, den Stamm der 
Fossa Sylvii nach vorne b^enzenden Rand der Aug^-« 
flache des Stimlappens aus, und fliesst hier an dem sog. 
Trigonum olfieictorium oder der Caruncula mammillaris mit 
der vordersten Windung der Insel zusammen | wahrend die 
übrige Insel^ wie allgemein bekannt ist und angegeben wird, 
von den sie umgebenden Windungen des Schläfen- und 
Scheitel-Lappens durch eine Furche getrennt ist, auch kein 
direkter Faserzusanmienhang zwischen jenen und den Wmd- 
nngen der Insel besteht. 

In Beziehung auf die Thierwelt erscheint die Fossa 
Sylvii in ihren ersten Spuren schon bei diBuYogeln, wenig- 



t. Ihiehoff: (Jeher das Oehkn einea OaHtta eU. 109 

si;eii8 sehe ich sie an dem Gehirn eines Adlers und Kasuars 
acAwaeh, bei einem Kakadu aber ganz deuÜich ausgebildet, 
al>er auch nur in der Gestalt einer weiten Furche, wie 
im idlerersten Anfange bei dem menschlichen Embryo, nicht 
als eine Grube. Bei den niedrigsten Säugethieren, Nagern, 
2« B. bei Cavia verschwindet sie wieder, aber in den 
lioheren Ordnungen, bei den Wiederkäuern, Einhufern, Dick- 
liSutern, Fleischfressern, Affen ^ tritt sie zugleich mit der 
Insel wieder hervor, bildet aber bei Allen nur eine Spalte, 
die, von der unteren Himfläche ausgehend, an der lateralen 
Flache entweder grade, oder auch etwas nach hinten ge- 
neigt, in die Hohe steigt. Bei den Wiederkäuern, Ein- 
hofem, Fleischfressern legen sich die bogenförmigen, sog. 
Urwindungen um sie herum; einen vorderen Schenkel 
besitzt sie nicht. ^) Sie bildet auch bei den Embryonen 



1) Ich bedaore, dass ich mit einem so Terdienstyolleii tmd scharf- 
tinnigen Forscher nnd Psychologen wie Prof. Mejnert, in der Auffias- 
rnukg der Windungen sowohl hd den Säugethieren als dem. Menschen 
nicht ühereinstimmen kann. Was jene hetrifft, so differire ich Tors&g- 
lich Ton Prof. Meynert in Beziehong auf die Fossa Sylvii und die Fis- 
■ora centralis s. Rolando. Ich kann mich nicht überzeugen, dass irgend 
ein Saogethier unter den anthropoiden Affen auch nur eine Spur eines 
Torderen Schenkels der Fossa Sylvii besitzt, und bin namentlich nicht 
im Stande die yon Prof. Meynett als vorderer Schenkel der Fossa SütU 
bei dem Baren bezeichnete Furche, als solchen anzaerkenneur Diese 
Forche scheidet nur bei diesem Thiere eine auch in der Schadelhöhle 
ausgesprochene eigenthümliche Abtheilung des Vorderhims von dem 
ftbrigen Theile des letzteren ab, welche ich für den nur schwach ent- 
wickelten Stimli^pen halte. Ich finde nichts Aehnliches bei irgend 
einem anderen Fleischfresser und Omnivoren; auch sehe ich nicht, dass 
irgend ein anderer Autor, weder Leuret noch Gratiolet noch Tiedemann 
diese Furche als zur Fossa Sylvii gehörig aufgefasst h&tten, noch irgend 
Einer überhaupt von einem vorderen Schenkel der Fossa Sylvii spricht. 
Ich kann mich weiter nicht überzeugen, dass das Festhalten und 
der Versuch der Durchführung des Systems der Urwindungen des Ge- 
hirns der niederen Ordnungen der Saugethiere auch bei den Affen und 




1 10 aummg dtt mäth.-ph^B. CUmb tarn iO. Mars 167t. 

dieser Thiere nie eine sololie offene , dreieckige Grube, ipm 
bei dem menschlichen Embr;o spaterer Monate. Erst bei 
den grösseren und höheren Affen yon den Cynocephalen an, 
fiLngt der vordere Schenkel der Fossa Sylvii an eich sehr 
schwach heryoneabilden , nnd zwar in fortschreitender Ent- 
wicklung von den Cynocephalen an bei Hylobates, Chim- 
pause nnd Qrang. In gleicher Weise bildet sich die Insel 
immer mehr aus, und eine, aber immer noch sehr einfEiche, 
Windung legt sich um diesen vorderen Schenkel der Fossa 
Sylvii, den ich nur bei einem Dresdener Orang^Gehim an 
seinem vorderen Ende etwas gespalten, . und demgemass von 
einem schwach getheilten Bogen umgeben sah. Dieser Bogen 
mit der in ihm befindlichen Fissur findet sich in allen 
guten Abbildungen und Seitenansichten desChimpans^ und 
Orang-Gehims, z, B. bei Gratiolet, YroUk, ol^leich Keiner 
sie als das erkannt hat, was sie wirklich ist. Am Besten 
beschreibt Turner in den Proceedings of the Boy. Soc. of 
Edinb. 1855—66. Yol Y. pag« 584 das Yerhalten der Insel: 
„The median or central lobe (Island of Beil) consisted on 
the left side of five short and almost straight convolutions, 
none of which possessed great size, but on the right side 
only four were visible. The fissures which separeted these 
gyri from each other were short and shallow. The gyri 



Menschen einer genetischen Wahrheit entspricht, nnd noch weniger 
irgend einen praktischen Erfolg f&r die Auffassung und Beschreibung 
der Windungen des Affen- und Menschenhims » und eine Erleichterung 
der Verständigung über dieselbe in sich einscMiesst Das Auftreten 
der ersten Furchen an dem menschlichen Embryonal-Gehim: der Piss. 
occtpitalis perpend. int., der Fiss. centralis, dann der sogenannten 
Radiirfnrchen, vernichtet von vorne herein das BUd und die Anordnung 
der bogenförmigen Urwindungen um die Fossa Sylvü herum; letstere 
werden durch diese Eadiariurchen von Anfang an in einselne Systeme 
•von selbstst&ndigen Bogenwindungen zerlegt, die sich bei den niederen 
Tbieren gar nicht finden. 



i 




V. Bisetk^i Ueher äaa Öehin^ i^Me OoriUa eta. 111 

iradiated outwards apd bakwards from the locos perforatas 
anticas. The most anterior joined superficially 
the inferior frontal gyrus; the rest were separated 
by a deep grove from the conrolntions which formed the 
anterior lip of the Sylvian fissure. The island was deeply 
situated within the fissure of Sylvias, and excepting a small 
part of the most anterior gyrus, where it joined the in- 
ferior frontal, was completly concealed so long as the Ups 
of the fissure were in situ/^ Leider giebt er keine Seiten- 
ansicht des Gehirns und man bleibt daher fiber den vor- 
deren Schenkel der Fossa Sylvii und sein Verhalten zur 
unteren Stirnwindung in Zweifel. Ebenso ist es bedauer- 
licher Weise mit einer von Marshall in The natural Eist. 
Beview 1861. p. 296 gegebenen Photographie der Seiten- 
ansicht eines Ghimpans^-Gehims; die betreffende Stelle liegt 
ganz unkenntlich im Dunkel. Niemand ist auf das Ver- 
halten des vorderen Schenkels der Fossa Sylvii und die sich 
um denselben heramziehende Windung aufmerksam ge- 
worden; Alle folgen Gratiolet und beschreiben die mittlere 
Stimwindung als die antere, wobei sie freiUch auch Alle in 
Beziehung der Annahme und Trennung einer oberen und 
mittleren Stirnwindung in Verlegenheit kommen« Doch 
ehe ich diesen Punkt weiter verfolge ^ muss ich zunächst 
über die sogenannte Fissura anterior und den Sulcus prae- 
centralis sprechen. 

Diese Fissura anterior» d. i» eine vor dem unteren Ende 
der vorderen Centralwindung an der lateralen Fläche der 
Hemisphäre von der Sylvischen Grube gerade ' aufsteigende 
Furche, wird von einigen älteren Anatomen z. B. von 
Krause, als die Grenze zwischen Stirn- und Scheitellappen 
beschrieben, und Turner betrachtet dieselbe in seiner Be- 
schreibung der Windungen des menschlichen Gehirns in dem 
Edinb. med. Journal 1866. Vol. XI. 2. p. 1109. als den 
vorderen Schenkel der Fossa Sylvii. Hu^ley beschrieb die- 



112 Siimmg der wuttk^h^B. Cla$$e w>m iO. Mfyrg 1877 

aelbe Furche an dem Gehirn eines A^teles in den Pro- 
ceedings of ihe zool. Soc. of London 1866 p. 257. als an- 
tero parietal snlcus, nnd Ecker gab ihr den Namen: Saicus 
praecentralis in seiner Abhandlung: die Hirnwindungen 
des Menschen, pag. 16; identificirt sie mit der sogenannten 
ersten primären Badiärfurche des Fötusgehirns, oder lässt 
sie wenigstens in diese sich fortsetzen, und h&lt sie for 
eine typische. 

Ich habe mich schon in meiner Abhandlung üb^: die 
Qrosshimwindungen des Menschen i pag. 19 u. 27, g^en 
die Homologie dieser Furche mit dem vorderen Schenkel 
der Fossa Sylvii und dann auch überhaupt g^^n ihre An- 
nahme als einer wesentlichen, oder gar typischen, erklärt 
und diese Negation auch später aufrecht erhalten, insofern 
jene Furche etwas Verschiedenes von der ersten primären 
Badiärfurche des Fötus sein soll. Diese Furche ist, wie 
auch Ecker am angefahrten Orte bemerkt, immer von der 
Fossa SyWii durch die von der Torderen Gentralwindung 
abgehende Wurzel der unteren Stirnwindung geschieden. In 
vielen Fällen ist das ganz evident, wenn die eben genannte 
Wurzel oberflächlich von der Gentralwindung abgeht. 
Oft ist letzteres allerdings auch nicht der Fall, sondern 
dieser Abgang erfolgt mit einem mehr oder weniger in die 
Tiefe dringenden Bogen, und dann kann mehr oder we- 
niger der Schein entstehen, als sei ein Sulcus praecentralis 
überhaupt vorhanden, nnd als gehe er aus der Fossa Sylvii, 
etwa als deren vorderer Schenkel, hervor. Allein wenn 
man genau zusieht, so wird man finden, dass dieses NIK 
der Fall ist, sondern, wie gesagt, immer eine diese Furche 
von der Fossa Sylvii scheidende Windung vorhanden ist. 

Ich kann aber, wie gesagt, von diesem Sulcus prae- 
centralis überhaupt Nichts weiter anerkennen, als insofern 
an demselben die embryonale primäre Badiärfurche bethei- 
ligt ist. Diese ist in der That typisch und scheidet bei 



_^i^. 




«. Bischoff: lieber das Gehirn eines OoriÜa etc. 113 

dem Menschen als Sulcus frontalis snperior immer die mitt- 
lere und die untere Stirnwindung von einander. Da kann 
es dann geschehen, dass, wenn die untere Stimwindnng in 
der Tiefe von der vorderen Centralwindung abgeht, diese 
Kadiärfurche sich vor der vorderen Centralwindung herab- 
steigend, bis zur Fossa Sylvii hinzieht, wie Prof. Ecker 
dieses in seiner Fig. I. abbildet; doch ist dieses nur selten 
der Fall. Wenn so der Stamm und Ursprung dieses sog. 
Sulcus praecentralis schon ein sehr precärer und oft fehlen- 
der ist, so fehlt seine vordere vor der vorderen Central- 
iräidang aufsteigende Fortsetzung noch viel öfter, weil es 
Tiel seltener ist, dass auch die mittlere Stimwindung von 
der vorderen Centralwindung mit einer tiefen Wurzel ab- 
geht, diese vielmehr in der bei weitem grossten Mehrzahl 
der Fälle einfach oder selbst doppelt oberflächlich ver- 
läuft. Dann ist eben von diesem Sulcus praecentralis gar 
keine Rede. 

Fast alle Autoren sind nun der Meinung, dass eine 
an dem Gehirn vieler, nicht aller, Afifen in auffallender 
Weise, an der Grenze zwischen der lateralen und Augen- 
flache verlaufende Bogenfarche identisch, d. h. homolog mit 
der ersten primären Radiärfurche des menschlichen Em- 
bryonal - Gehirns sei, auch bei den Affen zur Scheidung 
zwischen der mittleren und unteren Stirnwindung diene, 
die über ihr gelegene Windung also die mittlere, ^die unter 
ihr gelegene die untere Stirnwindung sei. 

Prof. Pansch sagt p. 22 seiner Abhandlung über das 
Gorillagehirn, die Homologie dieser Furche bei Affen und 
Menschen stehe seiner Meinung nach ausser aller Frage, 
und indem er daher die unterhalb dieser Furche liegende 
Hirnpartie für die untere Stirn windung erklärt, kommt er 
zu dem Schlüsse, dass diese Windung gerade bei den Affen 
unverhältnissmässig stark sei. (eh selbst habe früher in 
meiner Abhandlung über die Grosshirn Windungen des Menschen 
[1877. 1. Math.-phys. Cl.] 8 



114 SiUung der maih.'phy$. CUuse vom lö, Mär§ 1877. 

dieser Ansicht gehuldigt, und wenn ich gleich schon damals 
Bedenken trng, mit Gratiolet auch bei den Affen drei 
Stirnwindungen anzunehmen, so glaubte ich doch, dass die 
unterhalb der genannten Bogenfurche liegende Windung 
der dritten oder unteren Stirnwindung des Menschen ent- 
spreche, die obere und mittlere dann aber sehr wenig Yon 
einander gesondert seien. 

Seitdem ich indessen die Anthropoidengehirne durch 
eigene Untersuchung genauer kennen lernte, bin ich von 
meiner früheren Ansicht insofern zurückgekommen, als ich 
die unterhalb der genannten Bogenfurche liegende Windnng 
nicht mehr für die untere, sondern für die mittlere Stirn- 
windung halte, und die untere Stimwindung nur in einer 
erst bei den Anthropoiden allmälig in schwachen Anfangen 
um den vorderen Schenkel der Fossa Sylvii auftretenden 
Bogenwindung erkenne (s. meine Abhandl. Beiträge zur 
Anatomie des Hylobates lacuscies p. 76 u. f.). Es ist da- 
mit verbunden, dass ich in der erwähnten Bogenfurche des 
Affengehims nicht mehr die homologe Furche mit der 
ersten primären Badiärfurche des embryonalen und mit dem 
Sulcus front, inf. des erwachsenen Menschen -Gehirns, son- 
dern nur eine analoge Furche, zur Scheidung zwischen 
oberer und mittlerer Stirn windung erblicke. Es würde 
sehr werthvoU sein, zur vollständigen Aufklärung dieses 
Verhältnisses Gehirne von Affen -Embryonen zu studiren. 
In wahrscheinlich noch langer Ermangelung derselben muss 
ich mich eben an andere Gründe zur Unterstützung meiner 
auf den ersten oberflächlichen Blick nicht sehr wahrschein- 
lichen Ansicht stützen. 

Wenn man nämlich die genannte Windung bei den 
Affen für die untere Stirnwindung erklärt, so kommt man 
mit den beiden oberen Stirnwindungen sehr schlecht zu- 
recht, und kann nur selten eine irgendwie wahrscheinliche 
Trennung zwischen ihnen auffinden. Man muss dann an- 



V. Büchoff: Üeher das Gehirn eines GoriÜa ete, 115 

nehmen, dass sie noch weit mehr bei den Affen als bei 
dem Menschen zusammenhängen, was doch bei der gros- 
seren Einfachheit der ganzen Anordnung gar nicht wahr- 
scheinlich ist ; denn bei dem Menschen vermehren sich ihre 
Verbindungen in gradem Verhältniss wie beide sich höher 
in secundären Windungen entwickeln. Beide Windungen 
würden dann bei den Affen schon an dem vorderen medialen 
Rande des Stirnlappens ganz ineinander übergehen, und 
sieh nur in dem ganz schmalen, den Snlcus ol£su;torius 
medianwärts begrenzenden Gjrus auf die Orbitalfläche fort- 
setzen, während bei dem Menschen der grSsste Theil dieser 
Orbital -Fläche von der Fortsetzung des mittleren Stim- 
windungszuges eingenonunen wird. Diese Rolle würde dann 
bei den Affen die untere Stirnwindung einnehmen, welche 
bei dem Menschen nur den hinteren Rand der Orbitalfläche 
bildet. 

Es ist ferner für Jedermann einleuchtend, und Gra- 
tiolet hat dieses ganz vorzüglich in seiner Note über das 
von ihm untersuchte Gorilla-Gehirn in den C!omptes rendus 
1860, Tom. 50, p. 801, auseinandergesetzt und betont, dass 
das Affengehirn und insbesondere das Gorilla - Gehirn , sich 
am allermeisten von dem Menschengehim durch die mangel- 
hafke Entwicklung seines Stirntheiles unterscheidet, und 
dass diese Mangelhaftigkeit, ausser in der bedeutenden Ab- 
flachung, voi züglich auf der dürftigen Entwicklung der 
Seiten- und besonders der Orbital-Theile des Stirnlappens 
beruht. Jeder Affenschädel zeigt diese grossen Verschieden- 
heiten auf den ersten Blick. Alle besonders niedrigstehende 
Schädel vom Menschen, insbesondere auch die Mikrocephalen- 
Schädel, zeigen diese schmale zugeschärfte Beschaffenheit 
der Stirn, und wenn man nun die Gehirne dieser Schädel 
untersucht, so sieht man, dass es vorzüglich die untere 
Stimwindung ist, welche sich mangelhaft und verkümmert 
entwickelt zeigt. (S. meine Abhandlung: üeber ein mikro- 

8* 



116 Sittung der math,-phy$. Clasae vom 10. Märe 1876. 

cephaÜBches achtjähriges Mädchen in den Abhandlungen der 
Kgl. bayr. Akad. d. W. IL Cl. XI. Bd. IL Abth. p. 14.) 

Es ist daher gewiss äusserst unwahrscheinlich, dass, 
. wie Prof. Pansch meint , gerade die untere Stirn windung 
bei den Affen sehr stark entwickelt sein soll, die Rednction 
der ganzen Stirn daher auf Kosten der beiden oberen 
Stirnlappen beruhen müsste. Als ich daher bei den Anthro- 
poiden-Gehirnen jene kleine von dem unteren Ende der 
vorderen Gentralwindung ausgehende Bogen -Windung, und 
in dieselbe eine kleine aus der vorderen oberen Ecke der 
Fossa Sylvii hervorgehende Furche in dieselbe eindringen 
sah, so konnte bei mir kein Zweifel bestehen bleiben, dass 
dieses der wahre vordere Schenkel der Fossa Sylvii und 
jene kleine Bogenfurche die untere Stimwindung sei, die 
sich hier zu entwickeln anfange. Und als negativer, aber 
gewiss nicht unwesentlicher Beweis für diese Anschauung 
. kommt hiezu, dass wenn diese Bogen windung nicht diese 
untere Stimwindung, und die in sie aus der Fossa Sylvii 
und in offenem Zusammenhange mit dieser sich herum- 
ziehende Furche, nicht der vordere Schenkel der Fossa 
Sylvii sein sollte, man gar nicht angeben kann was beide 
denn wirklich sein sollten. 

Dieses fahrt mich nnn aber endlich zur Betrachtung 
der Furche, welche Prof. Pansch an dem Gorilla - Gehirn* 
und an dem Gehirn anderer Affen, für den vorderen Ast 
der Fossa Sylvii hält, eine Ansicht, mit welcher, wie ich 
nicht zweifle. Jeder, der das Gorilla-Gehirn allein für sich 
betrachtet, übereinzustimmen geneigt sein wird. Ich halte 
um zu zeigeji, dass dieses dennoch ein Irrthum ist, es für 
das Zweckmässigste wieder von dem menschlichen Gehirn 
auszugehen. 

Wenn wir bei demselben die Orbitalfläche des Stirn- 
lappens betrachten, so sehen wir bekanntlich an deren 
medialem Kande den Sulcus olfactorius verlaufen, welcher 



j 



V. Bischoff: Ueher das Gehirn eines OorÜla etc, 117 

ausser seiner Bestimmung den Riechnerven aufzunehmen zu- 
gleicli den an der medialen Fläche des Stimlappens ver- 
laufenden schmalen ersten oder oberen Stimwindungszug be- 
gränzt. An seiner lateralen Seite breitet sich der zweite 
oder mittlere Stirnwindungsshig aus, und auf ihm macht 
sieli die bekannte H-Furche, Turners triradiate Sulcus, 
bemerkbar. Dann kommt die an dem hinteren Rande der 
Orbitalfläche gegen das Trigonum olfactorium hin aus- 
laufende und den Stamm der Fossa Sylvii begränzende 
dritte oder untere Stirnwindung. Hier an der 6rän2e 
zwischen unterer und mittlerer Stirnwindung, beide von ein- 
ander scheidend, findet sich eine Furche, welche Ecker Sul- 
CU8 orbitalis, Weisbach (Die Supraorbitalwindungen des 
menschlichen Gehirns, Wien. med. Jahrbücher Bd. XIX, 
1876) Sulcus transversus + S. externus nennt.*) Diese Furche 
zieht nur selten von depi Stamme der Fossa Sylvii wirklich 
ausgehend, sondern meist von ihr durch den Ausläufer 
der dritten Stirnwindung getrennt, aber doch bis nahe 
an sie hinreichend, von innen und hinten nach aussen vorn 
und oben gegen den lateralen Rand der Orbitalfläche des 
Stimlappens hin, und endet hier meist von einem Windungs- 



2) Trott der grossen Sorgfalt nnd dem Beichthum an Beobacht- 
ungen, mit welcher Dr. Weisbach die Sapraorbital- Windungen bearbeitet 
hat, kann ich mich doch nicht mit dem System, welches er in diese 
Furchen nnd Windungen hineinzubringen versucht hat, einverstanden 
erklaren. Ich glaube nicht, dass der Typus dieser Furchen und Wind* 
ungen in drei Längs- oder Sagital- und einer Querfurche besteht, son- 
dern glaube, dass ausser dem Sulcus olfactorius nur noch sein Sulcus 
transversus ein typischer ist, ersterer zur Aufnahme des N. opticus, letz- 
terer zur Scheidung zwischen dem Orbitaltheil der unteren und der 
mittleren Stimwindung; Der S. transversus entwickelt dann sehr ge- 
wöhnlich zwei nach vom tretende Fortsätze, deren einer der S. medius„ 
der andere der S. externus von Weisbach sind. Doch kommen in der 
Anordnung der beiden letzteren, eben weil sie nicht typisch sind, sehr 
Yiele Varietäten vor. 



118 8ii§mg der wkM.-phy9. Olam vom 10. Man 1S77. 

bogen mngeben, der die hier fast nie fehlende Yerbindunff 
zwischen der mittleren nnd unteren Stimwindnng yermitteln 
hilft. Häufig verlänfk diese Furche in der genannten Art 
auffallig und isolirt für sich, h&ufig aber geht auch toh 
ihr, wie schon Ecker bemerkt, ein Ast nach vorwärts, der 
sich dann mit anderen Furchen an der Orbitalflache des 
Stirnlappens zu der H-förmige^ Figur gestaltet, und dann 
kann der eigentliche Verlauf der besprochenen Furche an 
der Grenze zwischen unterer und mittlerer Stimwindnng 
undeutlich werden. Aber ganz augenfällig dient sie eben 
zur Trennung der beiden genannten Windungen von ein- 
ander an dieser unteren und lateralen Flache des Stirn- 
lappens, so wie die erste primäre Badiärfurche an der 
oberen und lateralen Fläche. Beide Furchen streben g^en 
einander und werden nur meistens durch die oben erwähn- 
ten Verbindungs- Windungen zwischen mittlerer und unterer 
Stimwindung yon einander getrennt. Wie ich sehe er- 
scheinen auch beide Furchen meistens bei dem Fötus zu 
gleicher Zeit,. nämlich am Ende des siebenten und Anfangs 
des achten Monates, nur nicht immer in gleich deutlicher 
Weise zu einander gehörig, weil eben die untere oft bald 
in complicirtere Furchen übergeht. 

Diese selbe untere Furche, dieser Sulcus orbitalis oder 
transversus -f extemus findet sich nun auch an der Orbital- 
fläche und gegen den lateralen Rand des Stimlappens hin- 
ziehend bei den Anthropoiden - Affen, und ist diejenige 
Furche, welche Prof. Pansch für den vorderen Schenkel der 
Fossa Sylvii hält. Bei den niedriger stehenden Affen findet 
sie sich nicht. Bei den in meinem Besitz befindlichen Ge- 
hirnen von Macacus- und Cynocephalus- Arten sehe ich sie 
gar nicht; unter den von Gratiolet abgebildeten Affen- 
gehirnen ist es nach diesen Abbildungen möglich, dass sich 
bei Lagothrix etwas von ihr findet. Zuerst aber tritt sie 
und ihr Verhalten %xxx Fossa Sylvii und deren vorderen 




«• Sückoff: üeber das Gehirn einea GoriUa etc, 119 

Schenkel sehr einfach und klar bei Hylobates hervor. Hier 
sieht man sie (in meiner Abhandlung über Hylobates leu- 
csiscns anf Tab. II. Fig. III und ebenso an den Abhildungen 
^von Gratiolet) an dem hinteren Bande der Orbitalfläche 
des Stirnlappens, dicht neben dem sog. Trigonnm olfacto- 
xinm und fest an dem Stamme der Fossa SyMi beginnend, 
aber nicht aus ihm hervorgehend, lateral wärts nach vorn 
und oben verlaufen, wo sie von einem Windungsbogen (c) 
umgeben wird, welchen ich für der mittleren Stimwindung 
angehörig erachte. Etwas weiter nach rückwärts befindet 
sich der vordere Schenkel der Fossa Sylvii (5.) als eine 
kleine Spalte die offen von dieser letzteren Grube da 
ausgeht, wo sich ihr grösserer Schenkel noch hinten wendet. 
Sie kann Nichts anderes als dieser vordere Schenkel der 
IB'ossa Sylvii sein, und die kleine Bogenwindung (c) von der 
fide abgeschlossen wird, kann Nichts Anderes als die rudi- 
mentäre untere Stirnwindung sein, die noch einen gemein- 
schaftlichen Ursprung mit der mittleren Stimwindung von 
dem unteren Ende der vorderen Gentralwindung nimmt. 

Ganz ebenso ist es bei dem von mir beschriebenen und 
abgebildeten Hamburger Chimpanse-Gehim (Sitzungsb. d. 11. Cl. 
d. b. A. d. W. 1871. 1) (Nro. I), wo A' der vordere Schenkel 
der Fossa Sylvii, 2. die mittlere, und 3. die untere Stim- 
windung sind, welche beide ebenfalls noch gemeinschaftlich 
von dem unteren Ende der vorderen Gentralwindung aus- 
gehen. Die Fiss. orbitalis (Ecker) ist hier nicht so prägnant 
hervortretend und auf der Abbildung nicht bezeichnet, aber 
ganz deutlich, nur etwas gewundener verlaufend vorhanden, 
^nd wiederum b^innt sie, wie ich nach wiederholter Be- 
sichtigung des Gehirns nachtragen kann, weiter nach ein- 
wärts in der Nähe des Stammes der Fossa Sylvii, aber 
picht aus ihr hervorgehend, nicht weit von dem Trigonum 
olfiEM^torium^y und um ihr laterales, vorderes oberes Ende 



120 Siitfmg der mtM.-phifs. Olam «om 10. Märg 1877. 

läuft wiederam in starker entwickelten Bogen die mittlere 
Stimwindnng (2.) 

Bei dem Dresdener Ghimpans^-Oehim (der Mafoka) 
verhält sich die Sache wesentlich ebenso. 

Nicht anders ist es bei dem von mir beschriebenen nud 
abgebildeten hiesigen Orang-Gehirn (Sitz.-Ber. d. b. A. d. W. 
II. Cl. 1876 2.) Anch hier sieht man (Fig. II.) den vorderen 
Schenkel der Fossa Sylvii bei A', mit der denselben um- 
gebenden unteren Stimwindnng (3.); nach vorne und medial- 
wärts von ihnen die nicht bezeichnete Fiss. orbitalis und um 
sie herum wiederum den Bogen der mittleren Stimwindung. 
Auch an diesem Gehirn dringt die Fiss. orbitalis nicht bis 
in den Stamm der Fossa Sylvii hinein, und kann gar nicht 
für ihren vorderen Schenkel gehalten werden. Das von mir 
erwähnte Dresdner Orang-Gehirn verhielt sich ebenso. 

Bei einem Hamburger Chimpans^-Gehirn, welches ich mit 
Nro. U. bezeichne, ist von einem früheren Beobachter die 
Fossa Sylvii weit aufgebogen und das Gehirn so erhärtet 
worden. Hier sieht jeder unbefangene Blick sogleich, das? 
die von mir als vorderer Schenkel der F. S. bezeichnete 
Furche unzweifelhaft; diesen Namen verdient, der Sulcus 
orbitalis, welcher gleichzeitig vorhanden ist, aber nicht. 
Erstere geht gerade da wo es zu erwarten ist von dem 
Stamm und dem hinteren Aste der F. S. aus; und ist von 
einer ein&chen Bogenwindung» einer unteren Stimwindung 
umgeben, welche auch mit der vorderen Windung der Insel 
sich verbindet. Die zweite Furche, der Sulcus orbitalis, 
geht aber gar nicht in den Stamm dw F. S. über, sondern 
ist von derselben eben durch die gegen das Tuber olfacto- 
rium auslaufende vordere Windung der Insel abgeschieden; 
dagegen ist sie an der Jateralen Seite des Stirnlappens von 
einem Windungsbogen umgeben, der der mittleren Stim- 
windung angehört. Es ist bemerkenswerth, dass an diesem 
Gehirn sich an der Orbitalfläche der Stimlappen noch eine 



V. Bisckoff: Ueher das Gehirn eines OoriUa eie. 121 

zweite &st parallel mit der Sulcus orbitalis Ton hinten 
nach Torn und aussen verlaufende Furche findet, nnd ich 
bemerke dieses vorzüglich desswegen, weil an dem Gorilla- 
Gehirn sich eine ähnUche zweite Furche findet. Die obere 
Stimwindung nimmt &st die ganze obere Fläche des Stim- 
lappens, die mittlere Stimwindung die laterale und orbitale 
Partie desselben ein. 

Das Hamburger Chimpanse- Gehirn Nr. III, welches 
leider ziemlich stark gelitten hat, ist besonders dadurch 
interessant, dass es sich einer Seits an das Gehirn Nro. II, 
anderer Seits an das Gorilla -Gehirn in Beziehung auf die 
hier besprochenen Verhältnisse anschliesst, aber die Insel 
noch bei ihm bedeckt ist. Es ist nämlich hier der vordere 
Sehenkel der Fossa Sylvii und demgemäss auch die sich um 
ihn herumziehende Bogenfurche der unteren Stirnwindung 
nur schwach entwickelt, aber doch ganz deutlich in Ueber- 
einstimmung mit den drei vorausgehend erwähnten Chim- 
panse-Gehirnen. Aber im Zusammenhang mit dieser sehwachen 
Entwicklung des vorderen Schenkels der F. S. und der un- 
teren Stimwindung ist der Sulcus orbitalis weiter nach 
aussen gerückt; er geht besonders rechts ziemlich weit 
aussen in den Stamm der Fossa Sylvii über , und läuft an 
der lateralen Fläche des Stimlappens neben der unteren 
Stimwindung in die Höhe, um von einem Windongsbogen 
der mittleren Stirn windung abgeschlossen zu werden und 
man könnte hier schon in Versuchung kommen diesen Sul- 
cus für den vorderen Schenkel der F: S. zu halten, wenn 
derselbe nicht noch ausserdem vorhanden wäre. (S. Fig. V). 
Auch hier findet sich an der Orbitalflache des Stirnlappens 
eine zweite mit dem Sulcus orbitalis fast parallel laufende 
Furche wie an dem Chimpanse-Gehirn No. H. Interessant 
ist es auch, dass an diesem Gehirn die vordere Gentral- 
windnng auf der rechten Seite' unterbrochen ist, sowie auch 
meine innere obere Scbeitelbogenwindung (der Premier Pli de 



122 8iti%mg der WMÜh.-pkfi. OUum wm 10. Mars 1877. 

Pasgage externe) nicht an die OberffiU^he kommt, sondern 
in die beiden Occipitalspalten als Pli de Passage sup&ieur 
interne hineingesenkt ist. 

Es folgt nnn das sehr interessante aber schwierig zu 
analysirende Hambnrger Orang - Gehirn. Bei denselben 
steht die Fossa Sylvii offen nnd die Spitze der Insel ragt 
stark hervor. Wer ohne andere Orang- oder Chimpanse- 
Gehirne zu kennen , dieses Gehirn nntersnchen würde, der 
wurde unzweifelhaft sagen: Hier spalte sich der Stamm der 
Fossa Sylvii nm die Insel hemm in seine zwei Aeste, nnd um 
den vorderen gerade aufsteigenden Ast gruppire sich die un- 
tere grosse Stimwindung. Und doch muss man sich an der 
Hand der Bekanntschaft mit anderen Ghimpans^ und Orang- 
Gehimen überzeugen, dass das Verhalten ganz anders ist. 
Kurz gesagt ist hier nach meiner üeberzeugung die untere 
Stimwindung, anstatt oberflächlich lateral um den vorderen 
Schenkel der Fossa Sylvii zu verlaufen, sehr wenig entwickelt 
und in die Tiefe gesenkt, läuft in der Tiefe um diesen vorderen 
Schenkel herum, der desshalb nach vorn offen steht und die 
Insel zum Vorschein kommen lässt. Letztere tritt aber dadurch 
besonders stark hervor, dass sich der vordere Schenkel der 
unteren Stirnwindung mit der vordersten Windung der Insel 
vereinigt hat. Was man auf den ersten Anschein für den 
vorderen Schenkel der Fossa Sylvii halten mochte, ist nur 
der Sulcus orbitalis. Derselbe beginnt auch hier an dem 
Tuber olfactorium aber ohne in die Fossa Sylvii einzu-' 
munden, und zieht dann an der äusseren Seite der Insel 
vorbei, um sich in den scheinbaren vorderen Schenkel der 
Fossa Sylvii fortzusetzen und an der lateralen Fläche des 
Stirnl^ppens durch einen Bogen der mittleren Stirnwindung 
abgeschlossen zu werden, welcher dann scheinbar die untere 
Stimwindung darstellt. Auf der Orbitalfläche des Stirn- 
lappens ist dann noch ausserdem eine H-fÖrmige Furche 
vorhanden. 



V, Büchoff: üeher das Gehirn eines Garüla ete. 123 

Dieses Orang-Gehim ist aber auch femer noch dadurch 
bemerkenswerth, dass bei demselben auf der rechten Seite 
wie bei dem Ghimpans^- Gehirn III. die vordere Gentral- 
windang in ihrem unteren Drittel unterbrochen ist, links 
nicht. Dadurch ist dann auch wieder ein besonderes Ver- 
halten der beiden oberen Stirnwindungen und ihres Ab- 
ganges Ton der Torderen Centralwindung gegeben. Die 
obere Stimwindung nimmt den grössten Theil der oberen 
Flache des Stimlappens ein und geht mit zwei Wurzeln 
Ton der vorderen Centralwindung ab. Die mittlere Stim- 
windung bildet gewissermassen mit einem aufsteigenden 
Schenkel das fehlende untere Stück der vorderen Central- 
windung und wendet sich dann, in ab- und aufsteigenden 
Windungen an die laterale und sodann an die Orbitalflacbe 
des Stimlappens. Merkwürdig ist es> dass auch hier die 
innere obere Scheitelbogenwindung, die erste sog. Ueber- 
gangswindung, auf beiden Seiten scheinbar fehlt, d. h. ganz 
in die Tiefe gesunken ist, and wie bei niederen Affen als 
zweite innere üebergangs- Windung aufkitt. Endlich findet 
sich an diesem Orang- Gehirn die auffallende Abweichung 
von anderen Orang- und Anthropoiden- Gehirnen, dass der 
hintere Schenkel meiner ersten Scheitelbogen -Windung 
(Gratiolets Pli marginal inferieur) um das obere Ende der 
Fossa Sylvii herum so schwach entwickelt ist, dass er in 
die Tiefe tritt, und scheinbar dadurch das obere Ende des 
hinteren Astes der Fossa Sylvii mit dem oberen Ende der 
Parallelspalte, wie bei der If ehrzahl der niederen Affen zu- 
sammenfallt. 

Man kommt sehr in Versuchung dieses abweichende Ver- 
halten der oberen inneren Scheitelbogen- Windang und das da- 
durch hervorgebrachte Zusammen&Uen der beiden Occipital*^ 
furchen, die vollständige Ausbildung der sog. Affenspalte, und 
den mangelhaften Abschluss des hinteren Astes der Fossa Syl- 
vii, mit der mangelhaften Entwicklung des vorderen Sehen- 



■•f - 



124 SUiUHg der wwtK-phffS. CUtue vom 10. März 1877. 

kek der Fossa Sylvii und der mangelliaften Entwicklung 
oder selbst dem Fehlen der unteren Stirnwindung zu com- 
biniren, und daraus eine niederere Entwicklung des Gehirns 
dieser Individuen der Anthropoiden und ihr näheres An- 
schliessen an ihre niedereren Stammyerwandten abzuleiten. 
Nur werden wir jetzt sehen, dass diese Oxydationen des 
Anthropoiden- Gehirns nicht nothwendig zusammengehören, 
sondern die eine ohne die andere Yorhanden sein kann. 
Denn der Gorilla zeigt die eine, aber nicht zugleich die 
andere niederere EntvncUungsstufe. 

Ich komme nämlich nun endlich zu dem Gorilla-Gehirn, 
bei welchem, wie erwähnt, gleichwie bei dem oben beschrie- 
benen Orang - Gehirn , die Insel mit ihrer Spitze zwischen 
den sie umgebenden Windungen auf beiden Seiten frei zu 
Tage liegt. Bei diesem Gehirn ist der Schein, dass der 
Stanmi der Fossa Sylvii sich, wenn er bis zur Insel gelangt 
ist, in seine beiden die Insel umfassenden Schenkel theilt, 
und der vordere Schenkel alsdann an der lateralen Seite 
des Stirnkppens in die Höhe steigend, von der dritten oder 
unterenStirnwindungumfasstwird, so gross, dass es durch- 
aus nicht zu verwundern ist, wenn Prof. Pansch und An- 
dere, welche dieses Verhalten eben nur hier und etwa bei 
dem erwähnten Hamburger Orang- und selbst noch an dem 
Hamburger Chimpanse - Gehirn No. III. untersucht haben, 
dasselbe auch wirklich in der genannten Weise auffassen. 

Wer aber an einer grösseren Anzahl von Ajtthropoiden- 
Gehimen die Verhältnisse kennen gelernt hat, der wird 
sich überzeugen müssen, dass die Sachlage doch eine ganz 
andere ist. Die Reihenfolge der vorausgehenden Beobacht- 
ungen lehrt, dass was man hier bei dem Gorilla für den 
vorderen Ast der Fossa Sylvii halten möchte, wiederum 
Nichts Anderes als der Sulcus orbitalis des Menschengehims 
ist, welcher hier nur dessviregen so täuschend als vorderer 
Ast der F. Sylvii erscheint, weil er erst sehr weit nach 



«. Bißchoff: Üeber €Um Öehim ^inea OartOa ete. 125 

aussen von dieser Fossa Sjlyii sich trennt, and hier wirklich 
in sie übei^eht, während dieses in alle den vorhergehenden 
Fällen, und selbst bei dem Hamburger Orang, wo doch die 
Insel auch bloss liegt, nicht der Fall ist, sondern dieser 
Sulcus orbitalis mehr oder weniger schon in der Nähe des 
Tuber ol&ctorius, und nicht in offenem Zusammenhang 
mit dem Stamm der Fossa Sylvii sich entwickelt. Man 
überzeugt sich dann auch, dass der um das äussere Ende 
dieses Sulcus orbitalis sich herumziehende Windungsbogen 
nicht der unteren, sondern der mittleren Stirnwindung 
itngehört, die untere dagegen gar nicht sichtbar ist, weil 
sie ganz in die Tiefe gedrängt ist. Auf der rechten Seite spricht 
die directe Beobachtung vollkommen für diese letzte Auffassung. 
Man sieht hier, wenn man die Windungen hinreichend aus- 
einanderbiegt, ganz bestimmt, von der gemeinschaftlich für 
mittlere und untere Stirnwindung von dem unteren Ende 
der vorderen Gentralwindung abgehenden Wurzel, den äus- 
seren Schenkel der unteren Stirnwindung sich in die Tiefe 
senken, dann wieder sich erheben und in die vorderste 
Windung der Insel übergehen. Die kurze Spalte um die 
sich diese Windung herumzieht und wegen der Einsenkung 
der zu ihr gehörigen Windung nach aussen offen steht, 
ist der vordere Schenkel der Fossa Sylvii. Auf der linken 
Seite ist die Sache nicht so evident, weil der Scheitel dieser 
kleinen unteren Stirn Windung sehr tief liegt, und sich in die 
Hemisphären-Masse hineindrängt; aber wer die Sache rechts 
gesehen und richtig aufge£Ei$st hat, kann auch links nicht 
in Zweifel bleiben (S. Fig. VI.) 

Man darf sich in dieser Auffassung auch nicht dadurch 
irre machen lassen, dass an der Orbitalfläche des Stirn- 
lappens noch eine andere Furche verläuft, welche man ge- 
neigt sein könnte, für den Sulcus orbitalis zu halten. Er 
ist dieses indessen nicht, wie man bald sieht, wenn man 
die Verhältnisse genauer ins Auge fasst und Tiamentlicli 



126 SUmmg der maik.-phy9. Claue vorn lO. Märt 1877. 

wiederam den oben beschriebenen Qreng nicbt ausser Acbt 
lässt, wo diese Furche sich gleichfalls ausser dem dort ganz 
charakteristischen Sulcus orbitalis findet. Jene Furche bleibt 
ganz auf der Orbitalflache, liegt ganz innerhalb des Orbital- 
theils der mittleren Stimwindung eingeschlossen, constitnirt 
hier einen Theil der dreistrahligen oder H-förmigen Furche 
und trägt Nichts zur Abtrennung der mittleren Stimwindung 
▼on der unteren bei, da diese hier gar nicht zum Vorschein 
kommt. 

Ich s^e also bei diesem Gorilla-Gehirn ist, abweichend 
von den meisten Gehirnen der anderen Anthropoiden, die 
untere Stimwindung nur schwach, und ausserdem nur in 
einem in die Tiefe dringenden einfachen Bogen entwickelt. 
Ich finde dieses mit der noch mehr flachen und zt^eschärf- 
ten Beschaffenheit des Stimlappens dieses Anthropoiden 
als der der übrigen, ganz in Uebereinstimmung, möchte in- 
dessen nicht behaupten, dass es nicht Gorilla-Gehirne giebt 
und man solche kennen lerneii wird, bei welchen diese 
untere Stimwindung zu Tage kommt, in ähnlicher Weise 
wie bei den anderen Anthropoiden, unter denen es indessen 
auch einen oder den anderen giebt, bei welchem diese untere 
Stirnwindung auch in die Tiefe sinkt, wie oben bei dem 
Hamburger Orang. Ich glaube, dass sich die Sache ganz 
in ähnlicher Weise verhält wie bei der ersten sogen, üeber- 
gangis(- Windung oder meiner oberen inneren Schenkelbogen- 
Windung, welche auch bald oberflächlich lateral als Premier 
Pli de Passage sup^rieur externe , bald tief und vertical als 
Pli de Passage sup^rieur interne verläuft. 

Nachdem ich nun auf diese Weise die Frage nach dem 
Verhalten des vorderen Astes der Fossa Sylvii und der 
unteren Stirnwindung bei diesem Gorilla in uebereinstim- 
mung mit meiner Ansicht über dieses Verhalten bei den 
Affen überhaupt, und insbesondere bei den übrigen Anthro- 
poiden, festgestellt zu haben glaube, bleibt mir nur noch 



4f Biaekoff: Üehtr da8 Gehirn eineB OartUa etc. 127 

übrig eine karze Beschreibung des Verhaltens der Fardien 
und Windungen dieses Gorilla- Gehirns überhaiqit and im 
Zusammenhang zu geben. 

In Beziehung auf die Furchen bin ich zwar der 
Meinung, dass die Fossa Sylvii auch bei dem Gehirn dieses 
Gorilla einen Stamm (A.) und einen vorderen Schenkel (A'') 
besitzt, der sieh oberhalb der Insel nach vorne zieht; allein 
letzterer ist nicht abg^chlossen, und bildet nur eine nach aussen 
offene, kurze Spalte, weil die ihn umgebende untere Stirn- 
windung in der Tiefe stecken geblieben ist. Die von Prof. 
Pansch fiir den vorderen Schenkel der Fossa Sylvii ge- 
haltenen furche ist nur der Sulcus orbitalis (B.) (Ecker) 
oder Suleus transversus -j" extemus (Weisbach), an der Or- 
bitalflache des Stimlappens, welcher für die Scheidung der 
unteren und mittleren Stimwindung an der Orbitalflache 
bestimmt ist, aber bei der mangelhaften Entwicklung der 
unteren Stimwindung mit der Fossa Sylvii zusammengetreten 
ist — Der hintere Schenkel der Fossa Sylvii (A') reicht 
sehr weit an den Seiten und Hemisphären hinauf und endet 
rechte in drei, links in zwei kurze Aeste. 

Die Fissura centralis läuft ziemlich stark geneigt 
nach hinten; ihr oberer Abschluss liegt nur 30 Ctm. von 
dem hinteren Ende der Hemisphäre. Der untere Abschluss 
ist breit und überragt die Insel, aber so dass die Spitze 
der Insel frei bleibt. 

Eine Fissura antero-parietalis oder praecen- 
tralis ist um so weniger vorhanden, als von dem unteren 
Ende der vorderen Centralwindung eine Wurzel der mitt- 
leren und von der Mitte dieser Centralwindung zwei Wurzeln 
der oberen Stirnwindung oberflächUch abgehen. 

Es flmdet sich ein ziemlich entwickelter Sulcus fron- 
talis (C), welcher die obere von der mittleren Stimwindung 
trennt, indem nur auf der linken Seite eine und noch dazu 
nur tief liegende Brücke zwischen beiden VQ^rhwdeu ist. 



128 Sittwig der imM.-ph^s. CloBse vcm 10. Mätg 1877. 

Dieser Snlcns entspricht der yorderen primären Radiärforche 
des menschlichen Embryo. 

DieFissura occipitalis perpendicularis interna 
(E.) yerlauft senkrecht an der medialen Fläche der Hemi- 
sphäre zwischen Scheitel- and Hinterlappen. Sie wird oben 
dnrch die lateralwärts nm sie verlaufende obere innere 
Scheitelbogen windnng (12.) (Premier Pli de Passage snpe- 
rieur externe) von der Fissnra occipitalis perpendicularis ex- 
terna (E.') abgeschlossen, and anten durch den Gyrus cal- 
carinus (14.) von der' Fissura calcarina (E') getrennt. 

Diese Fissura occipitalis perpendicularis 
externa (E^), die sogen. Affenspalte, ist übrigens sehr 
vollständig entwickelt, da sie oben bis dicht an die Fissura 
cerebri magna dringt und von derselben nur durch den 
schmalen hinteren Schenkel der oberen inneren Scheitel- 
bogen wind ung abgetrennt wird, unten erreicht sie den 
Band der Hemisphäre nicht, da sie hier eine Ucbergangs- 
windung vom Scheitellappen zum Hinterlappen abschliesst. 

Die Fissura calcarina (K') verläuft besonders auf 
der linken Seite stark gekrümmt an der Grenze der me- 
dialen und unteren Fläche des Hinterlappens, geht vorne 
bis in die Fissura Hippocampi, und ist hinten in zwei 
Aeste gespalten. 

Eine Fissura interparietalis (M.) ist auf beiden 
Seiten gut entwickelt, geht rechts oben in zwei Schenkel 
aus, deren vorderer oberer bis nahe an die mediale Fläche 
der Hemisphäre in den Yorzwickel (6.) eingreift, der hintere 
bis in die Fissura occipitalis perpend. externa übergeht. 
Links wird der obere Schenkel durch eine von der hinteren 
Centralwinduiig oberflächlich in den Vorzwickel übergehende 
Wurzel unterbrochen. . 

Die Fissura parallela s. temporalis supierior 
(F.) dringt auf beiden Seiten sehr weit hinauf in den 
Scheitellappen ein und endet in demselben mit zwei Aesten. 




V. Bischoff: üeber das Gehirn eines Oorilla etc. 129 

Eine Pissura parallela secunda (G.) schliesst 
rechts eines Theils hinten mit einem in die Tiefe dringen- 
den kleinen Windungsbogen ab, theils geht sie noch in 
eine, die nntere üebergangswindung vom Scheitel- zum 
Hinter-Lappen umziehende, Furche über. Links ist dieses 
nicht der Fall, sondern hier theilt sie sich in zwei Aeste, 
die von einem gemeinschaftlichen Windungsbogen umgeben 
werden. 

Die Fissura collatejralis (H.) dringt auf beiden 
Seiten weit nach vom in den Schläfenlappen ein und trägt 
dadurch dazu bei, denselben in vier Windungszüge zu zerlegen. 

Die Fissura calloso-m arginalis (L.) läuft auf 
beiden Seiten hinten in zwei Schenkel aus. Der obere (L') 
reicht bis auf die obere Fläche der Hemisphäre und wird 
hier durch einen stark lateralwärts laufenden , einen Be- 
standtheil des Vorzwickels bildenden Windungsbogen um- 
geben. Links ist dieser Schenkel sogar noch einmal ge- 
spalten. Der untere Schenkel dringt in den sogenannten 
Lobulus quadratus ein und bildet hier eine X-förmige Figur. 

Was die Anordnung der Windungen betrififl, so 
geht nach meiner Anschauung die obere Stirnwindung 
(1.) auf beiden Seiten breit mit zwei Wurzeln von der 
vorderen Centralwindung aus , die obere ganz oben neben 
der Fissura longitudinalis cerebri, die untere noch unter- 
halb der Mitte. Beide Wurzeln vereinigen und verschmälem 
sich im weiteren Fortgang nach vorn so, dass sie an der 
Spitze des Stirnlappens nur noch eine einzige schmale, die 
Fissura cerebri magna begränzende Windung darstellen, welche 
nun auf die Orbitalfläche des Stirnlappens übergeht, und 
an der medialen Seite des Sulcus olfactorius bis zum Tri- 
gonum olfactorium nach hinten läuft. Eben diese voll- 
ständige Vereinigung der beiden genannten Wurzeln zu 
einer einzigen auf die Orbitalfläche übergehenden schmalen 
Windung, ist mir der Beweis, dass sie beide nur zur oberen 
[1877. 1 . Math.-phy8. Ci.] 9 



130 SUiung der maik.'phy. Clasae vom 10, März 1877. 

Stiruwindang gehören, die untere nicht die mittlere Stirn- 
Windung darstellt, wie Prof. Pansch sie bezeichnet. Denn 
die mittlere Stimwindung ist es, die sich Torzüglich an der 
Orbitalfläche des Stirnlappens am meisten ausbreitet. 

Dieses thut denn nun auch der weiter nach aussen 
liegende Windungszug (2.)i den ich desshalb als der mitt- 
leren Stirnwindung des Menschen entsprechend halte, 
obgleich er ganz von dem untern Ende der vorderen Gentral- 
windung da ausgeht, wo bei dem Menschen die untere oder 
dritte Stirnwindung entspringt. Sie wendet sich zuerst an 
der lateralen Flache des Stirnlappens nach vorne und biegt 
sich dann um das obere Ende des Sulcus orbitalis (B.), 
die Prof. Pansch für den vorderen Schenkel der Fossa Sylvii 
hält, herum auf die Orbitalfläcbe des Stirnlappens, welche 
sie, von mehreren secundären Furchen (Triradiade Sulcus 
Turner) durchzogen, ganz einnimmt. Mit der oberen Stirn- 
windung steht sie auf der oberen und lateralen Fläche des 
Stirnlappens nur durch eine kurze in der Tiefe verlaufende 
Windung in Verbindung, so dass beide oberflächlich durch 
einen Sulcus frontalis (die vordere primäre Radiärfurche) 
ganz von einander getrennt sind. 

Die untere oder dritte Stirnwindung scheint, 
wie gesagt, ganz zu fehlen. Wenn man aber das untere 
Ende der Centralwindungen (den sogenannten Klappdeckel) 
etwas aufhebt, und in den neben demselben hinansteigende 
Sulcus orbitalis (B.) hineinsieht, so erblickt man hier eine von 
dem unteren Ende der vorderen Centralwindung gemein- 
schaftlich mit der Wurzel der mittleren Stirnwindung aus- 
gehende kleine und kurze Windung (Fig. VI. 3.), welche 
sich mit ihrem absteigenden Schenkel in die Tiefe um den 
öÄch aussen offen stehenden, kurzen vorderen Schenkel der 
^ossa Sylvii herumzieht, und mit ihrem sich wieder er- 
stehenden Schenkel in die Insel übergeht, und deren vor- 
derste -Windung zu sein scheint. Würde sie sich nach 



V. Bisdioff: Üeber das Gehirn eines Gartüa etc. 131 

artasen erhoben haben, so würde sie ganz in der Weise wie 
bei den meisten Anthropoiden-Gehirnen, die äusserlich sicht- 
bare untere kleine Stirnwindung dargestellt haben. Wegen 
ihres tiefen Verlaufes und ihrer frühzeitigen Verbindung 
mit der vordersten Windung der Insel, bleibt diese einmal 
an ihrer Spitze unbedeckt, und sodann wird eben dadurch 
diese Spitze der Insel stärker, als sie es sonst zu sein 
pflegt. Das Verhalten ist auf beiden Seiten gleich; nur ist 
der kleine Windungsbogen der unteren Stirnwindung rechts 
noch deutlicher als links, weil er hier sich noch tiefer 
einsenkt. 

Die beiden Genti^alwindungen (4. und 5.) sind an 
diesem Gorilla-Gehirn charakteristischer entwickelt, als bei 
allen anderen mir bis jetzt bekannt gewordenen Anthro- 
poiden-Gehirnen. Beide, besonders die hinteren, laufen auf 
beiden Seiten vielfach gewunden und eingekerbt, die hintere 
in ihrer Mitte sogar durch eine secundäre Längsfurche ge- 
theilt. Der obere Schlussbogen der Gentralfurche ist auf 
beiden Seiten oben ziemlich spitz und rechts ganz in die 
grosse Hirnspalte hineingedrängt, fast an der medialen 
Fläche der Hemisphäre. Der untere Schlussbogen ist be- 
sonders auf der rechten Seite ziemlich breit, steht nach vorn 
mit der Wurzel der mittleren und unteren Stirnwindung 
in Verbindung, und geht nach hinten mit mehrfachen Ein- 
kerbungen in dem aufeteigenden Schenkel meiner ersten 
Scheitelbogenwindung (8.) (Pli marginal superieur) über. 

Der Vorzwickel (6.) (Lobus parietalis superior. 
Lobule du deuxieme Pli ascendant) ist nicht gross, aber 
windungsreich. Er zeigt auf beiden Seiten die Bogenwindung, 
in welche der obere Schenkel der Fissara calloso marginalis (L'.) 
mit ihren beiden Endästen eindringt. Lateralwärts von dieser 
verläuft eine schräg von vom und aussen nach hinten und 
innen ihn durchsetzende Furche. Dann kommt eine Windung, 
die den hinteren Schenkel der Fissura interparietalis be- 

9* 




1 32 SiUimg der nMth.-phyi. CZatn vom 10, Möm 1877. 

gt&nzi. Von seiner hinteren Seite gebt meine innere obere 
Sclieitelwindnng (12.) (Premier Pli de Passage snperienr ex- 
terne) in diarakteristischer Weise horizontal nnd lateral 
nm das obere Ende der Fissnra oodpitalis perpendicnlaris 
interna herum, and senkt sich mit ihrem etwas in die Tiefe 
gehenden nnd schmaleren hinterem Schenkel in d^i me- 
dialen Rand des Hinterlappens. 

Meine erste Scbeitelbogenwindnng (8.) (Pli 
marginal snperienr) um das hintere Ende des hinteren 
Astes der Fossa Sylrii ist, wie schon gesagt, in ihrem von 
dem unteren Ende der hinteren Centralwindung ausgehenden 
Schenkel reich gefurcht, und von diesem Torderen Schenkel 
und dem Scheitel des Bogens geht der vordere Schenkel 
meiner zweiten Scbeitelbogenwindnng (9.) (Pli 
courbe) mit zwei Wurzeln aus und umgreift die zwei End- 
äste der Fissura parallela. Rechts findet sich keine ober- 
flachliche Verbindung zwischen dieser zweiten Scheitelbogen- 
windung und dem Yorzwickel, daher, wie oben bemerkt, die 
Fissura interparietalis auf dieser Seite mit ihrem hinteren 
Äste Yollstandig durchgreift, was links nicht so offen der 
Fall ist, wegen einer hier bestehenden Verbindung mit dem 
Vorzwickel. 

Allein von allen mir bekannten Anthropoiden hat dieser 
Gorilla auch noch eine dritte Scheitelbogenwindung 
(10.) um das obere Ende der Fissura parallela secnnda (G.). 
Auf der rechten Seite ist dieselbe wenig entwickelt, da sie 
als ein kurzer Bogen um die genannte Fissur herum in die 
Tiefe greift und dieselbe desshalb auch nur unvollständig 
abschliesst. Links dagegen bildet sie sogar einen doppelten 
Bogen um das gespaltene Ende der erwähnten Furche. 

Die mediale Partie des Scheitellappens, der sogen, vier- 
eckige Lappen (7.) ist nur schmal und enthält das 
X-förmig gestaltete untere hintere Ende der Fissura calloso 
mar^nalis. 



V. Bisehaff i üeher das Gehirn eines OariUa etc. 133 

Der Hinter läppen ist darcli die beiden Fissnrae occi* 

pitales (E n. E^) oben und innen gut von dem Scheitellappen 

getrennt. Aussen nnd unten bildet eine gut entwickelte 

ITebergangs- Windung (11.) (Pli de Passage inferieur 

externe) wie bei allen Affc^i die Verbindung mit dem Scheitel- 

lappen. An der medialen Fläche verläuft die Fissura cal- 

carina mit den beiden sie b^ränzenden Windungen, von 

denen die obere, Gyrus calcarinus (13.) zwar nach auf- 

"warts, aber nicht lateral wärts gebogen verläuft, und daher 

die Fissura occipitalis perpend. interna von der Fissura cal- 

carina abtrennt. Der Zusammenhang beider Furchen, als eine 

Sigenthumlichkeit des Menschen, wird also auch durch 

den Gorilla nicht beeinträchtigt. Da dieses Verhalten un- 

z-vveifelhaft mit der Ausbildung des Calcar avis in dem 

Hinterhom der Seitenventrikel zusammenhängt, so bleibt 

dasselbe als Ueberrest des einst so lebhaft geführten Streites 

über dieses hintere Hom bei den Affen, bestehen. 

Auf der hinteren FULche des Hinterlappens (14.) haben 
wir einmal die fast bei allen Affenhimen hier befindliche drei- 
strahlige Furche stark entwickelt, zu welchen noch eine 
weitere von aussen und unten nach innen und oben ver- 
laufende tief einschneidende Furche hinzukommt; und so- 
dann an dem üebergang zur medialen Fläche den rechts 
doppelten, links einfachen Schlussbogen der Fissura cal- 
earina. Auf der unteren Fläche befindet sich ein sogen, 
zungenförmiges und spindelförmiges Läppchen, oder besser 
eine untere innere und untere äussere Hinter- 
hauptswindung Gyrns occipito-temporalis medialis und 
lateralis (15. u. 16.). 

An dem Schläfenlappen kann man wegen der Gegen- 
wart einer Fissura parallela secunda vier Windungen unter- 
scheiden(17 — ^20). Mit den Windungen derübrigenHirnlappen 
verglichen, muss man die Windungszüge des Schläfenlappens 
sehr ein&ch, ja in ihren vorderen Theilen fast glatt nennen. 



134 Sitzung der math.^7^8. Glasse vom 10. MOurz 1877, 

Die Heschel'sche Windung in der Fossa Sylvii an der 
oberen Flache des Schläfenlappens ist gut entwickelt vor- 
handen. Der Hacken des Gyrus Hippocampi (20.) zeigt eine 
Eigenthümlichkeit, welche ich noch an keinem Gehirn, weder 
eines Affen noch eines Menschen, gesehen habe. Er ist 
nämlich durch eine Querfurche in zwei Abtheilungen zer- 
legt. Es ist dieses vielleicht nur eine individuelle Eigen- 
thümlichkeit, aber sie zeigt sich auf beiden Seiten. 

Was die Reirsche Insel oder den Stammlappen 
betrifft, so ist sie sehr vollkommen, ja stärker als ich es 
von irgend einem andern Affen kenne, entwickelt. Die Syl*- 
vische Grube ist nach Entfernung der Pia mater und der 
Blutgefässe ansehnlich weit, und die Basis der Insel, mit 
welcher sie auf dem Streifenhügel und der Vormauer auf- 
sitzt ist breit; die Oberfläche ihres hinteren Theiles ist in 
zwei schwache Gyri, ihres vorderen Theiles dagegen in 
drei stark entwickelte Gyri getheilt, deren trennende Furchen 
ansehnlich tief sind. In dieselben legen sich entsprechende 
Gyri der Jbenachbarten Himpartien, des unteren Bogen- 
Abschlusses der Gentralwindungen und der oberen Schläfen- 
windung hinein. Die Spitze der Insel ragt, wie mehrmals 
bemerkt, zwischen den umgebenden Rändern des Stirn-, 
Scheitel- und Schläfenlappens frei hervor, und hängt, wie 
oben beschrieben, mit der unteren oder 3. Stirnwindung 
zusammen, wodurch grade die^ starke Entwicklung dieser 
Spitze der Insel hervorgerufen ist. 

Die mediale Fläche endlich beider Hemisphären ist 
sehr reich in durch tiefe und weite Furchen von einander 
geschiedenen Windungen entwickelt. Wir haben da die 
Fissura calloso marginalis, von der nach oben fünf, und mit 
ihrem hinteren oberen Aste sechs starke Furchen ungefähr 
parallel hintereinander in die obere Stirn windung und dann 
in den Scheitellappen eindringen (22.). Auch der Gyrns 
Cinguli (21 ) ist reichlich eingekerbt. Pass das 'sogen 



V. Bischoff: üeher das Gehirn eines Gorüla etc, 135 

viereckige Läppchen schmal ist, habe ich schon gesagt. 
Dann kommt die Fiss. occ perp. int., dann die mediale, 
von einigen Secundärforchen durchzogene Fläche des Keils, 
und dann das hintere Ende der Fissura calcarina mit den 
sie begränzenden Windungen. 

Noch fuge ich hinzu, dass auf diesem medialen Durch- 
schnitt der Balken mit dem gerade in seine zwei Blätter 
zerlegten Septum pellucidum, die aufsteigenden Schenkel 
des Fornix, das Splenium Corporis Callosi, die Sehhügel mit 
der durchschnittenen sehr grossen Commissura moilis, die 
Höhle des 'S. Ventrikels mit dem Infundibulum; vor den Seh- 
bügeln das Foramen Monroi, ferner die Commissura an- 
terior und posterior, dann weiterhin die Vierhügel, in ihrer 
Gestalt mit der des Menschen übereinstimmend, unter ihnen 
der Aquaeductus Sylvii, sodann die Valvula cerebri anterior, 
das Dach und der Boden des vierten Ventrikels, der Mark- 
baum des Wurms des kleinen Hirns etc. sehr schon zu 
sehen sind. — An der Basis ist nur die schwache Ent- 
mcHung der übrigens getrennten Corpora inammillaria 
auffallend. 

An dem kleinen Gehirn, sowohl an den Hemisphären 
als an dem Wurm, finden sich alle Furchen und Lappen, 
welche an dem menschlichen Gehirn unterschieden werden. 



Bei einem Vergleich der Gehirn - Windungen der drei 
Anthropoiden untereinander, und zwar dreier junger und wahr- 
scheinlich gleichalteriger Thiere, finde ich, dass unzweifel- 
haft das Gorflla-Gehirn das windungsreichste ist, und zwar 
an allen Lappen mit Ausnahme des Schläfen-Lappens. 

Was die Stirn Windungen betrifft, so scheint mir in 
Betreff der beiden oberen Stirnwindungen der Vortheil auf 
Seiten d^ Gorilla zu fallen, schon weil bei ihm die Central- 
wmdungen sich ansehulich weiter nach hinten neigen ala 



136 SüMung der math.-phys, Cktase vom 10. März 1677. 

bei dem Chimpans^ und Orang, bei welchen sie fast senk- 
recht ansteigen. Ich gebe keine Maasse in dieser Hinsicht, 
weil denselben doch keine absolute Richtigkeit zukommen 
würde, da die Gestalt der Qehirne zu sehr verändert ist; 
aber der Augenschein spricht für den Gorilla. In Beziehung 
.auf die dritte oder untere Stirnwindung steht das yor- 
liegende Exemplar des Gorilla-Hirns indessen entschieden 
niedriger als die meisten Ghimpansä- und Orang- Gehirne, 
da bei ersterem diese Windung gar nicht zum Vorschein 
kommt. Vielleicht verhält sich dieses aber, wie gesagt, bei 
anderen Individuen anders, da ja auch die verschiedenen 
Ghimpans^s und Orangs Verschiedenheiten in der Ausbild- 
ung dieser unteren Stirnwindung zeigen, und wäre darauf, 
wie ich glaube, in Zukunft besonders zu achten. 

In Beziehung auf die Scheitelwindungen sind die Cen- 
tralwindungen bei Chimpans^ und Orang selten so ent- 
schieden und mit so vielen secundären Furchen und Wind- 
ungen ausgebildet wie bei dem Gorilla. Der Vorzwickel ist 
dagegen ebenso entschieden bei dem Gorilla schwächer ent- 
wickelt; am grossten dagegen bei dem Orang. Da die obere 
innere Scheitelbogen wind ang auch bei den verschiedenen 
Ghimpans^- und Orang-Gehirnen sehr verschiedene Verhält- 
nisse zeigt, so ist daraus, dass dieselbe bei dem vorliegen- 
den Gorilla-Gehirn oberflächlich verläuft, die beiden Occi- 
pitalfurchen wenigstens von einander scheidet, und daher 
im Allgemeinen eine hohe Entwicklung zeigt, doch noch 
nicht viel für den Gorilla überhaupt zu folgern; denn es 
könnte bei anderen Gorilla -Gehirnen anders sein, was 
meiner Ansicht nach eben&Us besondere Aufmerksamkeit 
bei späteren Gelegenheiten verdient. Die seitlichen Scheitel- 
bogenwindungen sind bei dem Gorilla schon insofern stärker 
entwickelt, als bei ihm eine dritte seitliche Scheitelbogen- 
windung wenigstens vorhanden ist, während ich sie bis 
jetzt bei keinem Chimpanse- und Orang -Gehirn gesehen 



V. Bischoff: üeher das Oehim eines GoriUa etc, 137 

liabe. Vielleicht der grösste unterschied findet sich an dem 
Hinterlappen, der bei keinem der anderen Anthropoiden so 
Tiele nnd tiefe Furchen und dem entsprechend zahlreiche 
Windungen besitzt als bei dem Gorilla. Dagegen erscheint 
der Schläfenlappen bei diesem am einfachsten, bei dem 
Orang am meisten mit Secundärfurchen und Windungen 
yersehen. In" Beziehung auf die mediale Fläche beider 
Hemisphären möchten Gorilla und Orang über dem Chim- 
pause stehen. 

Es möchte also im Ganzen wohl darauf hinauskommen, 
dass keines dieser drei Affengehime absolut den Vorzug 
besitzt, sondern das eine in dieser, das andere in einer 
anderen Richtung. Namentlich kann man wohl wegen 
eines etwas grösseren Windungsreichthums dem Gorilla noch 
keinen absoluten psychischen Vorzug einräumen, da dieser 
grössere Beichthum vielleicht mit der grösseren Muskel-, 
masse und Thätigkeit dieser Bestie zusammenhängt. Ueber- 
haupt möchte in Hinsicht auf diesen Vergleich noch die 
Bekanntschaft mit einer grösseren Zahl von Gehirnen er- 
wachsener Thiere abzuwarten sein. 



Beschreibung der Abbildungen. 

Die Abbildungen sind nach photographischen Aufnahmen 
möglichst genau in natürlicher Grösse ausgeführt. 

1 Fig.~ I. zeigt das Gehirn des Gorilla von oben, etwas nach 
vorn geneigt und daher die Stirn etwas verkürzt, 
weil es mir vorzüglich auf die hintere Scheitelgegend 
bei dieser Darstellung ankam. 
Fig. n. Rechte Hemisphäre des Gorilla-Gehirns, von unten 
und etwas von der Seite, um den Stamm der Fossa 
Sylvii (A.), den hinteren Ast derselben (A")i den 
Sulcus orbitalis (B.) und die freiliegende Spitze der 
Insel zu zeigen. 



/ 



138 Sitgung der imaK-phys. CUuH vom 10, M&rs 1877, 

Fig. ni Dieselbe Ansicht des Hamburger Ghimpanse-Ge- 
hirns Nro. III. Auch hier sieht man die Fossa 
Sylyii in ihrem Stamm (A), dem vorderen Ast« {k.% 
dem hinteren Aste (A'O; dön Sulcns orbitalis (B.) 
nnd die änsserste Spitze der Insel. Aas dem Ver- 
gleich der beiden letzten Figuren ergiebt sich, dass 
B. nicht der vordere Ast der Fossa Sjlvii, sondern 

y des Salcus orbitalis ist. 

^Fig. IV. Ansicht des Gorilla -Gehirns von hinten. Die 
Abbildung ist etwas zu gross ausgefallen. 

^ Fig. V. Mediale Fläche der linken Hemisphäre des Gorilla- 
Gehirns. 

^Fig. VI. Abbildung des Wachsmodells der linken He- 
misphäre des Gorilla-Gehirns von aussen, an welchem 
ein Stück des Stirnlappens herausgeschnitten ist (was 
an dem natürlichen Gehirn nicht möglich war), um 
die kleine in die Tiefe dringende untere Stimwind- 
ung (3.) zu zeigen. 

Für alle Figuren gelten nachfolgende Bezeichnungen: 

A. Stamm der Fossa Sylvii. 
A'. Vorderer Ast derselben. 
A". Hinterer Ast derselbsp. 

B. Sulcus orbitalis (Ecket)^ transversus plus externus 
(Weisbach). 

C. Sulcus frontalis (Ecker). 

D. Fissura centralis s. Rolando. 

E. Fissura occipitalis perpendicularis interna. 
E^ Fissura occipitalis perpendicularis externa. 

F. Fissura parallela s. temporalis superior, 

G. Fissura parallela secunda s. temporalis media. 
H. Fissura coUateralis s. temporalis inferior. 

E. Fissura Hippocampi. 
E'. Fissura calcarina. 



Auiyf.'ßr-Päudwffs.Mk- l^tersitdA Sieri&s ifgBtTz e&tes i^TÜS-, 



Fig.l. 



1 



Lurrf i^pjiismii/isytaa- 



FiffH. 



rigi 



n 



TUj. IV. 



Fiff.r. 



1 



"JrsSisA^fs^^. ^üersü^ ä^&s ^ 



Fiy.n. 



V. Bischoff: üeher das Gehirn eines OariUa etc. 139 

L. Fissura calloso-marginalis. 

L'. Oberes hinteres Ende dieser Fissur. 

M Fissura interparietalis. 

1. Obere Stirn windung. 

2. Mittlere Stirnwindung. 

3. Untere Stirnwindung. 

4. Vordere Gentralwindung. 

5. Hintere Gentralwindung. 

6. Yorzwickel (Lobule du deuxidme Pli ascendant). 

7. Mediale Fläche dieses Vorzwickels (Lobule qua- 
drilatfere). 

8. Erste oder vordere Scheitelbogenwindung (Pli 
marginale superieur). 

9. Zweite Scheitelbogenwindung (Pli courbe). 

10. Dritte Scheitelbogenwindung. 

11. Untere üebergangs -Windung (Pli de Passage 
inferieur erterne). 

12. Vierte oder innere obere Scheitelbogenwindung 
(Premier Pli de Passage externe). 

13. Gyrus calcarinus (beim Menschen fünfte oder 
innere untere Scheitelbogenwindung. Pli de 
Passage infSrieur interne). 

14. Zwiokel oder oberes Hinterhaupts-Läppchen. 

1 5. Untere innere Hinterhauptswindung oder zungen- 
förmiges Läppchen. 

16. Untere äussere Hinterhauptswindung oder spin- 
delförmiges Läppchen. 

17. Erste Schläfenwindung. 

18. Zweite Schläfenwindung. 

19. Dritte Schläfen windung. 

20. Vierte Schläfen windung; Gyrus Hippocampi. 

21. Zwingenwulst; Gyrus cinguli. 

22. Mediale Fläche der oberen Stirnwindung. 



Oeffentliche Sitzung der k. Akademie der Wissen- 
schaften 

zar Feier des 118. Stiftnngstages 
am 28. Man 1877. 



Der Secretar der mathematisch -physikalischen Glasse 
Herr y. Eobell las nachstehende Nekrologe: 

Christian Gottfried Ehrenberg. 

Geb. am 19. April 1795 zu Delitzsch, ProY. Sachsen. 
Gest. am 28. Juni 1876 zu Berlin. 

Ehrenberg machte seine vorbereitenden Studien in 
Schulpforta and ging 1815 nach Leipzig, um an der üni- 
versitöt Theologie zu studiren, wandte sich aber bald me- 
dicinischen und naturhistorischen Studien zu. Er promo- 
yirte 1818 zu Berlin als Doctor der Medicin und Chirurgie. 
Schon damals beschäftigten ihn die kleinsten organischen 
Körper und ihre Entwicklung und er untersuchte daraufhin 
Pilze und Schimmelbildungen. 1820 gewährte ihm und 
seinem, Freunde Dr. Hemprich die Akademie der Wissen- 
schaften in Berlin die Mittel zu einer Reise nach Aegypten. 
Sie bereisten Ober- und Mittel-Aegypten und einen Theil 
von Unterägypten, worauf sie eine Reise an*s Rothe Meer 
und nach Suez unternahmen und die Eorallenbänke im 
Bothen Meere eingehend untersuchten. Nach mannigfachen 



V. KoheU: Nekrolog auf Chr. O. Ehrenberg» 141 

Wandeningen in Syrien und Arabien verlor Ehrenberg 
seinen Gefährten, der in Massaoa am Fieber starb. Im 
Serbst 1826 nach Europa zurückgekehrt, wurde er an der 
XTniTersität zu Berlin zum ausserordentlichen und 1839 zum 
ordentlichen Professor in der medidnischen Facultät er- 
nannt und 1842 zum Secretär der Akademie der Wissen- 
sc^ften. Er beschrieb seine Reise unter dem Titel „Natur- 
g^eschichtliche Reisen durch Nordafrika und Westasien 1820 
bis 25 von W. F. Hemprich und C. G. Ehrenberg." 1829 
bi^ldtete er, mit G. Rose, AI. v. Humboldt nach dem 
Ural und bis zum Altai. 

Er hat seine anfanglichen Studien über die kleinsten 
organischen Wesen unausgesetzt verfolgt und weiter geführt 
und erwarb sich einen hervorragenden Namen durch seine 
Schrift „Organisation, Systematik und geographisches Yer- 
haltniss der Infusionsthiere (Berlin 1830). Seine vielen Ar- 
beiten f&hrten ihn zu dem Schlüsse, dass die früher ange- 
nommene Generatio spontanea oder aequivoca nicht haltbar 
sei und er erkannte, dass eine Menge neuer Bildungen von 
Bergmehl, Eieselguhr, Polier- und Saugschiefem aus Panzer- 
lufosorien bestehen. In einer Abhandlung über „die lebende 
Dammerde'^ bespricht er das Verhalten der noch lebenden 
Bacillarien, welche in den Gewässern des Berliner Thier- 
gartens in grösster Mannigfaltigkeit und in solcher Menge 
vorkommen, dass man leicht in einen Tag bis V> Zentner 
davon sammeln kann. Nach seiner Berechnung enthält ein 
OubikzoU des Schlammes l^lt—5 Millionen dieser Thierchen. 
Eine besondere Untersuchung hat er der Kreide ge- 
widmet, in welcher er Polythalamien-Reste als wesentlichen 
Bestandtheil erkannte, so in der Kreide von Rügen, von den 
dänischen Inseln, von Norwich in England, Meudon bei 
Paris, Girgenti in Sicilien und in vielen andern. 1 Kubik- 
zoll Kreide enthält über 10 Millionen der Polythalamien, 
deren Schalen theils kalkig, theils kieslig. Diese Bildun^eu 



142 OefftfUliche Süsung vom ^8. MärM 1877. 

von grösster Ausdehnung erkannte er auch im Grünsand 
und fortsetzend in den eocenen Tertiärgebiiden. Er suchte 
und fand die mikroskopischen Organismen in der Atmosphäre 
und deren Niederschlagen auf Bäumen , Dächern etc. , im 
Passat-^ und Scirocco-Stanb und in den Schlammproben vom 
Meeresgrund, im Elbe- und Nilscihlamm etc. Er schliesst, dass 
die besprochenen felsbildenden Thierchen gleichzeitig über 
die ganze Erdoberfläche verbreitet gewesen zu sein scheinen, 
von Meerestiefen bis 12000 Pubs und wieder b^s zu 14000 
Fuss Alpeiihöhe. Eine systematische Zusammenstellung seiner 
fast zahllosen Beobachtungen gibt das Werk „Mikrogeologie^^ 
(Leipzig 1856). Den Aufbau von Felsmassen in einer Mächtig- 
keit über 1000 Fuss durch die Infusorien-Gebilde erklärt er 
mit der ausserordentlich schnellen Entwicklung der Kiesel- 
thierchen und ihre Vermehrung durch Selbsttheilen. Er 
hält seine Behauptung aufrecht, dass die sogenannten In- 
fusions-Thierchen bis zu den Monaden und Kiesel-Infusorien 
Thiere seien und nicht pflanzlicher Bildung, wie man von 
einigen Seiten geltend zu machen gesucht hat. Wie dem 
sein möge, so ist das hohe Verdienst, welches sich Elu^en- 
berg erworben, indem er nachgewiesen, welchen wichtigen 
Antheil organisches Leben an der Bildung der Erdrinde ge- 
nommen hat, ein anerkanntes und bleibendes. 



Karl Ernst v. Bär. 

G€b. 1792 am 28. Fel)r. auf dem Landgut Piep in Esthland. 
Gest. 1876 am 28. Nov. in Dorpat. 

Bär machte seine ersten Studien auf der Ritter- und 
Domschule zu Reval. Er zeigte frühzeitig eine Vorliebe fiir 
Naturwissenschaften, besonders für Botanik. Er studirte dann 
zu Dorpat Medicin, unter Burdach Anatomie und Physio- 
logie, und nachdem er auf einer wissenschaftlichen Reise nach 
Deutschland in VTürzburg Ignaz Döllinger kennen ge- 



r 



f 



V. Kolelt: Nekrolog auf IC JB. «. Bär. 143 

lernt, übten dessen Vorträge namentlich über 'vergleichende 
A^natomie eine folgenreiche Anziehung auf ihn aus. Döl- 
1 inger beschäftigte ihn aach viel mit praktischen Arbeiten 
in der Anatomie und er erwähnt dieses Lehrers, der ihn in's 
rechte Fahrwasser gebracht habe, in seiner Selbstbiographie 
mit grosser Verehrung. Die Lehrart Döllingers, der 
immer das Wesentliche von dem unwesentlichen hervorzu- 
heben verstand und aller Gelehrtthuerei fremd war, hat ent- 
schieden auch auf die Klarheit der Anschauungen Bär^s 
bei seinen Stadien Einfluss gehabt. 

1817 erhielt Bär die Stelle eines Prosectors zu Königs- 
berg und wurde 1819 zum Professor der Zoologie ernannt. 
1826 trat ihm Burda ch die Leitung der dortigen ana- 
tomischen Anstalt ab. Auf einen erhaltenen Ruf ging er 
1829 nach Petersburg, wo ihn die Kaiserl. Akademie zum 
Mitglied ernannte, kehrte zwar, Familienverhältnisse w^en 
schon im folgenden Jahre wieder nach Königsberg zurück, 
nahm aber 1833 die gebotene Stellang bei der Petersburger 
Akademie definitiv an. Er ha|;te damals bereits Vorlesungen 
über Anthropologie und seine wichtige Schrift „De ovi mam- 
malium et hominis genesi (1827) publicirt, welchem sein 
Hauptwerk „Ueber Entwicklungsgeschichte der Thiere (1828) 
folgte. Nach seiner üebersiedlung unternahm er von Peters- 
burg aus mehrfache und ausgedehnt« Reisen, welche seine 
Forschungen erweiterten und bereicherten, so 1837 im Auf- 
trag der Akademie eine Reise über Archangelsk nach No- 
vaja Semlja, eine zweite 1840 in Begleitung von A. Th. 
V. Middendorff und des Herrn Pankewitsch nach der 
Ost- und Nordküste des russischen Lappland, besuchte das 
südliche Finnland und die Inseln des Finnischen Meerbusens 
und um die Mannigfaltigkeit der Thierwelt auch in einem 
südlichen Meere beobachten zu können, begab er sich 1845 
und 1846 nach Triest und Genua. Als 1851 auf Anord- 
nung des Ministers der Reichsdomänen Graf Kisseleff eine 



144 Oeffenüiche SiUung vom 28, März 1877. 

wissenschaftliche Expedition zor Untersuchung der Fischerei 
im Peipus-See nnd im Baltischen Meere ausgerastet wurde, 
hat Bär ihre Leitung übernommen und schloss weiter eine 
Untersuchung der Fischereien Schwedens an. Diese Unter- 
nehmungen sollten als Vorbereitung zur Untersuchung der 
grossen und staatswirthschaftlich wichtigen Fischereien im 
Kaspischen Meer dienen, welche ihm zugetheilt wurden und 
sich von 1853 an auf fast 4 Jahre ausdehnten. Er hat 
später noch weitere Reisen in Russland ausgeführt. Dabei 
hat er sich auch wie um die Naturgeschichte, grosse Ver- 
dienste um die Länder- und Volkerkunde erworben. 

Die Glanzpunkte seines unermüdlichen Forschens sind 
auf dem Gebiete der Entwicklungsgeschichte der Wirbel- 
thiere die Entdeckung des Eierstockeies, wovon ausgehend 
er der Wissenschaft die Bahnen brach und die Ziele auf- 
wies. Durch seine ethnographischen Studien gab er auch 
den Hauptimpuls zu den anthropologischen Bestrebungen der 
neueren Zeit. 

1863 gab Bär vorgerückten Alters wegen seine Stellung 
als ordentliches Mitglied der Petersburger Akademie auf. 
Bei Gelegenheit seines 50jährigen Doctorjubiläums (29. Au- 
gust 1864) entsprach er der Aufforderung der Esthländischen 
Ritterschaft, eine Selbstbiographie zu entwerfen/ welche zu- 
erst als Festausgabe und in einer weiteren stärkeren Auflage 
mit einem Verzeichniss seiner z^ahlreichen Schriften er- 
schienen ist. Bemerkenswerth sind unter diesen die sehr 
interessanten Reden und Aufsätze vermischten Inhalts. Es 
wird auch die Darwin 'sehe Lehre besprochen, welche Bär 
als eine geistreiche Hypothese betrachtet, die in hohem 
Grade beachtenswerth. Der Gedanke, dass die verschied- 
enen Lebensformen aus einander hervorgegangen, liege viel 
näher, als dass alle einzelnen Formen besonders geworden 
seien. Das gelte aber nur innerhalb gewisser Gränzen. Er 



V. KobeU: Nekrolog auf J, Chr, Foggmdorff. 145 

unterzieht Darwin*B Lehre einer eingehenden Kritik, warum 
der Act einer ersten Zengung oder Schöpfung, der doch 
angenommen werden müsse, sich nicht habe wiedciSrholen 
können, ob die Forderung unendlich langer Zeiträume f&r 
die verlangten Umwandlungen allgemein eine berechtigte 
sei, dass Beispiele genug vorliegen, wie ein Wechsel lokaler 
Verhältnisse keine Formverschiedenheit bei Thieren hervor- 
gebracht habe, ausser dass sie verkümmert seien u. s, w. 
Insbesondere tritt er der Ansicht Darwin *s entgegen, die 
ganze Geschichte der Organismen nur als einen Erfolg ma- 
terieller Einwirkungen und nicht als eine Entwicklung zu 
betrachten and zwar als eine zielstrebige, denn die Nach- 
.kommen sollen die Organisation der Erzeuger erreichen. 
Ueberall spricht er einfiich und klar und theilt die An- 
sichten der berühmtesten Forscher über den Gegenstand mit; 
die ganze Abhandlung bekundet die grosse Vielseitigkeit des 
Mannes, dessen Thätigkeit sich denn auch wohlverdienten 
Ruhm erworben, wie ihm sein edler Charakter allgemeine 
Verehrung zugewendet hat. 



Johann Christian Poggendorlf. 

Geb. 1796 am 29. Dec. zu Hambarg. 
Gest. 1877 am 24. Jan. zu Berlin. 

Poggendorff erhielt seine erste Bildung auf dem Jo- 
hanneum zu Hamburg und in einer Erziehungsanstalt des 
Etatsrath's Fiedler zu Schififbeck, Er bestimmte sich an- 
fangs für diePharmacie und arbeitete darin von 1812—20, 
dann stndirte er zu Berlin die physikalischen Wissenschaften. 
Im Jahre 1821 erschien von ihm in der Isis von Oken seine 
erste wissenschaftliche Abhandlung „üeber den Magnetismus 
der Volta^schen Säule^^ worin er fast gleichzeitig mit 
Schweigger die Principien des Multiplicators entwickelte. 

Diese Entdeckung, welche durch 0er stedt^s Beobachtung 
[1877. 1 . Math.-phy8. CL] 10 



« ■« 



146 OeffenUiehe Sittung vom 28. Märe 1877. 

Über die Ablenkang der Magnetnadel durch den elektrischen 
Strom veranlaest worden war, machte erst das Erkennen 
schwacher gaWanischer Strome möglich. Im Jahre 1824 
übernahm er als Nachfolger Gilbert*s die Redaction der 
Annalen der Physik und Chemie und hat das ausgezeichnete 
Journal bis zu seinem Tode fortgeführt. Er begründete 
auch mit Liebig und Wöhler 1842 das Handbuch der 
reinen und angewandten Chemie, welches später Eolbe und 
Fehlin g redigirt haben. 

Poggendorff's zahlreiche Arbeiten betreffen fast alle 
Theile der Physik und auch das Gebiet der Chemie und 
namentlich durch seine galvanischen Untersuchungen wur- 
den neue Bahnen für die Experimentalforschung eröfihet. 
Das Ton ihm erfundene Instrument zum Messen kleiner 
Winkel der magnetischen Abweichung, wobei er den nach 
ihm benannten Spiegel anwendete» ist von Gauss, einige 
Jahre später unter dem Namen Magnetometer benützt und 
ist damit eine Beform der Mehrzahl der Messinstrumente 
herbeigeführt worden. 

Sehr schätzbar sind seine Zusammenstellungen und Be- 
rechnungen der Resultate chemischer Analysen, über die 
Atomgewichte der Elemente und ihrer binären Verbindungen, 
über die Leistungen der Yolumtheorie und über die Re- 
lationen temärer Verbindungen etc. Er schrieb über electro- 
thermische Zersetzungen und eudiometrische Methoden, über 
Lichtpolarisation etc. 

Seine Gedächtnissrede auf Th. J. Seebeck, 1839 in 
der Berliner Akademie gehalten, bekundet seine Bekannt- 
schaft mit den Fortschritten der physischen Wissenschaften 
und ist reich an Bemerkungen über die betreffenden Ent- 
deckungen. Im Jahre 1834 wurde er zum Dr. der Phil, in 
Berlin und 1844 zum Dr. der Medicin in Königsberg er- 
nannt. An der Universität Berlin war er seit 1834 Pro* 



». KoheU: Nekrolog auf W. F. B, Hofmeister. 147 

fessor der Physik und wurde 1839 in die Akademie ge- 
wählt. 

1853 hat er eine Schrift „Lebenslinien zur Geschichte 
der exacten Wissenschaften seit Wiederherstellung derselben^^ 
herausgegeben, welcher dann eine weitere Ausführung in 
seinem - trefflichen Biographisch - literarischen Handwörter- 
buch 2 Thle. gefolgt ist. 



Wilhelm Friedrich Benedict Hofineister. 

Geb. 1824 am 18. Mai zu Leipzig. 

Gest. 1877 am 12. Jan. zu LindeDan bei Leipzig. 

Hofmeister hat nicht in regelmässigem Studiengange, 
wie sonst bei Gelehrten der Fall ist, seine Kenntnisse er- 
worben und erweitert, seine erste Thätigkeit betraf die Mu- 
sikalienhandlung Firma „Friedrich Hofmeister^' in Leipzig, 
deren Mitbesitzer er war, aber seine Liebe zur Botanik und 
ein geniales Beobachtungstalent stellte ihn bald mit Aus- 
zeichnung in die Reihe der ersten Fachmänner. Besonders 
haben seine Arbeiten im Gebiete der Pflanzenphysiologie seit 
1847 die Bewunderung der Botaniker erregt und wesentlich 
dazu beigetragen, g^enüber von Schieiden den Vorgang der 
Pflanzenbefruchtung zu erklären und festzustellen. Mar- 
tins sagt von ihm: W.Hofmeister behandelt die ausser- 
ordentlich zarten, mühsam darzustellenden, und nur unter 
den stärksten Yergrössernngen wahrnehmbaren Objecte und 
ihre Entwicklung mit einer Feinheit, Sicherheit und Ele- 
ganz, die kaum ihres Gleichen haben. Zugleich beherrscht 
er mit seltener Gedankenklarheit und auf richtige, morpho- 
logische Grundsätze fnssend, alle einschlägigen Thatsachen 
ond verfolgt sie in verständiger Methode auf allen Stufen 
des Pflanzenreichs. Er hat daher immer auch jene Objecte 
taktvoll herausgegriffen, deren Erkenntniss als Schlüssel zu 

anderweitigen glücklichen Combinationen dienen kann. So 

10» 



148 (ktfeitaiake aUßtmg vm 28. Mär§ 1877. 

scUiessen rieh an die Forsclmiigen über die Befrachtaiigeii 
der Phanerogamen andere an aber die Entwicklungsgeschichte 
nnd Fmchtbildnng der höheren Eryptogamen und der Zapfen - 
banme. Auch anderweitige Resultate für die allgemeine Hi* 
stologie and f&r die topographische Phytotomie hat man ihm 
XU danken.^ 

W^en dieser seiner wissenschaftlichen Verdienste wurde 
er 1863 als Professor der Botanik nach Heidelberg berufen, 
wo er bis sum Herbst 1872 blieb und dann an die Hoch- 
schule zu Tübingen überriedelte. Er war Mitglied mehrerer 
gelehrten G^ellschaften und der Berliner Akademie seit 1874. 
Die holländische Gesellschaft der Wissenschaften hat ihm die 
grosse Boerhaye-Medaille zuerkannt als ihr magnum prae- 
mium ,,de botanioa bene merito/^ 



Einsendungen wm DrueJcsehr^ten, 149 



I 



Yerzeieltniss der eingelaufenen Bfichergeschenke. 



Von der h, ungaurischen geologischen Anstalt in Biukipesti 
MittheiluHgen aus dem Jabrbucbe. Bd. Y. 1876. 8. 

Vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich in Wien: 

Bericht &ber die niederösterreichische LandesirrenaDstalt Tbbs, in Ver- 
bindnog mit dem ärztlichen Jahresberichte pro 1872. 8. 

Von der äUgemeinen aehweiserischen Gesellschaft /ör die gesammten 

Nafurwissenschixften in Zürich: 

Nene DenkBchriften. Bd. XYU. 3. Dekade Bd. VII. 1876. 4. 

« 

Vom geölogicaH Museum in Caicutta: 

a) Memoire of the Geological Snryey of India. Vol. IX. Part. 2* 
1875. 4. 

b) Records of the Geological Snrvey of India. Vol. IX. 1876. 4. 

Von der deutschen Oesdlsehaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens 

in Yokohama: 

Mittheihingen. Heft X. 1876. FoL 

Von der Boyal Aslronomical Sodety in London: 
Monthly Noticee. VoL XXXYH. 1876. 8. 

Von der SoeiHe de giograjphie in Paris: 
Bulletin. Noyembre 1876, 



150 Eimenäimgen wm Vrueksehriften. 

Von der ÄeadSmie de$ aeimeeB, beUes-UHres et airts in Lyon: 
Mömoiret' CUuBe des Sdenoes. Tom. 21. 1876. 76. 6. 

Von der Accademia deüe eeiense fisiehe e matemdtiche in Neapel z 

a) Atti. Vol. VI 1875. 4. 

b) Bendioonto. Anno Xn. XIIL XIV. 1873-1875. 4. 

Von der SocüsU ImphiäU des Natwrälietee in Moskau: 
NouTeauz M^moires. Tom. XUI. Lirr. V. 1876. 4. 

Von der SoeitU Boyäle des Sciences in UpsaXa; 
Bulletin ro^t^rologiqae. VoL VII. Annee 1875. 4. 

Von der Royal InstituHon of Chreat Briiain in London: 
Proceedings. Vol. VII. 1878. 8. 

Von der k. h. Centrälanstält für Meteorologie und Erdmagnetismus 

in Wien: 

Jahrbücher. Nene Folge Bd. XI. Jahrgang 1874. 4. 

Von der k, k, Sternwarte in Wien: 
Annalen III. Folge. Band XXV. Jahrgang 1875. 8. 

Von jder medisinischen OeseUschaft in Berlin: 
Verhandlungen ans den Jahren 1875/76. 8. 

Vom naturwissenschaftlichen Verein von Neu- Vorpommern und BOgen 

in Greifswaid: 

Mittheilnngen. Jahrgang VIII. Berlin 1876. 8. 

Vom na;turwissensehaftUcheH Verein in Hamburg: 

üebersicht der Aemter - Vertheilnng und wissenschaftlichen Thatigkeit 
des natnrwissenschaftl. Vereins zu Hamburg. 1876. 4. 

Von der schwedischen Akademie der Wissenschafken in Stockholm: 
Astronomiska Jaktagelser. Bd. I. 1875. 4. 

Von der Medical and Chirwrgicoi Society in London: 
Medico-chirurgical Transactions. II. Series. Vol. 41- 1876. 6. 



r 



Einsendungen von Drueksehriften. 151 

Van dem Ohservatorio in Madrid: 

a) Observaciones meteorologicas 1871 -72 y 1872—73. 8. 

b) Resmnen de las obsenraciones meteorologicas 1871 ~ 72 y 1872—73. 8. 

c) Anuario. Ano 18. 14. 1873. 1876. 8. 

Von der Äcadimie des adences in Paris: 
Comptes rendus. Tom. 84. 4. 

Von der ü. 8, CoMt Su/rvey Office in Washington : 

Beport of tbe Saperintendent of the U. S. Coast Suryej , sbowing the 
Progress of the Surrey duriDg tbe years 1869—1873. 1872—75. 4. 

Von der TJ, S, Gedogical Survey of the Territories in Washington : 

Beport of tbe ü. S. Geological Survey of tbe Territories. Vol. IX. X. 
1876. 4. 

Vom Bureau of Navigation in Washington: 
The American Ephemeris and Nantical Almanac for the year 1879. 8. 

Vom Observatory in Cincinnati: 
Pnblications. I. Catalogae of new doable stars. 1876. 8. 

Vom J ardin imperial de hotanique in 8t. Petersburg: 
Acta horti Petropolitani. Tom. IV, I. 2 et Snppl. ad Tom. III. 1876. 8. 

Von der schweizerischen geologischen Commission in Bern: 
Beiträge zur geologischen Karte der Schweiz. Lief. XIV. 1877. 4. 

Vom naturforschenden Verein in Britnn: 
Verhandlungen. XIV. Band. 1875. 8. 

Vom Verein zur Beförderung des Gartenbaues in den k. preussischen 
, Staaten für Gärtnerei und Pflanzenkunde in Berlin: 

Monatsschrift. 19. Jahrgang. Januar-Dezember. 1876. 8. 

Von der k. k. geologischen Beichsanstalt in Wien; 
Jalirbuch. XXVI. Bd. 1876. 8. 



\ 



1 



152 Einsendung^ von Druckschriften. 

Von der SoeiHi de gSographie in Paris: 
Bnlletin. D^mbre 1876. 8. 

Von der Sedle Äceademia delle seiense in Turin: 
Bolletino meteorolpgico ed aBtronomieo. Anno IX. X. 1874 n. 1876. 4. 

Von der Sodite entomologigue de Bügique in Brüssel: 
Annaleg. Tom. 19. Tasc. III. 1877. 8. 

Von der societä VeneUhTrentina di scienze naturali in Padua: 
Atti Vol. V. Anno 1876. 8. 

Von der SociHi d'agriculture et d'industrie agricole in Dijon: 
Journal d'agricultnre de la Cdte-d'or. Ann^e 1876. 38 Vol. 8. 

Von der Äcadhnie Bayale de midedne in Brüssel: 
Bulletin, Ann^ 1877. Tom. XI. 1877. 8. 



Vom Herrn A. W, VcXkmarm in HaÜe: 
Zur Theorie der Intercostalmuskeln. 1876. 8. 

Vom Herrn B, Hoppe in Leipzig: 

Archiv fQr Mathematik und Physik. 60. Thl. 1876. 8. 
« 

Vom Herrn 0, Chwölson in 8t, Petersburg: 

lieber einen von M. H. von Jacobi construirten Quecksilber-Bheostaten. 
1876. 8. 

Vom Herrn Giovanni Oniboni in Venedig: 

Di due antichi ghiacciig che hanno lasciato le loro tracce nei sette 
comuni. 1876. 8. 

Vom Herrn E. J. BriU in Leyden: 

Pars supellectilis anatomicae, sive catalogus craniorum quae dicuntur 
nationalia. OoUegit G. C. B. Suringar. 1876. 8. 



Einsendungen von Druckschriften. 153 

Vom Herrn Ernst Haeckel in Jena: 
Biologische Stndien. Heft 2. Studien zur Gastraea-Theorie. 1877. 8. 

Vom Herrn L. Bütimeyer in Basel: 
Der Eigi— Berg, Thal und See. 1877. 4. 

Vom Herrn Budolf Wolf in Zürich : 
Astronomische Mittheilangen XLI. 1876. 8. 

Vom Herrn Gerhard Bohlfs in Weimar: 

Die Bedeutung Tripolitaniens an sich und als Ausgangspunkt für Ent- 
deckungsreisende. 1877. 8. 

Vom Herrn Gerhard vom Roth in BerUn: 

a) Üeher grosse Enstatit-Ery stalle von Kjörrestad im Kirchspiel Bamle, 
südliches Norwegen. Berlin 1876. 8. 

b) Mineralogische Mittheilungen. Leipzig 1877. 

Vom Herrn Charles Qrad in TOrJcJieim (Elsass): 
Obserrations sur la temperature des mers de Frauce. Nantes 1875. 8. 

Vom Herrn B, Ängus Smith in Edinburgh: 
(Themlcal and physical Besearches by Thomas Graham. 1876. 8. 

Vom Herrn George J. ^rush in NeuhYorh: 
Manual of determinative Mineralogy. 1875. 8. 

Vom Herrn Eduard Begel in St. Petersburg: 

a) Flora Turkestanica. Tom. I. 1876. 4. 

b) Cjcladearum generum speciernmque revisio. 1876. 8. 

c) Generis Evononymi species floram Bossicam incolentes. 1876. 8. 

d) Gartenflora. Jan. 1877. Stuttgart 8. 

Vom Herrn C- ßruhns in Leipzig: 

Besultate aus den meteorologischen Beobachtungen, angestellt an 24 k. 
sachsischen Stationen in den Jahren 1872 u. 1873. 9. u. 10. Jahr- 
gang. 1877. 4. 

10«* 



154 Einsendungen von DruckechrifUn, 

Vom Herrn Herrmann Kolhe in Leipeig: 
Journal fftr praktische Chemie, neue Folge. Bd. 15. 1877. 8. 

Vom Herrn J. A. J, B. Garibaldi in Genf: 
Ua noareau eigne de la mort reelle. Paris 1877. 8. 

Vom Herrn Wenzel Gruber in St. Petersburg: 
Monographie über das Corpnsculam triticeam. 1876. 4. 

Von den Herren Canestrini e G. Fedrizzi in Venedig: 
La manna degli apicoltori. 1877. 

Vom Herrn Francesco Oraoni in Noto: 

a) Note scientifiche. 1873. 8. 

b) Lncnbrazioni scientifiche 1873. 

Vom Herrn P, de Tsehihatschef in Florenz: 
La Vegetation da Globe. Tom. II. Paris 1877. 8. 

Vom Herrn Thomas Belt in London: 

a) The Drift of Devon and Comwall, 1876. 8. 

b) The Steppes of Siberia, 1874. 8. 

c) On the Loess of the Bhine and the Danube. 1877. ^. 

d) Geological Age of the Deposits taining flint implements at Hoxne. 
1876. 8. 



Sitzungsberichte 

der 

königl. bayer. Akademie der Wissenschaften. 



Sitzung vom 5. Mai 1877. 

Mathematisch-physikalische Classe. 



Herr Zittel berichtet: 

„^lieber den Fund eines Skeletts von Archaeo- 
pteryx im lithographischen Schiefer 
von Solenhofen". 

Im Jahre 1861 wurden die geologischen und zoologischen 
Kreise durch den Fund eines befiederten Thieres aus dem 
lithographischen Schiefer von Solenhofen in eine gewisse 
Aufregung versetzt. Prof. A. W a g n e r erklärte das langge- 
schwänzte Skelet auf Grund einer von Dr. Oppel her- 
gestellten Skizze für ein Reptil und legte demselben den 
Namen Gryphosaurus bei. Die genaue Untersuchung des 
in den Besitz des Britischen Museums übergegangenen 
Exemplars führte indess Sir Rieh. Owen zu dem Re- 
sultat, dass das Skelet von einem ächten Vogel (Are ha e o- 
pteryx) herrühre, welcher allerdings durch den langen, 
beiderseits mit Federn besetzten Schwanz von allen übrigen 

Vögeln abweiche. Mit Ausnahme einer Feder, von welcher 
[1877. 1. Math.-phys. d.] U 



156 Sitzung der math.-phye. Clasae vom 5. Mai 1877. 

die Hanptplatte im Müncbeuer, die Gegenplatte im Berliner 
Museum liegen, hat sich innerhalb 17 Jahren keine weitere 
Spur von Archaeopteryx gezeigt. 

In diesem Frühjahre nun ist es dem Entdecker des 
ersten Skeletes, Herrn Häberlein in Pappenheim, ge- 
gluckt ein zweites Exemplar aufzufinden. Passelbe liegt 
in einer dünnen Platte lithographischen Schiefers und 
scheint, soweit sich nach den die Lage der einzelnen Knochen 
andeutenden Erhöhungen auf beiden Seiten der Platte 
schliessen lässt, ziemUch vollständig zur Ablagerung gelangt 
zu sein. In den Dimensionen steht das neue Skelet dem 
früheren rnn ein geringes nach. Die Platte ist in zwei Stacke 
zerbrochen. Das kleinere enthält den Schwanz und Theile 
der Hinterfüsse ; alles übrige liegt in der Hauptplatte unter 
einer ziemlich harten, wenn auch dünnen Gesteinsdecke ver- 
hüllt. Es ist Herrn Häberlein übrigens gelungen ein etwa 
handbreites Stück, in welchem sich gerade der hintere Theil 
des Schwanzes befindet, frei zu legen und hier sieht man die 
Federn zu beiden Seiten der verlängerten Schwanzwirbel in 
untadeliger Schönheit erhalten. Das Ausarbeiten des übrigen 
Skeletes wird, wenn es die Beschaffenheit der Knochen und 
des Gesteins überhaupt gestatten sollten, eine sehr geschickte 
und kundige Hand, bedürfen. 



r^ 



X. Seidel : JSntstehungsweise der BemoulW sehen Zählen etc. 157 



Herr L. Seidel sprach: 

„lieber eine einfache Entstehungsweise der 
Bernoulli^schen Zahlen und einiger ver- 
wandten Reihen". 

1. 

(Worterklärung,) Wenn zu einer Grössenreihe a, b, 
c, d, . ; . . von unbestimmter Ausdehnung die Dififerenzen 
gebildet werden 

^ =: b— a 

Je = c— b 

Jd = d-c 

etc. 

darauf aus diesen die zweiten Differenzen 

z/^c = Je — Jh 
z/M = JA-- Je 
etc. 
ferner die dritten 

z/»d = J^d — J^c 
etc. 

und so fort, sodass das nur nach links und nach oben be- 
grenzte Differenzen-Tableau entsteht : 

11* 



158. SUgung der math.-phys. Olasse wm 5. Mai ld77. 

a 

Jh 
b ^"c 

Je J*d 

c J*d ^*e 

Jd J^e JH 

d d«e ^*f . 



e 
f 



d«f 



80 soll im Polgendea die Grössen-Polge a, b, c, d, . . . ^ 
die Stammreihe und die Grossenfolge a, Jh, J% J^d^ 
.... welche die andere Begrenzung des Tableau's bildet, 
dieTerrainal-ßeihe der Kürze halber genannt werden ^). 

Alsdann findet folgender Satz statt, in welchem sich 
wahrscheinlich die einfachste Genesis der Bernoulli'schen 
Zahlen ausspricht: 

Beginnt man die Tabelle mit der Zahl a = Vq = 1 und 
setzt sie durch weitere Grössen b = V, , c = Vg etc. nach 
der Vorschrift fort, dass vom 3ten G^iede an Stammreihe und 
Terminalreihe durchaus übereinstimmen, so wird 

V. = i V,= B,= -i- 

V, = V,= -B.= -^ 

I) V. = V.= +B,= ^ 

V, = V.==-B, = -i 

etc. etc. 



1) Nach einer an sich gleich berechtigten und wohl etwas häufiger 
gebrauchten Schreibweise würden die Glieder unsrer Terminal-Keihe mit 
a, Ja, J*&f etc. zu benennen sein. Für das Folgende ist aber die hier 
angewandte Bezeichnung entschieden bequemer, weil es hier wichtiger 



r 



L. Seidel : Entstehungsweise der BemouUi' sehen Zahlen etc, 159' 

wobei die Grössen B die Bernoulli'schen Zahlen sind, 
und wo allgemein V^ der Coeffieient ist des Gliedes erster 
Ordnung in der ganzen Function (r + 1)*®° Grades von m, 
welche (für ganze Zahlen m) gleich ist der Summe 
0' + 1' + 2' + . . . + m'. 

Abgekürzt kann man den Satz so fassen: 
Die Reihe der Bernoulli'schen Zahlen ist 
zum Anfangsgliede 1 diejenige Portsetzung, 
welche vom dritten Gliede an sich selbst zur 
Terminal reihe hat. 

Schon b muss den besonderen Werth Vi = ^ l^ahen, 
damit (bei a=l) c '=^ J^c werden kann; ebenso muss dann 
c selbst den bestimmten Werth y erhalten, damit d =: J^d 
wird, u. s. w., sodass, wenn man Einmal a = 1 an die Spitze 
gestellt hat, alles weitere mit Nothwendigkeit bestimmt ist. 
(In einer Beihe auch schon b = ^ zu machen neben 
c = J\ d = J^d etc. ist unmöglich^ wenn sie nicht aus 
lauter Nullen bestehen soll.) 

. Wenn man die in unserm obigen Tableau schief auf- 
steigende Zahlenreihe, welche mit correspondirenden Gliedern 
der Stamm- und Terminalreihe, wie b und Jh^ c und ^^c, 
d und JH . . . endigt, der Kürze halber eine Zeile der 
Differenzentafel nennt, so ist die Differenz zwischen belie- 
bigen zwei Gliedern einer Zeile immer gleich der Summe 
der zwischenstehenden Glieder in der vorangehenden, d. h. 
wenn g , h aufeinanderfolgende Glieder der Stammreihe 
sind und s > r so hat man 

r r + 1 8 — 1 r s 

^g + ^ g+-.-4^ g = z/h — ^h 

wie sich durch Summation der Definitionsgleichnngen 



ist, das veränderliche letzte als das meist constante erste Glied sogleich 
eTkennen zn lassen, welches bei der Bildung irgend einer Differenz con- 
tribnirt hat. 



160 Sitzung der math.-phys. ClcMse vom 5. Mai 1877. 

r r r+1 

Jh—Jg =:J h 

r+l r + 1 r+2 

J h — ^ g=: J h 



f— 1 •— 1 s 



sofort ergibt. Daraus folgt, dass, wenn die beiden extremen 
Glieder einer Zeile unserm Postulate gemäss einander 
gleich sein sollen, die Summe der Glieder der vorangehenden 
Zeile, in unserm Falle sonach jeder einzelnen Zeile von der 
zweiten an, gleich Null sein muss. Hieraus kann man sich 
eine Regel entnehmen, um die Tafel mit den Bemoulli'schen 
Zahlen successive zu erweitern. Gesetzt sie liegt mit allen 
Differenzen bereits ausgefüllt vor bis zu den Grössen 

V = ( - if B und V =0 

2p p 2p4-l 

einschliesslich, und Y wird gesucht, so beginne man 

2p +2 

provisorisch eine neue Zeile nach Belieben auf der Seite der 
Stammreihe oder der Terminalreihe mit 0, und fülle dem- 
gemäss diese Zeile aus ; die Anzahl ihrer Glieder ist 2p 4~ 3) 
die Summe derselben finde sich = w. Alsdann muss 
man an die Stelle des provisorischen Werthes Null am 
Ende der Zeile setzen 

P 0) 

V =(-l)B =- 



2p + 2 p-fl 2p +3 

wodurch offenbar jedes Glied der Zeile um eben diese 
Grösse verändert und also die Summe richtig auf Null ge- 
bracht wird. 

(Eine Abkürzung dieser Vorschrift s. in § 2). 

Der Beweis, dass die nach unserer Begel gefandenen 
Grössen V in der That die bekannten sind, ergibt sich aus 
Folgendem ; 



r 



L. Seidel : Entstehungsweise der BemotdlCschen Zahlen etc. 161 

Wenn aus einer Anzahl q + 1 von Grössen a, b, c, 
♦ . . . V, w, X alle Differenzen unseres Tableau's gebildet 
werden, so drückt sich bekanntlich die letzte derselben 
durch die Glieder der Stammreihe aus wie folgt: 

1 ^ 1-2 -^l-2--(q-l) 



~ 1 • 



q(q-l)... 1 



a 



8 



2 • "q 

Wenn also für a, b, c . . . x solche Zahlen Vq, Vj, . . V, 
genommen werden, welche (abgesehen von den zwei ersten 
Gliedern in der Reihe) allgemein machen J^x = x, so ge- 
nügen diese Grossen der recurrirenden Gleichung 

_ I q(q~l)"»2 -^ q(q— l)...l ^ 

•••=*= l-2..(q-l) ^*"^ l-2..q ' 

aas welcher sie, nachdem Vq — 1 gesetzt ist, in bekannter 
Weise gemäss den Gleichungen I. bestimmt sind. 

Will man indess nicht schon als bekannt voraussetzen, 
dass die BernouUi'schen Zahlen nebst zwischengesetzten 
Nullen es sind, die dieser recurrirenden Gleichung geniigen 
(— etwa weil man zur Bestimmung jener Zahlen von der 
Gleichung nicht gleichzeitig für gerade und für ungerade 
q Gebrauch zu machen nöthig hat — ), so wird die Bedeutung 
unserer V am Bequemsten durch folgenden allgemeinen 
Satz ermittelt: 

Wenn man hat 

h c ' d ^ 

in) a + -y + p^ y + ^,^.^ y + • . . . ininf. - f(y) 

80 ist zugleich 

m*)a+ y y + ^y + YTj:^y+--*w*<- =/^fy> y 



162 Sitsung der math.-phys. Ölasse vom 5. Mai 1877, 

(Der Beweis ergibt sich aus der Multiplication ,der 
Reihen fy und e^^ xmA. aus dem obigen Ausdrucke der 
Differenzen durch die Glieder der Stammreihe von selbst.) 

Da nun in unserem Falle die letztere Reihe von der 
ersteren nur um — y verschieden ist, so bestimmt sich f 
durch die Gleichung 

f(y)e- y = f(y) - y 
und indem man setzt y = ^ und für die a, b . . unsere V 
nimmt, so findet sich 

__ y __ ^1 9.2 ^a 9.4 __ 

■"^ 1-2 l-2-3-4^ •••• 

übereinstimmend mit der bekannten Bedeutung der Ber- 
nouUi'schen Zahlen für die Entwicklung dieser Functionen. 



2. 

Wenn man den Anfang der in Zahlen ausgefüllten 
Diflferenzen-Tafel vor sich hat (s. die Beilage 1), so erkennt 
man, ausser dem schon hervorgehobenen Gesetze, dass in 
jeder Zeile die Summe aller Glieder gleich Null ist, noch 
eine durchgehend symmetrische Stellung der Zahlen in jeder 
Zeile nach beiden Seiten ihrer Mitte, — in der Art, dass 
in den Zeilen von ungerader Gliederzahl (welche mit Ber- 
nouUi'schen Zahlen endigen) beiderseits des Mittelgliedes auch 
die Vorzeichen dieselben sind, während in den mit Nullen 
endigenden Zeilen von gerader Gliederzahl die Zeichen 
beiderseits entgegengesetzt sind und dadurch das Ver- 
schwinden der Summe bedingen. - 

Dass diese Symmetrie ein durch die ganze Tafel bestehendes 
Gesetz ist, erkennt man leiqht durch vollständige Induction, 
welche von Einer Zeile, in der es erfüllt ist , zunächst auf 



X. Seidel : Entstehungsweise der BemouUi'schen Zahlen etc. 163 

die folgende schliesst. Indem man sich die erste Hälfte der 
neuen Zeile aus ihrem Anfangsglied (in der Stammreihe) und 
aas den Gliedern der vorigen Zeile dnrch Sabtraetion 
abgeleitet denkt, die zweite Hälfte der nenen Zeile aber durch 
Addition' aus ihrem mit dem Anfangsglied übereinstim- 
menden Terminalglied und den Gliedern der zweiten Hälfte der 
vorigen Zeile, so hat man vorwärts und rückwärts durchaus 
dieselben Zahlenpaare, nur nach umständen mit entgegen- 
gesetzten Zeichen, zu vereinigen. 

Offenbar muss hiemach in den Zeilen von ungerader 
Gliederzahl das Mittelglied entgegengesetzt gleich sein dem 
doppelten der Summe der ihm vorangehenden oder auch der 
ihm nachfolgenden Glieder, - wonach sich nunmehr, wenn 
die Differenzentafel bis einschliesslich zu den Zeilen mit 
V2p und mit V2p+ 1 = ausgefüllt vorliegt, ein abgekürztes 
Verfahren zur Berechnung von V2P+2 ergibt. 

Man setzt (wie zuvor) an die Stelle dieser noch un- 
bekannten Grösse in der Stamm- oder in der Terminal- 
reihe provisorisch eine Null, füllt aber von da aus die neue 
Zeile nur bis einschliesslich zu ihrem Mittelgliede aus: 
findet man dieses = r und die Summe der auf seiner 
Einen Seite stehenden Glieder = a, so ist der richtige 
Werth 

V) V :^ - ^^ + '^ . 

2p+2 2p + 3 

Diese auf der Symmetrie in den einzelnen Zeilen be- 
ruhende Abkürzung lässt sich aber ebensogut in den For- 
meln wie in der Zahlenrechnung verwerthen. 

Nach dem schon in § 1 benutzten Satze über die 
Summe einer Reihe auf einander folgender Glieder einer Zeile 
ist der Complex derjenigen, welche vor dem Mittelgliede der 
mit der Bernoulli'schen Zahl Vgp beginnenden Zeile stehen ; 



164 Siteung der niathrphys. Clastie vmn 5. Mai 1877. 

3p 2p 2p 2p 

P P 

2p+I 2p-fl 2p + l 

(wenn p nicht = 0). 

p 
Dagegen ißt das Mittelglied jener Zeile = ^ V ; man 

2p 

muss also haben 

p p 

2p 2p-fl 

wie auch ans der Zablentafel ersichtlich ist. Drückt man 
nun diese beiden Differenzen durch die Glieder der Stamm- 
reihe aus, so erhält man: 

2p 1 2p— 1 1 ^ 2p-2 

V 2p+l 1 2p 11 2p -l / 

WO die Summen beiderseits durch das Verschwinden der Bino- 
minal-Coefficienten von selbst an gehöriger Stelle abbrechen; 
nämlich links hinter dem Gliede mit Vp und rechts hinter 
demjenigen mit Vp^-i. Setzt man voraus, dass p min- 
destens = 2 ist, so sind die V von ungeradem Index, 
welche in der Gleichung vorkommen, alle Null. Die Glei- 
chung geht in diesem Falle in folgende Form über: 

VI) Pdli V (2p + 1) + ^2+_L^fcl) V (2P-1) 

1 2p 1 J O 2p — 2 

^ (P+1)P(P-1)(P-2)(P^) y ( ) ^ _ 

oder noch etwas eleganter, indem man setzt 

VII) Y =(2p+l)V =(-l)''"^\2p + l)B 

2p 2p p 

in die folgende: 



= 



L. Seidel : JEntstehungsweise der Bernoidli'schen Zahlen etc* 165 

VIII) P4iY +(H+i^-=l^Y 

1 2p l Z 6 2p— 2 

. (p+l)p(p-l)(p-2)(p-3) y , ^ . 

*^ 1-2-3-4-5 2P-4 •••"' 

Dies ist die vereinfachte recnrrirende Gleichung für die 
BernouUi'schen Zahlen, nach welcher jede neue Grösse dieser 
Art nicht durch die sämmt liehen ihr vorangehenden 
ausgedrückt erscheint (wie in der gewöhnlischen Formel), 
sondern auf wesentlich halb so viel Glieder reducirt ist. 
Denn je nachdem .p gerad oder ungerad ist, endigt die Reihe 
mit Yp oder schon mit Yp+i. 

Der Fall ist vielleicht der erste von der Art, dass die 
Zurückfuhrung einer neuen Grösse erfolgt auf eine Anzahl 
von vorausgehenden, die nicht fix ist, aber doch nicht bis 
an den Anfang zurückgeht. 

Im üebrigen ist unsere Gleichung auch noch desshalb 
bequemer als die gewöhnliche, weil die in ihr auftretenden 
Binomial-Coefficienten zu einer viel niedrigeren Potenz ge- 
hören, daher auf kleinere Zahlen führen*). 

Sind z. B. bekannt die Werthe 
2~ 6'\"" 30' 6"'^42'\'' 30' io~^66 



2) von Standt gibt in § 9 seiner Dissertation de niuneris Ber- 
nonllianis (Erlangen 1845), welche auch den Beweis seines schönen Satzes 
über die Nenner derselben enthält, Formeln von wesentlich ebensoviel 
Gliedern wie oben für jedes neue B. In jeder derselben kommen aber 
dennoch alle voransgehendeü B, paarweise za Prodacten verbanden, vor. 
Dem eben erwähnten Beweise selbst ist dort eine Darstellung von Br 
durch die Terminalglieder zur Stammreihe 0«', 1«', 2^, . . . f2r)*' zu 
€^runde gelegt. Auch die Verbindung, welche G. Bauer in Grelle — 
BorchardVs Journal., Bd. 58, mit Staudt ganz ähnlichen Ausgang nehmend, 
zwischen der harmonischen Reihe und der der BernouUi'schen Zahlen 
nachgewiesen hat, ist aufs Engste verwandt mit der Beziehung zwischen 
Stamm- und Terminalreihe. 



166 Siteung der math.-phyH, Glosse vom 5. Mai 1877, 

oder 

Y = - Y=^ — - Y = -l-- ¥ = ^ Y -4-- 

2 i2 4. • D 6 b 8 lU 10 D 

80 erhillt man für die »echste Bemonlli*sche Zahl: 



7Y +35Y +21Y + Y ^0 

12 10 8 6 



oder 



daher 



— 


-7Y 


875 

12 


189 + 5 
30 


691 
30 


Y : 

IS 


ZI — 


691 
210 


13 V ; B = 

13 6 


691 
2730 



Ebenso nunmehr für die siebente: 

8Y + 56Y + 56Y 4- 8Y = 

14 12 10 8 

Y =-7(Y +Y )— Y — ^^^ ^^^ "^ ^ 



14 



\\ 10 8 30 

= f =15V ;B+1 

^ 14 7 O 

U. 8. W. 



3. 

Man gelangt ebenfalls zu den BernouUi'schen Zahlen, 
zwar nicht völlig so direet, aber auf eine für die numerische 
Rechnung noch bequemere Weise, wenn man (abgesehen 
vom Anfang) die Glieder der Termipalreihe denjenigen der 
Stammreihe entgegengesetzt anordnet. Nur im Vorbeigehen 
mag der Fall erwähnt werden , wo man zu a = 1 schon 
b = — -i/b, c = — ^c, d = — J^A etc. postulirt; hier wird 
die Stammreihe 

l,R = —,0, — R ,0,4"ß 1^1 — ß >••• 



L. Seidel, : Entsiehungsweiae der BernauUi^ sehen Zahlen etc, 167 
wobei die Grössen R die Bedeutung haben 

1 2in 

IX) R =±(2 -1)B 

2m — 1 m m 

Ihre Berechnung durch successive Ausfüllung des 
Differenzen-Tableau's würde sich zunächst auf das Princip 
gründen lassen, nach welchem die Differenz zwischen Stamm- 
glied und Terminalglied einer Zeile, hier also die Grosse 
-f- 2R2m+i immer gleich ist der Summe aller Glieder der 
vorangehenden Zeile ; man würde aber alsbald auf eine sehr 
wirksame Vereinfachung des Algorithmus geführt werden 
durch die Wahrnehmung einer dem vorigen Falle durchaus 
analogen Symmetrie in der Stellung der Zahlen der ein- 
zelnen Zeilen, und durch den mit Hilfe dieser Symmetrie 
leicht zu erweisenden Umstand, dass auch hier das Mittel- 
glied einer Zeile von ungerader Gliederzahl gleich ist dem 
doppelten des in der Differenzen-Tabelle gerade unter ihm 
stehenden Gliedes. Man erhält dabei, wie leicht einzusehen, 
bei den Zahlen der Tafel keine andern Nenner, als Po- 
tenzen von 2. Noch wesentlich bequemer, weil man nur 
mit ganzen Zahlen zu rechnen hat, gestaltet sich aber 
die Sache, wenn man den Beginn der Reihe ein wenig 
ändert. 

Macht man nämlich 

a = , b = 1 
und setzt nun die Stammreihe so fort, dass 

c = — J^c , d " — J^d , . . . 
wird, - so gestaltet sie sich wie folgt: 

0,1, +D ,0,-D ,0,+D ,.,. 

I 8 6 

wobei man hat 



168 Sitzung der math-phya. Clasae vom 5. Mai 1877, 



XI) 




D 

2m- 


-i 


Sm 

2(2 - 


-1) 


B 

m 




und 




D 




D 






D 


Yin f 


„1. 


V- » * 


I. 


s 


8 




6 



Bekanntlich sind die Grössen 2 (2^ — 1) Bm ungerade 
ganze Zahlen. Wenn man sich erlaubt dieselben (die übri- 
gens noch mit 2^"* — 1 gemeinschaftliche Factoren enthalten 
können, die sich dann bei der Bildung von Bm aufheben) 
der Kürze halber die „Bernoulli*schen Zähler ^^ zu 
nennen, so kann man sonach unsem Satz, in einer zwar ab- 
gekürzten aber der Erläuterung nicht bedürfenden Form, 
so aussprechen: 

Die Bernoulli' sehen Zähler sind zu den An- 
fangsgliedem , 1 diejenige Fortsetzung^ bei welcher alle 
ferneren Glieder der Stammreihe den entsprechenden der 
Terminalreihe entgegengesetzt werden 

Denn nach dem allgemeinen Satze (s. oben 61. III. und 
in*), wonach 

2 

« -* , , bx cx ~* Jb 

fxe =(a+ Y+ p2 + -Oe = a +— x 

2 
Je 2 

erhält man mit den oben angeführten unserem Falle ent- 
sprechenden Werthen a, b, c, . . . und den dazu gehörigen 
Jb^ ^c, . . . : 

— z 

fx e =: 2x — fx 
also 

2x 



fx rr. 



— z 



1 + e 
woraus sich Gl. XII. ergibt wenn man x = ^i setzt. 



.. ( 



r 



L. Seidel : Entstehungsweiae der Bernotdli' sehen Zahlen etc. 169 

Denkt man sich nun, um von der 3ten Zeile an in 
Stamm- und Terminalreihe entgegengesetzte Glieder zu er- 
halten, den An&ng des Differenzen-Tableau's 



1 
1 

zunächst (wie in dem letztbesprochnen Falle) auf die Weise 
fortgesetzt, dass man jede weitere Zeile in dör Stammreihe 
mit der Hälfte der Gliedersumme der ihr vorangehenden 
Zeile beginnt, so "tritt sofort in der so angelegten Tafel 
(s. Beilage 2) wieder die Symmetrie in den Zahlen einer 
Zeile hervor, — diesmal in der Weise, dass in den mit 
Null beginnenden und ebenso endigenden Zeilen von gerader 
Gliederzahl in gleichen Entfernungen von der Zeilenmitte 
beiderseits gleiche Zahlen stehen, während die mit ^ D 
beginnenden und mit ^ D endigenden Zeilen ungerader 
Nummer in der Mitte eine Null, und beiderseits derselben 
entgegengesefcze Zahlen enthalten. Die allgemeine Giltig- 
keit dieser Regel wird (ganz wie in § 2) durch vollständige 
Induction sofort evident gemacht, indem man immer die erste 
Hälfte einer neuen Zeile aus der ersten Hälfte der voran- 
gehenden und dem Stammgliede der neuen, die zweite Hälfte 
der letztem aber aus ihrem dem Stammgliede entgegengesetzten 
Terminalgliede und der zweiten Hälfte der vorangehenden sich 
berechnet denkt. Hiernach kennt man also in den Zeilen un- 
gerader Nummer, welche mit3J[3 D beginnen, mit ^ D endigen 
müssen, ohne Weiteres das Mittelglied 0, von welchem aus 
man nunmehr diese Zeilen ganz leicht ausfüllt, während die 
Zeilen gerader Nummer, da sie mit anfangen und schliessen, 
von dem Einen dieser Enden an ausgefällt werden. Damit 
ist auch evident, dass die Tafel nur ganze Zahlen ent- 
halten kann ; und es wird unnöthig, bei der Rechnung, von 
den einzelnen Zeilen des Tableau^s mehr als die Hälfte 
(einschliesslich des Mittelgliedes 0, wo ein solches vorhanden 



170 Sitgung der nuUh.-phys. Cflasse vom 6, Mai 1877. 

m 

ist) anzuschreiben. Man bemerkt weiter in den Zeilen- 
Hälften, auf welche hiernach die Betrachtniig redncirt 
werden kann, dass alterirend ein Paar derselben niar posi- 
tive, das nächste Paar nur negative Zahlen enthält, u. s. f. ; 
und beweist leicht wieder durch vollständige Induction (mit 
Hilfe des Umstandes, dass die Zeilenhälften abwechselnd mit 
beginnen und endigen) die Allgemeinheit auch dieses Gre- 
setees, zufolge dessen alle D positiv ausfallen. Folge eben 
dieses CFmstandes ist es weiter, dass, indem man die Aus- 
füllung der Halbzeilen stets auf der Seite beginnt, wo in 
ihnen die steht, und also abwechselnd von links nach 
rechts und von» rechts nach links rechnet (ßovaTQoq>rid6v) 
die absoluten Werthe der Zahlen beständig wachsen, indem 
niemals zwei mit ungleichem Vorzeichen zusammenzulegen 
sind. Für die numerische Rechnung kann man hiernach 
die Zahlentafel der Form einer Dififerenzen-Tabelle ent- 
kleiden, durchaus einfach die absoluten Werthe ansetzen, 
die zuvor von links nach rechts aufsteigende Zeile hori- 
zontal anordnen, und durch eine leichte Verschiebung der- 
selben bewirken, dass überall die Zahlen gerade unter ein- 
ander zu stehen kommen, welche man in der Rechnung zu- 
sammen zu addiren hat. Auf diese Art erhält man an 
Stelle der Hälfte unseres Differenzen-Tableau's zur leichten 
und ganz mechanischen Berechnung der Bernoulli'scheu 
Zähler das treppenförmige Schema in Beils^e 3'), 
in welchem, abgesehen von den Nullen, mit 
welchen, abwechselnd links und rechts, die Zeilen beginnen, 
jede Zahl die Summe ist aus der neben ihr ste- 
henden kleineren (oder gleichen) und der gerade über 
dieser letztern befindlichen Zahl. Fügt man die 



3) In derjenigen Anordnung, welche für die Beilage gewählt wurde, 
sind, wenn man die Zeilen mit den vorderen Zeilenhälften in Beilage 2 
yergleicht, links und rechts gegen einander umgetauscht. 



L. Seidel: ßntsUhtMgsweiee der BernauUVeehen Zahlen etc. 171 

Vorschrift hinzn, dass jede neue Zeile mit einer Null gerade 
unter der zuletzt angeschriebenen Zahl der vorausgehenden 
begonnen wird, und endlich, dass (in der von uns gewählten 
Anordnung) jede links mit beginnende Zeile rechts mit 
einer Zahl über die vorangehende heraustritt (indem auch 
noch die Null der letztern zu der unter sie geschriebenen 
addirt, d. h. letztere Zahl repetirt wird), während die von 
rechts gegen links ausgefüllten Zeilen ihr Ende erreicht 
haben, sobald der Platz unter der der vorangehenden Zeile 
ansgef&Ut ist, — so hat man den Inbegriff der ein&chen 
Vorschriften, nach welchen sich aus dem Anfange 

1 

1 

das weitere Zahlengefüge von selbst ergiebt, ~ zu dessen fer- 
nerer Fortsetzung man jederzeit nur die letzte vollständige 
Zeile nöthig hat. Darin sind die rechts heraustretenden un- 
geraden Zahlen 1, 1, 3, 17, 155 etc. die Bernoulli^schen Zähler 
D, welche der Reihe nach mit 2(2*— 1), 2(2*— 1), 

2 (2*— 1), 2 (2* — 1) etc. dividirfc werden müssen, um die Ber- 

1 1 i' 1 
noulli*schen Zahlen B (^ , 3^ , ^ , ^^ etc.) zu geben *). 

Die Nenner der Form 2 (2*' — 1) können noch mit den zuge- 
hörigen Zählern D gemeinschaftliche Factoren enthalten , welche 
man a priori angeben kann, da nach Staudt der Nenner von 
6, in seiner einfachsten Gestalt bekannt ist, nämlich gleich 
dem ^ doppelten Producte aller ungeraden Primzahlen 

2d + 1, für welche j eine ganze Zahl wird. Nennt man 



4) Man kann noch im Schreiben des Tablean etwas dadurch kürzen, 
dass man die zwei ersten Zeilen ganz nnd von jeder folgenden die letzte 
Zahl znr Rechten weglässt. Nor müssen dann die rechts anfangenden 
Zeilen, statt mit Null, mit der Repetition der zuletzt vorher gebildeten 
Zahl begonnen werden. 

[1877. II. Math.-phys. Gl.] 12 



172 SüBung der math-phyg. Classe vom 5« Mai 1877. 
dieses Prodnct /I(2d + 1) so wird hienach 

2r 
2 - 1 

iT(2d+l) 

der gemeinschaftliche Factor sein im Zähler und Nenner 
des Ausdruckes 

D 
^-L>- = B 



fir 

2(2 -1) 



Die Eigenschaft der Grössen D, in der Terminalreihe 
auf die entgegengesetzten Werthe zu führen, liefert eine 
recurrirende Gleichung, welche irgend ein D durch sämmt- 
liche vorangehenden ausdrückt. An die Stelle derselben kann 
man aber die gekürzte Formel von \yesentlich nur halb so 
vielen Gliedern und kleineren Zahlencoefficienten setzen, 
welche unserer GL VIII. für die B analog ist, und welche 
im gegenwärtigen Falle (noch etwas einfacher als dort) die 
Bedingung ausspricht, dass das mittelste oder (r -f l)te Glied 
der mit D2r-i beginnenden Zeile im Differenzen -Tableau 
gleich Null ist. unter Voraussetzung, dass r mindestens 
gleich zwei ist, erhält diese abgekürzte Formel die Gestalt: 

-^ 2r-l 1-2 2r-8 1 ' 2 * 3 • 4 rl -5 

— . . . = 

(links soweit fortzusetzen bis die Binominal - Coeffipienten 
von selbst verschwinden); während Dj, welches nicht aus 
dieser Gleichung sich ergibt, •=■ 1 ist. 

Sind z. B. schon bekannt 
Di = 1 , Dg = 1 , D5 = 3 so erhält man 

D, = öDß — Da = 17 
D9= lOD, — 5D5 = 155 
D„ = I5D9 — 15D7 + D5 = 2073 ' 



r 



£. Seidel : IkUtehungtaeise der SemouiU'aeheH ZMen etc. 173 
D„ = 21 Du — 35D, + 7D, = 38227 

U. 8. W. 

Hiernach ist znm Beispiel die 6te BemouUi'sche Zabl 

B - 11 _ 2073 _ 691 

« ~ o /-r^'" ,^ ~ 2 • 63 • 65 - 2730 
2(2 —1) 



ebenso die 7te 

D 
B =- '» 



38227 7 



• 2<2"-l) 2 -127 -129 6 

Da z. B. bei dieser letzten der kleinste Nenner 6 nach 
der Staudt^sclien Regel sofort bekannt ist, so weiss man 
sogleich, dass 43 * 127 als Divisor in Dia stecken muss. 

Unter den Binoniial-Coefficienten 

r (r — 1) r (r— 1) (r— 2) (r~3) 



1-2 ' 1 • 2 • 3 -4 



• • • 



befindet sich noth wendig eine ungerade Anzahl solcher, 
welche ungerade Zahlen sind, — weil ihre Summe gleich ist 

^((1 + 1) +(1-1))-1=2 --1. 

Daraus folgt, dass D2r-i eine ungerade ganze Zahl sein 
muss, wenn sämmtliche vorangehenden D es sind; also, da 
schon Dl ungerad ist, dass alle D es sein müssen. Diese 
bekannte Eigenschaft der Bernoulli'schen Zähler kann man 
in gleicher Weise durch vollständige Induction auch aus der 
Anordnung der Zahlen in unserem Treppen-Schema erweisen. 

Der Vortheil, in der Rechnung nur mit ganzen Zahlen 

zu thun zu haben, ist so erheblich, dass für die numerische 

Berechnung der Grössen B es durchaus am bequemsten 

scheint, durch ihre Zähler D zu gehen, — sei es nun, dass 

man diese letztern aus dem Treppenschema oder aus der 

gekürzten recurrirenden Gleichung XIII. bildet. Von diesen 

12* 



174 Sitzung der matK-phya, Clasie vom 5. Mai 1877, 

beiden Wegen selbst bietet der dnrch die Formel den Vor- 
theil, dass man weniger Zahlen anzuschreiben hat, — indem 
nämlich in der Zahlentafel zur Berechnung eines neuen D 
immer zwei neue Zeilen ausgefüllt werden müssen. Dem 
steht jedoch zu Gunsten der letzteren Bechnungsweise gegen- 
über, dass sie weder Multiplicationen noch auch Snbtrae- 
tionen erfordert, sondern nur Additionen der allerbeqnemsten 
Art. Denkt man sich, dass etwa von späteren Grossen B 
oder D nur die wichtigsten Ziffern berechnet werden sollen, 
so kann man in dem Zahlenschema von irgend welcher 
Zeile an eine Kürzung durch Weglassen der Endziffern vor- 
nehmen, ohne dass sich ja begeben kann, dass durch gegen- 
seitiges Aufheben in den Yorangehenden Stellen diejenigen 
Ziffern, die man abgestrichen hat, in die vorderen und für 
die beabsichtigte Genauigkeit noch relevanten Plätze ein- 
rücken. Bei der Rechnung nach der Formel hat man, 
wegen der Zeichenwechsel, die sie enthält, diesen Vortheil 
nicht in gleicher Weis6. 

4. 

Das Differenzen-Tableau für die „Secanten-Coeffi- 
cienten*' ist nicht minder bemerkenswerth, als dasjenige 
für die Bernoulli*schen Zahlen. 

Schreibt man die Secantenreihe in der Form 

SO erhält man zwischen ihren Coefficienten U die recnr- 
rirende Gleichung 

P 2r(2r~l) ^ 2r(2r~l)(2r-2)(2r~ 3) 

2r 1-2 2r-2"'" 1 * 2 ' 3 • 4 2,-4 

— ...±üo = 

und hat dazu 



r 



Xr. Seidtf : Entstehungsweiae der BernauKlC sehen Zahlen etc. 175 

ü = 1 



Der yerschwindende Ausdruck in ersterer Gleichung ist 
aber nichts anderes, als ^ das mit ^ Üq, zu gleicher Zeile 
gehörige Glied J^X^tr 'n <ler Terminalreihe zur Staram- 
reihe 

üo , , -~ ü, , , + ü, , , - Ue , . . . 

Hat man also den Anfang des Differenzen-Tableau*s 

gebildet 

1 

— 1 


so setzt sich dasselbe zunächst in der Terminalreihe mit 
fort: von Ai wird die dritte Zeile von rechts nach links 
ausgefüllt, wodurch man zu dem Gliede — U^ = — 1 der 
Siammreihe kommt: das nächste Glied derselben ist und 
von ihm aus wird die vierte Zeile ausgefüllt: 

1 

- 1 



— 1 +2 
— 1 +2 

+ 1 


Da nun das 5te Glied der Terminalreihe, aus den Glie- 
dern Uo . . U4 der Stammreihe entspringend, nach unserer 
recurrirenden Gleichung wieder sein muss, so wird von ihm 
aus abermals eine Zeile ausgefüllt, dann die folgende wieder 
von der ans, welche in der Stammreihe in sechster Stelle 
zu stehen kommt, und so immer hin und her. Auch 
hier Wird alles sogleich definitiv ausgefüllt, -~ man hat 
nur mit ganzen Zahlen und, wie sich nach dem Anfange so- 
gleich als durchaus geltend ergibt, nur mit Additionen zu 
thnn. (Siehe das Tablean in Beilage 4.) Da die Glie- 



176 Sitzung der matf^-phys. Ckuse vom 5. Mai 1877, 

der Uo , ü« , ü« , . . der Stammreihe sich als positiv, die 
Glieder — Us , — ü« , . . . sich als negativ ergeben ^ was 
offenbar in derselben Art forl^eht, so sind die Grossen ü 
selbst alle positiv 

Uo = 1 , U, = 1 , U4 = 5 , Ue = 61 n. s. w. 

Bei der Betrachtang der Tafel drängt sich hier sofort 
die Frage auf, welches die Bedeutung der Zahlen -f- 2 , 
— 16 , +272 etc. sein mag, welche in der Terminalreihe 
sich zwischen die Nullen einschieben. Zu ihrer Beant- 
wortung dient am bequemsten wieder der schon benützte 
Satz über den Zusammenhang zwischen der functio gene- 
ratrix der Stamm- und der Terminalreihe. In unserem Falle 
ist zu setzen: 

a = Uo = 1 

b=0 

c = - U, = — 1 

d = 

e = + U4 = + 5 

f = 

g = - ü. == ^ 61 
etc. 

und man hat, mit y = ^i 

%) = f(^i) = sec^ = P^ 

Bezeichnet man also die Glieder der Terminalreihe wie folgt: 

^b = - 1 =— T, 

//•c = 

^d = + 2 =+T, 

//•e = 

^f = — 16 = — T, 

^h = + 272 = + T, 
etc. 



r 



X. Seidel : Entstehungsweise der BernouUi' sehen Zahlm etc. \11 



8 



• • • 



SO ergibt sich 

_y TT 
2 ^ _ , 1 , 8 

y _y — A 1 y "*" 1 •2-3 ^ 

e + 

and wenn man wieder & einführt: 

T T 3 T 5 

Es sind also die in unsrer Terminalreihe auftretenden 
Zahlen in demselben Samme Tangenten-Coefficienten, in 
welchen die Grössen ü der Stammreihe Secanten-Coefficienten 
sind, — nnd beide zugleich lassen sich arithmetisch so 
definiren : 

Wenn man eine mit 1 beginnende Stammreihe so fort- 
setjsit, dass sie selbst an der J2ten^ 4ten^ 6ten etQ.<, die zu- 
gehörige Terminalreihe aber an der 3ten 5ten^ 7ten ßte. 
Stelle Nullen enthält^ so sind die Glieder ungerader Ord- 
nungszahl in der Stammreihe Secanten-Coefficienten, und die- 
jenigen gerader Ordnungszahl in der TerminoHreihe Tangenten- 
Coefficienten. 

Diese letztern fuhren wieder auf die BemouUi'schen 
Zahlen zurück ; nach der von uns gebrauchten Schreibweise 
hat man nämUch 

1 2r-p2 1 2r— 1 2r 

XVII) T =^2 D =-2 (2 -1)B 

2r— 1 r 2r— 1 T r 

woraus man erkennt, dass alle in r enthaltenen ungeraden 
Factoren in D2r-i aufgehen müssen (wie sich auch in an- 
derer Weise leicht darthun lässt), — andrerseits aber, da 
die D ungerade ganze Zahlen sind, dass T2r-i eine Potenz 
von 2 als Factor enthält, deren Exponent um denjenigen 
der in r enthaltenen Potenz yon 2 kleiner ist als 2(r— 1). 
Die Beziehung, dass, wenn die Coefficienten der Einen 
Art in der Stammreihe stehen, die der andern in der Ter- 



178 Sitgung der matK-phys. CUuh vom 5. Mai 1877. 

minalreihe erscheinen, ist übrigens eine reciproke; denn 
aus dem Zusammenhange zwischen beiden Reihen ergibt 
sich auch folgender allgemeine Satz^). 

Wenn die Grössen a, &, c, d, . . . in der Stammreihe 
führen zu den Grössen a, Jb, J^e^ . . . «n der Terminalreihe^ 
so führen umgekehrt die Grössen a, — Jh^ + /Pc, — J^d^ 
... in der Stammreihe eu den Grössen a, — 6, + c, — d, 
... in der Terminalreihe. 

Daher führt in unserm Falle eine mit den Tangenten- 
Coefficienten gebildete Stammreihe .. 

1 , T, = 1 , , — T, = - 2 , , + T5 = + 16 , etc. 

zu der Terminalreihe mit den Secanten-CoefBcienten 

Uo = l,0,— IT, = -l,0,+D4 = + 5,0 etc. 
zurück, welche vorher die Stammreihe war. 

Bei der vollkommen analogen Rolle , welche hiernach 
die Zahlen in den beiden Grenzreihen der Tafel spielen, 
erscheint es hier doppelt indicirt, analog wie bei den 
Grössen D, dem Rechnungsschema die Form eines Differenzen - 
Tableau*s abzustreifen, die Zeilen, anstatt sie schräg auf- 
steigen zu lassen, horizontal zu ordnen, die Zahlen, die 
durchaus nur mit gleichen Zeichen zu verbinden sind, nur ihren 
absoluten Werthen nach anzuschreiben, und überall die- 
jenigen gerade unter einander zu bringen, welche zusammen 
zu addiren sind. 

Die Tafel nimmt dadurch für die Rechnung die Form 
des doppelt treppenförmigen Schema^s in Bei- 
lage 5 an. Da dasselbe ii^ durchaus ähnlicher Weise aus- 
gefüllt und fortgesetzt wird, wie das Schema 3 für die 
Grössen D, vor welchem es sogar eine noch grössere Sym- 
metrie nach beiden Seiten voraus hat, so genügt es, zu 



5) In demselben spricht sich Eine von 5 Variationen aus, die man 
za einem richtig ausgefüllten Differenzen-Tableaa allemal durch Um- 
stellung seiner Zahlenreihen ableiten kann. 



r 



L. Seidel : Entstehungsweise der BernovXiff sehen Zahlen etc. 179 

sagen, dass, abgesehen von den Nullen, mit welchen alter- 
nirend links und rechts die Zeilen beginnen, und abgesehen 
von der 1 an der Spitze, aus welcher sozusagen Alles hervor- 
geht, auch hier jede Zahl der Tafel die Summe ist aus 
der neben ihr stehenden kleineren und der gerade über 
dieser befindlichen. Die über den Nullen heraustretenden 
Endzahlen der Zeilen sind bei unserer Anordnung links 
Secanten-, rechts Tangenten-Coefficienten, 

Durch dieses Schema kann man also zugleich Secanten- 
Coefficienten und Bernoulli'sche Zahlen berechnen, erhält 
aber die letztern allerdings nicht allein mit den Factoren 
2 (2*' — 1), durch welche sie auf ungerade ganze Zahlen ge- 
bracht werden, sondern ausserdem noch mit Potenzen von 
2 belastet. — 

Auch in dem Schema 5 würde man, ähnlich wie zu 3 
erwähnt, sich Kürzungen durch Abstreichen der letzten 
Ziffern erlauben dürfen, wenn nur die wichtigsten Stellen 
jedes Coefficienten gefordert werden, — da auch hier der 
Fall nicht vorkommen kann, dass in den Anfangsziffern ein 
gegenseitiges Aufheben Statt fände. — üebrigens könnte 
man auch hier, zur Abkürzung im Schreiben, am Ende 
jeder Zeile die Wiederholung der letzten Zahl und am An- 
fang der nächstfolgenden die Null weglassen , wenn man 
dafür zur Regel machen würde, jede neue Zeile unter der 
letzten Zahl der vorangehenden mit der Bepetition dieser 
letzteren zu beginnen. 



Die Annahme wird kaum unberechtigt sein, dass die in 
den vorstehenden §§ aufgestellten Formeln und Rechnungs- 
Vorschrifben für die Bernoulli^schen und die diesen ver- 
wandten Zahlen die einfachsten sind, welche man bis jetzt 
besitzt; namentlich mochte dies von den auf die halbe Zahl 
der Glieder reducirten recurrirenden Gleichungen für die 



r 



180 Sitzung der tnath.-phys. Glasse vom 5. Mai 1877. 

BeraoDlli'sclien Zahlen in § 2 VI.— VIII. nnd für ihre 
Zähler D in § 3. XIII, andererseits aber von dem Treppen- 
schema znr Berechnung dieser letzteren (§ 3) und von dem 
doppelten für die Secanten- und Tangenten-Coefficienten 
(§ 4:) gelten. Grösseres Interesse jedoch, als der Vortheil 
welcher hieraus für die Durchführung von Rechnungen oder 
Eutwickelungen unter Umständen sich ergeben könnte, darf 
vielleicht der Nachweis in Anspruch nehmen, dass jene 
eigenthümlichen und in so verschiedenartigen Entwicklungen 
auftretenden Zahlen-Folgen nicht blos privilegirt sind durch 
ihre Kolle in der Analysis, sondern auch ausgezeichnet 
durch ihre arithmetische Natur selbst, vermöge 
deren sie sich in einfacher und doch charakteristischer Weise 
sozusagen von selbst aus den Grund - Elementen 1 und 
aller Zahlenbetrachtung entfalten. 



I 



5 tom 5, Mai 1877, 



182 



+ 







66 



4- -5- 

^^ 83 



+ 



es 



' 66 








';h,'phy8. Glosse vom 5. Mai 1877, 184 



er Tangenten-Coefflcienten T. 

eben die Zeilen abwechselnd links und recbts 
kleinern, und der gerade über der letztem 



T T 3 T 5 

1 ^l-2-3 ^l-2-3-4-5 ^ 



1 2r— 2 1 2r — 1 2r 

= ~2 D =-2 (2 -1)B 

1 r ar— 1 r r 



= T, 

16 = Tj 

• 

> 272 272 = T, 

l 272 

7664 7936 7936 ~= T, 

36 15872 7936 

148 329984 345856 353792 353792 = T„ 



L, Seidd : Entstehungsweise der BemouHWschen Zahlen etc. 185 






+ 







n 






1-H 






1 






<^ 






(M 




^ 
^ 


<M 










2 




»6 






N 






a 


o 




<D 






^ 






O 






QQ 






•V 






• ^W 






9mh| 




' 


3 




. 


O 




<M 


g 




« 


Ä 




50 


cq 




es 


^ 




'"^ 


<£> 




•m 


'T^ 




^ 








ableau 




■ 


H 






1 






d 






a> 






bQ 






p 






<v 






u 




y 


ffe 


f-H 



o o 



I 



t- I> 00 

rH rH CO 



*v "T 



o t- ^ ^ 

1-t CO o 



+ + 



CO CO 



'^ 00 



CD 



I I + + I 



09 



CO 



+ 



<N 



<M 



^ 



o 


CO «o 

1 1 


00 CO 

+ + 


O 




1—1 f-H 


(M 


00 O 


CO CD 




+ + 


1 


1 


+ + 




r^ 


(M O 


00 00 


00 '^i* 
rH 




+ 


+ 


1 1 


+ + 




^ o 


<M 


cq <x> 


^ T*4 00 

»-I CO CO 






+ 


+ 1 


1 + + 






rH r-i 


CO CO 


rH rH 




J 


1 + 


+ 1 


1 + 


+ 


i-i O 




O CO 


o t- o 

rH 






1 


+ 


1 


+ 


n 


II 


II 


II 


II 


*4 


•9 

Q 


(S 




(S 



186 Sitiwng der math.'phn8. CIomh wm 5. Mai 1877. 



BeiUge 3. 



Treppen -Schema 

tfüLT die BerecbBung der BernonUi'schen Zähler 



D =2(2 -1)B 

r?r— I r 



D 



D 



1 I 8 • 

^2 1-2 ^l-2-3-4 ^ 

Abgesehen von der Spitze 1 und von den Nullen, mit 
welchen alterirend links und rechts die Zeilen beginnen, ist 
jede Zahl der Tafel die Summe aus der neben ihr stehenden 
kleineren und der gerade über dieser befindlichen. 



1 













1 = D, 








1 




4 











1 1 = 


D. 






2 


1 











2 3 


8 - 


D. 




,8 


6 3 












8 U 


17 


17 = D, 




56 


48 34 


17 










56 104 


138 


155 155 


= D, 


608 


552 448 


310 


155 





608 1160 1608 1918 2073 2073 = D,, 
9440 8832 7672 6064 4146 2073 
9440 18272 25944 32008 36154 38227 38227 = D,, 



r 



L, Seidel : Entstehungsweise der BemouU^schen Zahhn etc. 187 



tu 






s 

I 

a 



4» 



5 

i 



OQ 

»« 
O 



+ 



CO 



e« 



+, 



04 



Ol 



& 
il 









+ + 



(M 






+ + 



^ 



CD 



CD 



O 
O 
00 



I I + + 



CD 



CO 



C4 



O 



I I + + 



<M 



<M 



CD 



QO 



O 



+ + f 'I + + 

o k^ ^ <z> 



CD 






Ol 

CO 



+ + I I + + 



«-M r-4 rH ftO 



CD 



CD 00 
CO 



I I + + I I + + 



l-H O 1- 



II 

t3 



I 

li 



+ 

II 

p 



CD 



II 
I 



00 

CO 

+ 
ti 



188 HiUung der math.'phys, Classe vom 2, Juni 1877, 



Herr Wilhelm von Bezold legt vor: 

„Die Theorie der stationären Strömung 
unter ganz allgemeinen Gesichts- 
punkten betrachtet". 

Wenn man die von Kirch ho ff ^) gegebene Ableitung 
der Ohm 'sehen Gesetze aufmerksam betrachtet, so kann es 
kaum entgehen, • dass dieselbe im Wesentlichen nicht nur 
fnr elektrische Ströme giltig ist, sondern dass sie mit kleinen 
Abänderangen gerade so gut auf andere Arten stationärer 
Ströme übertragbar ist. 

Thatsächlich ' haben auch z. B. die Gesetze für den 
Durchgang der Wärme durch parallele Wände von geringer 
Dicke *) und grosser Flächenausdehnung genau dieselbe Form, 
wie die Ohm' sehen. Das Gleiche gilt von den Formeln, 
welche die Luftmengen angeben, die bei einseitigem üeber- 
drucke durch poröse Wandungen hindurch gepresst wer- 
den *) nur mit dem unterschiede, dass an die Stelle der 
im Ohm 'sehen Gesetze vorkommenden elektromotorischen 
Kräfte (d. i. Spannungsdifferenzen) in dem einen Falle 
Temperatur- in dem andern Druckdifferenzen treten. 

Auch das in den Lehrbüchern viel benutzte Gleichniss, 
bei welchem man statt des galvanischen Stromes einen 



1) Poggdff. Ann. LXXVIII. S. 506 ff. 

2) Peclet. Traite de la Chaleur S^e ed. toni. I. p. 408 ff. 

3) C. Lang in Ztschft. f. Biologie. Bd. XL S. 323. 



V, Bezöldi Theorie der stationären Strömung etc. 189 

Wasserstrom betrachtet, lässt sich viel weiter verfolgen, als 
man im ersten Aageublicke glauben möchte. So kann man 
z. B. verschiedene Eigenthümlichkeiten der galvanischen 
Kette trefflich versinulichen, wenn man sich au Stelle der 
Elemente Pumpwerke gesetzt denkt, welche Wasser um be- 
stimmte Hohen heben, während Röhren von dem oberen 
Ende einer jeden Pumpe zu dem unteren der nächstfolgenden 
führen und so bei Thätigkeit der Pampen einen geschlossenen 
Strom ermöglichen. Entnähme die erste der Pumpen ihr 
Wasser einem grossen Reservoir z. B. einem See, während 
die letzte das gehobene Wasser in ein eben solches Reser- 
voir entleerte, so hätte man bei fortgesetzter Wirksamkeit 
der Pumpen ebenfalls einen stationären Strom, gerade wie 
in einer Telegraphenleitung, deren Enden mit Erdplatten 
verbunden sind u. s. w. 

Dieses Gleichniss liesse sich noch viel weiter ausspinnen 
ohne die Analogie zu verlieren. 

Eine so weit gehende üebereinstimmung ist nicht 
denkbar ohne tiefere innere Begründung and muss unwill- 
kürlich auf den Gedanken fuhren, dass für beide Gruppen 
von Erscheinungen gleichartig gebaute Gesetze gelten müssen. 

Es schien desshalb angezeigt, einmal den Versuch zu 
machen, ob es nicht möglich sei, ganz allgemeine Gesetze 
aufzustellen, welche für alle Arten stationärer Ströme gül- 
tig sind, und welche alsdann sowohl die Oh mischen und 
Kirch hoff 'sehen Gesetze der Stromesleitung und Strom- 
verzweigung als auch das Lenz- Joule 'sehe Gesetz der 
Erwärmung durch den Strom als specielle Fälle in sich 
schliessen müssten. 

Einer solch' allgemeinen Untersuchung sollen die fol- 
genden Zeilen und voraussichtlich noch einige spätere Mit- 
theilungen gewidmet werden, da sich thatsächlich zeigen 
wird, dass eine Menge von Fragen der Mechanik, und zwar 
aus sehr verschiedenen Gebieten, eine Behaudlang unter 



n 



190 Sitzung der math.'phys. Cktsse vom 2, Juni 1877. 

diesem Gesichtspunkte gestatten. Wenn hier die Beispiele 
ftlr die einzelnen Sätze zunächst der Lehre vom galvanischen 
Strome entnommen werden, so li^t der Grund darin, dass 
es besonders interessant schien, zn zeigen, dass yerschiedene 
der dort längst bekannten und bewiesenen Sätze nicht 
sowohl in dem Wesen der Elektricität wurzeln, als vielmehr 
dem stationären Strome eigen sind, und dass sie den Grund- 
anschaunngen über dieses Wesen noch äusserst weiten Spiel- 
raum gewähren. 

Um das^Yerständniss zu erleichtern, müssen jedoch vor 
Allem einige Definitionen gegeben, beziehungsweise in*s 
Gedächtniss zurückgerufen werden. 

Definitionen und einleitende Bemerkungen. 

Wenn ein System von Paukten. sich in der Weise be- 
wegt, dass an bestimmten, dem Systeme angehorigen Stellen, 
des Raumes jederzeit genau der nämliche Bewegungszustand 
herrscht, so nennt man die Bewegung an jenen Stellen 
„stationär ^^ und zwar wollen wir sie in diesem Falle 
als „einfach stationär*^ bezeichnen. 

Tritt eine solche Gleichheit des Bewegungszustandes 
nur innerhalb gewisser Perioden ein, so dass innerhalb jeder 
Periode sich dieselben Bewegungszustände in genau gleicher 
Weise wiederholen, so soll die Bewegung „periodisch 
stationär'^ heissen. 

Streng genommen ist eine einfach stationäre Bewegung 
nur denkbar bei continuirlicher Vertheilung der bew^ten 
Massen ; bei discontinuirlich vertheilten kann sie nur periodisch 
sein, aber diese Periode kann unendlich klein werden im 
Vergleiche mit den übrigen in Betracht kommenden Zeiten 
und man darf dann eine solche Bewegung mit demselben 
Rechte als einfach stationäre betrachten, mit welchem man 
z. B. einen schweren Körper als continuirlich mit Masse 



V. SezcHd: Theorie der stationären Strömung etc. 191 

erfüllt ansieht, obwohl man sich denselben aus Atomen 
zusammengesetzt denkt. 

Der Allgemeinheit wegen soll im folgenden immer von 
Punkten die Rede sein, da die so durchgeführten Betrach- 
tungen auch jenen Fall in sich schliessen, wo die Anzahl 
der in einem Baumstücke enthaltenen Punkte unendlich 
gross wird, ein Fall, den man, wie bemerkt, bei einfach sta- 
tionärer Bewegung immer voraussetzen muss. Dabei sollen 
diese Punkte, wenn nicht ausdrücklich das Gegentheil be- 
merkt ist, immer als materielle Punkte d. h. als träge 
Massen aufgefasst werden, obwohl verschiedene der später 
au&ustellenden Sätze auch bei rein mathematischjen Punkten 
gültig bleiben. Inwieferne sich die Sätze für die Bewegung 
träger Massen auf die Fortpflanzung blosser Zustände über- 
tragen lassen, muss in jedem einzelnen Falle besonders ent- 
schieden werden*). 

Bewegen sich durch eine Linie oder durch einen Com- 
plex stetig nebeneinander verlaufender Linien Punkte in 
der Art, dass durch jede Fläche, welche sämmtliche Linien 
schneidet, in gleichen Zeiten die gleiche Punktenzahl hin- 
durch geht, so nennt man das Ganze einen stationären 
Strom. Der Strom ist einfach stationär^ wenn diese 
Zeiten beliebig kurz gewählt werden können, periodisch 
stationär, wenn die Bedingung nur für bestimmte, aber 
gleich lange, Zeiträume erfüllt ist. 



4) So kann man z. B. eine Schwingung, welche die Gesammt- 
energie -^ besitzt und sich mit der Geschwindigkeit c längs einer 

a 

2 

Geraden fortpflanzt in vielen Fällen durch eine Masse M = —^ er- 
setzt denken, welche sich mit der Geschwindigkeit c in derselben 
Graden bewegt. Die Möglichkeit eine grosse Zahl von optischen Er- 
scheinnngen mit Hülfe der Emanationstheorie zu erklären beruhte nur 
darauf, dass eine solche YertaTischnng translatorischer Bewegung mit 
oscUlatorischen innerhalb gewisser Grenzen zulässig war. 
[1877. U. Math.-ph78. Gl.] 18 



192 SiUung der math.'phya. Clasae vom 2, Juni 1877. 

Beispiele eioes einfach stationären Stromes bieten, ab- 
gesehen Tom galvanischen Strome und von den Wärme- 
Strömen, die Bewegungen in Wasser- und Gasleitungen 
oder in den Bohren einer Wasserheizung, oder die Bewe- 
gungen der Luft in Kaminen und Ventilationsanlagen, an- 
näherungsweise auch die Bewegungen des Wassers in Flüssen 
und Canälen, das Ausstromen yon Oasen und Dämpfen bei 
constantem üeberdruck u. s. w. 

Periodisch stationäre Ströme erhalt man, wenn man 
z. B. in einen galvanischen Strom einen Selbstunterbrecher 
einschaltet, oder bei den gewöhnlichen Pumpen, beim hy- 
draulischen Widder, bei der Dampfmaschine u. s. w. 

Den Weg, welchen ein Punkt eines Stromes durchläuft, 
nennt man Stromlinie. 

Eine Fläche, welche sämmtliche Stromlinien senkrecht 
schneidet*'^), heisst ein Querschnitt des Stromes. 

Den Inbegriff aller durch ein Element eines Querschnitts 
gehenden Stromlinien nennt man einen Strom faden. 

Durchlaufen dieselben Punkte den nämlichen Quer- 
schnitt immer wieder , so nennt man den Strom in sich 
geschlossen. 

Ein Strom kann in sich geschlossen sein, ohne dass 
die einzelnen Stromfäden in sich geschlossen sind. 

Treten die Stromfaden an einzelnen Stellen, auseinander, 
so dass sie nicht mehr mit einander in Berührung stehen, 
so heisst der Strom verzweigt. 

Die Menge der Punkte, welche in der Zeiteinheit durch 
den Querschnitt eines Stromes geht, dient als Maass für 
die „Stromintensität*' oder „Stromstärke^^ Sie 
soll mit i bezeichnet werden. 



5) Man kann nicht behaupten, dass immer eine solche Fläche 
existire; wo dies nicht der Fall ist, müssen eben besondere Unter- 
suchungen darüber angestellt werden, ob die im folgenden zn gebenden 
S&tse noch anwendbar sind. 



J 



V. Bezold: Theorie der statUmären Strömung etc. 193 

Beim einfach stationären Strom ist die Stromstärke 
constant, d. h. sowohl von der Zeit als auch von der Lage 
des betreffenden Querschnittes unabhängig. 

Beim periodisch stationären Strome ist die „mittlere 
Stromintensität^^ constant. Bezeichnet man demnach 
diese mittlere Intensität durch J die Periode aber durch T, 
so muss für jeden Querschnitt und für jede Zeit t 




constant sein. 

In dieser Mittheilung sollen nur einfach stationäre 
Ströme betrachtet werden. 

Auch sollen die Entwickelungen zunächst auf Strom- 
fäden beschränkt werden, deren Querschnitt so klein ist, 
dass man in allen Punkten eines solchen Querschnitts die 
Geschwindigkeit u. s. w. gleich annehmen darf. 

Ist die eben genannte Bedingung auch für die Quer- 
schnitte eines ganzen Stromes erfüllt, so sind selbstverständ- 
lich die gewonnenen Sätze sofort aui den ganzen Strom 
übertragbar. 

Theorie der einfach stationären Strömung. 

§ 1. Denkt man sich aus einem einfach stationären 
Strome einen Stromfaden herausgenommen, der an einer 
beliebigen Stelle den (unendlich kleinen) Querschnitt q hat 
und nennt man die Geschwindigkeit, mit welcher die Punkte 
durch diesen Querschnitt fliessen i;, die Dichtigkeit der 
Punkte aber d. h. die Anzahl der in der Yolumeneinheit 
enthaltenen Punkte oder eine ihr proportionale Grösse, also 
auch die in der Yolumeneinheit enthaltene Masse, durch d, 

so ist 

izrvq* [1] 

18* 



194 Siteung der math.-fhys, Claase fxm 2. Juni 1877, 

Wenn nämlich die Punkte mit der Geschwindigkeit v 
durch den Querschnitt fliessen, so fUlIen die während einer 
Zeiteinheit hindurchgegangenen ein Element des Strom- 
fadens von der Basis q und von der Höhe v und ihre Menge 
beziehungsweise die in dem Element enthaltene Masse ist 
alsdann qv^, diese Menge ist aber das Maass der Strom- 
stärke. 

d soll die Massendichtigkeit oder die Dichtigkeit des 
stromenden Mediums heissen, nicht zu verwechseln mit der 
Stromdichte q. Letztere wird gemessen durch die Menge 
der in der Zeiteinheit durch die Querschnittseinheit fliessenden 
Punkte und es ist demnach 

Q = - [2] 

^ • q -^ 

Aus Gleichung [1] ergeben sich sofort zwei wichtige 
Folgerungen für zwei extreme Fälle. 

Ist nämlich d constaut = <)* so ist auch -^ constant 
etwa = X, und demnach 

^ = 4* = - [3] 

qo* q "■ -■ 

d. h. die Geschwindigkeit ist in diesem Falle dem Quer- 
schnitt umgekehrt proportional, während die Stromesdichtig- 
keit 

D= -= t;d* 

q 

wird und mithin der Geschwindigkeit proportional ist. 

Diesen Fall hat man bei incompressiblen Flüssigkeiten 
von constanter Temperatur vor sich. 

Ist dagegen qd constant d. h. rücken die Punkte in 
demselben Maasse aneinander, in welchem der Querschnitt 
abnimmt, so ist auch v constant •= v* und p = dv* sagt 
in diesem Falle aus, dass die Stromesdichtigkeit der Dichtig- 
keit des strömenden Mediums proportional ist. 



i;. Bezold: Theorie der stationären Strömung etc. 195 

Es soll später gezeigt werden, dass man sich den gal- 
yanischen Strom von dieser BeschafiFenheit zu denken hat. 

§ 2. Wählt man nun einen Querschnitt als Ausgangs- 
punkt und schneidet man von diesem anfangend im Sinne 
der Stromesrichtung eine Länge s von dem Stromfaden 
ab, so sind q und v nur Functionen von s während i davon 
unabhängig, d. h. allenthalben constant ist. 

Die Beschleunigung, welche die strömenden Punkte an 
einer gegebenen Stelle erfahren, ist sobald einmal der Strom 
stationär ist, und nur diesen Fall betrachten wir hier, eine 
Function von s. 

Es gibt demnach für die accelerirenden Kräfte, d. h. 
f&r die im Sinne der Stromesrichtung wirkenden jedenfalls 
eine Eräftefunktion V, deren negativer Differentialquotient 

dV 
— -j- die im Sinne der Stromesrichtung auf die Massen- 
einheit wirkende beschleunigende Kraft ist. Da man in 
allen Fällen, wo diese Kraft die Folge von Anziehungen 
oder Abstossungen ist, dieselbe den Massen proportional 
setzen muss, auf welche sie wirkt, so ist die Kraft, welche 
auf die in einem Stromelemente von der Länge ds enthal- 

dV 
tenen Massen qcJds wirkt — qd-=— ds und mithin die Be- 
schleunigung 9) im Sinne der Stromrichtung 

^^^'■S- dV 

«^^""^ddr = "~-¥ 

Um die Gesammtbeschleunigung zu erhalten, muss man 
noch die im entgegengesetzten Sinne thätigen retardirenden 
Kräfte in Rechnung bringen. Bezeichnet man die durch 
sie hervorgebrachte Verzögerung ihrem absoluten Werthe 
nach durch |, so Erhält man als Gesammtbeschleunigung 

^ = -^-1 [4] 

dt ds ^' ^*-' 



196 SitBung der nuith,'phy$. Classe vom 2. Juni 1877- 

Hiebei empfiehlt es sich, den negatiTen Werth des 
Differentialquotienten als Beschleunigung anzusehen, weil 
bei Wirkung der Schwerkraft V = gh wird, wo h die Hohe 
über der Erdoberfläche ist und man bei Wasserströmen die 
Richtung von oben nach unten als positive ansieht, wäh- 
rend bei galvanischen Strömen V die Potentialfanction 
ist und auch dort im Sinne des sinkenden Werthes von Y 
die Strömung erfolgt. 

Die Betrachtungen in diesem Paragraphen sind so ge- 
führt, als ob das strömende Medium "aus einzelnen freien 
Massenpunkten bestände. Sie sind jedoch auch dann noch 
gültig, wenn zwischen den Punkten dieses strömenden 

dV 
Systemes Kräfte thätig sind, soferne man nur unter -i— 

und i nicht nur die von aussen wirkenden, sondern die 
Summe dieser Kräfte und der aus den Verbindungen ent- 
springenden versteht. 

§ 3. Die Gleichung [4] soll nun zunächst verwerthet 
werden, um die von dem Strome geleistete Arbeit zu er- 
mitteln. 

Die Kraft, welche auf die im Stromelemente vom Quer- 
schnitt q und von der Länge ds befindliche Masse ausgeübt 
wird, ist 

q(Jds-^= — qd-r- ds — qd|ds 

Dem entsprechend erhält man die während der Zeit- 
einheit geleistete Arbeit durch Multiplication dieses Werthes 
mit i;, d. h. mit dem Wege, durch welchen diese Kraft 
während der Zeiteinheit thätig ist. 

Die Arbeit ist mithin: 

rqd-TT-ds = — vqd -r— ds - vqd^ds 
oder wenn man berücksichtigt, dass vqd = i und 



V. Bezöld: Theorie der sMionären Strömung ete. 197 

dv _ t dr ds . 

■dF""^"d^dF '^• 

. dv , . d V j . t j 

lü -^- ds 1= — 1 -^— ds — 1 § ds. 
ds ds 

Diese Arbeit stellt sich als Differenz der Arbeiten der 
accelerirenden und retardirenden Kräfte dar. 

Von den drei hier stehenden Grossen bietet die letzte 
das meiste Interesse dar, d. h. es ist von besonderer Be- 
deutung, die Arbeit kennen zu lernen, welche auf einer be- 
stimmten Strecke zur üeberwindung der Widerstände zn 
leisten ist. Bezeichnet man diese Arbeit für das zwischen 
s^ und s" liegende Stromstäck durch ü, während die dem 
s' und s" entsprechenden Werthe von V, r, q und 3 eben- 
falls durch die entsprechenden Indices charakterisirt werden 
sollen, so findet man 

ü=JiJd8---i(V'-V")-i(^-^) 
oder 

oder wenn man 

i (v + -^) = U' nnd i / V + ^) = U" setzt, 

U = ü' - ü". 

Hiebei ist aber iV nichts anderes als die sogenannte 

v'' 
potentielle , i -^ die actnelle Energie, ihre Summe demnach 

die Gesammtenergie. 

Der Satz heisst demnach: die in der Zeiteinheit auf dem 
Stromstücke von der Länge s zur üeberwindung der Wider- 
stände verbrauchte Arbeit ist gleich dem Verluste an Ge- 



198 8iUung der math.-phys. CUuse vom 2. Juni 1877. 

sammtenergie, welchen die in der Zeiteinheit durch den 
Querschnitt fiiessende Masse auf dem Wege s erleidet. 

Dieser Satz enthalt natürlich nichts Neues in sich, 
sondern ist nach dem Gesetze der Erhaltung der Eüraft 
selbstverständlich, trotzdem schien seine Ableitung auf diesem 
Wege wegen des Folgenden unerlässlich« 

Unter Benutzung der Gleichung [1] geht diese Formel 
in die folgende über: 

oder auch 

„ = i(v.-y.., + i[©'-(Ö'] 

Diese Formen gestatten besonders einfache Behandlung 
der beiden obenerwähnten extremen Fälle. 

Ist nämlich d oonstant, so ergibt sich 

U = i (V' - V") + ^ ((>'' - Q"') 

ist dagegen qd oder, was das nämliche ist, v constaut, 
so wird: 

U = i (V — V"). 

Sind die retardirenden Kräfte derartig beschaflEen, dass 
die zu ihrer Ueberwindung erforderliche Arbeit nur in 
Wärme verwandelt wird, wie dies z. B. bei Reibungswider- 
ständen der Fall ist, so erhält man die auf der betrachteten 
Strecke des Stromfadens entwickelte Wärme Q durch die 

Formel 

Q = AU 

wo A das calorische Aequivalent der Arbeit ist. 

Unter Anwendung auf Elektricität ist alsdann Formel 
[5] nichts anderes als das L enz- Joule *sche Gesetz. 



f>, Bezold: Theorie der stationären Strömung etc. 199 

Man kann demnach auch die Formel [5] als die auf 
alle Arten einfach stationärer Ströme anwendbare Erweite- 
rung dieses Satzes betrachten. 

§ 4. Wäre i die ganze Länge eines in sich geschlos- 
senen Stromes und würde das Gesetz 

dt ■" ds ^ 

allenthalben die gleiche Form behalten und auch nirgends 
Unstetigkeiten vorkommen, welche eine Integration durch 
den ganzen Stromeskreis unzulässig erscheinen liessen, so 
wäre V* = v" und V = V" und mithin auch 



u=ri^ds=o 



oder da |, so lange es unter die oben gegebene Definition 
fällt, sein Zeichen nicht wechseln kann: 

1 = 0. 

Wenn demnach ein stationärer geschlossener . Strom 
überhaupt möglich sein soll, so müssen entweder die Wider- 
stände überall gleich sein oder es müssen die Werthe von 
Y unstetigkeiten zeigen, oder es müssen an die Stelle von 
^ an einzelnen Strecken Ausdrücke mit entgegengesetztem 
Vorzeichen, d. h. noch andere accelerirende Kräfte als die durch 

dV 

-r- ausgedrückten treten. 

Dies lässt sich folgendermassen näher untersuchen: 
Man theilt den ganzen Strom in 2n Stücke in der Art, 
dass auf den Strecken 1,3 ... 2n — 1 die Gleichung [4] 
in der oben bezeichneten Weise gültig bleibt, während die 
Strecken 2, 4 . . 2n die Ausnahmsstellen enthalten sollen, 
wobei es aber durchaus nicht nöthig ist, dass all' diese 
Strecken mit geradem Index wirklich solche enthalten, son- 
dern nur vorausgesetzt ist, dass auf d^n ungeradzahligen 
keinenfalls solche vorkommen. 



200 Sitzung der math.'phff8. Claaae vom 2. Juni 1877. 
Dann gelten jedenfalls die Gleichungen: 

ü.= ü;-ü;' = i (v;+^) -i (v;- +^j 

Addirt man alle diese Gleichnngen, so erhält man: 

wobei man nur zn beachten hat, dasrfür den geschlossenen 
Strom der Index 2n -)- 1 mit dem Index 1 identisch d. h. 

Dieser Satz lasst sich folgendermaassen aussprechen: 

Nimmt man aus einem geschlossenen Strome beliebig 
viele Stücke heraus, welche jedoch sämmüich der Bedingung 
genügen, dass auf ihnen die Totalenergie (immer bezogen 
auf die in der Zeiteinheit durch den Querschnitt fliessende 
Masse) im Sinne der Stromesrichtung abnimmt, so erhält 
man den auf sämmtlichen Stücken in der Zeiteinheit erfol- 
genden Verlust an totaler Energie, indem man die Sprünge, 
welche diese Grosse beim XJebergang von einem Stücke zum 
nächstfolgenden erleidet, addirt. Dabei ist dieser Sprung, 
d. h. die DifiPerenz positiv zu rechnen, wenn die Totalenergie 
im Anfangspunkte des im Sinne der Stromesrichtung nach- 



r 



V. BezcHdi Theorie der stationären Strömung etc. 201 

folgenden Stückes grosser ist als am Ende des vorher- 
gehenden. 

Sind die widerstehenden Kräfte der Art, dass aller 
Aufwand von Energie zur Erzeugung von Wärme dient, so 
gibt diese Summe die auf den betreffenden Stromstücken 
entwickelte Wärme in mechanischem Maasse. 

Da dieser Satz gültig bleibt, ohne irgend welche Rück- 
sicht auf das Verhalten der zwischenliegenden, mit geradem 
Index behafteten Stücke, so umfasst er auch jenen Fall, 
wo diese Stücke unendlich kurz werden und der Trennangs- 
punkt zweier aufeinander folgender Strecken mit ungeradem 
Index ein DiscontinuiiStspunkt wird. 

Ist V auf jedem der betrachteten Stromstücke con- 
stant, d. h. vi = v^ u. s. w., so wird 

a n 

oder wenn man die zwischenUegenden Stücke vom Index 
2v ganz ignorirt und fortlaufend zahlt 

fu^ = if(v;+-vp=iiv^,^^, [7] 

und die Differenz 

^i*+i ^it* = V^, ^4-,! setzt. 

Beim galvanischen Strome istV^ ^, ^ nichts anderes 

als die an der Berührungsstelle der Leiter fi und fi-i- 1 
herrschende elektromotorische Exaft oder 

lü„ = i:SE 
1 ^ 

und die im ganzen Schliessunijsbogen entwickelte Wärme- 
menge ist demnach 

SQ =Ai-JE [8] 

ein Satz, der jedoch nur auf die metallischen Theile des 
Schliessungsbogens anwendbar ist, und auch hier nur nach 



202 Sitzung der matK-phya, Glosse tom 2, Juni 1877. 

AusscUnss der Berührangsstellen yerscliiedener Metalle, d. Ii. 
ohne Berücksichtigung des Pel tierischen Phänomens. 

Die Formel [6] wirft ein interessantes Licht auf Falle, 
wo eine Qaerschnittsändening eintritt: 

Nimmt man nämlich ein Stromstnck heraus, in welchem 
4''><lS ^ wird, wie oben bemerkt, bei einer incompressiblen 
Flüssigkeit v' > v" und ist demnach in der Formel 

welche den Aufwand an totaler Energie auf dem betrach- 
teten Stücke darstellt, nicht nur die erste Di£ferenz pofiitir, 
sondern auch die zweite. 

Wenn hingegen q' > q" , so ist die zweite negativ. 
Würde man nun in 'den beiden Fällen Strecken von solcher 
Länge wählen, dass V — V" den gleichen Werth behielte, 
so würde das Gesammtresultat im ersteren Falle grosser 
werden als im zweiten. 

Nimmt man an, dass der ganze Aufwand von Energie 
zu Wärmeentwickelung diene, so würden demnach bei einer 
incompressiblen oder nur schwach compressiblen Flüssigkeit 
die Uebergangsstellen von engerer zu weiterer Leitung eine 
grössere Wärmeabgabe zeigen als Stellen, an welchen die 
Leitung enger wird. 

Da beim galvanischen Strome ein solcher Einfluss von 
Querschnittsänderungen nicht nachweisbar ist, so folgt we- 
nigstens unter Grundelegung einer unitarischen Anschauung 
schon hieraus, dass man sich die Geschwindigkeit v, wenig- 
stens in einem und demselben Materiale constant zu denken 
hat, im Gegensatze zu Edlund, der diese Geschwindigkeit 
dem Querschnitte umgekehrt proportional annimmt^). 
Wenn man von der binären Hypothese ausgeht, und dem 



6) E. Swensk. Yetenskaps-Akadem. Handlingar. Bd. XII Nr. 8 § 6. 



V, BezM: Theorie der stationären Strömung etc. 203 

entsprechend den Strom als Doppelstrom betrachtet, kann 
dieses negative Resultat kein Kriterium abgeben. 

§ 5. Nach dieser Betrachtung der Strecken mit un- 
geradem Index, d. h. jener Strecken, aufweichen das Gesetz 

dt"" ds * 

gültig ist, und ^ ein bioser Widerstand, sollen nun auch 
die Strecken mit geradem Index betrachtet werden, von 
iRrelchen schon vorhin bewiesen wurde, dass auf ihnen we* 
nigstens theilweise andere Gesetze gelten müssen. Dabei soll 
jedoch zunächst vorausgesetzt werden, dass 'weder Y noch v 
Unstetigkeiten aufweise und demnach Ug = U'/ , Ug = Ug 
Tl. s. w. sei. 

Dann werden die auf den Strecken mit geradem Index 
eintretenden Energieverluste beziehungsweise Gewinne durch 
folgende Ausdrücke dargestellt werden 

Ug=u;-ui' = uv-ui 



Addirt man nun sowohl diese Gleichungen, sowie die 
unter. [6] aufgeführten zusammen, so kommt: 

^U2^-i+fU2^ = 0. [9] 

n n 

Da nun ^Ugy_, immer positiv ist, so muss STS^y 
1 1 

jeden&Us negativ sein, d. h. es müssen unter den Grössen 
Ugy jedenfalls welche vorkommen, die keinen Energieverlufit, 
sondern einen Energiegewinn darstellen. 

Theilt man den Strom in der Art, dass die Trennungs- 
stellen der geradzahligen und ungeradzahligen Strecken mit 
den Maximal- und Minixialwerthen von ü zusanmienfallen, 



204 Sitzung der math.-phya. Classe vom 2, Juni 1977. 

80 müssen selbstverständlicli sämmtliche Werthe XJ^y 
gatiy sein. 

Für eine solche Strecke stellen sich nun die Verhält- 
nisse folgendermaassen : 

unter allen Bedingungen bleibt die Gleichung bestehen : 

wo 3S die Qesammt-Beschlennignng ist, welche die Massen- 
einheit von Kräften erleidet, die nicht bei der Bildung der 
Eräftefanktion Y berücksichtigt wurden« 

Multiplicirt man auf beiden Seiten mit ids und bringt 

dV 
man alsdann — i -i— ds von der rechten auf die linke Seite, 

ds 

so bekommt man: 



dUg^^ifids 



oder 



K-^2y^^(BdB [11] 

Da nun der Voraussetzung gemäss auf dem betrachteten 
Stücke ein Energiezuwachs eintritt, so ist diese Differenz 
positiv und muss demnach auch H, wenigstens eine Strecke 
weit, positiv sein. 

Mithin kann S keiuenfalls auf dem ganzen Stücke eine 
aus blossen Widerständen entspringende negative Beschleu- 
nigung, d. h. Verzögerung sein. 

Da jedoch auch auf diesen Stücken solche Widerstände 
nicht ausgeschlossen sind, so muss im Allgemeinen 

sein, wo t] die (positive) Beschleunigung ist, welche die 
Masseneinheit durch Kräfte erfahrt, die aus der Kräfte- 
function V nicht ableitbar sind. 



r 



V. Begold: Theorie der stationären Strömung etc. 205 

Der ganze Gewinn an Energie in einem solchen Stücke 
stellt sich also dnrch die Formel dar: 






%vd8 — i I 



^i^ [12] 



fl ^y ^9 ^y 



während die anf dem Stücke zu leistende Arbeit 

I Vd8 = ü^~U;^ + i I i2y^^ [13] 

ist. 

Wird diese Arbeit durch Aufwand von Wärme ge- 
leistet, so muss die Wärmemeuge Q^^ == A L^ verschwinden, 
wenn die widerstehenden Kräfte von zu leistender äusserer 
Arbeit herrühren. Hat jedoch die Verzögerung i^ ihren 
Grund in Kräften die nach Art eines Beibungswiderstandes 
wirken, so wird durch ihre üeberwindung wieder Wärme 
erzeugt und die verschwindende Wärmemeuge ist alsdann 
nur 






Qj^ = AL,^- Ai I §^d8 =: A (Uj;,- UJ. [14] 

um die Bedeutung der hier eingeführten Grössen an- 
schaulicher zu machen, sei erwähnt, dass in dem Falle, wo 
man durch ein Pumpwerk und eine vom oberen Ende der 
Pumpe zum unteren geführte Rückleitung einen Flüssigkeits- 
strom herstellen würde, die Pumpe selbst als Strecke von 
geradem Index also etwa als s^ zu betrachten ist und dass 

in diesem Falle i | i^^ds ausgedehnt durch die Höhe der 



206 SiUung der math.-phys. ClasH vom 2, JuiU 1877, 

Pampe, die ganze zn deren Betrieb einscUiesslich der Rei- 
bnngswiderstande erforderliche Arbeit repräsentiren würde, 
während sich das ^ auf die Beibungswiderstande in der 
Pumpe bezöge. 

So lange keine ünstetigkeiten in den Werthen von 
V und V und mithin auch in den Werthen von U vor- 
kommen, ist ügySsU^^iUnd U^rsUgV^i^^d mithin 
auch 

wenn man unter Xg^ die Arbeit versteht, welche zur Ueber- 
Windung der Widerstände während der Zeiteinheit auf dem 
Stücke 2v zu leisten ist. Diese Gleichung bleibt nun richtig, 
wie kurz auch das Stück mit dem Index 2v sein mag, so 
dass auch für den Fall, wo dieses Stück verschwindend klein 
wird und nur eine Discontinuität zwischen den auf 2v — 1 
und 2y-f-l bezüglichen Grössen eintritt, die Gleichung 
Gültigkeit behält. Dabei empfiehlt es sich jedoch, in einem 

solchen Falle L^^ ^gj'-i ai'+i ^^ setzen und einfach fort- 
laufende Indices g^^f^ + l zu wählen, so dass schliesslich 
I^^ , ^ + 1 statt L^y und X » ^ ^ , ^ statt X^y zu schreiben ist 
und die ganze Gleichung übergeht in: 

L^,^+i = U^+i-üJ^ + X^^^^i [15] 

Für den Fall, dass alle Arbeitsleistung auf Kosten von 
Wärme geschieht und auch die Widerstandsarbeiten, wenn 
solche bei unendlich kurzen Stücken überhaupt noch vor- 
kommen sollten, in Wärme verwandelt werden, erhält man 
bei entsprechender Bezeichnung und unter Berücksichtigung 
des Umstandes, dass eine verschwindende Wärmemenge als 
eine negative auftretende angesehen werden kann, als er- 
zeugte Wärmemenge an der üeb^gangsstelle 



j 



fj. Bezöld', Theorie der stationären Strömung etc, 207 

Q^.^+i=a[ü;;;-ü;,^,] [i6] 

ein Ausdruck, der unter den eben gemachten Voraussetzungen 
stets negativ sein, und demnach eine verschwindende Wärme- 
menge darstellen wird. 

Es ist natürlich nicht undenkbar, dass auch auf den 

Strecken mit abnehmender Energie, wie sie oben betrachtet 

dV 

wurden ausser r~ noch andere Kräfte eine in demselben 

ds 

Sinne wirkende Beschleunigung hervorbringen, die dann 
anch wieder durch rj, oder wenn wir der gerade betrachteten 
Strecke den Index v geben, tjy bezeichnet werden mag. Als- 
dann wird die auf einer solchen Strecke zur üeberwindung 
von Widerständen verbrauchte Arbeit 






Geht diese Arbeit in Wärme über, so ist die erzeugte 
Wärmemenge tW 

Q = AL^. 

Muss jedoch die Arbeit T selbst wieder auf Kosten der 
dem Körper innewohnenden Wärme geschaffen werden, so 
wird wiederum wie oben 

Q^ = AL^ ~ AY^ = A (u; - u;:) 

So lange die Bedingungen der Stetigkeit erfüllt sind, 
kann man auch hier wiederum U^ = Ü^J^ und üj^ = ü^ , ^ 

setzen, oder Q^ =1 A [ÜJ,'_j — ü^^,] 



Schrumpft nun die Strecke mit dem Index v mehr und 
mehr zusammen und setzt man dann jw statt v — 1, und ju + 1 
statt V -{- ly und bezeichnet man analog wie oben Q^ in 

[1877. n. Math.-phy8. CL] 14 



208 Siteung der mcAK-phys. CUuse vom 2. Juni 1877, 
in diesem Falle durch Q^ 114.1 so erhält man 

also genaa dieselbe Formel wie oben. 

Diese Formel gibt demnach f&r ünstetigkeitsstellen 
sowohl die verschwindenden als auch die auftretenden 
Wärmemengen an. 

In ihrer Anwendung auf den galvanischen Strom ent- 
hält sie den Ausdruck für das Peltier^sche Phänomen. 

Dieser Ausdruck gewinnt jedoch dadurch ein besonderes 
Interesse, dass er auf einen Umstand hinweist, den man 
meines Wissens bisher bei diesem Vorgänge nicht in Be- 
tracht gezogen hat. Er zeigt nämlich, dass unter der An- 
nahme einer unitarischen Anschauung die Erwärmungen und 
Abkühlungen an den Berührungsstellen zweier verschie- 
dener Leiter nicht nur von ihrer SpannungsdifiPerenz (Po- 
tential-Niveau-Differenz), sondern auch von den Geschwindig- 
keiten abhängen, welche zu beiden Seiten der Berührungs- 
stelle herrschen. Man sieht dies sofort, wenn man den 
Ausdruck [16] ausführ lidi schreibt, dann erhält man 



Q^,^+x=Ai[v;,-v;,+,] + Ai 




Der Wärmeverbrauch an einer solchen Trennungsstelle 
wird demnach grosser sein, als die blosse Potentialniveau- 
differenz erfordert, wenn zugleich eine Zunahme der Ge- 
schwindigkeit erfolgt (was ja bei geringerer Dichtigkeit d 
auf dem Leiter ^t + 1, auch ohne Querschnittsänderung der 
Fall ist) geringer, wenn die Geschwindigkeit abnimmt. 

Trotzdem wird das Gesetz, welches aus den Favre'schen 
Versuchen ^) abgeleitet wurde, und wonach die algebraische 



7) Annales de chim. et de phys. (1) T 40 (1854). 



*j 



V. BezM : Theorie der stationären Strömung etc. 209 

Snnmie aller an den Berührangsstellen verschiedener Leiter 
verschwindenden und auftretenden Wärmemengen gleich 
sein mus8 den in den Leitern selbst entwickelten, dadurch 
nicht gestört. Bildet man nämlich ^u,i4-i.{ ^^ einen in 
aicli geschlossenen Stromeskreis, so ist 



n 



fQ^.^+.= -Ai^E^.^^.,+A 






Erinnert man sich nnn daran, dass bei geschlossenem 
Strome v' = v' und vereinigt man dann in der letzten 

n-}-l 1 

rechts stehenden Summe, das 2te mit dem 3ten, das öte 
mit dem 6 ten Gliede u. s. w. und schliesslich das letzte 
mit dem ersten, so erhält man für einen geschlossenen 
Strom: 

2 2 / , \2 2 / 

and da, wie schon in g 4 bemerkt und später in § 6 noch 
bewiesen werden soll 



'';;-«;.= 



auch 



f[f-%]- 



und mithin 



-2Q^,^+,= -Ai:SE [17] 

oder im Zusammenhalte mit Formel [8] 

^Q^+^Q^,^+i=0 [18] 

wie es Fayre^s Versuche verlangen. 

Det von E d.l u n d ^) gezogene Schluss , dass die beim 
Peltier* sehen Phänomen auftretenden oder verschwindenden 



8) Poggdff. An. Bd. 137. 

14 < 



210 Sitzung der matK-phys. Glosse wm 2, Juni 1B77. 

Wärmemengen der Spannangsdifferenz der beiden Metalle 
proportional seien ist demnach nur bindend, wenn entweder 
die Hypothese von dem Doppelstrome festgehalten wird, 
oder wenn bei unitarischer Anschauung die Geschwindigkeit 
V in der ganzen Kette allenthalben die gleiche ist, ohne 
BücWcht auf das Material der einzelnen Theile. 

Die Einwände, welche abgesehen von dem eben be- 
rührten Punkte, der meines Wissens bisher unbeachtet blieb, 
von Wullner*) gegen Edlund^s Folgerungen erhoben 
wurden, sind mir nicht verständlich. 

Dagegen geht aus den eben angestellten Betrachtungen 
hervor, dass unter Annahme des Doppelstromes die an Löth- 
stellen auftretenden oder verschwindenden Wärmemengen 
den auf elektrostatischem W^e ermittelten Spannungs- 
differenzen genau proportional sein müsBten. Abweichungen 
von dieser Proportionalität würden demnach sowohl diese 
Annahme als eine unhaltbare kennzeichnen als auch darthun, 
dass die Geschwindigkeiten i;, mit denen sich die elektrischen 
Massen (sofeme sich solche für die in Wahrheit noch un- 
bekannten Vorgänge substituiren lassen) im Strome bewegen, 
in den verschiedenen Leitern verschiedene seien. 

§ 6. Es erübrigt uns nun noch die Lösung der Aufgabe 
unter gegebenen Verhältnissen die Stärke des entstehenden 
Stromes zu bestimmen. 

Man muss zu dem Ende untersuchen, unter welchen 
Bedingungen die Gleichung [4] d. i. 

di^__dV_ . 
dt "" ds * 

allgemeine Lösungen gestattet. 

Dies ist in zwei ziemlich umfassenden Fällen möglich, 
nämlich einmal wenn dt; =s und ^ z=z (p{v) , f (s) ist and 



9) Experimentalphysik. 3 Aufl. Bd. IV. S. 555—556. 



r 



V. BezMi Theorie der etatienären Strömimg etc. 211 

ferner, wenn für ^ die Bedingung | = t;'<ps erfüllt ist, ohne 
dass desshalb dt^ = o zu sein brauchte. 

Den ersten Fall hat man vor sich, wenn eine incom- 
pressible Blüssigkeit bei constantem Querschnitt gegeben ist, 
oder wenn q^ constant ist, in welchem Falle man das 
strömende Medium als absolut compressibel bezeichnen 
konnte. 

Gleichung [4] aber wird . 

dV . 

d^ = ""^ 
und wenn man nun beachtet, dass man statt q>{v) gerade 
so gut t/'W schreiben kann, weil i = v q d und q d con- 
stant ist 

^ = -T//(i)f(8) [19] 

oder wenn man aus dem Strome das zwischen den Längen 
s' und s'' liegende Stück heraus nimmt und integrirt 



V - V" =:: i/^ (i) ffCs) ds [20] 

Hat man nun einen in sich geschlossenen Strom und 
nimmt man aus diesem einzelne (getrennte) Stücken heraus, 
fär welche das oben aufgestellte Grundgesetz gültig ist und 
setzt man 

J f(s)ds = Fs 



so wird 



Vi F(8.) = VI - v: 

1/ri F(8j = V;- V'^ [21] 



^ P(8j = v;- v;' 



212 SüMung der math.-phy8. CZasse vom 2. Juni 1877. 

oder wenn man alle rechts und alle links stehenden Glieder 

addirt ifn SF(b,) = 5V.,„^, wo V. „^, = V;^.,- V;'i8t d. b. 

gleich dem Sprunge der Eräftefanction , der beim üeber- 
gang vom Stücke n zum Stücke u -j' 1 stattfindet. 

Bezeichnet man die inverse Function Ton ifj durch V^ 
so kann man auch setzen: 

Ein Satz, den man als die Verallgemeine- 
rung desOhm*schen Gesetzes bezeichnen kann. 

xpi P(s^) ist die Arbeit, welche der Stromlauf der Strecke s^ 

während der Zeiteinheit leistet. 

Für i/;i = i geht die Formel über in 

SV 

Fva tfn = i und t(s) = ^ d. h. fnr £. = ^" und för 

dq^ =^ aber erhält man 

^V 



kuq. 

wobei jedoch immer noch angenommen ist, dass die ein- 
zelnen Stromstücke a, b u. s. w. durch endliche Strecken 
von einander getrennt seien und nur auf keinem derselben 
V unstetig werde*®). 



10) Zu dem nämlichen Gesetze für den Widerstand, den ein Leiter 
dem galvanischen Strom im gewöhnlichen (mechanischen) Sinne des 
Wortes entgegensetzt, kommt E dl und in k. Yetenskaps. Aks. Handl. 
Bd. XII. Nr. 8 § 10. 



V, Bezold: Theorie der stationären Strömung eU:» 218 

Denkt man sich nun die Endpunkte dieser Stücke 
näher und naher aneinander rückend bis sie an den ün- 
stetigkeitsstellen von Y einander berühren, so treten an die 
Stelle von V^^ ^^ , ^ eben die Spannungsdi£ferenzen zwischen 
den verschiedenen Leitern oder die sogenannten elektromo- 
torischen Kräfte, d. h. man hat alsdann 



1 ~ 



5— 



oder das Ohm* sehe Gesetz in seiner gewöhnlichen Form. 

Hat man einen verzweigten Strom und durchläuft man 
einen in sich geschlossenen Kreis, so bleiben für einzelne 
Stücken dieses Kreises die Gleichangen [21] ebenfalls noch 
gültig, nur mit dem Unterschiede, dass alsdann i nicht auf 
allen Stücken den gleichen Werth hat, die Summation lie- 
fert desshalb in diesem Falle das Resultat: 

während für die von einem Verzweigungspunkte ausgehenden 
Ströme die Kirchhoff*sche Bedingung 
^ 2i = gelten muss. 

Die Lösung einer Verzweigungsfrage reducirt sich also 
auch hier auf ein Eliminationsproblem. 

§ 7. Auch bei wechselndem Werthe der Geschwindig- 
keit gibt es doch, wie schon bemerkt, einen Fall, in dem 
eine Lösung der Gleichung in ähnlicher Weise wie oben 
möglich ist, nämlich dann, wenn der Widerstand dem Qua- 
drate der Geschwindigkeit proportional ist oder ^ = v^q)(B). 

Die Einsetzung dieses Aasdruckes in [4] ergibt 

dV 8 /N I* 1 dv* r^., 

~- = i;Ms)-Vy-d^ [24] 

oder wenn man sich daran erinnert^ dass 



214 SiUung der math.'phys. Classe vom 2, Juni 1877. 



1 



und qd als Funktion von s betrachtet werden kann und demnach 

auch ^V als solche, so dass man ^-V = f(s) setzen darf, 
qo qo ^ ' 

so erhält man für ein Stromstück, das ganz und gar dem 

betreffenden Gesetze unterworfen ist, die Gleichung: 



V - V" =^ i 



;2 




'^^^'^^t[^^- q-4"^] 



= i" 



[(''<'"'+spd-')-H+i^yj 



[26] 



oder wenn man den in Klammer stehenden Ausdruck durch 
W^ bezeichnet 

V'-~V" = i«W. [26] 

W^ ist analog wie oben die Arbeit, welche der Strom 
1 auf der Strecke s leistet. 

Zerfallt man den ganzen Strom wieder in verschiedene 
Stücke, so ergeben sich ähnlich wie oben die Gleichungen: 

1 TT j T j V j 



i« W rr V — V'' 

n n n 



oder nach Summation 

1 1 ' ~ 

was für einen geschlossenen Strom, wo Y[ = V^ , ^zu setzen ist, 

i'2W^=2V^ . [27] 

ergibt, oder 



0. Bezcid: Theorie der stationären Strömung etc. 215 

: _. V'^^n.n + l 



1 =-■ 



. [28] 

Im Falle einer StromverzweiguDg tritt an Stelle von 
Gleichung [27] für jeden in sich geschlossenen Stromeskreis 
die Gleichung 

^^W„=.^,,„^, [29] 

während die Gleichung 

:?i = 

für jeden Verzweigungspunkt nach wie vor bestehen bleibt. 

Die zuletzt entwickelten Gleichungen schliessen die 
Formeln für die Bewegungen der Luft in weiten Rohren, 
also z. B. für die Bewegung in Kaminen oder Ventilations- 
anlagen in sich. 



216 Sitzung der math.-phys. Okuse wm 7. Juli 1877, 



Sitzung Tom 7. Jali 1877. 



Der Classensecretär v. E o b e 1 1 legt vor and bespricht 
nachstehende Abhandlung : 

„Versuche über das Verhalten des Wassers 
in engen Räumen bei Glühhitze, von 
Dr. Fr. Pfaff'. 

Unter den vielen Fragen, welche in der Geologie be- 
handelt werden, ist für das Kapitel der Gesteinslehre wohl 
keine wichtiger, als die: Wie verhält sich das Wasser bei 
sehr hohem Drucke und sehr hoher Temperatur gegen die 
verschiedenen chemischen Verbindungen, mit denen wir es 
in den Gebirgsarten zu thun haben, vor Allem gegen die 
Silicate? 

Auch für den Techniker und Physiker ist die Frage 
nach dem Verhalten des Wassers bei hoher Temperatur 
unter starkem Drucke insoferne von der grössten Bedeutung, 
als ja das Kochen des Wassers, also die Dampfbildung in 
einem bestimmten Verhältnisse zu dem Drucke steht, über 
welches nach den verschiedenen empirisch festgestellten 
Thatsachen sehr abweichende Gesetze aufgestellt wurden. 

Wenn man sich nun vergegenwärtigt, dass in geschlos- 
senen Gefässen die Spannkraft des Dampfes sehr rasch mit 
der Temperatur steigt, so begreift man auch sofort, warum 



Fr. Pfaffi Verhalten des Wassers in engen Bäumen etc» 217 

im Gkiuzen noch so wenig sichere Resultate über das 
Verhalten des Wassers bei sehr hoher Temperatur vor- 
liegen und warum unter den Geologen noch so viel Streit 
über die Wirkung und Leistungsfähigkeit des Wassers ui^d 
der Wasserdämpfe bei Temperaturen bis 2000, wie wir sie in der 
Tiefe der Erde annehmen dürfen, herrscht. Die Schwierig- 
keiten des Experimentirens steigen eben auch sehr bedeutend 
mit der Steigerung der Temperatur, bei welcher man seine 
Versuche anstellen will, und auch abgesehen yon der Ge- 
fährlichkeit schrecken die so oft negativen d. h. nicht ge- 
glückten Versuche wohl Manchen von der Wiederholung 
derselben ab. In den letzten Jahren hat der leider so früh 
der Wissenschaft entrissene Vogelsang in Gemeinschaft mit 
Dr. Bettendorf Versuche der Art angestellt, indem er das 
Wasser in kupfernen Cylindem einschloss. ^) Meistens er- 
gaben dieselben ein negatives Resultat, indem bei längerer 
Dauer der Erhitzung das Wasser unmerklich entwich. 
Vogelsang wendete eine Temperatur von beiläufig Zink- 
schmelzhitze an, ergiebtsiezu 400—480^ an. Er erwähnt 
dabei früherer Versuche von Daubree, der Glas in einen 
eisernen Gylinder einschloss und noch höhere Temperaturen 
anwandte. Er berichtet, dass die Röhren häufig zersprangen 
und 81^ über die Abhandlung desselben in den Annales 
des mines, die mir selbst nicht zugängUch geworden ist, 
„man vermisst darin leider meistentheils die einfach refe- 
rirende Darstellung, welche die Arbeiten der französischen 
Naturforscher im Allgemeinen so vortheilhafi; auszeichnen/^ 
Andre Versuche sind mir nicht bekannt geworden und in- 
soferne möchten die im folgenden kurz beschriebenen Ver- 
suche, bei denen das Wasser bis zu lebhafter Rothglühhitze 
des Eisens erhitzt wurde, nicht ohne Interesse sein, obwohl 
sie nur in kleinem Massstabe angelegt wurden, was ja bei 
so hohen Temperaturen kaum anders möglich sein dürfte. 

V 0fr. Vogelsangy Philosophie der Geologie. 



218 Sitzung der math.-phys. Clasae vom 7. Juli 1877. 

Die Mittlieilungen Yogelsangs, so wie die Thatsache, 
dass glühende Metalle für Glas permeabel seien, liess mick 
von der Wahl metallener Gefösse für das Wasser absehen. 
So wählte ich daher ebenfalls, wie Daabree, Glasrohren, die in 
eiserne Cylinder eingeschlossen wurden. Die ersten Versuche 
stellte ich in der Art an, dass ich Stücke yon dicken Thermo- 
meterrohren, wie sie zu Maximumthermometem verwendet 
werden, mit Wasser füllte und dieselben dann zuschmolz, wobei 
natürlich stets an dem einen Ende ein kleines Stück des Lum^is 
von Wasser frei bleiben musste. Diese Stücken wurden dann 
in ein rundes mit entsprechender Bohrung versehenes Eisen- 
stück, welches oben zugeschraubt wurde, gesteckt, dann 
mittelst einer dreifachen Bunsenschen Gaslampe zur Roth- 
glühhitze gebracht und eine Stunde derselben ausgesetzt. 
Die Versuche hatten in dieser Weise angestellt stets den- 
selben Ausgang, wie er auch wohl erklärlich ist. Zunächst 
war es, nach Hinw^nahme der Schraube stets unmöglich, 
die Glasrohre aus dem Eisen herauszubringen. Bei*dieser 
Temperatur wurde nehmlich auch das Glas erweicht und 
der in dem oberen Theil des Bohrchens sich entwickelnde 
Dampf trieb die Glasrohre so weit auf, und presste sie so 
fest an das Eisen an, dass selbst nach dem Durchsägen des 
Eisens dieselbe nicht herausgenommen werden konnte. 
Dabei zeigte sich noch ein fernerer üebelstand, nehmlich 
der, dass die Glasröhre eine sehr grosse Menge von Bissen 
bekam, die nothwendige Folge der stärkeren Zusammen- 
ziehung des Eisens, das beim höchsten Hitzegrade, dem der 
Apparat ausgesetzt war, sich enge an das Glas anschmi^te und 
beim Erkalten dasselbe zusammenpresste. Man konnte auch 
bei genauer Beobachtung des Apparates während des Er- 
kaltens ganz deutlich in einem bestimmten Zeitpunkte ein 
eigenthümliches Geräusch im Innern des Apparates ver- 
nehmen, wie es reissende Glasmassen verursachen. Tropf- 
barflüssiges Wasser fand ich in diesen Fällen nicht mehr 



Fr. Pf off: Verhalten des Wassers in engen Bäumen etc. 219 



vor, aber eigenthümliche Veränderungen des Glases, auf 
die ich später noch zurückkommen werde. 

Ich suchte nun diesen beiden Uebelständen , nehmlich 
dem, dass man die Glasrohre nicht mehr herausnehmen 
konnte, und dass sie der sich stärker contrahirende Eisen- 
cylinder zersprengte, abzuhelfen, und es gelang mir das 
anch, wenn auch nicht in allen Fällen mittelst einer sehr 
einfachen Abänderung des Ver&hrens. 

Ich benützte nehmlich einen schon 
vor dem Versuche der Länge nach durch- 
sägten Eisencylinder A. Derselbe zerfiel so 
in 2 Hälften, von denen die Figur eine 
Darstellung in natürlicher Grösse giebt. 
B ist die Höhlung, in welche die Glasrohre 
gelegt wurde. Beide Hälften waren oben 
und unten so abgedreht, dass unten ein 
starker Eisenring D, oben ein Deckel C über- 
geschoben und so die beiden Hälften fest 
zusammengehalten werden konnten. Bei 
e ging ein cylindrischer Kanal durch den 
Deckel C und die beiden Theile des Cy- 
linders, in welche ein stählerner Stifb passte, 
durch den sowohl der Deckel , wie auch 
ein kleiner eiserner Cylinder f, welcher den 
obersten Theil der Bohrung verschloss, und 
auf der Glasröhre anfsass, fest gehalten wurde. 
Die Bohrung B wurde etwas weiter ge- 
macht, als der Durchmesser der verwendeten Glasröhren 
war. Der Zwischenraum wurde mit fein gepulvertem ge- 
glühten Speckstein ausgefüllt. Nachdem nehmlich die Glas- 
röhre in die Bohrung bei B gelegt worden war, wurden 
die beiden Hälften des Apparates auf einander gel^t und 
durch den Bing D an einander gehalten. Dann wurde oben 
Ton dem Pulver soviel eingebracht, als durch Klopfen an 




220 Sitzung der maihrphys. CloBse vom 7. Juli 1877, 

den Apparat und durch Nachstopfen hineinging. Schliesslich 
der Stift f aufgesetzt, der Deckel C übergestülpt und durch 
den Stahlstift festgehalten. Die hervorstehenden Enden 
desselben dienten zum Aufhängen des Apparates an einem 
Piatinadraht während des Glühens. Ein Versuch die Glas- 
röhre zunächst in einem dünnen Specksteincylinder und 
diesen in einen Eisencylinder einzuschliessen, zeigte den 
Uebelstand , das die Glasrohre aus dem Specksteincylinder 
nur durch Zersägen desselben herauszubringen war, eben- 
falls, weswegen ich dann immer in der eben beschriebenen 
Weise verfuhr. 

Wenn auch auf diesem Wege nicht immer, so wurde 
doch öfter erreicht, dass die Glasröhren ganz blieben, ob- 
wohl der Cylinder bis zum Bothglühen erhitzt wurde. 
Länger als eine Stunde wurde jedoch die Erhitzung nicht 
fortgesetzt, weil die Untersuchung der Beschaffenheit der 
Bohren schon nach halbstündiger Dauer der Glühhitze mir 
eine längere Fortsetzung zwecklos erscheinen Hess. 

Mit Ausnahme eines einzigen Falles, den ich noch näher 
besprechen werde, zeigte sich das Resultat bei allen Ver- 
suchen ziemlich gleich, ohne Ausnahme war das Lumen 
aller Glasröhren auf das 2 fache im Durchmesser erweitert 
und das Glas bis zur Hälfte von innen heraus ganz eigen- 
thümlich verändert. Es war nehmlich in eine poröse schnee- 
weisse, undurchsichtige Masse verwandelt, die aber nicht 
pulverförmig war, sondern ziemlich fest zusammenhielt; 
flüssiges Wasser war nicht mehr in den Röhren. Die meiste 
Masse liess sich nur schwer von dem unveränderten Glase 
loslösen. Deutliche Spuren von irgend welcher krystalli- 
nischer Bildung konnten auch unter dem Mikroskope nicht 
nachgewiesen werden, dagegen allerdings schwache polaris 
sirende Eigenschaften derselben, die ja aber auch auf den 
starken Druck oder die rasche Abkühlung zurückgeführt 
werden können. 



.ü 



Fr, Pf äff: Verhalten des Wassers in engen Bäumen etc. 221 

Nur in einem Falle war noch neben dieser Veränderung 
der Glasmasse ungefähr ^/5 der in das Glasröhrchen ein- 
gebrachten Wassermenge deutlich in tropfbarem Zustande 
vorhanden. Ob hier eine etwas andre BeschafiPenheit des 
Glases dieses abweichende Resultat erzeugte, wage ich nicht 
zu entscheiden. Der Versuch ist aber insofeme interessant, 
als er vor den anderen deutlich zeigt, dass tropfbar 
flüssiges Wasser auch bei Rothglühhitze in 
einer geschlossenen Glasrohre sich erhalten 
kann. 

Sehr auffallend ist die ungemein energische Einwirkung 
des Wassers in der Hitze auf das Glas. Das Lumen des 
Röhrchen betrug nur V« ""i die Meuge des in demselben 
enthaltenen Wassers nur 8 — 10 Milligramme. Dennoch 
reichte diese geringe Menge hin eine Zone von 1 */2 ™°* Durch- 
messer der Glasrohre, somit beiläufig 225 Milligramme des 
Glases umzuwandeln. Mein verehrter Collega, Herr Pro- 
fessor Hilger, unterzog sich der Mühe, die umgewandelte 
Glasmasse und die unvei^nderte äussere Rinde einer ge- 
sonderten Untersuchung zu unterwerfen, und den Wasser- 
gehalt direct zu bestimmen, d. h. nicht aus dem Glühverluste 
zu berechnen. Die von ihm untersuchten Glasröhren er- 
gaben nun einen Wassergehalt : 

1) in der äusseren Rinde; 5,3 — 5,6 ®/o, 

2) in der inneren umgewandelten Masse: 

a) lufttrocken 11,2 •/o, 

b) 6 Stunden getrocknet 9,7 ®/o. 

Es geht daraus, namentlich aus dem Resultate 2 b jeden- 
falls soviel hervor, dass sich unter sehr starkem Drucke bei 
einer Temperatur von Rothglühhitze wasserhaltige Silicate 
bilden können. Wie rasch übrigens diese Umwandlung des 
Glases vor sich gehe, zeigte ein Versuch, welcher zugleich 
zum Beweise dienen kann, welcher gewaltige Druck in dem 
Innern des Glasröhrchens vorhanden sei. Ich hatte zugleich 



222 Sitzung der math.-phya. Classe V(m 7. Juli 1877, 

mit dem oben beschriebenen kleinen Apparate von Eisen 
einen ganz gleichen von Messing angefertigt, bei dem die 
vor dem Zersägen in 2 Hälften vorgenommene Bohrang 
etwas weniges schief g^angen war, so dass an dem untern 
Ende die eine Wand etwas dünner war, indem die Höhlung 
nicht genau in der Mitte sich hielt. Als ich nun diesen 
Apparat genau in derselben Weise in Glühhitze versetzte, 
entstand nach 10 Minuten eine mit gewaltigem Knall ver- 
bandene Explosion, indem das Glasrohrchen und der Messiug- 
cylinder an der Stelle, an welcher der letztere am schwächsten 
war, ähnlich einer Thermometerkugel angetrieben und mit 
einer c. 3"" weiten Oe£Eaung durchbohrt wurde. Nichts 
destoweniger zeigte sich auch dieses Glasröhrchen im Innern 
schon theilweise in eine weisse Masse umgewandelt. 

Bei einigen dieser Versuche hatte ich feine Splitter- 
chen von Bergkrystall und , um sie leichter unterscheiden 
zu können, von Amethyst mit dem Wasser in das Glas- 
röhrchen gebracht, um zu sehen, wie sich die freie Kiesel- 
säure unter diesen umständen verhalte. Es war mir aber 
nicht möglich, ein sicheres Resultat zu erhalten. Die 
Splitterchen, die natürlich sehr fein sein mussten, um noch 
in das feine Lumen eingebracht werden zn können, Hessen sich 
nach Beendigung des Versuches nicht mehr erkennen, da 
aber die innere Wand so eigenthümlich umgewandelt und 
aufgebläht sich zeigte, so ist es sehr wohl möglieh, dass 
sie irgendwo in dieser Masse eingeschlossen waren und so 
dem Blicke sich entzogen. 

Ich versuchte daher noch auf andrem Wege die Frage 
nach dem Verhalten des Quarzes bei hoher Temperatur und 
hohem Drucke zu lösen, auf dem ich zugleich auch über 
den Grad des Druckes, der bei dieser Temperatur herrschte, 
Auskunft erhielte. Zu diesem Behufe liess ich einen starken 
Bergkrystall oben und unten mit einer geraden Endfläche 
versehen und nun in der Mitte, in der Richtung der kry- 



Fr. Pfaff: Verhalte» da Waaeri in engen Bäume» ete. 223 

stallograptiificlien Haaptachae eine Bohrong 1 V« '"'° im Lichtea 
und 22*^ l&ng TornehmeD. Von einer ^ulenfläche za 
der ihr g^enüberli^endeD, also in der Richtung der Zwiacben- 
aohsen (s nach Weiss) hatte der Krystall 3'^™, -so dass also 
die Wandstärke nm die Bohrung im MinimuDi 14,'"" betrug. 
Eine Platte Ton demselben Erystalle wurde nun voll- 
kommen eben geschliffen, sie diente als Deckel auf den ge- 
bohrten Krystall. Die aämmtlichen Arbeiten an dem Ery- 
stalle worden Ton Steeg in Komborg auf das Vollkom- 
menste ansgefahrt. Die Art, wie die Versuche angestellt 
wurden, ergiebt sieh am einfachsten aas der folgenden Figur. 
Auf ein kleines Gehäuse von Backsteinen A wurde eine 
1'='° starke gosseiseme Platte gesetzt, auf welche der Kry- 
stall K 80 gestellt wurde, wie es die kleine nebenstehende 
Figur erkennen lässt. Die Platte war nehmlich genau ent- 



sprechend den Dimensionen des ErystaUs rechteckig durdi- 
brodien, ao dass der Krystall nur mit 2 Seiten und 
2 Ecken aufstand und in den rechten Winkeln des 
[1377. II. Hatli.-ph7s. Cl.] 16 




224 aiinmg der mafh.-phys. CUuse wm 7. Juli 1877. 1 

dnrclibrocheneii Bechteeks (a a) die Flamme firei hindurcli I 
konnte. Anch oben war der Erystall mit Backsteinen | 
umgeben. Der Deckel D wurde durch den starken Hebel 
A, der mit Gewichten P belastet werden konnte, und den 
eisernen Stempel S fest auf den Erystall aufgepresst. Die 
St&rke des Druckes konnte so leicht berechnet werden. 
Das Gas konnte von einem Nebenzimmer, aus dem aacb 
der Stand des Hebelarmes bei P zu übersehen war, abgfe- 
sperrt werden. Ich versuchte An&ngs Druckgrade von 
800—1000 Atmosphären, und liess den Erystall eine Stunde 
in den Gasflammen, das Besultat war aber immer dasselbe, 
es fand keine Explosion, kein Aufheben des Hebelarmes 
Statt, aber nachdem das Gas aui^elöscht und der Apparat, 
der sich sehr langsam abkühlte, untersucht werden konnte, 
fand sich kein tropfbar flüssiges Wasser, auch keine be* 
merkbare Veränderung des Erystalles vor. Dasselbe Re- 
sultat ergab sich bei noch stärkerem Drucke. Offenbar 
fand bei der ungeheueren Spannung der Dampf zwischen 
dem Deckel, der wie der Erystall nicht polirt, sondern nur 
sehr fein matt geschliffen war, langsam einen Ausweg. Ich 
verfuhr nun in der Art, dass ich, nachdem die Bohrang 
aufs Neue mit Wasser gefüllt war, einen kleinen etwas ko- 
nisch zugefeilten Eupferstift wie einen Eeil in den obersten 
Theil der Bohrung eintrieb, darauf den Deckel in derselben 
Weise aufpresste. Nun gelang der Versuch, es entwich 
kein Wasser ; nach einstündigem Glühen war, als der Ery- 
stall erkaltet war, die cylinderische Höhlung noch mit 
Wasser gefallt; ob aber dasselbe eine Einwirkung auf die 
Wände ausgeübt hatte, konnte nicht constatirt werden. 
Ich glühte nun, in der Hoffhui^, die allenfallsige Ein- 
wirkung zu verstärken, mit derselben Wassermasse aufs 
Neue, erhielt aber auch jetzt wieder kein sicheres Resultat 
in dieser Beziehung, indem die Wände, etwas rauh von der 
Bohrung, eine merkliche Veränderung nicht erkennen liessen. 



Fr. Pfaff: VerhaJien des Wassers in engen Bäumen etc. 225 

Der nächste Versuch machte, ohne über diese Frage Auf- 
schlDss zu geben, weiteren insoferne eine Ende, als der 
Krystall von dem untern Ende der Bohrung aus einen breiten 
schief nach oben und unten laufenden, in der Figur mit 
R angedeuteten Riss bekam, der vielfach uneben war, aber 
mit Ausnahme einer ganz schmalen Linie, nirgends die 
äusseren Flächen erreichte. Wasser war nicht mehr ver- 
handen. 

Wenn nun auch diese ^Resultate nicht besonders er- 
muthigend ftir die Fortsetzung ähnlicher Versuche sind, so 
haben sie doch wenigstens den Beweis geliefert, dass Wasser 
bei Bothglühhitze im flüssigen Zustande bestehen und 
wasserhaltige Silicate dabei bilden kann. 



15' 



226 SiUtmg der mathrphys. Glosse wm 7. JüU 1877. 




Herr y. B e z o 1 d spricht über eine in Oemeinschaft mit 
Herrn Dr. 0. Engelhardt ausgeführte Untersuchung 

„Ueber die Fluorescenz der lebenden Netz- 
haut." 

Studien über das Gesetz der Farbenmischung legten 
dem einen von uns schon vor Jahren die Frage nah, ob die 
von Helmholtz^) und später von Setschenow ^) an 
der todten Retina beobachtete Fluorescenz nicht auch an 
der lebenden Netzhaut nachweisbar sei. Damals angestellte 
Experimente ergaben jedoch kein Resultat, führten vielmehr 
zu der üeberzeugung , dass die Losung dieser Aufgabe nur 
in Verbindung mit einem Ophthalmologen möglich sein 
dürfte. 

Durch die bahnbrechenden Entdeckungen von Boll 
und Kühne wurde das Interesse an diesem Gegenstande 
von neuem erweckt, da durch sie alle Bückschlüsse Ton der 
todten auf die lebende Netzhaut als höchst bedenklich er- 
scheinen müssen. 

Dies veranlasste uns> die Untersuchung gemeinschaftlich 
in Angriff zu nehmen, deren Ergebnisse im Folgenden mit- 
getheilt werden sollen. 

Yor Allem schien es erforderlich, das Netzhaut-Bild 
eines Spectrums ophthalmoskopisch zu beobachten und dann 



1) Pogg. AnD. XCIV 205. 

2) Arch. f. Ophtb. Bd. V. 2. S. 205. 



4 

1 



/ 



V, Bezolä und Engelhardt: FluorescenB der Netehaut. 227 

zu yersachen, ob man dasselbe so weit Unter den Pupillar- 
rand yerschieben könne, dass man die Netzhaut scbliesslich 
nur noch in nltra?ioletter Beleuchtung vor sich habe. Zu 
dem Ende wurde der aus dem Prisma austretende Farben- 
facher so nahe am Prisma durch den Augenspiegel abge- 
fangen, das9 er ganz auf den letzteren fiel. Alsdann war 
es durch passende Wahl der Entfernungen und der in An- 
wendung kommenden Linsen — die Beobachtungen wurden 
immer im umgekehrten vergrösserten Bilde angestellt — 
möglich, von dem Spectrum ein so kleines Netzhautbild zu 
erzengen, dass dasselbe ganz oder wenigstens zum grossten 
Theile gleichzeitig übersehen werden konnte. 

Das Ergebniss war ein sehr überraschendes, und ent- 
hielt, obwohl Anfangs weder Sonnenlicht noch Quarzprismen 
in Anwendung kamen, bereits das gewünschte Resultat in 
sich, das dann freilich erst durch Abänderung und Vervoll- 
kommnung der Versuche ganz beweiskräftig gemacht wer- 
den musste. 

Das Netzhautbild eines Spectrums zeigt nämlich Eigen- 
thümlichkeiten, die zum Theile durch die Absorptionserschein- 
ungen des Blutes, zum Theile durch die Fluoresceuz bedingt 
sind. Der Anblick dieses Bildes ist ausserordentlich schön: 
Während der Netzhautgrund das Bild des Spec- 
trums in gewöhnlicher Weise zeigt, treten die 
Gefässe in sehr yerschiedener Färbung hervor: 
auf dem rothen Grunde nur dufch eine etwas 
intensivere Farbe, im Orange beinahe gar nicht 
kenntlich, erscheinen sie im Grünen tief schwarz 
in wunderbar scharfer Zeichnung, im Blauen 
aber in dunkel braungelbem Tone, der im Vio- 
letten in dunkles Bothbraun übergeht. Im Orange 
heben sie sich so schwach hervor, dass man glauben möchte, 
sie seien mit Wasser gefüllt, dagegen werden sie beim Be- 
ginn des Grünen plötzlich so schwarz, als enthielten sie 



228 SÜMwtg der math^-phys, GloBse vom 7. JM 1877. 

Tinte, nnd dieses Umspringen von dem einen in den anderen 
Ton geschieht so aufiallend, dass sie beinahe wie abgeschnitten 
erscheinen. Reines Gelb ist bei lichtschwachen Spectren 
bekanntlich nicht mehr wahrnehmbar, ans den Versnchen 
über die Absorption des Blntes weiss man jedoch, dass sie 
in der Gegend der Frannho fernsehen Linie D beginnt, 
und zwar noch etwas vorher wie daraus folgt, dass die Ge* 
fasse bei Beleuchtung mit Natriumlicht eben&Us schwarz 
gesehen werden. 

Bis in's Grüne hinein schliesst sich demnach die be- 
schriebene Erscheinung genau dem an, was man nach dem 
Absorptionsspectrum des Blutes erwarten konnte. 

Im Blauen aber und zwar in der Gegend der Linie F 
ändert sich die Sache; hätten wir es hier nur mit Absorp« 
tionserscheinungen zu thun, so müssten die Gefösse ähnlich 
wie im Rothen, d. h. blos durch Unterschiede der Hellig- 
keit, wenn auch etwas schärfer, markirt sein; man hätte 
dann eben dunkler blaue Gefösse auf massig hellerem Grunde 
zu erwarten. Statt dessen erscheinen sie in gelblich brau- 
nem Tone, der an sehr dunklen Ocker erinnert, während 
sie im Violett einen entschiedenen Stich in*s Rothe zeigen, 
etwa wie rostiges Eisen. 

Diese Erscheinung lässt sich nur durch Fluorescenz der 
dahinterliegenden Netzhaut erklären, und so liefern demnach 
die Netzhautgefässe selbst das feinste Prüfungsmittel für das 
Vorhandensein der Fluorescenz. 

Im ersten Augenblicke könnte man zwar meinen, man 
habe es hier mit einer Gontrasterscheinnng zu thun, aber 
eine etwas genauere Ueberl^ung lehrt sofort, dass diese Ver- 
muthung hier unzulässig ist. Denn erstens wäre nicht ab- 
zusehen, weshalb diese Erscheinung im Grünen fehlen sollte, 
was doch bekanntlich besonders leicht Contrasterscheinungen 
hervorruft, und dann müsste sich die Farbe der Gefasse vom 
Blauen nach dem Violetten zu dem Gelbgrünen nähern, 



V, BesM und Engdhardtz Fluorescenz der Netzhaut. 229 

i^ährend im Gegentheile das dunkle Braun der Grefasse in 
dieser Gegend des Spectrums in Rotfabraun fibergeht. 

Fluorescenz des Blutes selbst kann auch nicht die Ur- 
saclie sein, da es uns wenigstens nicht gelungen ist, an Blut 
eine Spur von Fluorescenz zu entdecken, überdiess wäre es 
äasserst unwahrscheinlich, dass das im durchfallenden Lichte 
rothe Blut auch rothe Fluorescenz zeigen sollte. 

Ebenso wenig kann man die Ursache in diffusem Lichte 
suchen, das aul irgend welchem Wege in*s Auge gedrungen sein 
möchte oder allenfalls in der Fluorescenz der Hornhaut oder 
Linse seinen Ursprung finden könnte, denn solches Licht 
müsste im grünen Theile des Spectrums ebenso seine Wirk- 
ung zeigen, ja dort sogar in erhöhtem Maasse, da hier der 
Contrast den Eindruck noch verschärfen müsste.*) Uebrigens 
musste sich Fluorescenzlicht , was von Theilen des Auges 
ausginge, die vor den Netzhautgefassen li^en, auch bei 
Betrachtung der Purkinje'schen Figur in monochromatischer 
Beleuchtung merkbar machen, was nach unseren Beobacht- 
ungen nicht der Fall ist. 

Die eigenthfimliche braune und rothbraune Färbung der 
Netzhautgefasse im blauen und violetten Theile des Spec- 
trums lässt sich mithin nur durch Fluorescenz der dahinter 
Hegenden Netzhaat erklären und zwar hat man den Beginn 
derselben an der nämlichen Stelle zu suchen, an welcher 
sie von Helmholtz bei der todten Netzhaut gefunden 
wurde. 

Obwohl nun nach dem ebengesagten schon durch diesen 
einen Versuch die Fluorescenz der lebenden Netzhaut nach- 
gewiesen ist, so wollten wir es doch hiebei nicht bewenden 
lassen, sondern die Sache noch nach verschiedenen Seiten 



8) Bei sehr intensiyer Belenchtang scheint derartiges Licht wirklich 
seinen Einfloss geltend zu machen und ist desshalb eine massige Er- 
leuehtong der Netzhaut ▼orznziehen. 



230 SiUtmg der imth.-phgs. CImm vom 7. Juli 1977. 

hin weiter Terfolgen, um so noch weiteres Beweismaierial 
herbeizuschaffen. For^s Erste Tersnchten wir die auf der 
Netzhaut gesehene Erscheinung nachzuahmen, indem wir ein 
mit Blutlosang geffiUtes Gapillarrohr Yor ein auf einer Fläolie 
entworfenes Spectrum brachten. Aach hier zeigten sich im 
Roth, Orange, Gelb und Grnn genau die nämlichen Er- 
scheinungen, im Blau and Violett eben&lls, wenn der Schirm 
in diesen Farben flaorescirte. Freilich bemerkt man hiel>ei 
die kleinsten Spuren von Fluorescenz, so dass schon weisses 
Papier dieselbe deutlich zu erkennen gibt und die Farbe des 
Rdhrchens vor einem solchen Schirme schon in allen Theüen 
an die der Blutgefässe auf der Netzhaut erinnerte. Dass 
es sich aber hiebei thatsächlich am Fluorescenzlicht han- 
delte, welches yon diesem Schirme ausging, ergab sich schla- 
gend daraas, dass die braune und rothliche Färbung des 
Böhrchens gänzlich verschwand, wenn der Schirm entfernt 
wurde, so dass der schwarze Baum des Dunkelzimmers als 
Hintergrund diente und dass sie viel entschiedener auftrat, 
wenn der weisse Papierschirm durch einen mit Platin-Gyan- 
barium überstrichenen oder durch andere flaorescirende Kör- 
per ersetzt wurde. Diese Versuche überzeugten uns davon, 
dass man in einem darchsichtigen farbigen Körper, den man 
vor einen anderen als Projectionsfläche für ein Spectram 
dienenden hält, ein äusserst empfindliches Mittel besitzt, um 
Spuren von Fluorescenz zu erkennen. Sobald dieser Prüf- 
ungskörper in einem Theile des Spectrums, in dem er allein 
seine natürliche Farbe nicht erkennen lässt, dieselbe doch 
zeigt, wenn sich ein Körper hinter ihm befindet, muss diess 
die Folge von Fluoresceoz*Licht sein, welches von dem da- 
hinter Hegenden Körper ausgesendet wird. 

Auch feine Schattenstreifen wurden in einem projecirien 
Spectram hervorgerufen, um den Einfluss ganz sicher zu 
erkennen, den allenfalls Gontrasterscheinungen auf die Be- 
obachtung ausüben könnten. Das Besultat war, dass die 



V. Begcid und Engelhardt: Flttarescetuf der NeUhaut 231 

im Blau und Violett beobachtete Farbe der Netzhautgefässe 
keinenfalls die Folge von Contrasterscheinungen ist. 

Nach Erledigung dieser mehr physikalischen Seite der 
Sache handelte es sich nun darum, auch die ophthalmo- 
skopischen Untersuchungen weiter auszudehnen und ver- 
schiedenartig abzuändern. 

Die oben angeführte Methode, bei welcher man den 

ganzen Farbenfächer mit dem Augenspiegel auffangt und 

ein kleines Spectrum auf die Netzhaut wirft, ist nämlich 

von dem Einwände nicht frei, dass man hiebei nur schwer 

ein ganz reines Spectrum erhalten wird. Bedarf es doch 

beinahe eines glücklichen Zufalls, damit die Stellungen der 

Linsen und die Accommodation der beiden Augen so günstig 

ziisammenwirken, dass das beobachtete Auge in dem näm- 

liehen Momente die Fraunhofer'schen Linien deutlich sieht, 

in welchem der Beobachter den Augenhintergrund scharf 

vor sich hat. Wenn nun auch eine kleine Abweichung von 

vollkommener Reinheit bei Benützung der Blutgefässe als 

Kriterium der Fluorescenz nicht viel Schaden bringen kann 

und demnach das blose oberflächliche Urtheil des Beobachters 

genügt, um eine hinreichende Reinheit zu erzielen, so war 

es doch immerhin wünschenswerth, den genannten Einwand 

ganz zu beseitigen. 

Dies geschah auf folgende Weise: 

Mit Hülfe eines grossen, sehr stark zerstreuenden Pris- 
ma's ä Vision directe wurde ein Spectrum von 40 bis 50 cm. 
Länge entworfen. In die Gegend der Bildebene begab sich 
nun der Beobachter und fing mit dem Augenspiegel bald 
diese, bald jene Strahlengattung auf, so dass das beobachtete 
Auge nach einander durch nahezu monochromatisches Licht 
von verschiedener Brechbarkeit beleuchtet wurde« 

Die Farbe der Gefässe zeigte sich jedesmal genau eben- 
so wie bei der oben beschriebenen Methode, und zwar nicht 



232 Siigung der math-phys. CUuae vom 7. Jtdi 1877. 

nur bei dem gewöhnlich zu den Versuchen benutzten brau- 
nen Kaninchen, sondern auch beim Menschen. 

Diese Art der Untersuchung ist viel bequemer als die 
oben beschriebene, aber dafttr muss man darauf verzichten, 
sämmtliche Erscheinungen mit einem Blicke zu übersehen. 

Anfänglich waren die Versuche sämmtlich mit Glas- 
linsen und Glasprismen angestellt worden und zum Theile 
sogar nur mit Benutzung eines Skioptikons als Licht- 
quelle, es schien nun wünschenswerth, sie mit Quarz-Linsen 
und Prismen zu wiederholen, wobei selbstverständlich Sonnen- 
licht zur Anwendung kam. Hiebei war es jedoch nicht 
möglich, die zweite Art der Beobachtung zu benutzen , da 
das Spectrum nicht hinreichend gross hergestellt werden 
konnte, man war deshalb immer genöthigt, ein etwas grös- 
seres Stück des Spectrums auf die Netzhaut zu projiciren. 

Die Ergebnisse waren im Allgemeinen die nämlichen 
wie oben beschrieben, nur trat die braunrothe Färbung der 
Blutgefässe im Violett noch lebhafter hervor als bei An- 
wendung von Glasapparaten (der Augenspiegel und die da- 
zu gehörige Linse waren auch jetzt noch von Glas) und 
endlich war es in diesem Falle möglich, die Erscheinung bis 
in's ultraviolett zu verfolgen. Nachdem das ganze 
sichtbare Spectrum abgeblendet war, indem 
man es allmälig hinter dem Pupillarrand zum 
Verschwinden brachte, so dass nur mehr ultra- 
violette Strahlen auf die Netzhaut fielen, er- 
schienen die Netzhautgefässe in entschieden röth- 
lichem Tone auf schmutzig graubraunem Grunde. 

Alles zusammengefasst, scheint uns durch diese Beob- 
achtungen erwiesen, dass thatsächlich auch die le- 
bende Netzhaut fluorescirt, und zwar unter 
dem Einflüsse der nämlichen Strahlen, welche 



V. Bezold und JEngelhardt: Fluoreacene der Netzhaut. 233 

schon Helmholtz bei der todten Netzhaut als 
f In orescenzerregend erkannt hat. 

Als Kennzeichen der Flaoreseenz diente 
die Farbe der Netzhautgefässe, die sich im 
blanen, violetten und nltravialetten Lichte 
mehr nnd mehr der natürlichen Farbe des Blutes 
näherte, was sich nur durch Fluorescenz der 
dahinter liegenden Schichten erklären lässt. 



I 






234 Sitgung der matK-phys, Glosse wm 7. Juni 1677. 



Herr v. JoUj legt vor und bespricht nachstehende 
Abhandlung : 

„üeber den Einfluss des Lösungsmittels 
auf die Absorptionsspectra gelöster 
absorbirender Medien." Von Aug. Eundt. 

In einer Mittheilung im Jubelband von Poggendorffs 
Annalen pag. 615 ff. habe ich einige Folgerungen entwickelt, 
die sich aus den von mir experimentell ermittelten Bezieh- 
ungen zwischen Dispersion und Absorption zu ergeben 
schienen. 

Die erste dieser Folgerungen war, dass bei einer ab- 
sorbirenden, in verschiedenen Lösungsmitteln löslichen Sub- 
stanz eine gesetzmässige Verschiebung eines Absorptions- 
streifens mit dem Lösungsmittel statt haben müsse, und 
zwar der Art, dass eine Absorptionsbande, welche die ab- 
sorbireude Substanz in einem normalen Dispersions- oder 
Beugungsspectrum zeigt, im Allgemeinen um so weiter nach 
dem rothen Ende dieses Spectrums rücke, je grösser die 
Dispersion des benutzten Lösungsmittels ist. 

Die folgende Mittheilung enthält die Resultate einer 
grösseren Reihe von Versuchen, welche ich über den EiDflass 
eines farblosen Lösungsmittels auf das Absorptionsyermögen 
absorbirender Medien angestellt habe. 

Es hat sich hierbei gezeigt, dass die von mir auf- 
gestellte Regel zwar nicht stets und in aller Strenge durch 






Kundt: Einfl. d, LömngsmiUeU a, d. Äbaorptionsspectra etc. 235 

die Yersache bestätigt wird, aber in einer grossen Zahl 
derselben klar zu Tage tritt. 

Bei der yielfacben praktischen Verwendung, welche die 
Untersnchnng der Absorptionsspectra absorbirender Lösungen 
bereits gefunden hat, scheint es, auch ohne Bücksicht auf 
die Bestätigung oder Nichtbestätigung einer allgemeinen 
Regel, von Interesse den Einfluss des Lösungsmittels ge- 
nauer kennen zu lernen. 

Ich werde im Folgenden zunächst lediglich die Be- 
obachtungen mittheilen und hier nicht auf die im Jubelband 
nur angedeuteten Betrachtungen, welche mich zur Auf- 
stellung der erwähnten Regel führten, eingehen. 

Die Versuche wurden einfach in der ViTeise ausgeführt, 
dass zwischen die Lichtquelle (Lampe oder Sonnenlicht) und 
den Spalt eines Spectroscops die auf Absorption zu unter- 
suchende Flüssigkeit in einem Gefass mit planparallelen 
Wänden eingeschaltet wurde. Bei einzelnen dieser Gefasse 
war die eine Wand verschiebbar, so dass die Dicke der 
durchstrahlten Flüssigkeitsschicht beliebig variirt werden 
konnte. 

Die Lösungen wurden meist so hergestellt, dass eine 
bestimmte Quantität der absorbirenden Substanz in einem 
geeigneten Medium gelöst wurde, und zu bestimmten Mengen 
dieser Lösung wurden dann die anderen Lösungsmittel in 
gleichen Portionen zugesetzt. - Zuweilen wurde auch die 
feste absorbirende Substanz direct in verschiedene Lösungs- 
mittel gebracht. 

Ich habe verschiedene Spectroscope benutzt, da sich, 
besonders für eine Voruntersuchung, nicht jedes Spectroscop 
fQr jede Substanz gleich gut eignet. 

Für die weiter unten angegebenen Versuche wurde 
theils ein geradsichtiges Spectroscop von Merz, theils ein 
Spectralapparat von Steinheil verwendet in den ein sehr 
stark brechendes Prisma (ud = 1)75) eingesetzt war. 



236 Sittnmg der math.'phy8. Classe wm 7« JüU 1877. 

Als Messapparat diente in beiden Fällen dasMem Merz- 
scben Apparat zugehörige Beobachtungsfernrohr, bei dem 
das Ocnlar mit einer in der Focalebene angebrachten Spitze 
dnrch eine Micrometerschranbe mit getheiltem Kopf be^nregt 
wird. 

Wird die Lage der Linie B des Sonnenspectrams als 
Nullpunkt genommen, so giebt bei dem Merz'schen Apparat 
die MessTorrichtung für die übrigen Fraunhofer'seheii 
Linien die folgenden Zahlen: 



B 





— 


C 





- 68 


D 


2 


— 70 


E 


5 


- 78 


b 


6 


— 43 


F 


9 


— 18 



Die Zahlen der ersten Vertikalcolumne geben die ganzen 
Schraubengänge, die der zweiten die Trommeltheile. — 

Die Trommel der Schraube ist in 100 Theile getheilt. 

Es entspricht mithin zwischen den Linien D und E 
ein Theil der Schraubentrommel ein^ Aenderung der Wellen- 
länge im Spectram von ungefilhr 0,"" 0000002. 

Wird für den SteinheiV sehen Apparat die Linie D als 
Nullpunkt genommen, so giebt die Messyorrichtung für die 
anderen Linien die folgenden Werthe in ganzen Schrauben- 
umgängen und Theilen der Schraubentrommel: 



D 





- 


E 


1 


— 14 


b 


1 


— 37 


F 


2 


— 24 


G 


4 


— 32 



Es entspricht mithin bei diesem Apparat ein Theil der 
Schraubentrommel zwischen D und E einem Wachsen der 
Wellenlänge um ungefähr 0,°*" 00000055. 

Bei den Versuchen wurden gewöhnlich die Mitten 



Kundt : Einä, d. Lösungsmittel a. d, Äbsorpttonsspectra etc. 237 

der Absorptions- streifen eingestellt. Es ist daher bei der 
Yergleichung der Lage eines Absorptionsbandes in den ver- 
Bcbiedenen Lösungsmitteln sehr wichtig, dass dieConcentration 
und die Dicke der durchstrahlten Schicht möglichst gleich 
sei. Wenn die Goncentration nicht genau gleich zu machen 
war, wie z. B. wenn eine stark tingirende feste Substanz 
direct in verschiedenen Lösungsmitteln gelöst wurde, so 
wurden die Schichten so gewählt, dass die Absorptionsbande 
bei den zu vergleichenden Lösungen möglichst gleich breit 
erschien. 

Die Fehlergrenze der Einstellung der Mitte eines Strei- 
fens ist ausserordentlich variabel, je nach der Breite, Schärfe 
nnd Schwärze des Streifens. Die Breite, scharfe Begränzung 
des Absorptionsstreifens wie die Intensität der Absorption er- 
leiden sogar kleine Aenderungen bei einer und derselben 
absorbirenden Substanz in verschiedenen Lösungsmitteln. 

Die einzelnen Beobachtungsreihen sind daher bezüglich 
der Fehlergränze der Einstellung in keiner Weise mitein- 
ander vergleichbar. Die beobachteten Verschiebungen der 
Absorptionsstreifen bei den benutzten Substanzen, Lösungs- 
mitteln und Apparaten waren aber immer so gross, dass 
sie trotz der zuweilen beträchtlichen Einstell nngsfehler 
deutlich zu Tage traten. Die Versuche wurden bei einer 
Temperatur zwischen 13 und 17^ Celsius angestellt; bei den 
benutzten Substanzen waren diese kleineren Temperatur- 
veränderungen ohne Einfluss auf die Absorptionsspectra. 
Es wurden stets 10 Einstellungen desselben Streifens 
gemacht und zwar 5 von der weniger brechbaren, 5 von 
der mehr brechbaren Seite des Spectrums her, und aus 
diesen 10 Einstellungen wurde das Mittel genommen. 

Für eine fortlaufende Beobachtungsreifae benutzte ich 
12 Lösungsmittel, die bis auf 2 (Schwefelkohlenstoff und 
Cassiaoel) fast farblos waren. 

Als absorbirende Substanzen wurden beuutzt — Ohio- 



238 SiUtmg der fiuUh.'phy$. Cloiae vom 7. Juli 1877. 

rophyll, Anilingrüiii Cyanin, Fachsin, Chinizarin, EHgelb. 
Diese Sabstanzen sind so gewählt, dass in den yerschiedenen 
Farben des Spectrams Absorptionsstreifen zur üntersaehang 
konunen. Chlorophyll zeigt seinen ersten starken Absorp- 
tionsstreifen (nnd dieser wnrde ansschliesslich benutzt) im 
Roth, das Absorptionsmaximnm des AniUngrün Uegt weiter 
nach Gelb, die dunklen Streifen des Cyanin und Fachsin 
rücken noch weiter nach Gelb. Chinizarin und Eigelb zeigen 
Absorptionsstreifen in Grün und Blau. 

Die 12 Lösungsmittel: 

Alcohol, Aether, Aceton, Wasser, Methylalcohol, Amyl- 
alcohol, Benzol, Toluol, Ligroin, Chloroform, Cassiaoel, 
Schwefelkohlenstoff sind so gewählt, dass wenigstens eine 
ziemliche Anzahl derselben alle die oben genannten Sub- 
stanzen lösen, oder doch Lösungen dieser Substanzen zu- 
gesetzt werden konnten. 

Schliesslich sei noch bemerkt, dass die Lage der Streifen 
immer gleich nach dem Zusammengiessen der Lösungen 
beobachtet wurde, da manche der Substanzen in den Los- 
ungsmitteln mit der Zeit Veränderungen erlitten. 



1. Chlorophyll. 

Eine Lösung von Chlorophyll wird bekanntlich unter 
dem Einfluss von Licht mit der Zeit verändert und durch 
irerinfice Mengen chemischer Agentien zersetzt. — Bei diesen 
Verä^denmgL erweist sich der Absorptionsatreif der Chlo- 
rophylUösung, welche dem rothen Ende des Spectrnms am 
nächsten liegt, (Nr. 1 nach der gewöhnlichen Bezeichnung) 
als der beständigste. Ich habe mich daher auf die Be- 
stimmung der Lage dieses Streifens beschränkt. 

Es wurde das Chlorophyll aus Blättern mit Alcohol, 
Aether oder Chloroform ausgezogen. 



Kundt: Eiwß d.LÖ8ung8miUet8a,ä.Ah8orpt%(m88pectraetc, 239 

Ans der grossen Zahl der Yersnclie, die icli anstellte 
tlieile ich nnr die folgenden mit. 

Es wurden je 2 Cub,-Cent. alcoholischer Chlorophyll- 
lösong mit 10 Cub.-Cent. eines der andern Lösungsmittel 
versetzt. Die Dicke der durchstrahlten Schichte betrug 
10""; benutzt wurde der Spectralapparat von Merz. 

Bezeichnet man die Mitte des Absorptionsstreifens in 
derjenigen Losung, welcher Aether zugesetzt war mit 0> 
so lag die Mitte des Streifens bei Zusatz der andern Medien 
an folgenden Stellen: 

Aether 0.0 

Aceton 1.2 

Alcohol 3.2 

Amylalcohol .... 4.9 

Chloroform 6.8 

Benzol 7.3 

Gassiaol 13.6 

Schwefelkohlenstoff • . 18.6 

Die Zahlen geben Ganze und Zehntel der Theile des 
Schraubenkopfes der messenden Schrauben am Merz'schen 
Spectralapparat. 

Ein Steigen der Zahlen entspricht einem Fortrficken 
nach dem rothen Ende des Spectrums. 

Jede der Zahlen ist, wie bereits oben bemerkt wurde, 
das Mittel aus 10 Einstellungen. 

Sämmtliche anderen Versuche, welche über die Lage 
des ersten Absorptionsstreifen des Chlorophyll in den ver- 
schiedenen Lösungsmitteln angestellt wurden, zeigten dass 
sich die Medien bezüglich ihrer Fähigkeit, die Streifen nach 
Both zu verschieben, in die angegebene Reihenfolge ordnen 
lassen. 

Ligroin und Toluol wurden nicht benuzt, da die Lösung 
nicht ganz klar blieb; desgleichen auch Methylalcohol, da 
[1877. II. Math.-ph78. Ol.] 16 



( 



240 Sitsung der math-phyi, (nasse vom 7. JM 1877. 

bei Zosatz dieses Medioms eine Yeränderang des Farbstoffes 
einzutreten schien. 

2. Anilingrnn. 

Die benutzte Substanz war eine als Anilingrün be- 
zeicbnete Anilinfiirbe von Marqnardt in Bonn. Dieselbe 
zeigt einen breiten Absorptionsstreifen, dessen Mitte bei 
schwacher Goncentration ganz nahe bei C liegt. 

Die Zahl von Yersnchsreihen die mit dieser Substanz an- 
gestellt wurde ist nicht gross, da sich ergab, dass die Yersnchs- 
resultate mit denjenigen, welche die anderen Substanzen 
zeigten, im Allgemeinen in guter üebereinstimmung waren. 
Nur die Losungen bei Zusatz von Chloroform, Amylal- 
cohol und Ligroin wurden mehrfach untersucht. 

2ccin Losung Anilingrün in Alcohol wurden mit 10*^*^ 
der anderen Lösungsmittel ' versetzt. Die Losung war so 
schwach concentrirt, dass bei IS**™ durchstrahlter Schicht 
der Absorptionsstreif noch ziemlich schmal war. 

Die Mitte des Streifens bei Zusatz von Methylalcohol 
ist mit Null bezeichnet. 

Benutzt wurde Apparat Ton Merz und Lampenlicht. Die 
Zahlen geben Theile der Trommel der messenden Schraube. 
Ste^n der Zahlen, entspricht Verschiebung nach Roth. 

Methylalcohol .... 0.0 

Aceton 1.6 

Alcohol 8.4 

Aether 11.3 

Chloroform 12.7 

Amylalcohol . « • . 14.3 

Ligroin 19.5 

Benzol 22.4 

Toluol 25.4 

Gassiaöl 29.4 

Schwefelkohlenstoff . .. 41.2 






I 



I 



\ 



Kundt : Einfl. d, Lösungsmittels a. d. Ähsorptiansspectra etc, 241 

Der absolate Betrag . der Yerschiebniig ist hier be- 
iräcbtlicl) grosser, als beim Chlorophyll. 

Die Mitte des S^eifeiys ist be^ Schwefelkohlenstoff im 
Vergleich zur Lage desßelben. bei Methylalcohol um fast ^/s 
des Intervalls der Linien B und C nach Roth gerückt. 

3* Gyanin. 

Mit Cyanin wurden eine grosse Zahl von Versuchen 
angestellt, einmal weil der Streifen in Cyanin sich sehr gut 
und scharf einstellen liess, dann weil Cyanin in einem 
grossen Theil der Losungsmittel direct lösbar ist. Es löst 
sich sehr gut in Alkohol "Und Chloroform, ziemlich gut in 
Cassiaöl, entförbt sich aber mit der Zeit in Letzterem. 
Merklich weniger gut löst es sich in Benzol und CS, und 
noch etwas weniger in Aether. 

Es wurden zunächst Lösungen des Cyanin in Alcohol 
und Chloroform benützt und diesen gleiche Mengen der 
anderen Lösungsmittel zugesetzt. Die Reihenfolge der 
Lösungsmittel bezüglich der Verschiebung des Absorptions- 
streifens ergab sich durchaus gleich, mochte das Cyanin 
ursprünglich in AlcohoLoder in .Chloroform gelöst sein. 

Die Reihenfolge der Substanzen giebt folgender Ver- 
such: . . 

jccm Cyanin in Alcohol wurde mit 10*^*^°* der anderen 

Lösungsmittel yersetzt. Es wurde das Merz'sche Spectroscop 
und Lampenlicht benutzt. 

Die Mitte des Streifens bei Zusatz von Methylalcohol 
ist mit 0.0 bezeichnet ; die Zahlen geben Theile der Schrauben- 
trommel : 

Methylalcohol .... 0.0 

Aceton 2.4 

Alcohol 3.7 

Aether 7.5 

Amylalcohol .... 12.7 

16* 



242 SüMuKg der maiK-phyt. dam «cmi 7. Mi 1877. 

Ligroin 15,4 

Chlorofonn 31,1 

Bensol 34.2 

Qussiaöl 38.0 

Schwefelkohlenstoff . . 49.8 
Der Abstand der beiden Franenhofer'schen Linien D 
und G betragt bei diesem Apparat beiläufig 2 Schrauben- 
omgSngei es ist mithin die Mitte des Strdfens bei Schwefel- 
kohlenstoff um ungefähr V^ der Distanz der Linien C imd 
D nach Roth gegen die Lage des Absorptionsstreifens beim 
Methylalcohol gerückt. Bei einem anderen Versuch wurden 
4ccm alcoholischer Gyaninlösung mit 6^^°^ der anderen Lös- 
ungsmittel versetzt. Benutzt wurden das Thalliumprisnia 
und dazu der Messapparat von dem Merz*schen Spectroscop. 
Die Lage der Mitte des Streifens bei Metiiylalcohol ist 
wieder mit 0.0 bezeichnet. Es ergab sich die Lage der 
Mitte des Streifens bei Zusatz der* anderen Medien folgender- 
massen : 

Methylalcohol .... 0.0 

Wasser OiO 

Aceton 2.8 

Alcohol 3.5 

Aether 4.0 

Amylalcohol .... 5.3 

Ligroin 5.4 

Chloroform 11.4 

Toluol 11.7 

Benzol 11.8 

Cassiaöl 13.2 

Schwefelkohlenstoff . • 16.0 
Es wurde sodann festes Gyanin direct in den verschie- 
denen Mitteln gelöst und dann die Lage der Streifenmitte 
bestimmt. Es war hier nicht möglich Ste Concentration 
gleich zu machen, da man die für diese Versuche erforder- 



Kundt: Einfl. d, Lösungsmittels a. d. Äbsorptiansspectra etc. 243 

liehe kleine Gyaninmenge ohne allzngrosse und unnütze 
Muhe nicht genau abwägen kann. 

Es wurde daher die Concentration nur nach dem 
Augenschein gleich gemacht und dann die Dicke der yor 
dem Spectralapparat durch die Lichtstrahlen zu durchlau- 
fenden Schicht so regulirt, dass die Absorptionsstreifen in 
den yerschiedenen Lösungsmitteln möglichst gleiche Breite 
zeigten. 

Von den betreffenden Versuchen möge der folgende 
als Beispiel genommen werden. — Wird die Mitte des 
Streifens bei Lösung in Alcohol mit bezeichnet, so lag 
dieselbe bei den übrigen Lösungsmitteln an den folgenden 
Stellen. Benutzt wurde das Merz^sche Spectroscop. 
Bei Lösung in Alcohol .... 0.0 

Aether • . • • 2.9 
Chloroform . . . 36.9 
Benzol .... 44.3 
Cassiaöl .... 47.0 
Schwefelkohlenstoff 76 8 
Alle Versuche, die überhaupt angestellt wurden, ergaben, 
dass die Substanzen sich bezuglich des Vermögens, den 
Absorptionsstreifen des Cyanin nach Both zu schieben, stets 
in d^Reihenfolge ordnen wie es im Versuch auf dei yor- 
hergehenden Seite angegeben ist. 

4. Fuchsin. 

Die Untersuchung von Fuchsin erfordert grössere Vor- 
sicht. Zunächst ist sehr darauf zu achten, dass das Fuchsin 
nicht beim Zumischen eines anderen Lösungsmittels ausfällt. 
Das Ausfallen des festen Fuchsin geschieht zuweilen in so 
feiner Vertheilung, dass es schwer zu erkennen ist, ob man 
es noch mit einer wirklichen Lösung oder bereits mit festen 
in der Flüssigkeit schwebenden Partikelchen zu thun hat. 

Sodann hat Fuchsin nicht einen, sondern wie bereits 



244 Sitäung der nuUh.'phys. Ckuse vmn 7. Jtdi 1877, 

bemerkt, 2 Apsorptionsstreifen.*) Bei ganz schwacher Con- 
centration sieht man nämlich einen schmalen Streifen 
ziemlich in der Mitte zwischen D und E; wächst die Con- 
centration oder die Dicke der Schicht, so verbreitet sich 
derselbe nicht continnirlich nach Blau, sondern es tritt 
hinter E eine siärkere Verdunkelung auf, die von dem 
Dunkelheitsmaximum zwischen D und E durch einen etwas 
weniger dunklen Baum getrennt ist. Bei noch stärkerer 
Concentration verschmelzen die Streifen zu einem einzigen. 
Die Zweitheilung tritt bei allen Lösungsmitteln nicht mit 
gleicher Klarheit auf und ist es bei dem mehr oder minder 
scharfen Hervortreten derselben zuweilen recht schwer wirk- 
lich die Mitte der absorbirten Stelle einzustellen. 

Die Beobachtungen bei Fuchsin zeigten daher auch 
grössere Abweichungen unter einander als die Beobachtungen 
mit den anderen Substanzen. 

Es gelang mir indess doch mit ziemlicher Sicherheit 
durch geeignete Combination der Versuche die Reihenfolge 
festzustellen, in welche die Körper sich bezüglich der Lage 
der Mitte des Absorptionsstreifens anordnen. 

Bei jedem der nachfolgenden Medien der hier folgenden 
Beihe li^ die Mitte des Absorptionsmaximums weiter nach 
Both als bei dem vorhergehenden: 

Wasser, 

Methjlalalcohol, 

Aceton, 

Alcohol, 

Aether, 

Choroform, 

Amylalcohol, 

Ligroin, 

Benzol, 




Pogg' Annalen Bd. 145, pag. 79. 



Kundt: Einfl. d, LösungsmitteU a. d, Äbsorptionsspectra etc. 245 

Toluol, 

Cassiaol, 

Schwefenkohlenstoff. 

5. Ghinizarin. 

Das benutzte Chinizarin erhielt ich vom Herrn Prof. 
Baeyer. Es zeigt diese Substanz'*^) in ätherischer Lösung 
2 gut markirte Absorptionsstreifen, den ersten bei der Linie b, 
den andern mitten zwischen b und F und einen dritten 
matteren Streifen ungefähr bei F. 

Für die. Versuche wurde das Chinizarin in Chloroform 
gelöst, da sich die alcoholische Lösung bei Zusetzung von 
Aceton und Methylalcohol, vielleicht in Folge geringer Ver- 
unreinigungen dieser Körper, zersetzt. Die Lösung in Chloro- 
form zeigte die beiden ersten Absorptionsstreifen gut und 
deutlich. Beim Zusatz der anderen Mittel zu der Lösung 
in Chloroform war die Schärfe der Streifen sehr verschieden, 
mit Benzol und Toluol waren sie sehr matt und wenig her- 
vortretend mit Aether, Ligroin und CS , waren sie dagegen 
scharf markirt. ... 

Es wurde sowohl die Mitte der einzelnen Streifen, wie 
das Helligkeitsmaximum zwischen^ den dunklen Streifen ein- 
gestellt. 

Als Beleg für die Grösse der Verschiebungen mögen 
folgende 2 Versuche dienen. 

2ccin Chinizarin dn -Chloroform wurden mit 10*^*^"* der 
übrigen Lösungsmittel versetzt. Benutzt wurde das Thallium- 
prisma und der Messapparat vom Merz*schen Spectroscop. 

Das Helligkeitsmaximum zwischen den beiden ersten 
dunklen Streifen wurde eingestellt. 

Bezeichnet man die Mitte dieses Helligkeitsmaximums 
bei Znsatz von Methylalcohol mit 0.0, so war die Mitte 



*) Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft 1873 pag. 511 



246 SiUmng der math.-phya. Claase vom 7. Jtdi 1877. 

bei Zafagang der anderen Lösnngsmittel nm die folgenden 
Schraubentheile nach Roth gerückt: 

Methylalcohol • • • • 0.0 

Aceton 0.8 

Aether 2.6 

Alcohol 4.0 

Amylalcohol .... 6.3 

Chloroform 8.3 

Benzol 9.3 

Gaflsiaöl 11,3 

Schwefelkohlenstoff • . 20.5 
Bei dem folgenden Versuch wurde die Mitte des ersten 
danklen Streifens eingestellt. Es wurde die gleiche An- 
ordnung des Apparates wie oben benutzt, und wieder 2^^^ 
Ghinizarin in Chloroform mit 10^^ der übrigen Medien 
vermischt. Bezeichnet man die Mitte des Streifens bei 
Aceton mit 0, so war die Verschiebung nach Rotii bei den 
anderen Lösungsmitteln in Theilen der Trommel der Schraube 
die folgende: 

Aceton 0.0 

Aether 1.9 

Alcohol 3.0 

Ligroin 5.4 

Amylalcohol .... 6.1 

Chloroform 10.2 

Toluol 11.7 

Benzol 13.0 

Cassiaöl 16.7 

Schwefelkohlenstoff • • 21.2 

6. Eigelb. 

Der gelbe Farbstoff des Hühnereidotters wurde mit 
Chloroform ausgezogen. 

Bei schwacher Concentration sieht man zwischen E und 



Kundt: Einfl, d, Lösungsmittels a, d. Äbsarptionsspectra etc. 247 
13 einen wenig dunklen Streifen ; einen dunkleren gerade bei 

* * * _ 

F und einen ebensolchen etwa in der Mitte swischen F und 
O; noch weiter nach Violett zeigt sich die Andeutung 
eines 4. Absorptionsstreifens. Bei starker Concentration be- 
merkt man nur den Streifen zwisdhien E und b; der ganze 
blaue und violette Theil des Spectrums ist absorbirt. 

Setzt man zur Lösung in Chloroform die andern Los- 
ungi^ttel, so findet man auch hier, wie beim Ghinizarin 
ziemlich aufPällige unterschiede in der Ausdehnung der 
Absorptionsstreifen und der Helligkeitsyertheilung in den- 
selben. 

Beim Zusatz von Gassiaol ist zum Beispiel der Absorp- 
tionsstreifen zwischen b und E fast kaum zu erkennen. 

Bei einzelnen Versuchen wurde die Mitte eines der 
Absorptionsstreifen, bei anderen die Mitte des Helligkeits- 
maximnms zwischen 2 Absotptionsstreifen eingestellt. 

Die Reihenfolge in welcher die yerschiedenen Lösungs- 
mittel die Absorptionsmaxima nach Roth verschieben und 
die relative Grösse dieser Verschiebungen ergiebt sich aus 
folgendem Versuch: 

Es wurden 3^^°^ der Lösung des Eigelbfarbstoffes in 
Chloroform mit 6^^°^ der anderen Lösungsmittel versetzt. 
Es wurde die Mitte des Streifens bei F eingestellt. 

Benutzt wurde das Thalliumprisma und der Messapparat 
vom Merz^schen Spectroscop. 

Die Lage der Mitte des Streifens bei Methylalcohol ist 
mit bezeichnet. 
Es ergab sich: 

Methylalcohol .... 0.0 

Aceton 0.4 

Aether 3.1 

Alcohol 4.4 

Amylalcohol .... 6.0 
l^groin 7.0 



248 Sitzwng der math-phyg. Glasge vom 7. Jtdi 1877. 

Chloroform 7.5 

Toluol 10.2 

Benzol 11.9 

GassiaSl 23.2 

Schwefelkohlenstoff . • 41.2 



In der nachfolgenden tabellarischen üebersicht sind 
die sammtlichen Versuche zusammengestellt; unter jeder 
absorbirenden Substanz sind in einer vertikalen Columne 
die Lösungsmittel in der Reihe hingeschrieben, dass in jedem 
nachfolgenden der Absorptionsstreif weiter nach Roth li^ 
als in dem vorangehenden. — (Siehe Tabelle I). 

Aus dieser Zusammenstellung ersieht man, dass die 
Reihenfolge der Lösungsmittel f&r die verschiedenen absor- 
birenden Medien freilich nicht genau dieselbe ist, doch ist 
eine Uebereinstimmung der Yertikalcolumnen im Grossen 
und Ganzen nicht zu verkennen. 

Theilen wir die Lösungsmittel in 4 Gruppen, so stehen 
zu oberst stets Methylalcohol, Aceton, Alcohol, Aether, 
dann folgen als 2. Gruppe Chloroform, Amylalcohol,Ligroin; 
dann als dritte Abtheilung Toluol und Benzol und endlich 
als 4. Cassiaöl und Schwefelkohlenstoff. 

Innerhalb dieser 4 Gruppen kommen Vertauschungen 
der Lösungsmittel in den verschiedenen Vertikalcoluomen 
vor, so steht z. B. bei Chlorophyll Aether über Aceton, rückt 
dann bei Anilingrün, Cyanin und Fuchsin unter Alcohol 
und steigt bei Chinizarin und Eigelb wieder über Alcohol. 

Ebenso sind Chloroform und Amylalcohol mehrere Male 
vertauscht; bei Fuchsin steht Toluol unter Benzol während 
es sonst stets darüber steht. Es tritt indessen in keiner 
der Columnen eine Substanz aus dner der 4 Gruppen, in 
die wir allerdings ziemlich willkührlich die Medien theilten» 
in eine andere hinein. 

Aus der im Grossen und Ganzen vorhandenen üeber- 
einstinmiung der Yertikalcolumnen scheint jedenfalls zur 



Xitndl: Einfi, d. LössungsmitteU a. d, Äbtorpttonsspeclra etc. 249 



M 



250 



der wuUh.'phiß8, doste vom 7« Juli 1877. 



Genüge hervorzngehen , dass die Verscliiebimg der Ab- 
sorptionsstreifen nicht lediglich oder hauptsächlich durch 
chemische Wirkung der Lösungsmittel auf den Farbstoff, 
herYorgebracht ist; denn es ist kaum einzusehen, wie die 
Losungsmittel Farbstoffo yon der verschiedensten Zusammen- 
setzung übereinstimmend chemisch derartig yeraudem sollten, 
dass die absorptiven Eigenschaften dieser Farbstoffe so 
gleichmässige und allmahlig fortschreitende Veränderungen 
erlitten. Es müssen Tielmehr physikalische Eigenschaften 
der Losungsmittel sein, welche diese allmahlige Verschiebung 
bedingen. 

Von den physikalischen Gonstanten der Medien können 
hier nun nicht wohl andere als die Dichte, der Brechungs- 
exponent und die Dispersion in Betracht kommen. Die ge- 
nannten Gonstanten wurden daher ermittelt. 

Die Bestimmung der Dichte, wurde mit sehr guten 
Aräometern von Geissler in Berlin und Sekretan in Paris 
vorgenommen. 

Die Bestimmungen wurden bei circa 18^ Gels, aus- 
geführt und ergaben geordnet nach der Grösse: 

Tabelle n. 



D. 

Ligroin 0,687 

Aether 0,713 

Alcohol 0,800 

Methylalcohol . . . • 0,802 

Amylalcohol . . . . 0,819 

Aceton 0,846 

Toluol 0,871 

Benzol 0,885 

Wasser 0,997 

Gassiaol 1,035 

Schwefelkohlenstoff . • 1,272 

Chloroform .... 1,501 



r 



Kundt: Einfl. ä. Lömngsmitteis a. d. Äpsartiansspedra etc. 251 

Durch Vergleichimg dieser Tabelle mit der Tabelle 
Nr. 1 sieht man sofort, dass die Dichte des LösiiiLg^smitteli 
direct in keiner Weise f&r die Yerschiebnng der Absorp- 
tionsstreifen bedingend ist. Die Anschanang von Kraus'*') 
ist mithin, wie ich bereits früher angegeben habe, irrig. — 
Besonders Ligroin, und Chloroform sind in Bezug auf die 
Dichte Ton Interesse. Bei Benutzung von Ligroin müssten 
die Streifen einer absorbirenden Substanz sehr weit nach 
Blau, bei Benutzung von Chloroform sehr weit nach Roth 
gerfickt sein, sollte die Dichte des Losungsmittels allein 
massgebend sein. 

In Wirklichkeit zeigen die Absorptionsstreifen bei 
Anilingrnn, Gyanin, Fuchsin und Eigelb keine beträchtliche 
Verschiebung bei Yertauschung von Ligroin und Chloroform 
als Losungsmittel, während dagegen in den Alcoholen, die 
ein beträchtlich höheres specifisches Gewicht haben als Li- 
groin die Streifen weiter nach Blau und für Cassiaol und 
CS,, die eine wesentlich kleinere Dichte als Chloroform 
haben, die Streifen nach Roth geruckt sind. 

Ausser der Dichte wurde sodann Ton den Losungs- 
mitteln die Brechung und Dispersion bestimmt. Die Be- 
stimmung der Brechungsexponenten geschah mit einem 
grossen Spectrometer von Meyerstein. 

Die Flüssigkeiten wurden in Hohlprismen von Steinheil 
oder Meyerstein, deren Construction bekannt ist, einge- 
schlossen. 

Die Brechungsexponenten wurden bei einer mittleren 
Temperatur von 15^ f&r die Frauenhoferschen Linien A, 
a, B, C, D, E, b, F, G, H bestimmt. 

Aus den Werthen für B und O, bei Cassiaol for B 



Zur Kenntniss der Chlorophyllfarbstoffe pag. 53. 



252 SiUung der maih.'ph^8. Classe vom 7. Jtdi 1877. 

und D wiirden sodann unter Annahme der einfachen Dis- 
peredonsformel 

n = a + ^ 

die Constanten a und b berechnet. Zur Goatrolle wcurden 
mit Hülfe von a und b die Werthe von n für die übrigen 
Frauenhoferschen Linien berechnet. 

Hierbei ist ssn bemerken, dass eigentlich nur für die 
schwächer dispergirenden Substanzen die Anwendung der 
obigen Formel berechtigt ist, insofern nur bei ihnen die 
Differenz zwischen beobachteten und berechneten Brechun^s- 
exponenten 1 bis 2 Einheiten der 4. Decimale nicht über- 
schreitet, also sich nahe der Gränze der Beobachtungsfehler 
hält, während bei den stärker dispergirenden Medien (Tolaol, 
Benzol, Cassiaol, Schwefelkohlenstoff) die Differenz zwischen 
beobachteten und berechneten Werthen grösser ist, und in 
einigen Fällen bis zu 2 Einheiten der 3. Decimale wächst. 

Da es sich indessen für den vorliegenden Fall wesent- 
lich nur darum handelt die Medien nach der Grosse der 
Brechung und Dispersion zu ordnen und die oben genannten 
stärker dispergirenden Substanzen schon beträchtliche Unter- 
schiede in der Dispersion zeigen, wenn man die Brechungs- 
exponenten bei der 3. Decimale abbricht, so schien hier 
die Berechnung aller Beobachtungen nach der einfachen 
Formel 

n = a + ^ 

ausreichend zu sein. Als Wellenlängen wurden fßr die 
Rechnung die folgenden Werthe genommen: 

A 7604 

B 6868 

C 6560 

D 5880 

E 5269 



ST'- 



Kundt : Einfl. d. LösungsmitteU a. d. Äpsorfionsapectra ete, 253 

F 4860 

G 4306 

H 3967 

Die Werthe sind gegeben in Zehnmilliontel Millimeter. 

In derselben Längeneinheit ist in den folgenden Tabellen die 

Constante b aasgedrückt. # 

Ausser den Constanten a und b ist sodann noch das 

specifische Brechungsvermögen — =:r — und der Werth — jt— 

ausgerechnet. 

Für Wasser ist die Dispersion nicht bestimmt; ich 
habe für diese Substanz die Zahlen von WüUner genommen. 

Ich lasse nun zunächst die Dispersionsbeobachtungen, 
mit den Rechnungsresultaten folgen. Die Tabellen werden 
ohne weitere Erläuterungen verständlich sein. 

1. Hethylalcohol. 



• 


Beobachtet 


Berechnet 


A 


1,3290 


1,3291 


a 


1,3297 





B 


1,3302 


1,3302 


C 


1,3308 


1,3308 


D 


1,3326 


1,3323 


E 


1,3344 


1,3344 


b 


1,3348 




F 


1,3362 


1,3362 


G 


1,3394 


1,3394 


ü 


1,3421 


1,3422 



a = 1,32417 
b = 0,028320 
D = 0,802 

^ = 0,404 

a«— 1 



D 



= 0,940 



254 SiUtmg der malh.'phy$. Clane wm 7. Juli 1877. 



2. Acetoa. 



8. Aleohol. 



A 

a 
B 
C 
D 
E 
B 
P 
G 
H 



Beobachtet 



1,3577 
1,3584 
1;3591 
1,3598 
1,3617 
1,3641 
1,3645 
1,3662 
1,3702 
1,3785 



Bereclinet 



1,3577 



1,3591 
1,3598 
1,3617 
1,3641 



1,3663 
1,3702 
1,3735 





Beobachtet 


Berechnet 


A 


1,3596 


1,3596 


a 


1,3602 


— 


B 


1,3609 


1,3609 


C 


1,3615 


1,3615 


D 


1,3633 


1,3633 


E 


1,3656 


1,3656 


b 


1,3660 


— 


P 


1,3675 


1,3676 


G 


1,3713 


1,3713 


H 


1,3745 


1,3744 



a = 1,361187 
b = 0,034064 
D= 0,846 

^ = 0,416 

a*— 1 

-^ = 0,978 



a = 1,35409 
b = 0,031925 
D= 0,800 

^ = 0,445 

a«— 1 

-p- = 1,042 



Kundt : Einfi.d. Lötungsmittth a. d. Absorptionupeelra etc. 255 



4. Aether. 



5. Amylalcohol. 



A 

o 
B 
C 
D 
E 
b 
P 
G 
H 



Beobachtet 



Berechnet 



1,3550 
1,3558 
1,3565 
1,3573 
1,3594 
1,3618 
1,3626 
1,3641 
1,3681 
1,3713 



1,3551 



1,3565 
1,3572 
1,3592 
1,3617 



1,3640 
1,3681 
1,3715 





Beobachtet 


Berechnet 


A 


1,3989 


1,3991 


a 


1,3999 


— 


B 


1,4005 


1,4005 


C 


1,4012 


1,4013 


D 


1,4033 


1,4034 


E 


1,4059 


1,4060 


b 


1,4064 




F 


1,4082 


1,4084 


G 


1,4127 


1,4127 


H 


1,4158 


1,4163 



a = 1,34896 
b = 0,35500 
D= 0,713 



a— 1 
D 

D 



= 0,489 



= 1,149 



a = 1,39263 
b = 0,037211 
D= 0,819 



a— 1 
D 



a' 



D 



= 0,480 



= 1,147 



[1877. II. Math.-pbys. Cl.] 



17 



256 SiUtag Aer maXh.-fihy». Clatit vom 7. Juli 18 

6. UgTOiD. 7. Chlorofo 





Beobachtet 


Berechnet 




Beobachtet 


r 


A 


1,3857 


1,3857 




. 


" 


1,3865 


- 




B 


1,3872 


1,3872 




C 


1,3880 


1,3879 




D 


1,3900 


1,3900 




B 


1,3927 


1,3927 




b 


1,3932 


- 




P 


1,3951 


1,3951 




G 


1,3995 


1,3995 




H 


1,4031 


1,4031 




s = 1,37916 


B = 1,43584 


b = 0,37730 b = 0,46866 


D = 0,687 D = 0,501 


^ = 0,552 !=i = 0,290 




a'-l 

D 


1,313 




a'— I 
D ~ 


0,707 



Kundt : Einfl, d. Lösungsmittels a, d. Ahsorptionsspectra etc. 257 



8. Toluol. 



9. Benzol. 





Beobachtet 


Berechnet 


A 


1,4923 


1,4920 


a 


1,4939 




B 


1,4954 


1,4954 


C 


1,4970 


1,4971 


D 


1,5014 


1,5019 


E 


1,5074 


1,5081 


b 


1,5085 


— 


F 


1,5124 


1,5135 


G 


1,5235 


1,5235 


H 


1,5331 


1,5318 





Beobachtet 


Berechnet 


A 


1,4905 


1,4904 


a 


1,4923 


— 


B 


1,4939 


1,4939 


C 


1,4955 


1,4957 


D 


1,5002 


1,5008 


E 


1,5066 


1,5073 


b 


1,5078 


— 


F 


1,5124 


1,5130 


G 


1,5234 


1,5234 


H 


1,5329 


1,5321 



a = 1,47711 
b = 0,086031 
D = 0,871 

^ = 0,548 



a«— 1 
D 



= 1,356 



a = 1,47471 
b = 0,090338 
D = 0,885 

^^ = 0,537 

a«— 1 

—^ = 1,329 



17' 



258 



SiUtmg der wutk.-phjfi, Ckut» vom 7, JtiK 1877. 



10. GaMiftSl. 



11. Schwefelkohlenstoff. 





Beobachtet 


Berechnet 


A 


— 




B 


1,5659 


1,5659 


C 


1,5690 


1,5694 


D 


1,5780 


1,5793 


E 


1,5905 


1,5919 


b 


1,5910 


— 


P 


1,6029 


1,6029 


G 


— 


— 


H 




— 





Beobachtet 


Berechnet 


A 


1,6059 


1,6050 


a 


1,6094 


— 


B 


1,6122 


1,6122 


C 


1,6155 


1,6160 


D 


1,6248 


1,6263 


E 


1,6376 


1,6397 


b 


1,6401 


— 


P 


1,6494 


1,6497 


G 


1,6729 


1,6729 


U 


— 


— 



a = 1,52878 
b = 0,175138 
D= 1,035 



a— 1 
D 



= 0,511 



a = 1,57294 
b = 1,85412 
D= 0,1272 



a— 1 
D 



= 0,450 



a«-l 
D 



= 1,292 



a«-l 
D 



= 1,158 



Kundt : Einfl, d. Lösungsmittels a. d. Äbsörptionsspectra etc. 259 

Ordnet man auf Grundlage der vorstehendenBeobachtungen 
die 12 Lösungsmittel nach der Grösse des Werthes — :=r — - 

so erhalt man die Reihe: 

Chloroform 

Wasser 

Methylalcohol 

Aceton 

Alcohol 

Schwefelkohlenstoff 

Amylalcohol 

Aether 

Cassiaöl 

Benzol 

Toluol 

Ligroin. 
Ordnet man nach der Grösse des Werthes 

a«— 1 
D 
so erhält man die Reihe: 

Chloroform 

Wasser 

Methylalcohol 

Aceton 

Alcohol 

Amylalcohol 

Aether 

Schwefelkohlenstoff 

Cassiaöl 

Ligroin 

Benzol 

Toluol 
Beide Reihen zeigen nicht die mindeste üeberein- 
stimmung mit denColumnen der Tabelle I.^ in welcher die 



260 



Sitzung der math.'phya. Classe vom 7. Jtdi 1877. 



gabstanzen geordnet sind nach der Lage der Absorptions- 
streifen. 

Specifisches Brechungsvermögen oder brechende Erafl 
des Losnngsmittels ist also gleichfalls für die Verschiebung 
der Helligkeitsminima im Absorptionsspectrnm nicht be- 
dingend. 

Ordnet man die Lösungsmittel dagegen nach der Grosse 
der Gonstanten a und b, so erhält man die folgenden 
Reihen: 

Tabelle lU. 

b 



a 

Methylalcohol . . . 1.324 

Wasser 1.325 

Aether 1.349 

Aceton 1.352 

Alcohol 1.354 

Ligroin 1.379 

Amylalcohol . . . 1.393 

Chloroform . . . 1.436 

Benzol 1.475 

Toluol 1.477 

Cassiaol 1.523 

Schwefelkohlenstoff . 1.573 



Methylalcohol . . 0.0283 

Wasser .... 0.0305 

Alcohol .... 0.0319 

Aceton 0.0341 

Aether 0.0355 

Amylalcohol . . • 0.0372 

Ligroin .... 0.0377 

Chloroform . . . 0.0469 

Toluol 0.0860 

Benzol 0.0903 

Cassiaol .... 0.1424 

Schwefelkohlenstoff . 0. 1 854 



Diese beiden Reihen stimmen wenigstens im Grossen 
und Ganzen mit den Columnen der Tabelle I , welche ja 
selbst nicht völlig unter einander übereinstimmen. 

Wir theilten oben die Lösungsmittel in 4 Gruppen; in 
die erste fassten wir zusammen, Wasser, Methylalcohol, 
Alcohol, Aceton und Aether, in die 2., Ligroin, Amylal- 
cohol und Chloroform, in die 3., Benzol und Toluol, in die 
4. Cassiaol und Schwefelkohlenstoff; in dieselben 4 Gruppen 
können wir auch die Reihen der Tabelle III. theilen, in 
welcher die Medien nach der Grösse der Constanten a und 
b geordnet sind. 



Kundt: Einfl. d. Lösungsmittels a, d- Apsorptumsspectra etc, 261 

Man kann mithin als Resultat der ganzen Untersuchung 
den folgenden Satz aussprechen: 

Hat ein farbloses Lösungsmittel ein be- 
trächtlich grösseres Brechungs- und Disper- 
sionsvermögen als ein anderes, so liegen die 
Absorptionsstreifen einer in den Medien ge- 
lösten Substanz bei Anwendung des erstenMit- 
tels dem rothen Ende des Spectrums näher als bei Be- 
nutzung des zweiten. 

Ein Medium, welches ein beträchlich grösseres Brech- 
ungsvermögen hat als ein anderes, besitzt in den meisten 
Fällen auch ein grösseres Dispersionsvermögen ; es wird sich 
experimentell daher sehr schwer entscheiden lassen, ob das 
Brechungs- oder Dispersionsvermögen einer Substanz das 
Maassgebendefür die Verschiebung des Absorptionsstreifens ist. 

Die Betrachtungen die ich in meiner Mittheilung im 
Jubelband von Poggendorffs Annalen (1. c.) andeutete, hatten 
mich zu der Ansicht geführt, dass das ungleiche Disper- 
sionsvermögen der Medien für die beobachteten Verschieb- 
ungen der Streifen massgebend sei. 

Wie bereits bemerkt unterlasse ich es vorläufig die 
dort angedeuteten Anschauungen weiter auszuführen, da 
eine ganz strenge und in allen Fällen gültige Beziehung 
zwischen Brechung und Absorption in den oben mitge- 
theilten Versuchen nicht zu Tage tritt. 

Bei meinen ersten Versuchen (Pogg. Jubelband 1. c) 
hatte ich nur Substanzen angewendet, die beträchtliche 
Verschiedenheiten des Dispersions Vermögens zeigen. Da- 
mals konnte ich daher aussprechen, dass die bisherigen 
Versuche meiner Ansicht über Zusammenhang zwischen 
Dispersion der Lösungsmittel und Verschiebung der Ab- 
sorptionsstreifen vollständig bestätigten. 

Schliesslich will ich noch bemerken, dass ich ausser 
den oben behandelten 5 Farbstoffen noch eine Anzahl an- 



262 SitMung der Mo^pAys. Clam wm 7. Juli 1877. 

derer in Yemchiedenen Lösungsmitteln untersacht liabe. 
Ich £Emd stets, dass dasjenige Lösungsmittel, welches ein 
betrachlich grösseres Brechungs- und Dispersionsyermögen 
als ein anderes besitzt, die Absorptionsstreifen weiter nach 
Roth Terschiebt als letzteres. 

Zur Demonstration der Verschiebung der Streifen eignet 
sich besonders gut übermangansaures EaU und schwefel- 
saures Didym. Man erhalt eine sehr deutliche Verschieb* 
ung, wenn man den wassrigen Lösungen dieser Salze Glj- 
cerin zusetzt. 

Ich habe noch zu ermitteln versucht, ob eine Ver- 
schiebung eines Absorptionsstreifens auftritt, wenn gleich- 
zeitig mit dem absorbirenden Farbstoft ein anderer farbloser 
Körper in einer Flüssigkeit gelöst wird. 

Ichgoss zu dem Ende wässrige Fuchsinlösungen mit wass- 
rigen Lösungen solcher Salze zusammen, welche ohne chemische 
Einwirkung auf das Fuchsin sind. 

Es wurde wohl zuweilen eine Verschiebung beobachtet, 
doch war dieselbe immer sehr klein. Eine grosse Ver- 
schiebung wird man allerdings auch nicht erwarten können^ 
da Brechung und Dispersion der benutzten Salzlösungen 
von der des reinen Wassers nicht sehr verschieden sind. 



J. Lehmann: Verhaiten der Müch auf Thonplatten etc. 263 



Herr v. Pettenkofer legt vor und bespricht nach- 
stehende Abhandlang: 

„Vorläufige Mittheilung über das Ver- 
halten der Milch auf Thonplatten und 
über eine neue Methode der Gasein- 
und Fettbestimmung in der Milch/^ 

Von Prof. Dr. Julius Lehmann. 

Ein Jeder, der die bereits sehr zahlreichen, zur Prüf- 
ung der Milch vorgeschlagenen Methoden einer mit wissen- 
schaftlicher Schärfe durchgeführten Controle unterworfen 
hat, ist zu der Erkenntniss gelangt, dass von allen den- 
selben nur die quantitative chemische Analyse im Stande 
ist, über die Qualität der Milch derartig zu entscheiden, 
dass dadurch nicht allein den Zwecken der Wissenschaft, 
sondern auch — und zwar bei streitigen Fällen von Milch- 
falschungen — auch den der Gerichtsbehörden sichere An- 
baltspuncte geboten werden können. 

Leider ist jedoch die bisherige Art der Milch-Analyse 
sehr umständlich und zeitraubend, und gerade dieser Uebel- 
stand verursacht eine in physiologischer und sanitätspolizei- 
licher Hinsicht viel geringere Anwendung derselben, als 
nach beiden Richtungen erforderlich wäre. Denn un edingt 
erforderlich wäre eine vermehrte Anwendung, um einestheils 
die so nothige Eenntniss der innerhalb und ausserhalb des 
thierischen Organismus auf die Zusammensetzung der Milch 



264 SiUung der wath.-phyb Claste vom 7, JtUi 1877, 

wirksamen Factoren betrachtlich zu erweitern, andemtheils 
aber auch der Controle des Miichmarktes denjenigen Grad toh 
Sicherheit zu geben, welchen sie zn ihrer gewissenhaften 
und erfolgreichen Ausübung bedarf. 

Bei den yerh&ltnissmassig wenigen Arbeitskräften, die 
den meisten physiologischen und sanitatspolizeilichen Tnsii- 
tuten zur Verfügung stehen, dürften daher Wissenschaft und 
Praxis auf die Losung jener wichtigen Aufgaben noch lange 
Zeit vergeblich zu warten haben. Ganz anders und viel vor» 
theilhafter würde sich dies gestalten, wenn es gelänge, die 
Methode der Milch-Analyse wesentlich zu vereinfachen, ohne 
jedoch dadurch der Exactheit der Resultate irgendwie Ein- 
trag zu thun. 

Von dieser Ansicht geleitet, habe ich mich längere Zeit 
mit dahin einschlägigen Untersuchungen beschäftigt und werde 
weiter unten den Beweis liefern, dass dies nicht ohne Er- 
folg geschehen ist. 

Ich bin hierbei von einzelnen, von mir angestellten Ver- 
suchen über dad Verhalten der Milch auf gebrannten , po- 
rösen Thouplatten ausgegangen. Sie hatten ergeben, dass 
von der Milch, welche vermittelst einer Pipette oder eines 
Spritzglases in einer zusammenhängenden Schicht bis unge- 
fähr zu 2°*™' Stärke langsam auf solche Platten aufgetragen 
wird, nach Verlauf von 1 bis 2 Stunden ein scharf abge- 
grenzter, consistenter , schwach gelblich gefärbter, fett- 
glänzender Beleg zurückbleibt. Derselbe lässt sich mit einem 
scharfen Hornspatel von der Platte in der Form feiner, durch- 
scheinender Lamellen sehr leicht vollständig abtrennen. Schon 
nach einigem Stehen an nicht zu feuchter Luft, noch mehr 
aber beim Trockenen über Schwefelsäure werden dieselben 
so spröde, dass sie sich zwischen den Fingern zerbrechen las- 
sen. Unter Einfluss von einigen 30® C. Wärme schwitzt Fett 
aus den Lamellen und überzieht deren ganze Oberfläche. 
Nach dem Auswaschen mit Aether bleibt eine weisse, durch- 



J. Lehmann: Verhalten der Milch auf Thanplatten etc. 365 

soheinende, leicht pulverisirbare Masse zurück. Dieselbe be- 
steht, nachdem sie vom Fett befreit ist, aus aschehaltigem 
Casein und sehr geringen Antheilen von Albumin und Milch- 
zucTser. 

Vermittelst Tbonplatten lässt sich daher das Casein und 
Fett von dem Serum der Milch trennen.^) Weiter hat 
sicli bei meinen Versuchen über das Verhalten der Milch 
auf Thonplatten die bemerkenswerthe Thatsache herausge- 
stellt , dass auf diese Weise das Casein sich mit den näm- 
liehen Eigenschaften abscheidet, wie das durch Lab gefällte. 
Mit Wasser verrieben, quillt es zu einer weichen, flockigen 
Masse auf, die beim Filtriren durch Fliesspapier zurück- 
bleibt. Nur mit Ealkwasscr geht es wieder in den Zustand 
über, in welchem es ursprünglich in der Milch enthalten 
war. Es läuft dann mit dem Wasser durch das Filter und 
läfist sich mit Essigsäure in Flocken ausfällen. Enthält das 
Casein noch die Fettmengen, mit welchen es auf Thonplatten 
zurückgeblieben war, dann bildet es mit Ealkwasser ver- 
rieben wieder eine der Milch ganz ähnliche Flüssigkeit. 

In diesem, sowie in dem mit Lab ausgeschiedenen Ca- 
sein sind gleich grosse Aschenmengen, und zwar im Durch- 
schnitt 8,5 Proc, während in dem mit Essigsäure gefällten 
Casein nur 1,8 Proc. Asche enthalten sind. In dem letzteren 
Casein ist der Hauptbestandtheil Dihydrocalciumphosphat, in 
den ersteren beiden Caseinen neutrales Tricalciumphosphat. 
Ueber die specielle Zusammensetzung dieser Aschen und über 
deren Einfluss auf die Eigenschaften des einen und anderen 
Caseins werde ich später ausführlich berichten. 

Die obigen, über das Verhalten der Milch auf Thon- 
platten gemachten Beobachtungen dürften noch insofern 



1) Vgl. auch F. W. Zahn*s Versache über die Filtration der Milch 
darch Thonzellen unter Druck. Archiv für die gesaramte Physiologie von 
Pfluger, Bd. II. S. 590. 



"1 



266 Sittung der matA.-pfti/s. Ctasst vom 7. Juli 1877. 

vou einigem Interesse sein, als sie die in neuerer Zeit 
von Hoppe- Seyler, Soxbiet und Hammarsten angespro- 
chene Ansicht, dass das Casein in der Milch nicht in 
einem gelösten, sondern nor in einem stark aufge- 
quollenen Znstande enthalten sei, bestätigen. Denn wäre 
das Casein gelöst, so mflsste es ebenso wie das Albu- 
min mit dem Sernm von den Thonplatten aufgesan^ 
werden. Dies findet aber nicht statt. Das Casein bleibt, 
wie ich weiter unten bestimmt beweisen werde, selbst anf 
verhältnissmSssig recht porösen Thonplatten vollständig za- 
räck, während das Albumin eingesaugt wird. Man könnte 
zwar hierbei den Einwurf machen, dass dos Casein nicht 
durch seine in der Milch unlösliche Fonn, möglicherweise 
aber durch das Bntterfett auf der Oberfläche zurückgehalten 
werde. Dieser Einwurf wird jedoch schon dadnrch hin- 
iallig, dass dann das Fett in gleicher Weise auf das Albn- 
min einwirken mnsste, was jedoch nicht der Fall ist. 

Femer geben die obigen Beobachtungen über das Fett 
in dem Rückstand auf Thonplatten Veranlassung, die Fett- 
''Igelchen in der Milch als, frei von einer festen 
ülle anzunehmen, weil schon bei gerii^er Wärme das 
^tt aus den Lamellen ausschwitzt und sich mit Aether leicht 
Bwaschen läset. Würden die Milchkügelchen eine Hülle ha- 
n, so könnte eine derartige Erscheinung nicht eintreten; sie 
issten sieh dann in dem Thonplattenrückstand gegen Wärme 
d Aether ebenso renitent verhalten, wie sie dies in der Milch 
[in. Ich hoffe, durch weitere Untersuchung dieses Thoa- 
ittenrückstandes die Natur der Milchkügelchen mit Sicher- 
it feststellen zu können. 
' Daa ganze Verhalten der Milch auf Thonplatten führte 
ch nun zu der Ansicht, daas es wohl möglich sei, darauf eine 
ue Methode der quantitativen Bestimmnag des in der Milch 
thaltenen Caseins und Fettes zu gründen. Das erste Er- 
idemiss hierzu war die Ausfündigmaehung von Thonplatten, 



/. Lehmann: Verhalten der Müch auf ThOfiplatten etc, 267 

deren Poren das Seram, aber nicht die Milchkügelchen und 
das Casein durchlassen, und die ausserdem so glatt auf 
ihrer Oberfläche sind, dass sich davon der Rückstand mit 
quantitativer Genauigkeit ablösen lässt. Von diesen Be- 
dingungen musste vor Allem der Erfolg abhängig sein. 

Die Milchkügelchen haben nach den Untersuchungen ver- 
schiedener Forscher einen Darchmesser von 0,001 bis 0,025 
Millimeter. Es müssen daher die Poren der Thonplatten so 
fein sein, dass sie die kleinsten Milchkügelchen nicht ein- 
sangen können. Trotzdem ich Thonplatten von den ver- 
schiedensten Firmen bezogen, habe ich bis jetzt nur von 
einer dieser Firmen einzelne Platten erhalten, welche den 
Anforderungen vollständig entsprachen. Mit diesen Platten 
wurden dann aber auch ganz exacte analytische Resultate er- 
zielt. Damit ist immerhin der Beweis geliefert, dass es 
überhaupt möglich ist, Platten von geeigneter Beschaffenheit 
zu obigem Zwecke herzustellen. Ausserdem werden auch zu 
poröse Platten nachträglich noch mit einem üeberzug ver- 
sehen werden können, welcher ihnen die zweckentsprechende 
Beschaffenheit ertheilt. 

Die Ausführung meiner Methode der Bestimmung des 
Caseins und Fettes in der Milch besteht in Folgendem: 

Geeignete Thonplatten werden, nachdem sie einige Zeit 
bis auf oder über 100^ erhitzt und wieder abgekühlt worden 
waren, bei schräger Haltung auf der glatten Oberfläche mit 
einem dünnen Strahl Wasser schnell übergössen und auf 
ein verhältnissmässig weites Glasgefäss gesetzt, dessen Bo- 
den mit einer dünnen Schicht conc. Schwefelsäure be- 
deckt ist. Die zu untersuchende Milch wird dann, nach 
vorheriger Verdünnung mit genau der gleichen Gewichts- 
menge destillirten Wassers, vermittelst eines kleinen Spritz- 
glases vorsichtig und in vollem Zusammenhange auf den 
mittleren Theil der Platte aufgetragen und, um Verdampf- 




268 Sitzung der maiK-phys, Ciasse vom 7. Juli 1877. 

ang zu vermeiden, mit einem glattrandigen Glasschälchen 
bedeckt. *) 

Zur Bestimronng des Gewichtes der zu nntersnoliendeii 
Milch wird vor nnd nach ihrem Auftragen das Spritzglas 
gewogen. Es genügen circa 9 — 10 grm. verdünnter Milch, 
nm ein ganz sicheres analytisches Resultat zu erhalten. 
Damit man einen Anhaltspunct habe, nicht viel mehr oder 
weniger Milch zu nehmen, habe ich Spritzgläser in Cnbik- 
ceutimeter-Theilnng mit eingebrannten, schwarzen Linien 
herstellen lassen. 

Das Serum von der oben angegebenen Menge ver- 
dünnter Milch wird schon nach Verlauf von 1 — 2 Stunden 
derartig von der Platte eingesogen, dass man den aus Ca- 
sein nnd Fett bestehenden Rückstand vermittelst eines von 
mir zu diesem speciellen Zweck angegebenen und hier ange- 
fertigten starken, an der unteren Seite gut zugeschärften 
Hornspatels abnehmen und in ein- gewogenes Uhrschälchen 
bringen kann. Dieser Rückstand wird dann bei 105® C. im 
Luftbade getrocknet — was stets nach 2 Stunden vollständig 
erfolgt ist — und gewogen. Man erhält auf diese Weise die 
gesammte Menge Gasein und Fett als Trockensubstanz. Um 
darin jene beiden Bestandtheile getrennt su bestimmen, wird 
die Trockensubstanz, ohne sie vorher pulverisirt zu haben, ver- 
mittelst einer Pincette auf ein gewogenes, bei 105^ getrock- 
netes Filter gebracht und zuerst mit einer kleinen Menge 
Aether abgewaschen. Ist dies geschehen, so bringt man 
sie in einen kleinen , glatten, mit Ausguss versehenen 
Glasmorser und pulverisirt sie unter Einfluss einiger Tropfen 
absoluten Alcohols aufs feinste, setzt nun Aether zu, spült sie 
damit auf das Filter und wäscht sie bis zu ihrer voll- 
ständigen Befreiung vom Fett aus. Nach Verdampfung des 

2) Diese Operationen sind zar vollständigen Absaugung des Seroms 
unbedingt erforderlich. Theilweise Verdampfung der Milch an freier 
Luft ist zu vermeiden. 



J. Lehmann: Verhalten der Milch auf Thonplatten etc, 269 

abfiltrirten, alcohollialtigen Aethers bleibt in dem vorher 
gewogenen Eölbchen das Fett zarück, was nach geniigendem 
Austrocknen gewogen wird. 

um das Ca sein zu bestimmen, braucht man nur das 
Filter plus Rückstand wieder bei der oben angegebenen Tem- 
perator so lange auszutrocknen, bis es nicht mehr an Ge- 
wicht verliert. Da aber in dem Casein noch ziemlich be- 
trächtliche Anfheile von Asche enthalten sind, so muss auch 
diese speciell bestimmt und in Abrechnung gebracht werden. 
Das auf angegebene Weise erhaltene Casein ergibt bei der Ver- 
brennung mit Natronkalk, auf aschefreie Substanz berechnet, 
im Mittel 15,57 Proc. Stickstoff. Bei vergleichenden Ver- 
suchen mit der Methode von Hoppe-Seyler wird nach der 
meinigen stets etwas mehr Casein erhalten und zwar um so 
viel mehr, als nach jener Methode durch Auswaschen des 
mit Essigsäure erzeugten Niederschlags wieder löslich wird. 
Ausserdem sind, wie ich .gefunden habe, in dem Casein nach 
Hoppe-Seyler stets im Durchschnitt noch 1,8 Proc. Asche, 
welche man bis jetzt gar nicht berücksichtigt hatte. 

In wie weit die neue Art der Bestimmung des Fettes 

ond Caseins geeignet ist, den analytischen Anforderungen zu 

entsprechen, wird aus beifolgender Zusammenstellung der 

Besnltate ersichtlich werden^ welche ich bei der Untersach- 

nng verschiedener Milchproben sowohl nach meiner als auch 

gleichzeitig nach der bis jetzt allgemein üblichen Methode ^) 

erzielt habe. 

A. Fettbestimmungen 

in den nach der gewöhnl. auf Thonplatten von ge- niffiai.ii«» 

Milchpr. Methode eigneter Porosität ^inerenz 

II 2,97 Proc. 3,01 Proc. plus 0,04 

IP 2,04 „ 1,99 „ minus 0,05 

m 3,58 „ 3,58 „ — — 

IIP 3,30 „ 3,26 „ minus 0,04 

3) Fettbestimmungen durch Eindampfen der Milch mit Seesand oder 
Marmorpulver, Trockenen des Bückstandes bei 100^ C. und 6 stündiges 



270 Sügung der math.'phys, Clasu vom 7. Jtäi 1877. 

Fettbestimmnngen 

in den nach der g^ewöhnl. auf Thonplatten Ton z n n;A>i-»nv 
Milchpr. Methode grosser Porosität i^merenz 

I 2,92 Proc. 2,28 Proc. minus 0.64 

IV 3,10 „ 2,47 „ „ 0,63 

V 3,24 „ 2,46 „ „ 0,78 

VI 3,10 „ 2,73 „ „ 0,37 

Beim Vergleich der beiden vorderen Zahlenreihen der 
ersten Abtheilung ¥rird ersichtlich, dass die auf zweckent- 
sprechenden Thonplatten erzielten Resultate im Vergleich 
zu den nach der gewöhnlichen Methode erhaltenen kaum 
beachtenswerthe Differenzen ergeben. Aber auch diese werden 
sich — wenn es überhaupt noch nothig sein sollte — durch 
weitere Ausbildung meiner Methode yermeiden lassen. 

B. Caseinbestimmungen 

in den Milchproben nach . auf 

No. Hoppe-Seyler . Thonplatten Differenz 

I 2,85 3,11 Proc. plus 0,26 

II 2,52 2,93 „ „ 0,41 

III 2,42 3,04 „ „ 0,62 

IV 2,36 2,51 „ „ 0,15 
V 2,43 2,49 „ „ 0,06 

VI 2,24 2,53 „ „ 0,29 

Demnach wird auf Thonplatten stets eine grossere Ca- 
seinmenge gefunden, als durch Ausscheidung mit Essigsäure; 
es fragt sich daher, welche Resultate die richtigeren seien. 
Um darüber entscheiden zu können, schien es mir erforder- 
lich, den Stickstoffgehalt der Trockensubstanz der einzelneu 

Ausziehen desselben mit Aetber im Yerdrängnngsapparat mit Bückfloss- 
kühler. 

Caseinbestimmungen durch Ausfiällen mit Essigsäure nach Hoppe- 
Sejlers Vorschrift (Handbuch der physiologisch- und pathologisch-chemi- 
schen Analyse von demselben^ 4. Auflage, S. 434), jedoch mit dem Unter- 
schiede, dass noch die Asche im Casein bestimmt und in Abrechnung 
gebracht wurde. 



J. Lehmann: Verhalten der Milch auf Thanplatten etc, 271 



Milchproben und in den letzteren gleichzeitig auch das Al- 
bumin und imPiltratvon diesem den restirenden Stick- 
stoff^) zu bestimmen. Berechnet man nach diesem analy- 
tischen Befund das Casein zu 15,7 Proc. Stickstoff und das 
Albumin zu 15,5 Proc, addirt die auf diese Weise gefundenen 
Mengen Stickstoff zu den restirenden, so muss sich annähernd 
dieselbe Menge Stickstoff wie bei der directen Bestimmung 
des gesammten Stickstoffs in der Milch ergeben. Ich habe 
dies mit vier der obigen Milchproben durchgeführt: 

nach Hoppe-Seyler If^'ff «JThOn* Stickstoff 



Milchpr. 

I. Casein .... 2,85 = 0,447 
Albumin . . . 0,330 = 0,051 
Restird. Stickstoff 0,055 

Stickstoff in Summa = 0,553 > 

Stickstoff '^) in der Milch = 0,5»9 „ 
Differenz .... minus 0,046 ^/o 
IL Casein .... 2,52 = 0,396 
Albumin . . . 0,327 = 0,051 
Restird. Stickstoff = 0,055 

Stickstoff in Summa = 0,502°/o 

Stickstoff in der Milch . = 0,620 „ 
Differenz .... minus 0,118% 
III. Casein .... 2,42 = 0,379 
Albumin . . . 0,66 
Restird. Stickstoff 
Stickstoff in Summa 
Stickstoff in der Milch . 
Differenz .... minus 0,054^/o 



3,11 = 0,488% 
. . . 0,051 „ 
. . . 0,055,, 



0,594% 
0,599 „ 



minus 0,005% 
2,93 = 0,460o/o 
. . . 0,051 „ 
. . . 0,055 „ 
. . . 0,566% 
0,620 ,, • 



= 0,102 
= 0,050 
. 0,531% 
. 0,585.,, 



minus 0,054 „ 
3,04 = 0,477> 
. . = 0,102,, 
. . = 0,050,, 
. . . 0,629°/o 
. . . 0,585 „ 



plus 0,0440/0 



4) Der Stickstoff im Filtrat Tom Albumin ist jedenfalls in der 
Form von Peptonen und in Spuren als Harnstoff, Kroatin, Kreatinin, 
Lencin und Tjrosin ursprünglich in der Milch enthalten. 

5) Der Stickstoff in der Milch wurde durch Verbrennen der Milch- 
trockensubstanz mit Natronkalk hestimmt. 

[1877. II. Math.-phys. CIJ 18 



272 Sitgung der math.'phys, Clasae vom 7. JvHi 1877. 



Milchpr. nach Hoppe-Seyler °Voff "pMten 


Stickstoff 


IV. Casein .... 2,24 = 0,352 2,53 


= 0,397"/o 


Albumin . . . 0,67 = 0,104 . . 


- 0,104,, 


Bestird. Stickstoff = 0,040 . . 


= 0,040,, 


Stickstoff in Summa = 0,496 > . . 


. 0,54 1> 


Stickstoff in der Milch . = 0,530 „ . . 


. 0,530 „ 



Differenz .... minus 0,034^/o . plus 0,01 1> 

Aus diesem analytischen Befund und den darauf basirten 
Berechnungen wird ersichtlich, dass beide Methoden der Ca- 
seinbestimmung ganz befriedigende Resultate ergeben. Denn 
nach Hoppe-Seyler betragen die Differenzen zwischen dem 
direct bestimmten und dem durch Berechnung gefundenen 
Stickstoff 0,034 bis 0,118 Proc, im Mittel 0,063 Proc, 
nach meiner Methode jedoch nur 0,005 bis 0,054 Proc, im 
Mittel 0,028 Proc. Stickstoff. 

Wenn berücksichtigt wird, welcher Zeitaufwand seither 
nöthig war, um das Gasein und Fett in der Milch quan- 
titativ zu bestimmen, so lässt sich annehmen, dass meine 
in yerhältnissmässig sehr kurzer Zeit auszufahrende Me- 
thode in physiologischen, agriculturchemischen und sanitäts- 
polizeilichen Laboratorien die allgemeinste Anwendung fin« 
den werde. 

Anmerk. Sobald zweckentsprechende Thonplatten an- 
gefertigt sein werden, soll die Pinna, von welcher dieselben, 
sowie die übrigen, zur genauen Durchführung der neuen 
Methode nöthigen Geräthschaffcen bezogen werden können, 
bekannt gegeben werden. D. V. 



ErUnmeyer: 1) Ueber Paramethoxyphenylglycölsäure etc. 273 



Herr Erlenmeyer spricht: . 

1) „Ueber Paramethoxyphenylglycolsäureund 
Paramethoxyphenylglycocoll. 

Die Studien über die Bildung der Hydroxy- und Amido- 
säuren aus Aldehyden resp. deren Ammoniakverbindungen, 
welche ich früher in ^er Fettreihe' yorgenommen, habe ich 
jetzt auch auf die aromatische Beihe ausgedehnt. 

Anismandelsäure, Paramethoxyphenylglycolsäure. 

Die Hydroxysäure , welche zu dem Benzylaldehyd in 
derselben Beziehung steht, wie die Milchsäure zum Aethyl- 
aldelyd, die sogenannte Mandelsäure^ lässt sich durch Er- 
hitzen von Bittermandelöl mit Blausäure und Salzsäure leicht 
gewinnen. Bisher war es aber nicht gelungen, in derselben 
Weise aus dem Anisaldehyd die entsprechende Hydroxysäure 
darzustellen. Ich habe desshalb Herrn Dr. Schäuffelen ver- 
anlasst, von Neuem Versuche zur Bildung der Anismandel- 
säure vorzunehmen. 

Es wurde zunächst versucht, durch Vereinigung der Blau- 
säure mit dem Anisaldehyd das Nitril der gesuchten Säure 
darzustellen. 

In eine ätherische Losung von Anisaldehyd wurde ein 
Ueberschuss von absoluter Blausäure eingetragen und die 
Mischung 2 Tage an einem massig warmen Ort sich selbst 
überlassen. Nach freiwilligem Verdunsten des Aethers und 

18* 



274 Siiiung der math.-phya. Claue vom 7. Juli 1877. 

der überschüssigen Blausaare blieb eine ölige Flüssigkeit, 
die beim Abkühlen and Rühren krystallinisch erstarrte. Die 
darch Umkrystallisiren gewonnenen farblosen Nadeln schmol- 
zen bei 63®, lösten sich schwer in Wasser, aber leicht io 
Aether and in Alkohol and hatten die Zasammensetzang 
C9 H, NO, oder CH. — - C. E, - CHOH - CN. 

üeber seinen Schmelzpunkt erhitzt zerfallt dieses Hy- 
droxynitril in Anisaldehyd und Blausäure und mit Höllenstein- 
lösung erwärmt giebt es einen Niederschlag von Gyansilber. 

Mit Salzsäure am aufsteigenden Kühler gekocht, yer- 
wandelt es sich unter Bildung Ton Salmiak in eine braune 
Harzmasse, die aus einer Sodalösung Kohlensäure entbindet 
und sich auflöst. Salzsäure fallt aus dieser Lösung einen 
amorphen Niederschlag vom Aussehen des Thonerdehydrats, 
dier beim Verweilen über Schwefelsäure in ein Esteranehydrid 
überzugehen scheint. Die Analyse des Baryumsalzes, das 
ebenfalls nicht krystallisirt ist, ergab die Zusammensetzung 
C18 H18 Ba Oa oder 

CH, - -- C,H, — CHOH - COO ^ 
CHs — — C, H4 ^ CHOH — CO 0^ ' 



ParamethoxyphenylglycoGoll. 

Die Aldehyde der aromatischen Reihe bilden bekannt- 
lich nach folgender Gleichung, worin B ein aromatisches 
Badical bedeutet, mit Ammoniak die sogenannten Hydramide: 
(R — CH.O). + (NH,) 2 = (H, 0), + (R - CH), N, 
Es war nun interessant zu versuchen, ob sich mit den 
Hydramiden nicht Blausäure in folgender Weise verbinden 
lasse: 

CN 

R-CH^T^ HCN R-CH^T^„ 

R — CH^N HCN R — CH^^^ 

CN 



Erlenmeyer: 1) üeher Paramethoxyphenylglycoisäure etc, 275 

Wenn diess der Fall, so konnte man erwarten, dass 
solche Diimidodinitrile sich durch Aafnahme Ton Wasser- 
bestandtheilen in 2 Mol. Gew. einer Amidosäure nnd 1 Mol. 
Gew. Aldehyd umsetzen würden: 

CN +(H,0), CO. +NH8 

R - CH R — CH - NH, 

TT >N^ 

II. R_CH +H,0 =R-CH.O 

>NH 

R — CH R — CH — NH, 

I I I 

CN +(H,0), CO. 

Ich habe Herrn Dr. Schäuffelen veranlasst, mit dem 
Anishydramid die entsprechenden Versuche anzustellen. Es 
zeigte sich, dass die Blausäure in der That nach Gleichung 
I mit dem Anishydramid zu einem Diimidodinitril zusammen- 
tritt, welches in gut ausgebildeten farblosen Erystallen von 
dem Schmelzpunkt 85^ erhalten werden kann. Beim Be- 
handeln desselben mit Salzsäure scheint zunächst eine Du- 
midosäure zu entstehen, die sich aber bis jetzt nicht 
festhalten liess, da sie sich leicht weiter zersetzt in Amido- 
säure- und Anisaldehyd, wie es in Gleichung II angenom- 
men ist. 

Die dabei entstehende neutral reagirende Amidosäure 
ist nach der Analyse zwar gleich zusammengesetzt mit dem 
Tyrosin C9 Hn NOg, zeigt aber andere Eigenschaften. 

Bei etwa 153^ schmelzen die von den Tyrosinkrystallen 
sehr verschiedenen Prismen der neuen Amidosäure zu harz- 
artigen Tropfchen, welche sich bei stärkerem Erhitzen bräu- 
nen und zunächst einen aromatischen, an Anisaldehyd er- 
innernden Geruch entwickeln. Erst bei weiterem Erhitzen 
findet unter Ausstossung alkalisch reagirender, nach ver- 
branntem Hörn riechender Dämpfe Verkohlung statt. Mit 



276 Sitsung der maüh.'phys. Classe vom 7. JuU 1877. 

salpetersaurer Qaecksilberoxydlösung bei G^enwart von et- 
was salpetriger Säure gekocht, treten ganz andere Erschein- 
uDgen auf, als sie das Tyrosin zeigt, es entstellt weder ein 
rother Niederschlag, noch zeigt die Flüssigkeit eine rothe 
Färbung. 

Mit Salzsäure bildet die Amidosäure eine krystallisirte 
sauer reagirende Verbindung von der Zusammensetzung 
C, Hl, Cl NO,. 

Ich bemerke zum Schluss, dass die Untersuchungen von 
Laurent, von Laurent und Gerhardt, von Reinecke und 
Beilstein u. A. über die Einwirkung von Blausäure und 
Salzsäure oder auch alkoholischer Blausäure ohne Salzsäure 
auf Hydrobenzamid zu Resultaten gefuhrt haben, welche ich 
im Hinblick auf die Ergebnisse der von Schäu£Pelen mit Anis- 
hydramid angestellten Versuche nicht zu deuten vermag, ich 
lasse desshalb dieselben Versuche auch mit Benzhydramid und 
anderen Hydramiden ausführen. 



2) „lieber polymerisirten Zimmtsäureäthyl- 
ester." 

Schon vor 10 Jahren hatte ich beobachtet, dass Zimmt- 
säureäthylester nach längerem Aufbewahren in eine pracht- 
voll grün und roth opalisirende Gallerte verwandelt wird. 
Ich habe seitdem öfber Zimmtsäureäthylester darstellen lassen 
und gefunden, dass alle Präparate früher oder später gela- 
tinirten. Auch der von Dr. v. Miller aus flüssigem Storax 
gewonnene Zimmtsäureäthylester zeigte diese Eigenschaft. 
Doch ist bis jetzt keines von den Präparaten, selbst nach 
10 jährigem Aufbewahren, vollkommen fest geworden, wäh- 
rend Styrol von demselben Alter zu einer vollkommen festen 
homogenen Masse gestanden ist, die sich wie Wachs schnei- 
den lässt. 



Erlenmeyer: 2) üeher polymerisirten Zimmtaäureäthiflester, 277 

Als ich versuchte, die Polymerisation frisch dargestellten 
Esters so wie es bei Styrol ganz leicht möglich ist, durch 
Erhitzen auf hohe Temperaturen rasch hervorzurufen, er- 
hielt ich nur gelb bis braun gefärbte dickflüssige aber ho- 
mogene Producte. 

Wenn man die beim Aufbewahren gebildete Gallerte 
auf ein Saugfilter bringt, so erhält man als Filtrat unver- 
änderten Zimmtsäureäthylester und auf dem Filter bleibt 
eine der Eieselgallerte ähnliche Masse, deren Theilchen sich 
unter dem Mikroskop als vollkommen amorph erweisen. 
Nach dem Auswaschen mit Aether und Trocknen erhält man 
ein kreideartiges weisses Pulver, das ungemein elektrisch ist 
und von Wasser, Alkohol, Aether, Aceton, Benzol und 
Schwefelkohlenstoff nicht einmal spurenweise gelöst wird. 
Es vertheilt sich in diesen Flüssigkeiten, ohne sein Aussehen 
zu verändern. Von Chloroform wird es in -eine durch- 
scheinende Gallerte verwandelt, die aber nicht im Geringsten 
opalisirt. Bringt man dagegen das trockene Pulver wieder 
in Zimmtsäureäthylester, so entsteht wieder eine intensiv 
opalisirende Gallerte. 

In der Hoffnung, polymerisirte Zimmtsäure aus dem 
polymerisirten Ester darstellen zu können, habe ich den- 
selben mit weingeistigem Eali zu verseifen gesucht, aber 
nach Stägigem Kochen war die Masse vollständig unangegriffen 
geblieben. Auch mehrtägiges Erhitzen mit rauchender Salz- 
säure auf 120® bis 140® hatte keine andere Wirkung, als 
dass das Pulver zusammenbackte. 

Bei der trockenen Destillation tritt kein Schmelzen ein, 
das weisse Pulver bräunt sich und stösst bei stärkerem Er- 
hitzen dicke Dämpfe aus, die sich zu einer braungefärbten 
sauer roagirenden Flüssigkeit verdichten. Nach einiger Zeit 
setzten sich aus dieser letzteren Erystalle ab, die sich als 
Zimmtsäure erwiesen. Die Mutterlauge besteht aus Zimmt- 



278 Sitzung der math,-phy8, Classe vom 7. Juli 1877, 

sänreester und wie es scheint Styrol und Polymeren desselben. 
Die Quantität dieser Kohlenwasserstoffe ist aber so gering', 
dass eine genauere Untersuchung derselben bis jetzt niclit 
möglich war. 

Hinsichtlich seiner Resistenz g^en Losungsmittel und 
Reagentien zeigt dieser Polyzimmtsäoreester die grosste Aehn- 
lichkeit mit Metastyrol. 



Einsendtmgen vmi Druckschriften, 27 d 



Terzeichniss der eingelanfenen Bachergeschenke. 



Von dem pyhsiJeälischen Verein zu Frankfurt a. M. : 
Jahresbericht f. d. J. 1875—76. 1877. 8. 

— Vom herzogh Cdlegium Carolinum zu Braunschweig: 

Festschrift zur Saecularfeier des Geburtstages Yon Carl Friedrich Gauss. 
1877. 4. 

Von der anthropologischen Gesellschaft in Wien: 
Mittheüungen Bd. VII. 1877. 8. 

Von der k. k, geologischen Eeichsanstalt in Wien: 

a) Abhandlungen. Bd. IX. 1877. gr. 4. 

b) Jahrbuch. Jahrgang 1877. Bd. XXVII. No. 1. 4. 

c) Verhandlungen. 1877. 4. 

Von der Ä. Universität in Chrtstiania : 

a) Archiv for Mathematik og Natur widenskab. Bd. I. 1876. 8. 

b) £nunieratio insectorum Norvegicorum auctore H. Siebke defuncto. 
Fase. 8 et 4 ad J. Sparre Schneider. 1876. 8. 

c) De Skandinaviske og arktiske Amphipoder, beskrevue of Axel 
Boeck. Heft IL 1876. 4. 

d) Etudes sur les mouvements de Tatsmosphere, par C. M. Guldberg 
et H. Mohn. Partie I. 1876. 4. 

e) Windrosen des südlichen Norwegens, von C. de Seue. 1876. 4. 

Von dem k, Nederlandsch meteorologisch Listitut in Utrecht: 
a) Nederlandsch Meteorologisch Jaarbock voor 1875. 27 Jhrg. 1876. 4. 



280 Einsendungen wm Druckschriften. 

b) Marche annaelle du thermom^tre et da barometre en Neerliuide. 

1876. 4. 

Von der Societi de giographie in Paris: 
BolletiD. Mars 1877. 8. 

Von der Societe d^anthropologie in Paris: 
Bulletins. II. Serie. Tom. XII. 1677. 8. 

Von der zoologisch Genootschap in Amsterdam: 
Nederlaiidsch Tydscbrift voor de Dierkande. Deel L— IV. 1864—74 8. 

Von der Societe HciUandaise des sdences in Hartem: 

Arcbiyes Neerlandaises des sciences exactes et naturelles. Tom: XXJ. 
1876-77. 8. 

Vom Museum of comparative Zoology in Cambridge^ Boston. { 

Annnal Report for 1876. Boston 1877. 8. 

Von der k. Akademie der Wissenschaften in Copenhagen: 
Tygo Brahes meteorologiske. Dagbog 1582—97. 1876. 8. 

Von der Aecademie Pontifida de nuovi Lincei in Born: 
Atti. Anno XXX. Sessione I. del 17 Dec. 1876. 1877. 4. 

Vom B, Comitato gedogico d'Itcilia in Born: 
Bolletino. Anno 1877. Nr. 3 e 4. 8. 

Vom Verein für Naturkunde in Fidda: 
Meteorologiscb-pbänologiscbe Beobacbtnngen 1876. 1877. 8. 

Von (ler naturforschenden Gesellschaft in Leipzig: 
Sitzungsbericbte. Jabgang 1874 — 77. 8. 

Vom naturwissenschaftlichen Verein in Osnabrikk: 
3. Jabresbericbt 1874- 75. 1877. 8. 



Einsendungen van Bruckschrißen. 281 

Vom natwrmssenschaftliehen Verein in Aussig: 

BAiitheilungen. Ueber die Bildung des Anssig-Teplitzer Braunkohlen- 
flötzes von A. Parzold. 1877. 8. 

Von der zoologisch-botanischen Gesellschaft in Wien: 
T'erhandlnngen. Jahrgang 1876. Bd. 26. 1877. 8. 

Vom Verein zur Verbreitung naturwissenschaftHicher Kenntnisse 

in Wien: 

Schriften. Bd. 17. Jahrgang 1876—77. 1877. 8. 

Von der k. k. Gesellschaft der Äerzte in Wien: 
Medizinische Jahrbücher. Jahrgang 1877. 8. 

Von dem Ministerio dos negocios da marinha e uliramar in Lissabon : 

Annaes da Oommissao central permanente de geographia. Nr. 1 De- 
zembro 1876. 8. 

Von der Sodite Lineenne in Bordeaux: 

a) Actes. Tome 29. 30. 1873—1876. 8. 

8) Actes. Tom. XXXI. (= IV. 'Serie Tom. L) 1876. 8. 

Von der Sodite de geographie in Paris: 
Bulletin. 1877. 8. 

Von dem B, Comitato geologico d'ltaiia in Born: 
Bolletino. Anno 1877. 8. 

Von der Societas pro Fauna et Flora Fennica in Hdsingfors: 
Meddelanden. Heft I. 1876. 8. 

Von der h Akademie der Wissenschaften zu Amsterdam: 
Verhandelingen. Afd. Natnarkunde Bd. 16. 1876. 4. 

Von der Societe des sciences natureiUes in Cherbourg: 
Compte-rendu de la seance eztraordinaire tenue le 30. Decbr. 1876. 1877. 8. 



282 Einsendungen am Druekschriften. 

Von der United State» Navy m Washington: 

a) Washington Obserrations for: 1874. . Appendix U. Beport on the 

Difference of Longitade between Washington and Ogden, Utah. 

1876. 4. 
l>) Investigation of Gorrections to Hansen^s Tables of the Moon» by 

Simon Newcomb. 1876. 4. 

Von der Boyäl Society in London: 

a) Philoeophical Transactions. Vol. 166. 1876. 4. 

b) Proceedings. Vol. XXV. 1875—76. 8. 

Von der SocOU des^scienees in lAüe: 
Hemoires. 4. S^r. Tom. I. Lille und Paris 1876. 8. 

Von der Boyal-Society of Victoria in Melbourne : 
Transactions and Proceedings. Vol. XU. 1876. 8. 

Von dem Mueeo publico in Buenos Aires: 

a) Die fossilen Pferde der Pampasformation. Mit 8 Taf. Von Her- 
mann Bnrmeister. 1876 fol. 

b) Acta de la Akademia nadonal de ciencias exacias existente en la 
uniyersidad de Cordova. Tom I. 1875. 4. 

c) Description phjsiqne de la rlpublique Argentinei par H. Barmeister. 
2. Bd. Paris 1876. 8. 

Von dem Baddiffe'Observatory in Oxford: 

Besolts of astronomical and meteorological Observations in the jear 
1874. Vol. 34. 1876. 8. 

Vom Dun Echt Observatory in Äberdeen: 
Dan Echt Observatory Pablications. Vol. I. 1876. 4. 

Vom Physikalischen Central-Observatorium in St Petersburg: 
Annalen. Jahrgang 1875. 1876. 4. 

Von dem Observatoire royal de BruxeUes in Brüssel: 
Observations m^töorologiqaes^ I. Ann^e. 1877. 4. 



Einsendungen von Druckschriften, 283 

Vom Herrn G. Tschertnak in Wien: 
XJelaer den Ynlcanismas als kosmische Erscheinung. 1877. 8. 

Vom Herrn M. Loetoehberg in Paris: 
T>& Techange des gaz dans la caisse du tympan. 1877. 4. 

Vom Herrn O, Omboni in Padua: 

II mare glaciale e il Plioceuce ai piedi delle Alpi Lombarde. Milano 
1877. 8. 

Vom Herrn Budoiph Wolf in Zürich: 
Astronomische Mittheilongen. XLII. 1877. 8. 

Vom Herrn Gerhard vom Rath in Bonn: 
Bericht über eine geologische Beise nach Ungarn im Herbst 1876. 8, 

Vom Herrn Louis Pierre Matton in Lyon: 

a) Le Bissegment. Principe noavean de g^ometrie carviligne. 1876. 4. 

b) Premiere snite et premiers d^yeloppements de la brochnre le 
Bissegment. 1876. 4. 

c) Besamt des denx premi^res brochnres sur le Bissegment^ 1876. 4. 

d) B^ponse a nne senle et demiere objection contre la tendance des 
ürois brochnres sur le Bissegment. 1876. 4. 

e) Qnadrature de tous les polygones reguliers. 1877. 4. 

f) Sommaire des dnq brochnres sur la qnadrature de tons les poly- 
gones rögnliers et sur le Bissegment. 1877. 4. 

Vom Herrn Thieme in St Petersburg: 
Memoire snr le rabotage des metaux. 1877. 8. 

Vom Herrn Ferdinand von Mittler in Mdboume: 

Select Plauts readily eligible for Industrial Culture or Naturalisation in 
Victoria. 1876. 8. 

Vom Herrn Emest van den Broeck in Brüssel: 

a) Obserrations malacologiqnes. 1869. 8. 

b) Notes sur nne ezcnrsion scientifique en Suisse. 1876. 8. 



•• 



284 Einsendungen von Druckschriften. 

c) Esquisse gMogiqae et pal^ontologiqne des d^pots plioc^nes dei en- 
yiroDs d^Anvers. Fase. I. 1876. 8. . 

d) Excursions, d^couvertes et observatioDs faites en Belgique pendant 
l^annee 1870. 8. 

e) Obseryations snr la Nummalites planulata da Paniselien. Paris 
1875. 8. 

f) Liste des moUosqaes recneillis auz environs d'Arlon et de Yirton 
1873. 8. 

g) Rapport snr Texcanion de la soci^te malacologiqae de Bnixelles 
en 1871. 8. 

b) Qaelqaes consid^rations sar la däcoaverte d*aQ fossile microscopique 

noareau. 1871. 8. 
i) Liste des forarainiferes du Golfe de Gascogne. Bordeaux 1875. 8. 
k) Snr les alterations des d^pöts qnatemaires par les agents atmo- 

Spberiqnes. Paris 1877. 4. 

Vom Herrn 0. Struve, in St, Petersburg: 

Jabresbericbt fOr d. J. 1874/76 und 1875/76. 8. 
Hilfstafeln zur Berecbnnug der Polaris-Azimnte von Engen Block. 1875. 4. 
D^clinaisons moyennes corrigees des etailes principales ponr r^poqae 
1845, par Magnns Nyr^n. 1875. 4. 



Sitzimgberichte 

der 

königL bayer. Akademie der Wissenschaften. 



Sitzung Yom 3. NoTember 1877. 

Mathematiscli-phyBikalisclie Classe. 



Herr Vogel tragt vor: 

„üeber den Wassergehalt des Eiweisses." 

Neuere Yersache haben zu der Annahme Veranlassung 
gegeben, dass das Eiweiss einem grösseren Ei entnommen, 
wasserhaltiger sei, als das des kleineren Eies und daher im 
Verhältniss weniger Nährwerth, als das Eiweiss des letzteren 
besitze. Dr. F. Wippern^) hat diese Annahme durch die 
Gewichtsdifferenzen von den Thieren schwerer und leichter 
Eier zu begründen versucht. Das Gewichtsverhältniss stellt 
sich nach den angestellten Versuchen folgendermassen im 
Mittel. 

Conchinchina-Ei 44,0 Grm. 

Ausgebrütetes Hühnchen, trocken . 38,8 „ 

Gewicht der trocknen Schaale ... 6,1 „ 

Gewichtsverlust durch Trocknen, Ath- 

mung des Thieres etc 1)1 n 

Summa 44,0 Grm. 



1) Oeaterr. landw. Wochenblatt. 22. Sept. 1877. S. 439. 
[1877. 8. Mftth.-phys. Cl.] 19 



286 Süeung der math,-^hy8. Clasae vom 3. November 1877. 

Anderes Ei 67,5 Grra. 

Ausgebrütetes Hühnchen, trocken . 48,5 „ 

Gewicht der trocknen Schaale ... 8,0 ,^ 

Gewichtsverlust 11,0 „ 

Snmma 67,5 Grm. 

Neben diesen höchst instruktiven Brütversachen schien 
es mir doch von Interesse, direkt experimentell nachzu- 
weisen, ob zwischen Ei weiss verschiedener Eiersorten in der 
That ein auch auf diesem Wege nachweisbarer unterschied 
bestehe, d. h. ob das Eiweiss kleiner Eier concentrirter sei 
und somit einen höheren Nahrungswerth besitze, als das Ei- 
weiss grosser Eier. 

Zur Aufklärung der Frt^e sind theils in meinem La- 
boratorium, theils von meinem Freunde Prof. Dr. L. Raab 
in Straubing auf meine Veranlassung sehr zahlreiche Ver- 
suche angestellt worden, deren Hauptresultate ich hier vor- 
zulegen mich beehre. 

Vor Allem ist hervorzuheben, dass zu diesen Versuchen 
nur frische Eier, nicht älter als 12 Stunden, zur Verwen- 
dung kommen können. Die Gewichtsabnahme der Eier, 
wenn sie nicht unter besonderen Vorsichtsmassregeln auf- 
bewahrt werden, ist nach einigen Tagen schon so bedeutend, 
dass die Natur des Materiales auf die Versuchsresultate von 
grossem Einflüsse wird/ Nach mehrfachen Beobachtungen 
verliert das frische Ei bei gewöhnlichem Aufbewahren täglich 
0,04 bis 0,05 Grm. an Gewicht und dasselbe Ei, welches im 
frischen Zustande in einer Kochsalzlösung von bestimmter 
Goncentration zu Boden geht, schwimmt nach kurzer Zeit 
auf destillirtem Wasser, in der Folge nach längerem Liegen, 
sogar auf Weingeist und Aether. Nach einer älteren An- 
gabe^) hatte ein Ei durch lange Aufbewahrung 46proc. an 
Gewicht verloren. 



2) Berzelins Lehrbuch der Chemie. B. IX. S. 654. 



Vogel: üeher den Wassergehalt des Eiweisses. 287 

Was das Gewicht des ganzen Eies anbelangt, so be- 
merkt Dr. Wippern (a. a. O.) sehr richtig : „Die alte Raison 
der Kochbücher : 8 Eier anf ein Pfund = 63 Grm. pro Stück 
ist eine nicht niedrige Ziffer, wie man durch Wägung aller 
Marktwaure leicht ermitteln kann/^ Dieser Behauptung 
schliesse ich mich vollkommen an, indem dieselbe durch 
vielfache Wägungen bestätigt worden ist. Die Annahme 
von 63 Grm. pro Stück erscheint als eine sehr hoch ge- 
griffene. Die höchste Gewichtsdurchschnittszahl dei^ grössten 
Eier ist 56 bis 59, aber niemals 63. Es erklärt sich die 
Angabe von 8 St. Eiern auf 1 Pfund vielleicht in der 
Weise, dass hier nicht das Zollpfund in Betracht gezogen. 

Das Trocknen des Eiweisses geschah in einem Y form- 
igen Rohre mittelst Aspirator im trocknen Luftstrome zu- 
nächst bei ge wohnlicher Temperatur, dann erst folgte das 
Trocknen des festen Rückstandes im Wasserbade, bis keine 
Gewichtsabnahme sich mehr bemerklich machte. Ich habe 
diese Methode des Trocknens angewendet, weil es nach 
meiner Erfahrung mit Schwierigkeit verbunden ist, das 
plötzlich zum Gerinnen gebrachte Eiweiss von seinen letzten 
Spuren von Wasser zu befreien. 

Ohne selbstverständlich auf die gewonnenen analytischen 
Zahlenresultate hier speciell eingehen zu wollen, mag nur 
im Allgemeinen bemerkt werden, dass ich die Annahme hin- 
sichtlich des concentrirteren Zustandes des Eiweisses im 
kleinen Ei verglichen mit dem Eiweiss des grossen Eies, 
wenigstens nach den mir bis jetzt vorliegenden Versuchen, 
nicht zu bestätigen im Stande bin. 

Allerdings bestehen Differenzen im Wassergehalte der 
verschiedenen Eiweisssorten, aber einmal sind sie doch sehr 
gering und dann stehen sie, wenn man dieselben überhaupt 
gelten lassen will, eigentlich der bisherigen Annahme ent- 
g^en. 

19* 



288 SüBung der math.-phys, Classe vom 3. November 1877. 

Ich erwähne hier die Darchschnitiszahlen einer grös- 
seren Versachsreihe. Der Wassergehalt des Eiweisses in Pro- 
centen betragt: 

I. Kleines Ei 88,3. 

IL Mittelgrosses Ei 87,8. 

m. Grosses Ei 86.1. 

Man ersieht hieraus, dass zwischen I nnd 11 kein we- 
sentlicher unterschied stattfindet, dass das Eiweiss des 
grossen Eies 1,5, beziehungsweise 2 proc. weniger Wasser 
enthält, als das Eiweiss des mittelgrossen nnd kleinen. 

Ein ähnliches Resultat hat die Wasserbestimmung des 
Eigelbs ergeben. 

Der Wassergehalt des Eigelbs beträgt in Procenten: 

I. Kleines Ei 49,8. 

n. Mittelgrosses Ei 50,0. 

m. Grosses Ei 46,1. 

Hier wie beim Eiweiss ergibt sich die geringe Differenz 
im Wassergehalte zum Vortheile des grossen Eies. 

Obgleich die Zahl der hier angeführten Beobachtungen 
zur YöUigen und endgültigen Aufklärung des Gegenstandes 
wohl noch etwas zu gering ist, so dürfte hiedurch doch 
schon eine Modification der bisherigen Ansicht angebahnt 
und namentlich zu weiteren Versuchen in dieser Hinsicht 
Veranlassung gegeben sein. Zur Ergänzung des Bisherigen 
führe ich noch einen einzelnen mit einem conservirten Ei 
ausgeführten Versuch an, welchen Herr Prof. Dr. L. Raab 
mir mitzutheilen die Güte hatte. Das Conserviren der Eier 
kömmt in Niederbayem sehr häufig in Anwendung, und 
besteht darin, dass man die frischen Eier in Kalkmilch ein- 
igt. Erst unmittelbar vor dem Verkaufe oder Versenden 
werden dieselben aus der Kalkmilch herausgenommen und 
gewaschen. Die so conservirten Eier haben das Unange- 
nehme, dass das Eigelb beim Oeffnen des Eies leicht zer- 



Vogel : (Jeher den Wasser g ehalt des Eiweisses, 289 

fliesst, was bei frischen Eiern nicht der Fall ist; femer 
xxeW die conservirten Eier «.itunter eineu eigenthumlichen 
Geruch und Geschmack an. Das zur Untersuchung verwen- 
dete Ei war im Mai in Kalkmilch eingelegt worden. 

Gesammtwicht . . . 51,125 Grm. 
Schaale 5,500 „ 

Totalgewicht des Inhaltes 45,625 Grm. 

a) Eiweiss, frisch . . 30,625 „ 
„ getrocknet 4,625 „ 



Wassergehalt . . 26,000, d. i. 84.89 proc. 

b) Eigelb, frisch . . 15,000 Grm. 
„ getrocknet 7,312 „ 

Wassergehalt . . 7,688 Grm. d. i. 51,25 proc. 

Es wäre nicht ohne Interesse, den Einfluss anderer 
Conservirungsmethoden auf die Natur des Eies kennen zu 
lernen, worauf wir in der Folge zurückkommen uns vorbe- 
halten, sowie auch die Eier anderer Vögel nach angeführter 
Weise in Betracht zu ziehen. In folgender Zusammen- 
stellung finden sich die Yersuchsresultate übersichtlich 
geordnet. 

. A. B. C. 

Grosses Ei. Mittelgrosses Ei. Kleines Ei. 

I. Wassergehalt des Ei- 

weisses in Procenten. 85,86 87,80 88,34 

n. Wassergehaltdes Ei- 
gelbs in Procenten. 45,92 50 49,85 

III. Gewicht des ganzen 

Eies. 59,563 Grm. 44,51 Grm. 39,625 Grm. 

d. i. in Procenten: 100 74,51 66,5 

IV. GewichtderSchaale. 7,3 „ 4,1 „ 4,2 „ 
d. i. in Procenten: 12,2 9,2 10,5 



290 Süiung der M»atA.-phy«. Claue vom 3. November 1877. 

A. B. C, 

GrosM« Ei, HittelgroBses Ei. Klein« 
y. Yerhältniss des £i- 
wflisae« zum Eigelb. 
Eiweisa 35,376 Gm. 25,626 Grm. 23,576 ( 

Eigelb 16,875 „ 14,625 „ 11,849 

d.i. inProcenten: 
Eiweisa 50,2 57,6 59,5 

Eigelb 28,3 32,6 30,3 

Eiwei8s:Eigelb 100: 56,3 100:56,6 100:50 
Endlicb folgt bier Qocb das Resaltat der üntPrsncl 
des Taabeneiee, welcbe Herr Dr. Raab mir nachträglich, mit- 
zntheilen die Qüte hatte. 

I. Oewöhnliches Taubenei. 
Totalgewicht . . 14,125 Gnu. 
Frische Scbaale . 1,375 „ 



12,750 



a. Eigelb, frisch . . 3,125 

Eigelb, getrocknet 1,168 

Wassergehalt . . 1,937 

b.Eiweiss, frisch . . 9,625 

Eiweisa, getrocknet 1,125 



Wassergehalt . . 8,500 „ = 88,32 proc. 
II. Grosses Taubenei. 
BeimOediien dieses Eies zeigte dasselbe zufällig 2 Dotter, 
war also. eine Abnormität, 

Totalgewicht . . 19,3125 Grm. 
Frische Schaale . 1,6870 „ 



Vogel: Ueber den Wassergehalt des Eiweisses. 291 



a. Eigelb, frisch . . 7,00 
Eigelb, getrocknet 2,25 



11 
11 



Wassergehalt. . 4,75 „ = 67,85 proc. 

b. Eiweiss, frisch . 10,626 „ 
Ei weiss, getrocknet 1 ,000 , , 

Wassergehalt . 9,626 „ = 90,5 proc. 

Das Resultat ergibt sich, wie man sieht, den bei der 
Bestimmung des Hühnereies gefundenen Zahlen analog. 



292 SiUung der maih,-phys* Ckuse vom 3, November ISTT, 



Herr W. von Beetz sprach: 

„üeber die electromotorische Kraft und 
den inneren Widerstand einiger Thermo- 
säulen/^ 

unter den thermoelectrischen Säulen, welche für Her- 
Yorbringnng stärkerer Ströme empfohlen worden sind, haben 
sich vorzüglich zwei Eingang in die Praxis verschafit, die 
von Noe nnd die von Clamond, modificirt von Koch. 
Die Noesche Säule ist in ihrer * ursprünglichen Form, in 
welcher die Elemente so angeordnet sind, dass sämmtliche 
Löthstellen in einer Geraden liegen und durch eine Reihe 
kleiner Gasflammen geheizt werden, von Herrn von Wal- 
tenhofen auf ihre electromotorische Biaft und ihren Wi- 
derstand untersucht und beschrieben worden^). Die abge- 
änderte Gestalt, in welcher die Elemente so angebracht 
sind, dass alle Löthstellen in einer Kreisperipherie liegen 
und mittelst kupferner Heizstifte durch eine einzige Bun- 
senflamme erwärmt werden, ist ebenfalls von Herrn von 
Waltenhofen beschrieben worden und sowohl dieser Phy- 
siker^), als auch neuerdings Herr Streintz') haben die 
Constanten solcher Säulen bestimmt. lieber die Clamond'sche 



1) Poggend. Ann. CXLIII p. 113, Carls Repert. VII p. 1 (1871.) 

2) Poggend. Ann. CXLVI p. 617 (1872.) 
8) Carls Eepert. XIII p. 4 (1877.) 



W, V. Beetz: Eleetromotorische Kraft einiger Thermosäülen, 293 

Säule hat Herr Rolland*) Messungen veröffentlicht, welche 
den besonderen Zweck haben, die Abhängigkeit des inneren 
Widerstandes der Säule von dem Grade der Ürhitznng zu 
bestimmen, üeber ihre eleetromotorische Kraft sind mir 
nur die älteren Angaben von Ciamond und Mure^) be- 
kannt. 

Was zunächst die Widerstandsbestimmungen an Ther- 
mosäülen betrifft, so möchte ich an das erinnern, was ich 
früher über diesen Gegenstand gesagt habe'). Wenn wäh- 
rend der Widerstandsmessung ein Strom durch die Löth- 
stellen der Thermosäule geht, so setzt sich der primären 
electromotorischen Kraft derselben, E, eine secundäre ent- 
gegen, welche man als die Peltiersche Polarisation bezeichnen 
kann und die der Stromstärke gerade proportional, also 
= ik ist. Wenn daher der Gesammtwiderstand der Säule 
= X ist, so wird jetzt die Stromstärke 

• _ E — ik _ E 
"" X "" X + k 
sein, d. h. jene der Stromstärke proportionale Gegenkraft 
spielt die Rolle eines von der Stromstärke unabhängigen 
Leitungswiderstandes. Dieser Thatsache ist es zuzuschreiben, 
dass die verschiedenen Methoden der Widerstandsbestim- 
mung für ein und dieselbe Gombiuation verschiedene Werthe 
ergeben. Vor Allem wird man solche Methoden vermeiden 
müssen, welche einen andauernden Stromschluss verlangen 
und unter diesen wieder solche, welche (wie die Ohmsche 
oder die von Rolland benutzte Wheatstonesche) aus meh- 
reren hintereinander ausgeführten Messungen bestehen, bei 
denen der Strom wohl im Galvanometer, aber nicht in der 
Säule die gleiche Stärke hat. Es ergibt sich zwar aus den 



4) Compt. rend. LXXXVI p. 1026 (1877). 

5) Ibid. LXVm p. 1455 (1869). 

6) Poggend. Ann. CXXIX p. 520 (1866). 



294 SitMung der matK^hys, Glosse vom 3, November 1877, 

MesBnDgen, dass jene mit k bezeichnete scheinbare Wider- 
standsvennehrang nicht sehr gross ist gegen x, immerhin 
aber macht sie die Messungen unsicher, und auch JSerr 
Rolland hat bemerkt, dass wohl die Veränderang in der 
electromotorischen Kraft seiner Saale nicht ohne Einflnss 
auf das Ergebniss seiner Widerstandsmessnngen geblieben sei. 

Um den normalen Widerstand einer Thermosäule zu 
bestimmen, bediene ich mich desshalb immer nur der Brü- 
ckenmethode, wobei ich den Strom, welcher durch die Zwei^* 
leitungen gefuhrt wird, immer nur momentan schliesse'^}. 
Der so erhaltene normale Widerstand ist aber nicht der-, 
welcher wahrend der Arbeitsleistung der Thermosäule wirklicb. 
Tor banden ist. um diesen zu finden, wende ich die Me- 
thode an, welche mir schon früher zur Bestimmung innerer 
Widerstände von Batterien, besonders auch Ton Thermo- 
säulen, gedient hat^). Diese Methode, darauf beruhend, dass 
der Strom eines Daniellschen Normalelementes zweimal hin- 
tereinander bei verschiedener Schlittenstellung nach der du 
Boisschen Compensationsmethode durch den Strom der Ther- 
mosäule (als compensirenden Säule) auf Null gebracht wird, 
verlangt ebenfalls nur momentane Stromschlüsse. Der Werth 
k kommt desshalb äusserst wenig in Betracht; immerhin 
wird es nie gelingen, ihn ganz unschädlich zu machen, da 
die compensirende Säule immer etwas vor der compensirten 
geschlossen wird. 

Zur Bestimmung der electromotorischen Kraft der Ther- 
mosäule compensire ich einmal ein Danieirsches Normal- 
Element durch eine beliebige stärkere Säule (ein oder mehrere 
grovesche Elemente) und dann die fragliche Thermosäule 
durch dieselbe stärkere Säule. Das Yerhältniss der in bei- 
den Fällen durch den Schlitten vom Compensatordraht ab- 



7) Yergl. hierüber meine oben angezogene Arbeit. 

8) Poggend. Ann. CXLII p. 573 (1871). 



TF. V, Beetz: Electromotorische Kraft einiger Thermosäülen. 295 

geschnittenen Längen ist dann nnmittelbar die electromo- 
torische Kraft der Thermosänle in der Einheit = 1. 
Für diese Messungen habe ich mich stets des von mir an- 
g^ebenen üniversalcompensators bedient, dessen Einrichtung 
icli bei Gel^enheit der jüngsten Naturforscheryersammlung 
gezeigt habe und demnächst in den Annalen der Physik 
und Chemie beschreiben werde. 

Die Angaben, welche die Herren von Waltenhofen 
und Streintz über die Noesche Thermosäule gemacht 
haben, sind wohl so erschöpfend, dass weitere Mittheilungen 
über dieselbe unnöthig wären. Aber die erwähnten An- 
gaben beziehen sich auf neue Apparate , dieieniiren, welche 
fch im Nachfolgenden mache auf eine viel und iJider oft 
ohne die nöthige Vorsicht benützte lineare Säule von 80 
Elementen, welche in vier Gruppen von je 20 abgetheilt 
sind. Die Säule ist eine der älteren, welche Noe construirt 
hat und zeigt schon äusserlich einige Defecte. Die nega- 
tiven Eupferdrähte , welche mit ihren Enden nur wenig in 
die positiven Antimonzinkcylinder heineinragen, sind theil- 
weise ganz von denselben getrennt, oberflächlich oxjdirt 
und berühren sie nur durch Federdruck. In der That ging 
denn auch von dein Strome einer vierpaarigen Chromsäure- 
batterie gar nichts durch die ganze Säule hindurch. Eben- 
sowenig zeigten von den vier Abtheilungen der Säule, welche 
mit A, B, G und D bezeichnet werden mögen, A, G und D 
irgend welche Leitungsfahigkeit , der Widerstand in B da- 
g^en war relativ gering, nämlich = 1,495 Q. E. Ich 
hielt demnach die Säule für ganz unbrauchbar geworden 
und war um so mehr überrascht, als sie beim Erhitzen (bei 
Benützung aller 80 Elemente hintereinander) in der Minute 
5,3 Cubcm. Knallgas lieferte. Es waren wohl zwei Um- 
stände, welche jetzt die Leitung vermittelten, nämlich die 
Vermehrung des mechanischen Druckes, mit welchem sich 
das Kupfer an die MetalUegirung in Folge der Ausdehnung 



296 SiUung der math.-phys, Classe vom 3, November 1877. 

beider Metalle anlegte, dann aber die Yeigrossernng, welche 
die Leitungsfahigkeit von Metalloxyden beim Erhitzen er- 
fahrt.*) 

Die Messung der electromotorischen Kräfte der Grappen 
ergab : 

A = 1,604 D 

B = 1,595 — 

C = 1,604 - 

D = 1,621 — 

80 Elemente - 6,424 D 
1 Element = 0,08 D. 

Als die sichtbar schadhaften Stellen der Säule durch 
Lothung ausgebessert waren, liessen sich die Widerstände 
der vier Gruppen bestimmen; es war der von 

A = 3,8 Q. E. 

B = 1,5 

C = 14,0 

D = 30,5 

die electromotorischen Kräfte aber hatten dadurch so gut 
wie keine Veränderung erfahren. 

Die Widerstandsbestimmungen, welche an der Säule 
nach der Compensationsmethode ausgeführt wurden, während 
dieselbe in Thätigkeit war, ergaben begreiflicher Weise 
wiederum eine bedeutende Widerstandsabnahme beim Er- 
wärmen, so zwar, dass der Gesammtwiderstand der 80 Ele- 
mente, der nach obiger Messung ursprünglich = 50 Q. E. 
war, bis auf 5,9 Q. E. hinabging. 

Was aus diesen Versuchen hervorgeht, ist, dass selbst 
die stark abgenützte Säule noch einige ihrer guten Eigen- 
schaften bewahrt hat. Die electromotorische Kraft eines 



9) Yergl meine üntersnchnngen hierüber in Poggend. Ann. CXI p. 
619 (1860). 



W. 1?. Beete: Electramötarische Kraft einiger Thermosäulen. 297 

Elementes der linearen Saale soll nach von Waltenhofen 
ungefähr — 0,10 D, bei starker Ueberhitzung = 0,13 D 
sein, während derselbe die electromotorische Kraft eines 
Elementes der* mit Heizstiften geheizten Cylindersäule = 
0,08 D fand. Hierbei waren die Heizstifte schwach glühend 
erhalten. Herr Streintz fand für die Kraft eines Ele- 
mentes einer solchen Cylindersäule nur 0,04 D (108 Ele- 
mente = 4,3 D) und nahe übereinstimmend damit lieferte 
mir eine von Dorf fei in Berlin gearbeitete zwanzigpaarige 
Cylindersäule durch einen einfachen Bunsenbrenner erhitzt 
nur die Kraft 0,97 D, also für ein Element 0,048 D; diese 
Ejraft wuchs aber beim Erhitzen mit einem Dreiflammen* 
brenner bis 1,41 D, also für ein Element auf 0,07 D. Den 
Normalwiderstand dieser Säule fand ich = 1,32 Q. E.; 
während des Erhitzens wurde er nach der Gompensations- 
methode = 1,52 Q. E. gefanden. Die alte abgenützte Säule 
hatte also immer noch eine yerhältnissmässig sehr hohe 
electromotorische Kraft; dass diese überhaupt abgenommen 
hatte, war wohl den eingeschobenen Oxydschichten zuzu- 
schreiben. 

Die anderen guten Eigenschaften der Noeschen Säule 
sind: ihre sofortige Verwendbarkeit, sobald einmal die Gas- 
brenner angezündet worden sind und die Oleichmässigkeit 
der Wirkung in den vier Gruppen. Hieran hatte der Ge- 
brauch nichts geändert. 

Die Glamondsche Säule, von der mir zwei Exemplare 
in der von Koch in Eisleben ausgeführten Construction zu 
Gebote standen, hat gegen die Noesche den Nachtheil, dass 
sie lange (eine Stunde lang) geheizt werden muss, ehe sie 
zu ihrer vollen Wirkung gelangt, dagegen den grossen Yor- 
theil der Dauerhaftigkeit und ün Veränderlichkeit, indem 
sämmtliche Elemente in einen Thonmantel eingebettet sind. 
Die Löthstellen liegen sämmtlich in der inneren Gylinder- 
mantelflächeand werden durch einen cylinderischen Brenner mit 



298 Sitzung der math.-phifs. Classe vom 3, November 1377. 

vielen BrennöfEhnngen geheizt. Bei der Heizang der einen 
Säule (I) wandte ich den von Koch beigegebenen Gasre^- 
lator an, bei der anderen (II) war derselbe entfernt. Jede 
der Sanlen besteht aus 120 Elementen, welche in vier Grup- 
pen zu je 30 al^etheilt sind. Die Widerstände der einzelnen 
Gruppen, sowie der ganzen Säulen wurden nach der Brücken- 
methode bestimmt und zwar einmal mit momentanem Strom- 
schluss, einmal mit dauerndem. Hierdurch wurden die bei- 
den Widerstandswerthe x und n* gefunden, deren Differenz 
x' — X = k den durch die Peltiersche Polarisation schein- 
bar hinzukommenden Widerstand ausdrückt. Es wurde ge- 
funden : 



( 
1 


äaale I. 






Säule 11 


L. 


X 


x' 


k 


X 


i' 


k 


Abtheilnng A 0,560 


0,575 


0,015 


0,705 


0,720 


0,015 


— — B 0,655 


0,570 


0,015 


0,820 


0,885 


0,015 


— — C 0,500 


0,514 


0,014 


0,795 


0,810 


0,015 


— — D 0,455 


0,459 


0.014 


0,796 


0,810 


0,014 



Summa: 2,060 2,118 0,058 3,116 3,175 0,059 
Ganze Säule 2,060 2,119 0,059 3,110 3,170 0,060 

Die Abtheilung A ist die oberste, D die unterste. 

Die electromotorische Kraft der beiden Säulen fand ich 
sehr yiel geringer, als sie der Angabe nach sein sollte. 
Während Herr Eoch angibt, dass seine Säule in seinem 
Voltometer eine Enallgasentwicklung von 7 bis 8 0nbcm. in 
der Minute gebe, gelang es mir nie, viel über 4 Cubcm. zu 
erhalten. Ich möchte daraus indess nicht schliessen, dass 
nicht unter günstigeren Bedingungen eine grossere Wirkung 
erzielt werden könne. Die folgenden Zahlen sollen nicht 
die electromotorischen Kräfte geben, welche man mit den 
Kochschen Säulen erreichen kann, sondern nur die, welche 
man in der Regel erhält, wobei ich bemerke, dass meine 



1 



TTi V, Beetz: Electromotorisehe Kraft einiger Tkermosäulen. 299 

"Versuche an sehr heissen Sommertagen angestellt worden 
sind, so dass die Luftkühlung eine äusserst ungünstige war ; 
^uch war der Gasdruck nur ein geringer. 



Abtheilnng A 

- B 

C 

D 


Säule I. 

0,920 D 
0,815 ~ 
0,557 — 
0,338 — 


Säule IL 

0,867 
0,880 
0,650 
0,274 


120 Elemente 
1 Element 


2,630 D 
0,022 D 


2,671 D 
0,022 D 



Was aus diesen Zahlen vor Allem hervorgeht, ist, dass 
die Brenner ganz ungünstig angebracht sind. Die Gase 
der Flammen erhitzen die oberen Abtheilungen der Säulen 
ifveit stärker, als die unteren, so dass die letzteren weitaus 
nicht ausgenützt werden. Ich habe den Brenner der Säule I 
lierausgenommen und tiefer gelegt und dann bei gleichem 
Gasverbrauch wie früher die folgenden electromotorischen 
Kräfte gefunden: 

Abtheilung A 0,655 D 

— — B 0,819 — 

— — C 0,800 -. 

— - D 0,619 — 



120 Elemente 2,893 D 
1 Element 0,024 D 

Jetzt waren die mittleren Abtheilungen am stärksten 
erwärmt. Wenn das Brennrohr ausser der gehörigen Tiefe 
auch noch die richtige Länge erhält, so wird die electro- 
motorisehe Kraft der ganzen Säule noch erheblich gesteigert 
werden können. 

Um endlich einen Begriff zu bekommen von der Ver- 
änderung, welche der Widerstand dieser Thermosäulen durch 



300 Sibtwng der nuM.-phya. Claase vom 3. Noi^ember 1877, 

die Erwarmnag erföhrt, liabe ich die Säule mit zuBehmender 
Flammengrosse geheizt und jedesmal wenn eine Constanz 
der Stromstärke erreicht war, durch die Compensations- 
methode den Widerstand und die electromotorische Kraft 
bestimmt. Es wurde gefunden: 

Electromotor. Kraft. Widerstand 





Q.E. 


— 


2,06 (normal) 


1,96 D 


2.20 


2,23 


2,36 


2,39 


2,50 


2,55 


2,70 


2,96 


2,93 



Ein bestimmtes Gesetz, welches die beiden gefundenen 
Grossen miteinander verbindet, lässt sich nicht erwarten, 
da die Luftkühlung nicht immer dieselbe war. Jedenfalls 
findet eine ziemliche Reg^lmässigkeit in der Widerstands- 
zunahme ndt der Temperatur statt und zwar in einem Be- 
trage, gegen welchen der oben gefundene Werth von k nur 
gering ist. 

Was nun die aus den mitgetheilten Versuchen sich er- 
gebenden Schlüsse über die Brauchbarkeit der Noeschen und 
der Ciamond - Eochschen Thermosäulen betrifft, so gewinnt 
die letztere durch ihre grosse Solidität den Vorzug für tech- 
nische Zwecke. Dass sie lange vor dem Gebrauch ange- 
heizt werden muss, ist hiefär gleichgültig ; einmal in Thä- 
tigkeit arbeitet sie mit grosser Constanz, sowohl in Bezug 
auf ihre electromotorische Kraft, als auf ihren Widerstand, 
fort. Auch wenn bei gleicher Elementenzahl die electro- 
motorische Kraft hinter der der Noeschen Thermosäule zu- 
rückbleibt, wird ihre Brauchbarkeit nicht geringer, da die 
Vermehrung der Elemente leicht zu bewerkstelligen ist. 



W, V. Beetg: I^tromotorische Kraft einiger Tl^ermosäüUn. 301 

Nnr die Brenner müssen den obigen Angaben entsprechend 
zweckmässiger constrnirt werden. Dagegen bietet die Noe- 
sche Säule für Laboratorienzwecke die grosse Annehmlicb- 
keit, dass man (durch Koppelung mehrerer Cylindersänlen) 
eine ergiebige Stromquelle schnell zur Hand hat, deren elec- 
tromotorische Kraft ebenfalls recht constant ist, und deren 
Dauerhaftigkeit in der neuen Construction auch schon we* 
sentlich gewonnen hat. 



ri877. 3. Math.-phy8. Cl.) 20 



302 SüBung der matk.-phy$. Claase vom 1, Deßember 1877. 



Sitiung Tom l. DeMmber 1877. 



Das Sterengesetz. 

Von H. Schröder. 
Correspondirendem Mitgliede. 



1. Seit dem Jahre 1840 bin i^h beharrlich bestrebt 
gewesen, die Regeln nnd Gesetze au£safinden, welche der 
Volnmconstitution fester Körper zu Grunde liegen. 

Ein folgenreicher Fortschritt ist mir im Laufe der 
Jahre 1873 bis 1876 gelungen durch -den Nachweis der 
Tbatsache, dass die Componentenvolume der Ver- 
bindungen in der Regel genau in einfachen Verhält- 
nissen stehen. Ich legte diess nach und nach an einer 
so grossen Zahl von Verbindungen dar, dass die Verallge- 
meinerung des Satzes vollkommen berechtigt erscheint. Ich 
wies diess z. B. nach am Qaarz, in welchem das Silicium sein 
ursprungliches Volum hat, und der Sauerstoff genaa das 
gleiche Volum wie das Silicium einnimmt ; ebenso z. B. am 
Olivin, in welchem die Magnesia mit ihrem eigenen Volum 
als Periklas enthalten ist, und die Kieselsäure genau das 
gleiche Volum einnimmt, wie d)e beiden Atome Magnesia, 
mit welchen sie verbunden ist. 

Wenn aber die Componentenvolume der Verbindungen 
in einfachen Verhältnissen stehen, so folgt daraus der 
wichtige Satz: 



Schröder: Das Sterengeaetz. 303 

In jeder Verbindung waltet oder herrseht 
ein bestimmtes Volummaass, dem sich alle Be- 
standtheile vollkommen anterordn.en. 

Für diesen von mir eingeführten Begriff des V o 1 a m« 
maasses habe ich später das küi*zere Wort „die Stere^^ 
angenommen. 

Der obige Satz lässt sich daher dahin aassprechen: 

In jeder Verbindung waltet oder herrscht 
eine bestimmte Stere. 

2. Da sich in isomorphen Körpern sehr häufig das 
gleiche Volummaass, d. i. die gleiche Stere unzweifelhaft 
herausstellte, z. B. im KCl und NaCI, im Magnesit und Galcit, 
im Kalium Sulfat, Selenat und Chromat u. s. w., so lag es 
nahe, das Volummaass oder die Stere als im Zusammen- 
hange mit der Krystallform stehend anzunehmen. 

Eine wiederholte Durcharbeitung aller näher unter- 
suchten chemischen Gruppen von diesem Standpunkte aus 
stellte indessen nach und nach unzweifelhaft heraus, dass 
eine unmittelbare Abhängigkeit der Stere von der Krystall- 
form nicht stattfindet ; dass isomorphe Körper mit ungleichen 
Steren vorkommen, und ebenso gleiche Steren bei sehr ver- 
"schiedenen Krystallformen auftreten. Es ergab sich viel- 
mehr, dass das Volummaass oder die Stere einer Ver- 
bindung lediglich von einem ihrer Elemente bestimmt wird, 
welches seine eigene Stere auf die g a n z e Verbindung über- 
trägt. Es stellte sich nach und nach heraus, dass isomorphe 
Körper nur desshalb so häufig gleiche Steren haben, 
weil den Elementen, welche in einer Reihe von Ver- 
bindungsgruppen in der Regel isomorph erscheinen, sehr 
häufig auch genau die nämliche Stere eigenthümlich ist. 
Ich habe diess erstmals ausgesprochen im N. Jahrbuch der 
Mineralogie für 1875 S. 481. So haben z. B die rhom- 
boedrisch isomorphen Carbonate des Magnesiums, des Mangans 
und Calciums, d. i. der Magnesit, Rhodochrosit und Calcit 

20* 



304 SÜMung der math.-phyg. CUuBt vom 1, Dezember 1877, 

exact die nämliche Stere, weil dem Magnesium, Mangan 
und Calcium die gleiche Siere eigenthümlich ist. 

Der erwähnte Satz lässt sich daher dahin präcisiren: 

In jeder Verbindung waltet das Yolummaass, 
d. i. die Stere eines ihrer Elemente, welches 
durch die bei der Krystallisation waltenden Kräfte 
alle übrigen Gomponenten und respective Ele- 
mente bestimmt, das gleiche Yolummaass, die 
gleiche Stere anzunehmen. 

Eines der Elemente assimilirt sich alle übrigen. 

Ich nenne diesen Satz kurz „das Sterengesetz^^ 
3. Man erkennt die exacte Gleichheit des Yolummaasses 
oder der Stere des Magnesiums, Calciums, Mangans, Zinks 
und Cadmiums z. B. daran, dass 2 Atome Magnesium genau 
den gleichen Baum erfüllen, wie 3 Atome Zink ; zwei Atome 
Cadmium den gleichen Baum, wie ein Atom Calcium; ein 
Atom Manganoxydul genau den gleichen Baum , wie ein 
Atom Magnesium; ein Atom Manganoxyd oder Braunit ge- 
nau den gleichen Baum, wie 3 Atome Magnesia als Periklas; 
drei Atome Ealkspath oder Caicit genau den gleichen Baum, 
wie 4 Atome Magnesitspath, und wie 10 Atome Magnesia 
als Periklas u. s. w. 

Es liegt diesen Verbindungen offenbar eine gemeinsame 
Stere zu Grunde, eine gemeinschaftliche Volumeinheit^ 
durch welche sie sich alle messen lassen, aufweiche bezogen 
sich alle ihre Elemente als ganze Multipla derselben aus- 
drücken lassen. Im Besonderen habe ich nachgewiesen, und 
in den Berichten des D. ehem. Ges. in 3 Abhandlungen dar- 
gelegt, dass die Silberstere = 5,14 ist, und dass die 
Mehrzahl aller Silberverbindungen sich in einfachster Weise 
als reines Multiplum dieser Stere erweist. 

Die Steren aller Elemente, die ich bis jetzt habe fest- 
stellen können, liegen in den engen Grenzen von 5,0 bis 6,1. 



Schröder: Das SterengeseU^ 305 

So hat z. B. der EohIensto£F die Stere 5,11 und prägt sie 
einer Reihe von organischen Yerbindangen anf. Der Phos- 
phor nnd das Arsen haben die Stere 5,30, nnd übertragen 
sie anf eine grössere Zahl ihrer Verbindungen ; das Lithium 
und Natrium haben die Stere 5,90 und prägen sie vielen 
ihrer Verbindungen auf u. s. w. 

Es ist überraschend, wie exact und wie einfach sich 
die beobachteten Volume gut bestimmter Verbindungen 
hiemit erklären lassen, und es ist meine volle üeberzeugung, 
dass das Sterengesetz fortan nicht mehr aus der Wissen- 
schaft verschwinden wird. 

4. Hiemit ergiebt sich nun auch ein Weg, die V o 1 u m- 
molekel fester Körper aufzufinden. Es müssen zu der- 
selben so viele Atome eines Elementes oder einer Verbindung 
genommen werden, aber nicht mehr, als nothig sind, damit 
sich das Volum jedes Elementes für sich oder in der Ver- 
bindung als ganzes Multiplum der waltenden Stere 
ausdrücken lässt. Mit anderen Worten: Die feste Mo- 
lekel enthält von jedem Element nur ganze Vo- 
lume oder Steren. 

So ist z. B. die feste Molekel des Zinks und des 
Zinkoxyds = Zu, u. ZugO,, weil drei Atome Zink für 
sich und im Oxyd den Baum von fünf Volumeinheiten oder 
Steren einnehmen, und die 3 Atome den Raum von 
3 Steren. 

Ich bezeichne die Anzahl der Atome jedes Elementes 
in einer Verbindung, wie üblich, mit einer ganzen Zahl 
rechts unten neben dem Zeichen des Elementes, und die 
Anzahl seiner Steren mit einer ganzen Zahl rechtsoben 
neben dem Zeichen des Elementes. Die Stere selbst hebe ich 
dadurch hervor, dass ich sie über den Ziffern überstreiche, 
das beobachtete und das berechnete Volum dadurch» 
dass ich es unter den Ziffern unterstreiche. Ebenso 



306 SitiUHfi der matii.'ph^. CkMe vom U Dezemher 1877, 

bezeichne ich in der Verbindung dasjenige Element, welches 
die Stere bestimmt, dadurch, dass ich es überstreiche. 
Ich will diess dnrch ein Beispiel erläntern. Die Sil- 
berstere ist 5,14. Das metallische Silber ist 

Ä? = 2X511 = 10,28; beob. v = 10,28 

Das Clorsilber ist: 

KPCV ■= 5X5,14 - 25,70; beob. ▼ = 25,7 
Das Jodsilber ist : 

Äg JJ = 8X5Ti 4 = 41,12 ; beob. v 1=41,1 

Diese Formeln drücken also aus: Im Cblorsiiber and 
Jodsilber ist es das Silber, welches sich das Volnmmaass 
oder die Stere der anderen Elemente assimilirt. Das Silber 
ist mit seinem metallischen Volnm im Chlorid und Jodid 
enthalten ; die Volume von Silber und Chlor im Chlorsilber 
verhalten sich ^enau wie 2:3; von Silber und J o d im Jod- 
silber genau wie 1:3. Das Jod im Jodsilber nimmt genau 
den doppelten Raum ein, als das Chlor im Chlorsilber. 
Die beobachteten Volume stimmen mit den berech- 
neten exact uberein. 

5. Zunächst werde ich nun an ein paar einzelnen Verbin- 
dungsgruppen eingehend nachweisen, in wie überraschend 
einfacher Weise sich das Sterengesetz geltend macht. 

Ich wähle dazu einige Verbindungen der Kieselsäure, 
der Thonerde und der Bittererde. 

Einen ähnlichen Nachweis für zahlreiche andere che- 
mische Gruppen behalte ich mir y(tf. 



I. Dag Sterengesetz nachgewiesen far die Gruppe: 

Silicium, Quarz, Sillimanit, Disthen. 
§ 1. Die Beobachtungen sind: 
1. Silicium == 8i ; m = 28. 



Schröder: Das SUrtngesetz. 307 

Met-allglänzende Krystallblätter, härter als Glas, haben 
8 = 2,490 Wohler; v = 11,3 
8=2,493 Harmening; v - 11,2 

Das Silicinm ist noch in einer anderen Modifiofttion 
beobachtet, worauf ich hier nicht eingehe. 

2. Qnarz und Bergkrystall = SiO,; ni = 60;hexagonal. 

Die Dichtigkeit des Quarzes iwst von Le Royer & Dn- 
xnas, von H, St. Ciaire Deville, von Th. Scheerer, von F. 
Graf Scha£fgotsch und von H. Rose auf 3 Ziffern überein- 
stimmend beobachtet zu 

s = 2,65 und v = 22,6 

Die Kieselsäure ist noch in anderen Zuständen beob* 
achtet worden, auf welche ich jedoch an anderer Stelle zu- 
rückkommen muss. 

3. Der Sillimanit = ÄlSi; m = 162,8 ist mit dem An- 
dalusit und Disthen isomer und heteromorph. 

Fibrolith oder Faserkiesel und Buchholzit 
sind nur Varietäten des Sillimanits, von wesentlich gleicher 
Znsamensetznng. 

Sillimanit von Norwich; s = 3,238 Dana; vzr 50,3 

„ „ Yorktown; s = 3,239 Norton; v = 50,3 

„ ,, Norwich ; s = 3,232 Brush; v = 50,4 

Fibrolith s = 3,24 Bournon; v = 50,3 

„ 8 = 3,20 Daraour; v = 50,9 

„VonCarnati, Indien; s=3,210Chenevix;v = 50,7 

„ „ Brioude,Haute Loire; 8 = 3,209 „ v==50,7 

„ „ Steinheil, Morbihan; 8 = 3,193 „ v=5i,0 

Bucholtzit von Chester; s=3,239 Erdmann; vt=50,3 

■ • ■ * * 

4. Disthen oder Cyanit = AlSi; m= 162,8. 

Vom Gotthard, sehr rein s = 3,6 Marignac; v = 45,2 
„ Oreiner, Zillerthal s = 3,678 Jacobson; v = 44,2 

8 = 3,661 Erdmann; v = 44,5 
Blättriger von Elfdahlen s = 3,48 Igelstrom; v — 46,8 



308 Sitzung der maih^-phys. Clcuae vtm 1. Dezember 1877. 

§ 2. Da die Stereu aller Elemente in den Grenzen 
5 — 6,1 zn liegen scheinen, so ist die Stere des Silicinms 
am einfachsten als 5,65 angenommen, und die Vol. Mol. des 

Silicinms z=:Si^ = 2X5^^ 11^3 

§ 3. Ich habe schon wiederholt darauf aufmerksam 
gemacht, dass dem Qnarz genau das doppelte Volum des 
SiUciums zukomme; dass Sauerstoff und Silicium im Quarz 
gleichen Raum erfüllen, und dass das Silicium seine Stere 
auf den Quarz überträgt. 

In der That, wenn man vom Quarz volum das Yolain 
des Siliciums abzieht, so bleibt ffir Og das Volum 11,3; 

for also das Volum 5,65 ; ein Werth, welcher dem nor- 
malen Durchschnittsvolum des Sauerstoffs in den 
Oxyden, wie ich schon 1840 wahrgenommen habe, ent- 
spricht. 

Hiemit ergibt sich aber als Volummolekel des Quarzes: 

V.M. Quarz =:^0; = 4X5;65 = 22,6. 

§ 4. Theilt man das Volum des Sillimanits := Äl Si, 
welches zu 50,3 bis 50,9 beobachtet ist, und da der Silli- 
manit gewöhnlich iVs bis 2^/o Eisenoxyd enthält, eher zu 
klein als zu gross beobachtet sein dürfte, theilt man dieses 
Volum mit der Siliciumstere, so findet man sofort, dass sie 
9 mal darin enthalten ist. 

Die einfachste Auffassung, welche zugleich durch die 
an den Componenten selbst beobachteten Volumconstitu- 
tionen nahe gelegt wird, ist 

V. M. SiUimanit = k\\ 0», SiJ OJ = 9X5;65 = 50,85 

wie beob. 

Hiernach wäre der Quarz als solcher im SiUimanit 
enthalten; die Thonerde aber mit der Volumconstitution 
des Korunds, jedoch mit der Siliciumsstere; als dem Volum- 
•maass des Quarzes assimilirter Korund. 




Schröder: Daa Sterengeaet». 309 

§ 5. Was den Disthen =r. ÄlSi betrifft, so fällt es 
sofort auf, und ich habe danranf schon 1873 (Jahrb. Min. 
S. 939) anfmerksam gemacht, das der Disthen oder Gya- 
nit genau das doppelte Volum des Quarzes hat. Es kommt 
also dem Disthen wie dem Silimanit die Siliciumstere zu. 

Als naheliegende und wahrscheinliche Auffassung er- 
giebt sich hiernach 

k\\ OJ, SiJ 0\ = 8X5;65 = 4 5,20 wie beob. 

Auch im Cyanit wäre hiemach der Quarz als solcher 
enthalten, die Thonerde aber mit der Volumconstitution 
AIJO?, mit welcher sie für sich noch nicht beobachtet ist. 

Das Walten der Siliciumstere im Sillimanit und Disthen 
scheint mir nicht zweifelhaft, wenn auch die angenommene 
Volumconstitution der Gomponenten, obwohl sie die nächst- 
liegende und einfachste ist, nar mit Reserve vorgelegt 
werden kann. 

§ 6. Sillimanit und Disthen sind isomer mit 
dem Andalusit von gleicher Zusammensetzung. Wir werden 
sehen, dass im Andalusit die Alumini nmstere waltet, 
und dass der Kieselsäure darin das Volum des Korunds zu- 
kommt. 

Es ist hiedurch erstmals ein gesetzmässiger Zusammen- 
hang der Isomerie einer Verbindung mit ihrer Volumconsti- 
tution klar gelegt. 

n. Das Sterengesetz nachgewiesen ffir die Clruppe: 

Aluminium, Korund, Chrysoberyll, Diaspor, 

Andalusit. 

§ 7. Die Beobachtungen sind: 

r. Metallisches Aluminium = AI; m = 27,4. 

Für kleine Mengen s=2,67 bis 2,50 Wöhler; v= 10,28 bis 10,98. 

Gehämmertes u. gewalztes sa= 2,67 H.St. ClDeville;v=10,28. 



310 SitjBung der matK'phys, Ckuse vom i. Dezember ISTT, 

2. Korand, Rabin und Saphir = Al^O^; m == 102»8; 
rhomboSdr. 
An natürl. Kornndkrystallen fand Graf Schaü^otsch im 
Mittel ans vielen Bestimmungen s = 4,00; y=25»7 
Farblose Krjrstalle 8 = 4,022 Ch DeviUe; v = 25,6. 

Nach dem Schmelzen und Erstarren 8=^ 3,992 Ch. Deville 

v=25,8 
Korund, s = 4,009 Breithaupt ; v — 25,64 
Kunstliche Krystalle s ^3,928 Ebelmen; v=26,17. 
Im Porcellanofen geglühte Thonerdes=3,999 H.Bo8e;v=25,7. 
Das Volum des Korunds ist daher nach Scha%otscfa, 
DeviUe und H. Rose übereinstimmend v=:25,7. 
3 Der Chrysoberyll von der Krystallf orm des Diaspor 's 
ist nach den Analysen = AI, S^, wofür, wenn Be = 1 4 
ist, sich m= 384,4 ergiebt. 
Für Chrysoberyll v. Ural i. M. s=3,739 v.Kokscharow; v= 102,8 
Künstlich dargestelte Krystalle 8=3,759 Ebelmen; v = 102,3 

4. Diaspor =: AI, 03,HgO; m=120,8. 

Von ? 8 = 3,43 Berzelius; v=35,2 

„ Trumbull, Connecticut; s = 3,29 Shephard; v=36,8 
„ Bahia 8 = 3,464 Damour; v=34,9 

„ Katharinenburg i. M. s=r3,33 Hermann; v=36,3 
„ Kleinasien 8=3,45 Smith; vzz:35,0 

„ Schemnitz, Ungarn s=3,303Lowe; v=36,6 

I. M. v=35,8 etwa. 

Die Beobachtungen stimmen nicht scharf, weil der Di- 
aspor nicht rein vorkömmt. Alle analysirten Sorten sind eisen- 
haltig, wodurch s erhöht, v erniedrigt wird. Es kommen aber 
auch Verunreinigungen vor, durch welche s erniedrigt wird. 

5. Andalusit nnd Chiastolith kommt vor als ÄlSi; 
m =: 162,8; isomer mit Disthen und Sillimanit. 

Für den Andalusit von Munzig im Triebischthal fand 
Kersten die angegebene Zusammensetzung und 

s=^ 3,152 Kersten; v=i5l,7. 



Sehröder z Das Sterengesetz. 311 

Dieselbe fand Damour für brasilianischen: 
Von Brasilien s=3,16 Damour; v=51,5. 
Der Andalusit enthält nach Bnnsen (P. A. 47.186) in 
der Regel fremde Beimengungen, selbst wenn er schön 
krystallisirt ist. Durch seine Reinheit ausgezeichnet ist der 
Andalusit oder Chiastolith von Lancaster ; seine Zusammen- 
Setzung ist nach Bunsen ^ Al^ Si,; m = 1036,8. 

Chiastolith von Lancaster; s= 3,088 Bunsen; v=: 335,8. 

§ 8. DadasAluminiammetall— 10,28 beob. ist, 

so ist die Aluminiumstere ohne Zweifel = 5,14, wie die 
Silberstere, und 

Vol. Mol. Alf = 2X5Ti4 = 10,28. 
§ 9. Der Korund = Alj O3 hat das Voluni 25,7 ; 
es ist diess genau = 5X5,14. Das Vol. des Korunds ent- 
hält sonach 5 Aluminiumsteren. Das Aluminium übei trägt 
seine Stere auf den Korund. Nimmt man für den Sauer- 
stoff wieder sein normales Durchschnittsvolum, hier mit der 

Aluminiumstere = 5,14, also für 3 das Vol. 3X5,14=15,42, 
so ergiebt sich für Al^ der Rest 10,28. Es nehmen also 
2 Atom Aluminium im Korund genau den nämlichen Raum 
ein, wie 1 Atom Aluminiummetall. 

Schon 1840 habe ich richtig wahrgenommen, dass die 
Leichtmetalle sehr häufig mit ihrem halben Metallvolum 
in ihre Verbindungen eingehen. 

Volumconstitution und Volummolekel ergiebt sich hiernach 

für Korund = ÄI^O^ - 5X5714=25,70 wie beob. 

§ 10. DerChrysoberylliriÄljS^hatdas Vol = 102,8. 

Auf den ersten Blick sieht man, dass diess das zehn- 
fache Volum des Aluminiümmetalls ist. Der Chrysoberyll 
enthält daher 20 Aluminiumsteren. 

Der Korund -enthält 5 solche Steren ; 3 Atome Korund 
geben 15 Steren; es bleiben daher für die Beryllerde 



312 Sitzung der m(Uh,'phy8. Qasae oom 1. Dezember 1877. 

= Be^ Og ebenfalls 5 Steren, wie diess auch fnr die mit 
dem Kornnd isomorphe Beryllerde für sich beobachtet ist. 
Nur ist die Beryllinmstere etwas kleiner, was ich hier nur 
erwähnen will. 

In der That, zieht man vom Volum des Chrysoberylls 
3 mal das Volum des Korunds ab, so bleibt f&r die Beryll- 
erde ein Volum genau gleich dem des Korunds. 

Im Chrysoberyll sind daher Korund und Beryllerde 
mit ihren ursprünglichen Volumen, aber die Beryllerde oeiifc 
der Stere des Korunds enthalten. 

Hiernach ist die Vol. Gonst. des Chrysoberylls gegeben 
durch die Formel 3iP0!! + Be'O» = 20X5J4. 

2 9 «3 

Aber die Molekel lässt sich halbiren, und schreiben : 

Vol. Mol. Chrysoberyll = ÄljBe|OJ== 10X5714 = 51,4 

wie beob. 

§ 11. Für den Diaspor = AI, Oa,H, ist i. M. 
beobachtet v=35,8 etwa. 

Er enthält 7 Aluminiumsteren, denn 7X5,14=3 5,98 

wie beob. 

Das Wasser, welches er enthält, ist basisches Wasser 
welches erst in der Glühhitze entweicht. Dass die Thon- 
erde darin als Kornnd enthalten sei, wird schon aus der 
Thatsache wahrscheinlich, dass der Chrysoberyll mit dem 
Diaspor von gleicher Krystallform ist, und dass der erstere, 
wie wir eben gesehen, die Thonerde als Korund enthält. 
Der Diaspor hat 7 Steren: der Korund bat 5 Steren; zieht 
man diese ab, so bleiben für das Hydratwasser 2 Steren 

= 2XM4=10,28; und seine Vol. Const. ist ohne Zweifel 
=: HJ OJ, So ergiebt es sich auch aus dem mit dem Diaspor 
isomorphen Manganit =Mn, O3, Hg 0. 



Schröder: Das Sterengesetz, 313 

Hiermit ist Vol. Const. und Vol. Molekel für 



Diaspor = ÄP^ 0», HJ 0\ = k\\ H^ 0* = 7X5,U = 35,98 

wie beob. 
§ 12. Für den Andalusit und Chiastolith 
= Alg03, SiOg ist das Volum v.=51,5 bis 51,7 beob. Es 
fallt sofort auf, und ich habe darauf schon 1873 (J. M. 
p. 938) aufmerksam gemacht,?dass diess genau das doppelte 
Vol. des Korunds ist. Der Andalusit enthält die Thonerde 
als Korund, und die Kieselsäure mit der Stere und dem 
Volum des Korunds, wahrscheinlich als Si'O* oder als 
SiJO^; was ich hier unentschieden lassen muss. Vol. Const. 
und Vol. Mol. sind für Andalusit 



AP O;, SiJ 0\ od. Al^ O;, SiJ O; = 10X5,14 = 51,4 wie beob. 
Für den Chiastolith Yon Lancaster ergiebt sich ebenso 
6 ÄP0»+7SiJ0»=i 65X5714=334,10 wie beob. 

III. Das Sterengesetz nachg:ewiesen für die Grnppe : 

Magnesium, Periklas, Spinell, Olivin, Diopsid, 
Humit, Kalkthonerde- und Magnesiathonerde- 

Granat. 

§ 13. Die Beobachtungen sind: 

1. Das Magnesium = Mg; mzz:24. 

Galv. red. s =1,743 Bunsen; v=13,85. 
Durch Na reducirtes s = 1,75 H. St. Ciaire Deville u. 
Caron; v -13,72. 

2. Periklas und geglühte Mag^nesia= MgO; m = 40. 
Regulär. 

Im Porcellanofen geglühte Magnesia s=3,644H.Rose; v=10,98 
Künstlich in Krystallen erthaltene s=3,606Ebelmen; v=ll,09 
Natürlicher Periklas s- 3,674 Damour; v= 10,89 

„ ,5 s=3,75 Scacchi; v = 10,7 

Vom Monte Somma s=3,642 Cossa; v= 10,99 



314 Sitzung der maih.'phys. Classe vom 1, Dezember 1877, 

0er natürliche Periklas enthält 4 bis 6^ Eisenoxvdalf 
wodnrch sich seine Dichtigkeit etwas erhöht. 

3. Spinell = Mg 0, AlgO,; m=142,8 Regulär. 

Die beobachteten Dichtigkeiten des Spinells stimmen 
nicht scharf überein, da der gewöhnliche, der Zeylanit, statt 
der Magnesia einen Theil Eisenoxydnl, der Chlorospinell 
(G.Rose) statt der Thonerde einen Theil Eisenoxyd ent- 
hält. Die meisten Spinelle enthalten auch ein oder mehr 
Procente Kieselsäure. 

Von Slatoust s =3,721 v. Eokscharow; v=38,4 
Gewöhnl. Spinell hat s = 3,77 bis 3,80 G. Rose; 
v=37,9 bis 37,6 (P. A. 50. 652) 
Chlorospinell vom Ural i. M. 8=3,593 G. Rose; v=39,7 

Im Mittel für beide Sorten nach G. Rose; v=:38,7. 

Für einen Spinell von Ramos in Mexico giebt Rammeis- 
berg die Formel 3 Mg AI +Fe AI. Hieför ist m=i603,2. Nach 
Burkart ist s = 38,65; alsov= 156,1.' Auf RAl bezogen 
ergiebt sich hieraus v=39,0. 

4. Die reinste Varietät des Augits, der Diopsid, hat 
die Znsammensetzung Mg Si -f- C)ä Si ; m=2 1,6. 

Aus Gulsjö, Wermland s=: 3,249 Rommeisberg; v=66,5; 

sehr rein. 
Smaragdgrüner s = 3,28 Damour; v=65,9 

Von Ala, Piemout, nur stellenweise grün gefärbter, 
vollkommen klarer Diopsid gab s = 3,249 Schröder: vi:=66,5 
Vom Zillerthal, schwach grün; s= 3,289 Schröder; v-:^65,7 
Von Ottawa, Canada; s= 3,265 Hunt; v=66,2 

Von High Falls, Canada s ^3,274 Hunt; v=66,0 

5. Der Magnesia-Chrysolith oder Olivin zi: Ü^^Og, SiOg ; 
m=:140 ist meist eisenhaltig, wodurch sich seine Dich- 
tigkeit etwas zu gross, sein Volum wohl etwas zu klein 
ergiebt. 



Schröder'. Das Steren^eseig. 



315 



Die reinsten antersQchten Sorten haben ergeben: 

a. Weisser OHvin vom Monte Sotnma; 8=3,243 Rammels- 
berg; v=43,2 (P. A. 109. 568) enthält 2,33> FeO 

b. Wasserheller Chrysolith aus der Eifel (l^/o FeO ent- 
haltend) 

8 = 3,227 Tschermack; v=43,4 

c. Aus dem Serpentin von Snarum, Norwegen (P. A. 

148. 330) 

8=3,22 Heiland; v=43,5 

d. Von Webster, Nordcarolina, über 7^0 FeO enthaltend 

8=3,252 Genth; v=43,3 

e. Frischer Olivin aus dem Basalt von ünkel bei Ober- 
winter 

8=3,19 Jung; v- 43,9 

f. Vom Hekla, 8 = 3,'226 Genth; v=:43,4 (etwa 7> FeO 
enthaltend) 

g) Von Bolton, Massachusetts, sehr rein etwa 1,5 ^o Fe 
enthaltend 

8=3,21 Brush; v=43,6. 
Nimmt man Rücksicht auf den Eisengehalt nach den 
resp. Analysen und. berechnet nach Abzug des bekannten 
Volum*s des Eisenchrysoliths das sich für den reinen Mag- 
nesiachrysolith ergebende, so Tollt dieses etwas grösser aus 
=43,8 etwa; so dass man in runder Zahl wohl 44,0 für 
den Oliyin angenähert erwähnen darf. 
6. Dem Hu mit kommt nach G. v. Rath die Formel zu 

Mg5 05,Si2 04; m=320; . 
worin geringe, aber wechselnde Mengen von durch Fluor, 
und etwas Magnesia durch Eisenoxydul vertreten sind. In 
den Vesuvischen Humiten fand G. v. Rath (P. A. 147. 258) 
etwa 40 Atome Silicat auf 1 Atom Fluorid; in den Schwe- 
dischen 20 Atome Silicat auf 1 Atom Fluorid. Auf das 
beobachtete Volum hat dieser geringe Fluorgehalt keinen 
mit Sicherheit messbaren Einfluss. 

Der Humit kommt seiner Krystallform nach in 3erlei 



316 mUnmg der rnntK-phys. Classe wm 1. Dezember 1877. 

Typen yor. Pttr den 3. Typus bemerkt G. v. Rath, dass 
sowohl Bammeisbergs als seine Analysen für denselben einen 
etwas grösseren Kieselgehalt ergeben haben; so dass hie- 
dureh angedeutet sein könne, dass die Mischung nicht 
absolut identisch ist. Vom wechselnden Fluorgehalt hängt 
seinen Analysen zq Folge die Verschiedenheit der Typen 
nicht ab. 

Für Typus I. ist beob. 

S-. 3,234 Scacchi; v=98,9 

s=3,216 Rammeisberg; v=::99,5 
8=3,208 G. V. Rath; v = 99,7 

Für Typus II. ist beob.: 

Vom Vesuv: s=3,177 Scacchi; v=100,7 

„ „ 8=3,190 Rammeisberg; v=100,3 

„ „ 8=3,125 G. V. Rath; v=102,4 

Von Schweden 8=3,057 G. v. Rath; v = 104,7 

J. M. v= 102,0 und ohne den Schwedischen v— 101,4. 

§ 14. Der Ealkthonerdegranat ist 
3 (Ca 0, Si OJ + AI, Os ; m=450,8. 

a. Er ist sehr rein von Hunt beobachtet. Der grünlich 
weisse Granatfels von Orford, Ganada, enthält nur 
1,6> Fcg Og und Mn, 0, und 0,49 Mg. 0. 

8=3,52 bis 3,53 Hunt; v=127,7 bis 128,1 

b. Granat von Rancho De San Juan in Mexico ist eben- 
falls nach Damonr sehr reiner Ealkthonerdegranat, 
nur l,36>Fe, Oj; 0,96"/o Mn und 0,67% Mg O 
enthaltend. 

8=3,57 Damour; v=:127,0 

7. Magnesiathonerdegranat = 3 (Mg 0, Si 0,) 
+A1,03; m =402,8. 
Die Granate der Serpentine sind nach Delesse diese 
Verbindung. 

8=3,15 Delesse; v=: 127,9. 




Schröder: Das Sterengesete. 317 

Hieraus ergiebt sich, dass Ealkthonerdegranat 
und Magnesiathonerdegranat, und folgweise das 
Kalksilicat und das Magnesiasilicat im Granat 
isoster sind. 

§ 15. Ich habe schon erwähnt, dass die Steren der 
Elemente zwischen den Zahlen 5,0 und 6,1 eingeschlossen 
scheinen, und dass namentlich die zahlreichen Verbindungen 
der Metalle der Magnesiumreihe vielfach, wenn nicht völlig 

doch nahe die gleiche Stere nachweisen 5,49 bis 5,52, in 

runder Zahl 5,5 etwa. 

Wird diess auf das Magnesiummetall angewendet, 
welches = 13,7 bis 13,8 beobachtet ist, so ergiebt sich sofort, 
dass 2 Atome desselben eine ganze Sterenzahl ausmachen, 

denn2Xl3,7bis2Xl3,8=27,4bis27,6 = 5XM8 bis 5X5^52 

Es ist daher dieJT. M. des Magnesiums 
Mg^ = 5X5,5=27,5=2X 13,75 wie beob. 

§ 16. Da der Sauerstoff in den Oxyden in der 
Regel das Yolum 5 bis 6 einnimmt, so ergiebt sich hiemit 
fQr den Periklas und die geglühte Magnesia die einfache Y. M. 

Hg|OJ = 2XM8 bis 2X5^2 = 10,96 bis 11,04 wie beob. 

§ 17. Zieht man von dem beob. Volum des Mag- 
nesiachrysoliths oder Olivins = 43,8 das beobachtete 
Yolum des Periklases doppelt genommen ab, so bleibt für 
die Kieselsäure genau das gleiche Yolum, welches die 
2 Atome Periklas einnehmen. 

Oli vin = 2 Mg + Si 0^ = 43,8 

ab = 2 Mg =21,9 =2X10,96 wie beob. 

giebt für SiO, den Rest v=21,9 

Ich habe hieraus schon 1873 (Jahrb. d. M. 566) ganz 
richtig geschlossen, dass im Olivin die Magnesia und die 
Kieselsäure gleiche Yolume einnehmen, und dass der Quarz 
[1877. 3. Math.-phys. CIJ 31 



318 Sitnmg der mathrphifB, doste vom 1. Dezember 1877. 

im OliTin zwar als solcher, aber mit dem Yolnmmaass des 
Periklases enthalten sei. 

Für den Olivin ergiebt sich hieraus die einfache Vol.- 
Mol. 

Bg C^; SiJOJ=8X5;i9=43,92 wie beob. 

In mnder Zahl mit der Stere 5,5 würde sich hieraas 
das Yolnm des Silicats Mg 0, Si 0, berechnen za 
3X11,0=33,0. 

§ 18. FürdenDiopsid=:MgO, SiO,+CaO, SiO,, 
dessen Volnm in runder Zahl = 66,0 beobachtet ist> legt 
sich nun fofort die Auffassung nahe, dass in demselben die 
beiden Verbinduugen Mg 0, Si 0, und Ca 0, Si 0, gleiche 
Volume, und zwar das Volum 33,0 jede einnehmen, wie es 
sich aus dem Chrysolith ergeben hat; dass also im Diopsid 
der Kalk und die Magnesia, wie in so manchen anderen 
Fällen gleiche Volume einuehmen. Schon im Jahrb ' d. Min. 
1873. S. 564 und 65 habe ich dargelegt, dass sich Augit 
und Hornblende durch die Vol. Const. der darin ent- 
haltenen Ealkerde unterscheiden. Während die Horn- 
blende den Kalk als solchen und das Ealksilikat als 
WoUastonit enthält, ist der Kalk im Augit mit der Vol. 
Const. des Periklases enthalten. Es stimmt diess auch mit dem 
krystallographischen und optischen Verhalten überein ; denn 
für die Constitution der echten monoklinometrischen Pyro- 
xene (Augite) ist nach Descloizeaux ein gewisser grosserer 
Kalkgehalt you 10 bis 14% noth wendig; wo er fehlt, ist 
die Krystallform niemals die des Augits. 

Es ergiebt sich hienach unmittelbar die Vol. Const. 
und Vol. Mol. des Diopsidsals 

Hgo;,sijoj+cs;o;,sijoj = i2X5;49 bis 12x530 

= 65,88 bis 66,0 wie beob. 
§ 19. Die ganz entsprechende Vol. Const. ist zu 



Schröder: Das 8ter engesetz - 319 

entnehmen för den 1. Typus des Humit s = Mg^ O5, Sij 0^, 
dessen Vol. zu 99 in runder Zahl beobachtet ist. 

Ist die Magnesia darin als Periklas mit dem Yo]. 11,0 
in runder Zahl, und die Kieselsäure als Quarz mit der Mag- 
nesiumstere und dem Vol. 22,0 enthalten, so ergiebt sich 
unmittelbar für die 5 Atome Magnesia das Volum 5Xll =55 
und für die 2 Atome Quarz das Volum 2 X 22 = 44, zu- 
sammen 99 wie beob. 

Die Vol. Mol. des 1. Typus Humit ist hiernach 

M^O^,Si*0*=18X5;49 bis 18 X 5;52 = ^8,82 bis 99,06 

wie beob. 

§ 20. Für den 2. Typus des Humits stimmen die 
beobachteten Volume noch nicht genügend überein, um einen 
sicheren Schluss zu gestatten. Das mittlere für den 
2. Typus beobachtete Volum 102,0 und ohne den Schwe- 
dischen =: 101,4 würde sich entsprechend ergeben, wenn im 
2. Typus dieSiliciumstere die bestimmende wäre ; denn 
hiemit würde sich berechnen: 



Mg^O*,Si^O*= 18X5,65= 101/70, wie i. M. beob. 

Wenn nun auch diese Auffassung nur mit grosser Re- 
serve vorgelegt werden kann, so ist sie doch ihrer Einfach- 
heit w^en fernerer Beachtung werth. 

§ 21. Auch für den Spinell und denEalkthon- 
erde- und Magnesiathonerdie-Granat ergiebt sich 
das beobachtete Volum, wenn im Spinell die Magnesia 
als Periklas, im Granat das Ealksilicat und Magne- 
siasilicat wie im Augit und Olivin, die Thonerde 
aber im Spinell und Granat als Korund, mit der Stere 
des Magnesiums und Calciums erkannt wird. 

Vol. Mol. und Vol. Const. dieser Granate ergeben sich 

^ hiemach als 

21» 



320 SiUuiy (far math.-plu/i. Oatte com I. Daember 1877. 

3 (CS^O;,SiJ(^ + Ai;0;=23X(5;49 bin 5M 
= 126,27 bis 126.46 

3 (H^o;,8ijc^)+Ai;o;= 

In UebereinBtimmang hiemit ist beobachtet v = 127. 
Die Vol. Mol. des Spinelln ergiebt sich: 
"Hgf OJ, AIJ (^ = 7 X (M9 bis 5^) = 38j43^ bifl 38,64 
wie beob. 
§ 22. Ich stalle hier nochmals die Verbindungen des 
M^nesitims zusammen, welche die Magnesia und den Kalk 
mit der Vol. Const. des Periklases, die Kieselsäure mit der 
des Quarzes, die Tbonerde als Eomnd, aber alle mit dem 
Tolnmmaass oder der Stere der M^neaia enthalten. 
Ihre Volnmmolekel haben sich ei^ben: 

1. PerJklas = H^O; 

2. Spinell = Hg|"0;, AIJ OJ 

3. Olivin =H^OJ,SiJO| 

4. Diopsid =Hg[o;,si;c^+Ca[o;,8i;(^ 

5. Humit, 1. Typus, =H^OJ,Si;0; 

6. Kalkthonerdegranat = 3 (f^O;,Si;OJ) + AIJOJ 

7. Magne8iathonerdegranat=3{Mg|'0;,8i;Op4-Al|{^ 

Diese ^mmtlichen Volume lasssen sich daher nach dem 
Sterengesetz in ein&chater Weise und in genauer 
üebereinstimmnng mit der Beobachtung anf die für die 
Gomponenten selbst beobachteten Volume znrQckfßhren. 

Die VoL Const. von 1—4 und 6 u. 7 hatte ich, wie 
ermlhnt, schon 1873 and 1874 in der Hauptsache richtig 
aufge&sst; auch 'die Üebereinstimmnng des Volummaasses 
schon theilweise wahrgenommeu. Ich hatte damals jedoch 
die in einem der Elemente, hier im Magnesium und Cal- 



Schröder: Das SterengesetB. 321 

cium liegende assimilirende Kraft als Ursache der 
gemeinsamen Stere noch nicht erkannt. 

§ 23. Auch die Härte entspricht in dieser Grrnppe 
der gegebenen Auffassung. 

Diese ist für Periklas=6; fttr Quarz =7; für Korund =9. 
Für Spinell = 8 liegt sie der Vol. Const. entsprechend 

zwischen Periklas und Korund. 
Pur Granat = 6,5 bis 7,5 liegt sie der Vol. Const. ent- 
sprechend zwischen Periklas, Quarz und Korund. 
Für Olivin = 6,5 bis 7 li^t sie der Vol. Const. ent- 
sprechend zwischen Periklas und Quarz. 
Für Humit = 6,5 liegt sie der Vol. Const. entsprechend 

zwischen Periklas und Quarz. 

Schlussbemerkung. 

1. Möge es mir gestattet sein, auch das weitere Ziel 
näher zu bezeichnen, nach welchem alle einfachen Volum- 
beziehungen conyergiren, auf welches sie alle hindeuten. 

Es ist das allgemeine Volumgesetz, nach welchem 
sich die Körper nur yerbinden im Verhältniss 
vielfacher Werthe mit ganzen Zahlen von gleichen 
Volumen; oder kürzer ausgedruckt: 

A. Die Körper verbinden sich nur nach ganzen 
Volumen, nach ganzen Steren; wie sie sich nur 
nach ganzen Atomen verbinden. 

B. Die Volume verschiedener Körper stehen in ein- 
fachen Verhältnissen: 

Von Gasen bei gleichem Druck und gleicher Tem- 
peratur. 

Von Flüssigkeiten bei gleicher Spannkraft ihrer 
Dämpfe. 

Von festen Körpern bei gleicher Stere der 
assimilirenden Elemente. 



322 8iUmng der nuUh.-phy», Gkuae vom 1. DeBember 1877, 

2. Mit dem nanmehr viel leichter gemachten Fort- 
schritt dieser Untersuchungen werden sich voraussichtlich 
bald noch weitere Beziehungen der Volumconstitution. zur 
Krystallform und zu anderen physikalischen und chemisclien 
Eigenschaften der Körper herausstellen, bei deren Berück- 
sichtigung sodann die Unbestimmtheit mehr und mehr 
schwindet, welche von vornherein diese Untersuchungen 
so überaus schwierig und undankbar hat erscheinen lassen, 
dass sie von den meisten Forschem hoffnungslos bei Seite 
gelegt wurden. 

3. Man wird vielleicht Anfangs geneigt sein, nur einige 
Regelmässigkeiten in den Yolumbeziehungen fester 
Korper, welche ich nachweise, anzuerkennen. Ich denke 
jedoch nach und nach so viele ebenso einfache und schone 
Beziehungen^ wie die hier mitgetheilten vorlegen zu können, 
dass schliesslich auch der allgemeine Siun dieser Be- 
ziehungen völlig klar werden muss. 

4. Mogeindess dass Yolumgesetz und das Steren- 
gesetz immerhin vorerst nur als eine theoretische 
Hypothese betrachtet werden. Da man sich von einer 
theoretischen Auffassung, von einer Hypethese, 
bei jeder methodischen Forschung muss leiten lassen, um 
angemessene und systematische Fragen an das Experiment, 
nud durch dasselbe an die Natur zu stellen, so kann diese 
Hypothese in Ermangelung jeder anderen der Wissen- 
schaft nur forderlich sein. 

Karlruhe den 22. November 1877. 



SitiUDg vom 1. Dezember 1877. 



Herr Erlenmejer spricht: 

1) Ueber HydroxysSuren. 

a) Dihydroxypropionsäure^ Di- und Monohydro^ 

xy'b ernst ein säure. 

Bei der weiteren Verfolgung meiner Untersuchung über 
Hydroxysäuren habe ich auch einige complicirter zusammen- 
gesetzte Verbindungen wie Glycerinsäure, Weinsäure und 
Aepfelsäure der Einwirkung verdünnter Schwefelsäure bei 
130^ ausgesetzt. Es zeigte sich zunächst, dass aus den drei 
genannten Säuren ebenfalls Ameisensäure abgespalten wird. 
Die Untersuchung der neben dieser auftretenden Körper 
ist noch nicht beendet; sie ist sehr erschwert, weil, wie es 
scheint, die anfangs entstandenen aldehydischen Spaltungs- 
produkte zum Theil Gondensation erfahren. 

Ganz besonders interessant ist das Verhalten der 
Aepfelsäure. Da dieselbe von der einen Seite betrachtet, 
als a Hydroxysäure von der anderen als ß Hydroxysäure 
erscheint, so könnte man vermuthen, dass sie sich zum Theil 
als a- zum Theil als /}-Säure spalten würde. 

Nach dem Erkalten der Bohren, in welchen die 
Aepfelsäure mehrere Stunden mit yerdünnter Schwefelsäure 
(1 SO^ Hg : 3 Wasser) auf 130* erhitzt wurde, zeigt sich 
zunächst ein sehr erheblicher krystalliniscber Niederschlag' 



324 SüMung der matK-phya. Clasae vom 1. Deeemher 1877. 

in der Flfisaigkeit, der sich als reine Fumarsänre erwies. 
Beim Oeffhen der Röhren entweicht unter massigem Druck 
GOg und die Flüssigkeit enthalt (neben noch unYerandezter 
Aepfelsäure) Aethylaldehyd und Ameisensäure. Wenn man 
die neugebildeten Körper entfernt und die klare Flüssigkeit 
wieder erhitzt, so bilden sich von neuem dieselben Produkte, 
aber nach Schätzung in grösster Menge die Fumarsänre. 
Es ist bis jetzt nicht gelungen, Milchsäure, welche man als 
Vorläufer der Ameisensäure und des Aethylaldehyds ver- 
muthen könnte, mit Sicherheit nachzuweisen. 

Das Auftreten von CO, veranlasste mich zu versuchen, 
ob dieselbe nicht aus der Fumarsäure abgespalten werde, 
da wie ich früher beobachtete, die analog zusammengesetzte 
Zimmtsäure leicht eine solche Veränderung erleidet. Es 
zeigte sich, dass die Fumarsäure in der That unter Bildung 
von Eohlendioxyd zersetzt wird, dass nebenbei aber merk- 
würdiger Weise auch Ameisensäure, etwas Eohlenmonoxyd 
und Aethylaldehyd entstehen. (Von letzterem scheint ein 
Theil in Crotonaldehyd verwandelt zu werden). Ja es ist 
hier sogar möglich gewesen eine geringe Menge eines Zink- 
salzes zu gewinnen, das in der Form des gährnngsmilch- 
sauren Zinks krystallisirte. 

Es entsteht nun die Frage, ob die Fumarsäure unter 
(scheinbar denselben) Bedingungen, unter welchen sie aus 
Aepfelsäure entsteht, auch wieder in dieselbe übergehen 
kann, oder ob das neben CO, aus ihr entstehende Spaltungs- 
product, die Acrylsäure, in saurer Flüssigkeit sich mit 
Wasserbestandtheilen zu gewöhnlicher Milchsäure zu ver- 
binden im Stande ist, die dann ihrerseits in Aethylaldehyd 
und Ameisensäure gespalten wird. Mit der experimentellen 
Entscheidung dieser Frage bin ich beschäftigt. 

Schliesslich will ich noch erwähnen, dass auchWeith 
Berl. Ber. 10. 1744. Aepfelsäure mit verdünnter Schwefel- 
säure erhitzt hat. „Unter totaler Zersetzung der Aepfelsäure 



Erlenmeyer: üd)er Hydroxysäuren, 325 

entstanden Kohlensäure, Eohlenoxyd und Aldehyd/^ Die 
Aepfelsäure war in yerdünnter Schwefelsaure gelöst und die 
Lösung bis zur Siedetemperatur 135® eingekocht worden. 
Dann wurde sie noch bis zur Beendigung der Gasentwick- 
lung am aufsteigenden Kühler gekocht. Es geht hieraus 
heryor, dass Weith viel concentrirtere Schwefelsäure ein- 
wirken liess als ich und desshalb weder die Bildung von 
Fumarsäure noch die von Ameisensäure beobachten konnte. 



b) Monohydroxypropionsäuren. 

Ueberführung der Paramilchsäure in Gahrungsmilchsäure, 

Strecker hat Fleischmilchsäure durch Erhitzen auf 
130 — 140® in Anhydrid verwandelt und aus diesem durch 
längeres Kochen mit Wasser Gahrungsmilchsäure erhalten. 
Wislicenus hat diesen Versuch mit reiner Paramilchsäure 
wiederholt und die Angabe von Strecker bestätigt gefunden. 
Da nun die Paramilchsäure ganz andere Salze bildet, wie 
die Gahrungsmilchsäure, hielt ich es für interessant, die aus 
beiden Säuren zu erhaltenden Chlorpropionsäurester mit 
einander zu yergleichen. Es ergab sich, dass die beiden in 
ganz gleicher Weise dargestellten Ester denselben Geruch, 
denselben Siedepunkt und dasselbe specifische Gewicht be- 
sassen. Danach war schon zu yermuthen, dass beide durch 
Verseifung und Substitution des Chlors durch Hydroxyl*) 
— zur gewöhnlichen Milchsäure führen würden. Diese Ver- 
muthung hat sich dann auch bestätigt. Alle Erystallisa- 
tionen des dargestellten Zinksalzes zeigten die Form, Löslich- 
keit und den Krystallwassergehalt des gährungsmilchsauren 
Zinks. Es geht hieraus herror, dass durch Ersetzung des 
Hydroxyls in der Paramilchsäure durch Chlor die von Wi s- 



1) Diese zwei Beactionen liessen sich in einer Operation durch Er- 
bitien mit Wasser bewerkstelligen. 



326 Sitzung der math.-phy^. CUisse Dom L Dezember 1877, 

licenns angenommeiie geometrische Isomerie yersch windet \ 
und auch nicht wieder zum Vorschein kommt, wenn das 
Chlor wieder durch Hydroxyl substituirt wird. 



Versuche eur Darstellung der Wislicenus* sehen Ädhylen- 

müehsäure. 

Wie ich schon früher mittheilte war mir die Gewinn- 
ung des aethylenmilchsauren Zinks nach Wislicenus aus 
Fleischmilchsänre nicht gelungen. Die damals verwendete 
Fleischmilchsäure war nach der Methode von Lieb ig darge- 
stellt. Nachdem nun Wislicenus eine von der Liebig^schen 
abweichende kürzere Methode bekannt gemacht hatte, be- 
diente ich mich auch noch dieser, indem ich mit peinliclier 
Gewissenhaftigkeit den Au gaben von Wislicenus folgte. 
Ich erhielt denn auch bei der Fällung des Zinksalzes mit 
Alkohol in der That eine alkoholische Mutterlauge, die beim 
Eindampfen eine geringe Menge einer amorphen Masse hin- 
terliess. Diese besass aber einen so entschiedenen Fleisch- 
extractgeruch , dass ich sie sofort auf Stickstoff prüfte« 
Schon beim Erhitzen einer Spur der amorphen Masse anf 
dem Platinspatel entwickelten sich^ Dämpfe, die ein dar- 
über gehaltenes Cnrcnmapapier sofort stark brann färbten. 
Als diese Masse einige Zeit in einem mit Filtrirpapier 
bedeckten Gei^s an der Luft gestanden hatte , war 
sie feucht geworden und es hatten sich Erystallwarzen ab- 
geschieden, die sich nachdem die gelbe Mutterlauge mit 
Alkohol davon entfernt worden war, als gährungsmilchsaures 
Zink erwiesen. Die Mutterlauge wieder verdampft und an 
der Luft stehen gelassen, zeigte dieselben Erscheinungen 
und so noch mehrmals, bis zuletzt eine sehr geringe Menge 
einer amorphen sehr stickstoffreichen Masse übrig blieb, 
die aber noch zinkhaltig war. Drei Jahre ni^^hdem ich 



Erlenmeyer: lieber Hyäroxysäuren, 327 

diesen Yersncli ausgeführt hatte, theilte Elimenko Berl. 
Ber. 9. 1604 mit, dass er ebenso wie ich das in Alkohol 
leicht lösliche Zinksalz von Wislicenus aus der Fleisch- 
milchsäure nicht erhalten habe. 

Da Elimenko nicht angegeben hat, ob die zu seinem 
Versuch verwendete Fleischmilchsäure nach Liebig*s oder nach 
Wislicenus* Methode dargestellt war, so entschloss ich 
mich noch einmal Fleischmilchsäure nach beiden Methoden 
aus demselben Fleischextract zu bereiten und beide Pro- 
ducte neben einander in Zinksalze zu verwandeln und diese 
in der Weise zu behandeln wie es Wislicenus angiebt. 
Das Resultat war dasselbe wie ich es früher erhalten. Das 
fleischmilchsaure Zink nach Lieb ig krystallisirte bis auf 
den letzten Tropfen, das nach Wislicenus verhielt sich 
genau so wie ich es oben beschrieben habe. 

Mittlerweile hat Linnemann angegeben, dass acryl- 
saures Natron mit einer wässerigen Lösung von Natron- 
hydrat bei 100® in hydracrylsaures und äthylenmilchsaures 
Natron, ungefähr zu gleichen Theilen, umgewandelt würde. 
Auch diesen Versuch habe ich — in Gemeinschaft mit Herrn 
F. Fischer — ausgeführt, um endlich einmal die Aethylen- 
milchsäure kennen zu lernen. Diess war mir aber immer 
noch nicht vei^önnt: Wir erhielten neben unveränderter 
Acrylsäure nur Hydracrylsäure, deren Natronsalz bei 143^ 
schmolz. Da Linnemann nicht genau angiebt , wie er 
seinen Versuch ausgeführt hat, so ist es möglich, dass wir 
unter anderen Bedingungen arbeiteten wie er, und nur dess- 
halb ein anderes Resultat bekamen. 

Auch aus den ' Mutterlaugen der ß Jodpropionsäure, 
deren uns freilich nicht sehr grosse Quantitäten zu Gebote 
standen, konnten wir nach den Angaben von Wislicenus 
Berl. Ber. 9. 1208 bisher keine andere Aethylenmilchsäure, 
als Hydracrylsäure gewinnen. Doch sollen diese Versuche 



328 Sitzung der matn.-phys. OasH vom 1. Dezember 1877. 

wiederholt werden^ sobald nns eine grössere Menge von Jod- 
propionsänremutterlange zur Verfügung steht^). 

Was zuletzt die Bildung der Wislicenu s'schen Aethy- 
lenmilchsaure ans Aethylencyanhydrin anbelangt, so wurde 
hier schon vor zwei Jahren (vgl. Inauguraldissertation von Adolf 
Eaysser München 1875 S. 34) nachgewiesen, dass man beim 
Kochen von Aethylencyanhydrin mit Salzsäure keine andere 
Aethylenmilchsäure, als Hydracrylsäure erhält- Daraufhin hat 
Wislicenus Berl. Ber. 8. 1207. seine Aethylenmilchsäure 
aus Aethylencyanhydrin einer nochmaligen Untersuchung 
unterworfen und darin auch Hydracrylsäure gefunden, die 
Hauptmasse scheint aber wie früher Aethylenmilchsäure ge- 
wesen zu sein. 

Da nun Wislicenus das Aethylencyanhydrin nicht mit 
Salzsäure, sondern mit Alkalihydrat') zersetzte, so hielt ich es 
für angemessen, auch einen Versuch in dieser Art auszufuhren. 
Vollkommen reines Aethylencyanhydrin wurde allmälig mit 
einer Lösung von Natronhydrat, aus Natrium bereitet, zu- 



2) Ich will bei dieser Gelegenheit erwähnen, dass es uns gelungen 
ist, aus der Glycerinsäure regelmassig 89 bis 90 Proc. der theoretischen 
Menge an ^ Jodpropionsäure zu erzielen, während Mulde r Berl. Ber. 9. 
1908 angiebt, dass er die Hälfte der theoretischen Menge erhalten habe 
und dazu bemerkt: ,,Mehr wird man in Folge vieler Nebenreactionen, die 
nicht zu vermeiden sind, wohl nicht erhalten können.'' Wir bringen 
Glycerinsäure und Jodphosphor in dem von Beilstein vorgeschriebenen 
y erhältniss direct zusammen ; nach kurzer Zeit beginnt eine sehr heftige 
Beaction, nach deren Verlauf eine dunkelbraune syrupformige Flüssig- 
keit entstanden ist. Manchmal tritt nach einigen Minuten eine zweite 
weniger heftige Beaction ein, deren Resultat eine hellgelbe Flüssigkeit 
ist. Sollte diese zweite Beaction nicht von selbst eintreten, so muss sie 
durch Erhitzen hervorgerufen werden. Die nach dem Frkalten krjstal- 
lisirte Masse wird durch Auskochen mit Petroleumäther oder Schwefel- 
kohlenstoff erschöpft. Man erhält sogleich reine Säure, die manchmal 
höchstens etwas gelblich geförbt ist. 

8) vgl. Liebigs Annalen 128. 6. 



JErlenmeyer : Üeher Hydroxysäuren. 329 

sammengebraclit and bis zum Aufhören der Ammoniakbil- 
dnng erhitzt. Das erhaltene Produkt wurde mit Schwefel- 
säure neutralisirtf eingedampft und der Rückstand mit ab- 
solutem Alkohol ausgekocht. Das aus dem ersten Auszug 
erhaltene Salz fing schon bei 120^ an zu schmelzen. Es 
zeigte sich aber, dass ihm eine in kaltem Alkohol lösliche an 
der Luft zerfliessliche gelblich gefärbte stickstoffhaltige 
Substanz , die schon bei der Wärme des Wasserbads 
schmolz, in geringer Menge beigemischt war. Nach Be- 
seitigung derselben zeigte das Natronsalz den von Wisli- 
cenus für das hydracrylsaure Natron angegebenen Schmelz- 
punkt 142 bis 143^ und in keinem der alkoholischen 
Auszüge war ein Salz enthalten , das die Eigenschaften des 
Natronsalzes der Wislicenus*schen Aethylenmilchsäure be- 
sass. Doch will ich nicht unerwähnt lassen, dass in demSalz- 
rnckstand, der an kochenden Alkohol nichts mehr abgab, 
noch organische Substanz enthalten war, die bis jetzt nicht 
näher untersucht wurde, die aber keinesfalls das Natronsalz 
der fraglichen Aethylenmilchsäure sein kann, weil dieses nach 
Wislicenus in Alkohol leicht löslich ist. Da ich keinen 
Grund hatte, in die Richtigkeit der Beobachtuugen eines so 
hervorragenden Forschers wie Wislicenus irgend welchen 
Zweifel zu setzen, so habe ich mir alle erdenkliche Mühe 
g^eben, die zweite resp. die eigentliche Aethylenmilchsäure, 
welche sich in ihren Salzen sowie in ihrem Verhalten zu 
Jodwasserstoff und zu Oxydationsmitteln so wesentlich von 
der Hydracrylsaure unterscheidet, nach den Angaben von 
Wislicenus wie nach der vonLinnemann darzustellen, 
mn sie näher kennen zn lernen, aber es ist mir bis jetzt leider 
nicht geglückt. Die Frage, ob neben der Hydracrylsaure 
noch eine andere Aethylenmilchsäure existirt. ist aber wis- 
senschaftlich so interessant und wichtig, dass ich es noch 
nicht aufgeben werde, auf dieselbe zu fahnden, wenn ich 
auch nicht leugnen kann, dass mein Glaube an deren Exi- 



^ 



330 Siiiung der math.-phys, Classe vnm 1. Degember 1877, 

stenz durch meine seitherigen Erfahrungen erheblich er- 
schütterfc worden ist. 



2)Ueber das Verhalten des acrylsauren Natrons 
gegen wässerige und schmelzende alkalische 

Basen. 

Bedtenbacher sagt in seiner Abhandlung „üeber die 
Zersetzungsproducte des Glyceryloxyds durch trockne De- 
stillation^^ Liebigs Annalen 47. 135 bei Besprechung der 
Acrylsäure: „Gegen Basen verhält sie sich wie Essigsäure 
und Ameisensäure, bei langer Behandlung mit alkalischen 
Basen erhält man zuletzt essigsaure Salze.^' Ausser dieser 
Beobachtung hat Bedtenbacher in der ganzen Abhandlung 
keine andere über das Verhalten der Acrylsäure zu den Al- 
kalien angeführt, aber trotzdem werden ihm noch zwei an- 
dere zugeschrieben. So sagt Linnemann Berl. Ber. 6. 
1530. „Nach B. wird die Acrylsäure bei längerem Stehen mit 
wässerigen Alkalien durch den Sauerstoff der Luft 
zu Essigsäure und Ameisensäure oxydirt. Ferner 
meint Linnemann, wie aus seinen Bemerkungen Berl. Ber. 
10. 1121 und 22 unzweideutig hervorgeht, Bedtenbacher 
habe Acrylsäure mit Ealihydrat geschmolzen und dabei 
Essigsäure und Ameisensäure erhalten. (Siehe unten S. 232.) 

Wer den Versuch ausgeführt hat, auf welchen sich die 
in allen Lehrbücheru enthaltene Angabe gründet, die Acryl- 
säure werde durch schmelzendes Kali in Essigsäure und 
Ameisensäure verwandelt, habe ich nicht ausfindig machen 
können. Ich glaube nicht fehl zu gehen, wenn ich sage, 
diese Angabe verdankt ihre Entstehung einem Analogie- 
schlnss, nicht aber einem Experiment, das man mit Acryl- 
säure ausgeführt hat. Aber trotzdem hat sie jeder Chemiker 
för richtig gehalten, ehe Linnemann Berl. Ber. 6. 1531 
den Ausspruch that: 



Erlenmßyer: üeber ÄcryUäure, 331 

„Die seit Decennien in allen Lehrbüchern fignrirende 
Gleichung 

Acrjlsäure Essigsäure Ameisensaure 

C, H^ 0, + 2 H, = H, + Cg H^ 0, + CH, O, 
ist demnach thatsächlich „grund&lsch." 

Linnemann gründet seinen negirenden Aussprach auf 
ein Experiment, das er a. a. 0. wie folgt beschreibt : 

„Als ich in 15 grm. eben geschmolzenen Kalihydrats 
unter Umrühren rasch 3 grm. acrylsaures Natron eintrug, 
fand starke Yerkohlung und Gasentwicklung statt; in der 
Schmelze war aber auch keine Spur einer flüchtigen Säure 
vorhanden/' 

Da ich mir nicht denken konnte, dass sich die Acryl- 
säare von der methylirten Acrylsäüre, der Crotonsäure K e- 
kul^'s so ganz verschieden verhalten sollte, habe ich in Ge- 
meinschaft mit Herrn Fischer auch einen Schmelzversuch 
von acrylsaurem Natron mit Kalihydrat vorgenommen. Es 
wurde dabei freilich nicht ganz nach der Angabe von Lin- 
nemann verfahren. Das acrylsaure Natron wurde mit dem 
5 fachen Gewicht Kalihydrat in der grade hinreichenden 
Menge Wasser gelöst, die Lösung im Silbertiegel verdampft 
and dann geschmolzen , bis die Masse anfing gelblich zu 
werden. Wir erhielten dann bei der Verarbeitung der 
Schmelze in der üblichen Weise sowohl Essigsäure, als auch 
Ameisensäure. In gleicher Art wurde der Versuch zweimal 
wiederholt und führte jedesmal zu demselben Resultate. 
Diese Beobachtung veranlasste mich zu dem Schluss, dass 
die Angabe von Linnemann nicht richtig sei. Nachdem ich 
diess in einer Anmerkung Berl. Ber. ausgesprochen hatte, 
erschien Berl. Ber. 10. 1121 folgende Notiz von Linnemann 
über das „Verhalten des acrylsauren Natrons g^en schmel- 
zende Alkalien.^' 



332 Siteung der math.'phys, CUuse vom 1, Dezember 1877, 

„Im Jahre 1873 habe ich die Beobachtaug gemacht^), 
dass das acrylsanre Natron entgegen den Beobachtungen 
von Bedtenbacher, weder beim Stehen, noch beim Ein- 
kochen mit wässerigen Losungen von Aetzkali, noch beim 
Schmel^n mit Kalihydrat „Essigsaure und Ameisensäure^^ 
liefert. Im letzteren Falle sah ich das acrylsanre Natron 
beim Eintragen in das geschmolzene Ealihydrat verkohlen. 

Als ich später fand, dass das Reactionsprodukt des 
acrylsauren Natrons mit erwärmter Natronlauge „hydra- 
crylsaures und äthylenmilchsaures Natron^^ sei^), musste ich 
mir gestehen, dass angesichts der Beobachtung von Wisli- 
cenus*), nach welcher Hydracrylsäure beim Schmelzen mit 
Kali vorwiegend Essigsäure und Ameisensäure liefert, die 
Angabe Bedtenbacher^s ganz richtig sein konnte, in- 
sofern es nur von den näheren Umständen, unter welchen 
acrylsaures Natron und Natronhydrat geschmolzen werden, 
abhängen muss, einmal Essigsäure und Ameisensäure zu er- 
halten, das anderemal nicht. 

Ist das Ealihydrat noch so wasserhaltig, dass dessen 
Schmelztemperatur unter der Zersetzungstemperatur des 
acrylsauren Natrons liegt, so kann sich das acrylsaure Na- 
tron unter diesen Umständen vielleicht rasch in hydracryl- 
saures Salz umwandeln, und dieses dann beim weiteren 
Einschmelzen Essigsäure und Ameisensäure liefern; ist das 
Ealihydrat dagegen wasserarm, und liegt sein 'Schmelzpunkt 
über der Zersetzungstemperatur des acrylsauren Natron, dann 
wird das letztere beim Eintragen in das geschmolzene Alkali 
verkohlen und keine Essigsäure und Ameisensäure liefern, 
wie ich es eben beobachtete. Aus Bedtenbacher^s An- 
gaben(?) ist nicht ersichtlich, wie er seinen Versuch angestellt 



4) Berl. Berichte VI, 1530. 

5) Berl. Berichte VIII, 1096. 

6) Annal. d. Ch. u. Ph. CLXVI. 1. S. 32. 



Erlenmeyer: Üeher AcryUäure, 333 

hat. Hätte er gar vor dem Schmelzen wässerige Lösungen 
von acrysanrem Salz und Alkalien vermischt, eingedampft 
und hierauf geschmolzen, dann hätte er sicher Essigsäure 
Und Ameisensäure erhalten müssen. 

Vor Kurzem nun hat E. Erlen meyer in einer An- 
merkung') mitgetheilt, meine Angabe über das Verhalten 
des acrylsauren Natrons gegen schmelzendes Kali sei „nicht 
richtig", da nach Versuchen von ihm und Fischer acryl- 
saures Natron und Kalihydrat ohne Verkohlung zusammen- 
schmelzen und hierbei Essigsäure und Ameisensäure entstehen. 

Ich halte meine Angabe vollkommen aufrecht und will 
mit dem Vorliegenden nur andeuten, wie sich der Wider- 
spruch zwischen meinen und Erlenmeyer 's Angaben selbst 
für den Fall erklären lassen wird, dass wir beide identische 
Acrylsauren unter Händen hatten. 

Ich möchte desshalb dem „nicht richtig*' Erlenmeyer's 
einstweilen ein „wohl Beides richtig*' gegenüberstellen. Der 
Versuch kann ja hier leicht Aufklärung verschaffen.*' — 

Es wäre hiernach unsere nächste Aufgabe gewesen zu 
ermitteln, ob sich unter den Umständen, welche dem Schmelz- 
process bei unseren Versuchen vorausgingen, Hydracrylsäure 
gebildet haben konnte, aber ich sah den Grund nicht ein, 
warum diese Säure leichter durch schmekendes Kali in 
Essigsäure und Ameisensäure zersetzt werden solle, als die 
Acrylsäure. Wir wendeten uns desshalb direct zu der Aus- 
führung eines Schmelzversuchs genau so wie ihn Linnemanu 
zuerst beschrieben hat. Wir trugen in eben geschmolzenes 
trocknes Kalihydrat unter Umrühren rasch die entsprechende 
Menge gepulverten acrylsauren Natrons ein und erhielten 
einige Zeit im Schmelzen. Es gelang uns dabei nicht, die 
Verkohlung des acrylsauren Natrons zu* beobachten. Die 
Operation verlief ganz so wie früher, die Schmelze hatte 
eine gelbliche Farbe angenommen. Es wurde nun etwa die 

7) Diese Berichte X, 629. 
[1877. 8. math.-phys. Cl] 22 



^ 



334 Sitsung der math.^phys. Glasae vom 1, Dezember 1877. 

Hälfte derselbeu auRgegossen , der Rückstand wieder zum 
Schmelzen erhitzt und noch 10 Minuten darin erhalten. Die 
Masse zeigte dann nach dem Erkalten eine schwachgraae 
Färbung. Beide Producte, das durch kürzere und das durch 
längere Schmelzdauer erhaltene, lieferten in der üblichen 
Weise verarbeitet Essigsäure und Ameisensäure so zwar, 
dass die länger erhitzte Schmelze weniger ergab als die 
erstere. Als wir nun essigsaures und ameisensaures Natron 
je für sich mit Kalihydrat so lange wie die letztere Schmelze 
des acrylsaaren Natrons erhitzten und dann wieder auf die 
resp. Säuren verarbeiteten, ergab sich, wie vorauszusehen 
war, dass von diesen Säuren ein gewisser Procentsatz ver- 
schwunden d. h. in kohlensaures Salz und Sumpfgas resp. 
Wasserstoff zersetzt worden war. 

Aus unseren Versuchen ist zu entnehmen, dass das 
acrylsaure Natron bei der Schmelztemperatur des trocknen 
Kalihydrats nicht verkohlt, sondern in essigsaures und 
ameisensaures Salz gespalten wird, dass aber bei zu langem 
und wahrscheinlich auch bei kurzem aber zu hohem Er- 
hitzen die neuen Salze weiter in kohlensaure Salze ver- 
wandelt werden. Man kann desshalb Linnemann ohne Be- 
denken zugestehen, dass es nur von den näheren Umständen 
abhängen muss, einmal Essigsäure und Ameisensäure zu er- 
halten, das anderemal nicht, und insofern kann man auch 
meinem „nicht richtig" sein ,,wohl Beides richtig' ' gegen- 
überstellen. 

Wir wollten nun doch auch noch sehen, ob sich 
bei unseren früheren Versuchen wohl Hydracrylsäure ge- 
bildet haben konnte. Es wurden dfesshalb acrylsaures Na- 
tron und Kalibydrat in der nöthigen Menge Wasser gelöst 
und die Lösung eingedampft. In dem Rückstand wurde nun 
mit verdünnter Schwefelsäure die Acrylsaure freigemacht 
und die Flüssigkeit unter öfterer Erneuerung des Wassers 
so lange destillirt, als das Destillat noch sauer reagirte. 
Die in der Retorte zurückgebliebene Flüssigkeit wurde nun 



i 



Erlenmeyer: Ueher Acrylsäure. 335 

mehrmals mit Aether ausgeschüttelt, es Hess sich aber keine 
organische Säure gewinnen, es scheint somit keine Hydra- 
crylsäure gebildet worden zu sein. Man muss vielmehr vor 
der Hand®) annehmen, dass auch bei unserem früheren Ver- 
fahren der Kalischmelzung Essigsäure und Ameisensäure 
direct aus Acrylsäure entstanden sind. 

Was zuletzt noch die Eingangs erwähnte Angabe Red- 
tenbacher's betrifift, so ist es zwar nicht ganz sicher, aber 
nach dem, was ihr vorausgeht, doch sehr wahrscheinlich, 
dass die Behandlung mit wässerigen, nicht mit trocknen 
alkalischen Basen gemeint ist. Wir haben desshalb acryl- 
saures Natron mit Natronlauge in einem verschlossenen 
Silberkolben während 12 Tagen bei einer Temperatur von 
30^ in Berührung gelassen. Bei der Untersuchung des 
Gemisches konnten neben der unveränderten Acrylsäure 
nur Spuren von Essigsäure und Ameisensäure nachge- 
wiesen werden. Wenn wir annehmen, dass Redtenbacher 
sowohl in dem vorliegenden Fall als auch bei der Unter- 
suchung der Oxydationsproducte der Acrylsäure mit Eisen- 
chlorid und mit Bleioxyd auf Essigsäure geprüft hat, so ist 
uns seinirrthum erklärlich; denn wir haben gefunden, dass 
sich den beiden genannten Reagentien gegenüber die Acryl- 
säure der Essigsäure ganz gleich verhält. Die Lösungen 
der acrylsauren Salze werden durch Eisenchlorid dunkel- 
rothbraun gefärbt und beim Behandeln einer Acrylsäurelös- 
ung mit überschüssigem Bleioxyd bekommt man eine al- 
kalisch reagirende Flüssigkeit. Die Acrylsäure lässt sich 
aber von der Essigsäure qualitativ dadurch unterscheiden, 
dass ihre Salze mit arseniger Säure keine Kakodylreactiou 
geben. 

8) Ich sage vor der Hand, weil ich nach den Erfahrungen mit 
der Aepfelsäure die Möglichkeit nicht aasschliessen will, dass die Hy- 
dracrylsäore unter dem Einiluss verdünnter Schwefelsäure wieder in 
Acrylsäure verwandelt wunie. 

' 22* 



Herr Hermann v. Schlagintweit-Sakünlünski 
legt vor und erläutert: 

„Bericht über dieethnographischeu Gegenstände 

unserer Sammlungen 

und über die Raumanweisung in der k. Burg zu 

Nürnberg." 

Mit einer Kartenskizze. V 



I n. h a 1 t. 

Die Benützung königl. Räume zu München und zu Nürnberg. — 
Allgemeine Bemerkungen über die Sammlungen; 'die ethnographischen 
Gegenstande. — Skizze der Gehiete und der Beisewege. — 

Die Zusammenstellung der ethnographischen Sammlung; 
Schema der Abtheilungen. 

A.. Personen -Liste der plastischen Abhildungen , „Abtheilung I.'' 
Die Vervielfältigung und Herausgabe. — Die Reihenfolge in der Tabelle. 
— Neue Beiträge meiner Brüder Eduard und Robert. 

B. Register der Objecte der Cultur und der Technik , verzeichnet 
in den „Abtheilungen II bis XX." Signatur nach Gruppen und grossen 
Gegenständen; Bezifferung in der Aufstellung. — Erläuterung der Ab- 
theilungen. 

„Transscription" S. 844. 



Nachdem von Seiner Majestät König Ludwig II. mir 
gestattet wurde, für das noch nicht officiell aufgestellte 
Material unserer Sammlungen in der k. Burg zu Nürnberg 
den grossen „Bilder-Saal" am Lindenhofe und jenes Vorge- 
bäude, welches „ffinamels-Stall'' genannt ist, zu benützen, 
hatte ich während dieses Sommers und Herbstes das Trans- 



H. V. Schlaginttveit: lieber die ethnographischen Gegenstände etc.. 337 

feriren, im September und October auch das Fortarbeiten 
am systematischen Catalogisiren vornehmen können ; ich 
hatte mich bei letzterem vorzüglich mit den ethnographischen 
Gegenständen zu beschäftigen. 

Sogleich nach der Rückkehr hatten wir im Palais Mon 
Bijou zu Berlin vom k. Cabinet provisorisch sehr schöne 
Räume angewiesen erhalten; von 1860 an standen die Samm- 
lungen im Schlosse Jägersburg bei Forchheim. 

Für unsere Aquarelle und Zeichnungen^) und für die 
Photographieen, für die Landkarten^), sowie für die gesammelte 
Bibliothek, welche nebst der Literatur der von Europäern 
ausgeführten wissenschaftlichen Arbeiten auch 122 selbsi- 
ständige tibetische Werke in Druck und in Manuscripten 
enthält^), war mir seit mehreren Jahren in der k. Neuen 
Pinakothek zu München Raum gewährt worden. Diese Ge- 
genstände waren schon damals systematisch geordnet und 
vergleichend zusammengestellt. 

Das naturgeschichtliche Material ist ebenfalls eingehend 
verzeichnet , — in Blätter-Heften und in einem allgemeinen 



1) Es sind dieselben Landschaften und Architectnren ; mit jenen 
meines Braders Adolph (ermordet zn Eashgar am 26. Ang. 1857) ist 
die Zahl derselben 751. Die letzte seiner landschaftlichen Ansichten, 
welche noch von den Dienern überbracht wurden, die er von Tarkistän 
ans in seiner bedrängten Lage zurücksenden masste, ist eine Felsen-Studie, 
,,Die Elüftnng der Felsen bei AMazar", vom 24. Juli. Im Cataloge 
der Handzeichnungen sind; in Beziehung auf Ethnographie die „monu- 
mentalen Gebäude" und die „Wohngebäude der Eingebornen*' zu beson- 
deren Reihen vereint; sie bilden Gruppe X., mit Nr. 250 bis 277 und 
Gruppe XL, mit Nr. 278 bis 353. 

2) Für die Landkarten -Sammlung war vor 2 Jahren Ankauf und 
Aufnahme in die k. Hof- und Staatsbibliothek bestimmt worden. 

3) Erläuterndes Verzeichniss der tibetischen Bücher ist von meinem 
Bruder Emil Schlagintweit, Corr. der philos.-philol. OL der k. Ak., be- 
arbeitet. Das Geschichtswerk „Die Könige von Tibet"', das sich dabei 
befindet, hat er in Uebersetzung und mit Druck des Textes publicirt. 
München, Verlag der k. Ak., in Commission bei G. Franz, 1866. 



338 Sitzung der math.'pJiys, Classe votn 1, Dezember 1877, 

Cataloge — mit Berücksichtigung des Auftretens und der 
Bedingungen der Verbreitung. Als Theil I ist in jenem 
Cataloge, für die anthropologischen Gegenstände Uebersicht 
der „Menschenskelette^^, 21 an der Zahl, sowie der y^Schädel*', 
deren sich 55 noch anschliessen , g^eben. Auch auf die 
Reihen unserer zahlreichen Abformungen an Lebenden ist 
in Kürze dort hingewiesen. 

Für das gesammelte zoologische und botanische Ma- 
terial ist systematische Analyse vielfach schon möglich ge- 
worden. In den Publications - Listen des akademischen 
„Almanachs'^ hatte ich wiederholt Gelegenheit, die be- 
treffenden, von Fachmännern übernommenen Arbeiten an- 
zuführen. Zugleich ist aus den naturgeschichtlichen Objecten 
Verschiedenes, was als neuer Beitrag sich bot, in die k. 
Staats -Sammlungen eingereiht worden, besonders aus der 
zoologischen Sammlung nach Auswahl des Conservators 
Herrn Professors von Siebold. 

In Verbindung mit den ethnographischen Gegenständen 
sind bis jetzt nur die in mechanischen Abformungen herge- 
stellten „Ra^entypen" ganz geordnet und vollständig durch- 
gearbeitet gewesen, und diese sind als plastische Facsimiles 
auch vervielfältigt und ausgegeben worden. 

Eine Reihe derselben ist sehr bald nach ihrer Publi- 
cation in die k. Sammlung unter Conservator Herrn Prof. 
Wagner aufgenommen worden, und es konnten im An- 
schlüsse an diese einige andere Objecte, die in Duplicaten 
vorhanden waren, ebenfalls dort abgegeben werden. 

Als Ganzes für sich sind dagegen die ethnographischen 
Gegenstände unserer Sammlungen vereint geblieben. So- 
wohl wegen der Ausdehnung der Gebiete als auch wegen 
der Vielseitigkeit im Völkerleben und in den Religionsver- 
hältnissen war es für Indien und seine Nachbarstaaten vor 
allem nöthig gewesen, das gegenseitig sich Ergänzende 
möglichst sorgfältig zu berücksichtigen. Es bedingte diess, 



SlM-Ber.Jor.Ki) Ak JT|-i,),„cl 181! iAW. 



H, V, Scklagintweit : lieber die ethnographischen Gegenstände etc. 339 

ungeachtet sorgfältiger Auswahl schon während des Saminelns, 
auf den Reisen bedeutende, den Transport oft sehr er- 
schwerende Menge des ethnographischen Materiales, und die 
Bearbeitung desselben nach der Rückkehr nach Europa hatte ' 
sich auch dadurch noch verzögert, dass für manche andere 
Theile der Sammlungen, um die gute Erhaltung zu sichern, 
Präcedenz der Revision, in Verbindung mit Reinigen der 
Skelette, Ausstopfen der Felle, u. s. w. nothwendig ge- 
wesen war. — 

Als topographisches Bild der in den Sammlungen ver- 
tretenen Gebiete erlaube ich mir eine Kartenskizze hier 
beizulegen. Da ich mich in der Herstellung derselben auf die 
Reduction 1:16V2 Millionen beschränkte, habe ich von 
den Gebirgsregionen sowohl Hochasiens als der indischen 
Halbinsel nur die für die allgemeine Gestaltung charakter- 
istischen Eammlinien gegeben. 

Die Namen der Provinzen sind im Tieflande, 
weil dort Raum genug dafür ist, in der EArte einzeln ein- 
getragen. In den Catalogen sind, für die Ra9entypen sowie 
für die Culturgeräthe , die Provinzen im Innern des mitt- 
leren Theiles der Halbinsel zwischen 18® und 25® N. Br. 
nur gemeinschaftlich als „Central -Indien" angegeben, schon 
desshalb , weil die einzelnen derselben ohnehin verhältniss- 
mässig klein sind; noch mehr ist man hiezu veranlasst, 
weil innerhalb dieses Theiles von Indien die Elemente der 
Bevölkerung, die sehr verschiedenartige sind, nicht allge- 
mein in genauer Coincidenz mit jenen Grenzen stehen, 
welche durch die herrschenden Bewohner für die Pioviuzon 
sich gebildet hatten. 

Auch in Verwaltung von Seite der Regierung sind 
diese Gebiete als j^Central-Vrovinccs'^ zusammengefasst. Der 
Sitz der obersten Administrationsbehörde ist jetzt Nägpur, 
in Berar. Die Stadt liegt an den Ufern der Nag NSdi 
oder des Schlangen - Flusses , nur wenig südlich von dem 



340 Sitzung der math-^hyB, Ckutäe vom L De»embef IS77, 

Mittelpunkte des Gebietes ; ihre geographischen Coordinaten 
sind: 21® 10' nördl. Br., 79® V östl. Länge von Greenw., 
935 e. F. Höhe in der Thalsohle*). Obwohl Berär erst seit 
Anfang 1854 den indischen Besitzungen ganz annectirt wurde, 
hatte Nagpür der wichtigen Lage wegen seit lange schon 
eine auch für indische Städte ungewöhnliche Grösse erreicht^). 

Für das Hochhgebirge ist auf der Karte der ganze 
Südabhang des Himälaya-Kammes gegen Indien als 1 Ganzes 
zusammengefasst und ist in Kürze ,,Hinia.laya^^ bezeichnet^), 
während der Nordabhang, der ansschlieaalichvou turanischer 
Ra9e bewohnt ist, in die allgemeine Bezeichnung „Tibet ^^ 
als der südliche Theil, eingeschlossen ist. Für das westliche 
Tibet bildet hier die nördliche Grenze die wasser schei- 
dende Kette des Karakorum-Kammes. 

Li den Catalogen sind die den einzelnen Provinzen 
entsprechenden Trennungen auf der Südseite des Himalaja 
stets angegeben, da hier sehr häufig, und dann viel be- 
stimmter begrenzt als im Tieflande, mit den Terrainver- 
hältnissen die Trennung nach Rafen coincidirt. 

Was ihr Eintragen in die Karte auf dem Südabhange 
des Himalaja nicht anwenden liess, ohne dass es die Deut- 
lichkeit des Flussnetzes sehr beschränkt hätte, ist der um- 
stand, dass im Allgemeinen die Breite des Himälaya-Süd- 
abhanges eine geringe ist, wenigstens im Verhältnisse zur 
ganzen Länge. 

In der ü eher sieht, die ich hier gebe, sind die Pro- 
vinzen aufgezählt von Osten und Süden gegen Westen und 



4) „Results'* Vol. II p. 190. 

5) Die BodengestaltaDg nnd die Verhältnisse der' Bevölkerung 
sind besprochen in „Reisen'' Bd. I S. 169—174. 

6) Am Südabhange des Himalaya, wie die ethnographischen Listen 
sogleich zeigen werden, tritt tnranische Ba^e, aach in Verbindung mit 
dem Bnddhismns, im östlichen Theile ebenfalls in grosser Ausbreitung 
auf. 



H. V, Schlagintweit: lieber die ethnographischen Gegenstände etc. 341 

Norden , und bei Doppelreihen in den etwas breiteren 
Theilen sind die nördlicheren Provinzen hereingerückt. Die 
Hanptproviuzen sind dabei gesperrt gedruckt; kleinere Un- 
terscheidungen, die bei den Sammlungs - Gegenständen als 
Angaben der Eingebornen anzuführen waren, sind nach der 
Hauptprovinz, der sie angehören, eingeschaltet. Da solche 
Bezeichnungen theils mit localen ungewöhnlichen Thalbil- 
dungen theils mit der Geschichte der Wanderungen der Be- 
wohner sich verbinden, finden sich deren bei der unmittel- 
baren Bereisung ziemlich viele sogar; aber meist ist das 
Areal, auf das sie sich beziehen, klein, oder es hat auch 
die Zeit dazu beigetragen, ihre Anwendung gegenwärtig 
vorzüglich auf den dominirenden Ort des Areals zu be- 
schränken. 

1. Die Provinzen auf der indischen Seite des 
Himälaya, sind die folgenden: 



a. üestlicher Theil. 

Bhutan Nepal. 

Sikkim 

In diesen Gebieten war auch für alle Objecte der Samm- 
lungen eine dem betreffenden Reiche vorliegende Tarai, das 
charakteristische subtropische Sumpfland, zu unterscheiden. 



b. Westlicher Theil. 
Kamäoh Jämu 



Johär 


Rajäuri 


Gärhväl 


Lahöl 


Simla 


Kishtvar 


Bisser 


Eashmir 


Eauaur 


MSrri 


Küln 


Hazära. 


Chämba 





n 



342 Sitmng der math.'phyB. Ciiuse vom 1. Dezember 1877. 



2. Für das östliche Tibet sind Provinzen bei den 
geearomelten Gegenstanden nicht unterschieden worden, da 
unsere eigenen Routen nicht hindurch führten; nur Läsa, 
die Hauptstadt, konnte wiederholt mit genügender Be- 
stimmtheit als Ausgangsstelle angegeben werden. 

3.. In West-Tibet sind ebenfalls mit Unterscheidung 
nach Grosse und Lage, die folgenden Provinzen in den An* 
gaben getrennt gehalten worden ; sie sind auch hier zu zahl- 
reich um in der kleinen Karte angegeben zu sein. 



GnäriEhörsum 

Spiti 

Rupchu 

Pangköng 

Ladak 

Nübra 



Zänkhar 

Gue-Hasora 

Tashing-Hasora 

Bälti 

Gilgit 



4. Nordlich von der Earakorum-Eammlinie und für das 
Eünlun-Gebirge nebst dem ihm folgenden centralen Becken 
waren als Provinzen Ost-Turkistan's anzageben, mit Ein- 
tragen der Lage: 

Ehotan Eäshgar. 

Yärkand 

Von Ortsnamen ist in der indischen Halbinsel sowie 
in den Hochgebirgen ausser der Bezeichnung der Hauptorte 
der betreffenden Provinz die Angabe der Namen nur für 
Punkte durchgeführt, wo Veranlassung zu etwas verlän- 
gertem Aufenthalt sich geboten hatte, sowie für solche, wo 
Ereuzungen unserer Wege bei wiederholtem Durchziehen 
einzelner Gebiete gelegen sind. 

Eingehend ist aber die Darstellung des Flussnetzes 
gegeben, da dieses auch für die ethnographischen Verhält- 
nisse, ähnlich wie für die niederen Stufen organischer Ent- 
wicklung, von vielseitiger und wichtiger Bedeutung noch ist. 
Im Flussnetze Indiens tritt unter anderem im Nordwesten 



H. V, Schlctginttoeit : üeher die ethnographvtcken Oegemtände etc. 343 

beinahe die ganze Fläche Rajväras iu auiFallendem Gegen- 
sätze zu den Umgebungen — ungeachtet ihrer so bedeu- 
tenden Grösse und ihrer Lage in Tiefland, das bis zu den 
Küsten des arabischen Meeres sich fortzieht — sogleich als 
wasserlose Wüste entgegen. 

Das Itinerar für unsere einzelnen Routen sowie für 
jene, auf welchem Gefolge von uns wegen correspondiren- 
der Beobachtungen und wegen topographischer Daten oder, 
häufiger, wegen Ausdehnung des Sammelns, in Neben- 
märschen zu reisen hatte, ist ausführlich im 1. Bande der 
„Results^^ tabellarisch zusammengestellt^). 

Als Form des Gradnetzes ist hier für die Karte 
Mercators Projection gewählt. Diese ist nemlich für gra- 
phische Darstellungen^) von phjsicalischen Verhältnissen in 



7) Besults of a scientific Mission to India and High Asia. Leipzig, 
P. A. Brockhaus; London, Trfibner and Co. Vol. I p. 11—35. 1861, 

Der betreffende Theü des Atlas in Folio enthalt die Karte: Routes 
taken by Hermann, Adolphe, and Bobert de Schlagintweit , and their 
Assistants and Establishments in India and High Asia from 1854 to 
1858. Auf jener Karte sind in der Zeichnung unserer eigenen Routen 
für einen jeden von uns die Linien in der Art des Eintragens unter- 
schieden, und zeitweis getrennte Routen unserer Begleiter sind eben- 
falls als solche markirt. 

8) Die erste Construction derselben hatte ich gemacht für die 
Transactions der London Royal Society von 1863, als ich dort mit dem 
Berichte über die indischen Temperaturverhältnisse auf 5 dieser Karten 
die Isothermen des Jahres und der Jahreszeiten vorlegte. 

' Mit Anwendung Yon Farbendruck gab ich sie auch als üebersichts- 
karte in Band I meiner „Reisen in Indien und Hochasien." Jena H. 
Gostenoble. 

In den Sitzungsberichten der philosophisch -philologischen Olasse 
der k. b. Akademie hat sie, d. d. 4. Dez. 1875, mein Bruder Emil zur 
Herstellung seiner Sprachenkarte von Britisch-Vorderindien angewandt, 
in Verbindung mit seiner Abhandlung: ,,Die geographische Verbreitung 
der Volkssprachen Ostindiens, Nach amtlichen Quellen.*' 



344 Sitzung der matlu-pltys. Cltunte vom 1. Dezember 1877. 

Cur Yen die günstigste, und es hatte mir diese Karte in 
gleicher Grosse hiezu schon mehrmals als Basis gedient. 

Da die geographische Breite für den nördlichen Theil 
der Karte 40 Grad nicht erreicht, ist die Vergrösserung 
der Flächen mit wachsender Breite ^ welche mit Mercators 
Projection sich verbindet, verhältnissmässig noch nicht be- 
deutend zu nennen und es wird die Beartheiluog gegen- 
seitiger Entfernung anch im allgemeinen Ueberblick nur 
wenig dadurch erschwert, wenn man zugleich berücksichtigt, 
dass die Grösse des Maassstabes bei Grad Breite zu jener 
bei 40^ Breite nahezu wie 1 : 1 V» sich verhält ; die betref- 
fenden Einheiten für beide Lagen sind einzeln eingetragen. 

Eine grössere Special-Karte für das WestlicheHoch- 
asien ist im 3. Bande der „Reisen^' 1872 erschienen; 
diese enthält für die Terraindetails von Ost-Turkistän auch 
die Ergebnisse der späteren Bereisungen von Indien her, 
die nach uns seit 1865 begonnen hatten. — 

In der Transscription der Wörter aus Indien und 
den angrenzenden Ländern ist für die Karte, sowie für den 
Text, als abweichend vom Deutschen zu erwähnen: Von 
den Consonanten lautet ch = tsch; h nach Gonsonant ist 
hörbare Aspiration, aber kh in Khan ist = ch im Deut- 
schen; j = dsch; sh — seh; v = w; z = weiches s. 
Von den Yocalen sind die unbestimmt tönenden durch das 
Kürzezeichen ^ , die nasalen durch den CSrcumflex " markirt. 

In jedem mehrsylbigen Worte ist der Hauptton durch 
einen Accent bezeichnet. 



In der nun vorgelegten übersichtlichen Zusammen- i 
Stellung der ethnographischen Gegenstände, welche j 



fr 



H. V. Schlaginttoeit : lieber die ethnographischen Gegenstände etc- 345 

im Auszüge dem „General- Verzeichnisse" entnommen ist, 
sind dieselben in der folgenden Weise in „Abtheilungen" 
vereint und als solche mit romischen Ziffern bezeichnet. 



Schema der Abtheilungeu. 



I. Ethnograpliische Ra- 

9entypen. 
II. Gemälde. 

III. Plastische Figuren und 
Sculpturen. 

IV. Modelle und copirte 
Ornamente. 

V. Münzen-Copieen. 
VI. Gegenstände des Bud- 

dha-Cultus. 
VII. Musikalische Instru- 
mente. 
VIII. Waffen. 
IX. Zelte. 
X. Sättel undZaamzeug. 
XL Kleidungsstücke. 



XII. Schmucksachen und 
Toilettegegenstän de. 

XIII. Lackwaaren aus Holz 
. und Papiermache. 

XIV. Papier- und Zeug- 
Muster. 

XV. Bücher und Schrift- 
arten-Proben. 
XVI. Hauseiurichtungsge- 
genstände. 

XVII. Kleinere häusliche Ge- 
räthe. 

XVIII. Korbwaaren. 
XIX. Ledergefasse. 

XX. Agrikulturgeräthe ; 
Instrumente u. Maasse^ 



In autographirtem Steindrucke und in Gatalogform 
liegen die auch hier angeführten Angaben des Sachregisters 
in mehreren Exemplaren zu Nürnberg im Bildersaale auf, 
und den Sammlungsobjecten selbst sind die betreffenden 
Zeilen in grösserer Schrift auf steifen Blättern beigegeben. 

Ueberdiess sind die einzelnen Gegenstände, getrennt ge- 
halten auch innerhalb der „Gruppen", mit Zahlenangaben 
auf kleinem Zettel versehen, welche sich auf die Daten in 
den „Beobachtungs-Manuscripten" beziehen. 

Viele dieser Gegenstände sind in ihrer Construction 
sehr verschieden von dem, was in den europäischen Culturen 
ihnen entspricht ; bei manchen war auch das lange Fortbe- 



1 



346 Sitzung der matK^h^s, ölasse vorn 1. Dezember 1877. 

stehen alter Formen von Interesse. Aufbewahrung von ei- 
gentlich antiquarischen Gregensi»nden ist dagegen im ganzen 
Oriente verhältnissmässig selten; wo solche sich zeigten, 
verdienten sie besondere Aufmerksamkeit. 

Die Ra9entypen, von denen in Nürnberg nur Proben 
der Art der Anfertigung aufliegen, sind dort im Cataloge 
nicht in Detail erläutert. 

In diesem Berichte aber sind: A. die Individuen der 
verschiedenen Menscheura9en , und B. die Abtheilungen II 
bis XX mit den Erzeugnissen der Culturentwicklung in den 
verschiedenen Gebieten als zwei gesonderte Abschnitte ge- 
geben. 

A. Personenliste der plastischen Abbildungen, 

,,AbtheilnDg I.<< 

Das Verfahren bei der Herstellung der ethnographischen 
Ra^entypen, in ihren Hohlformen und in der positiven Me- 
tallaiisgabe, habe ich 1875 in den Sitzungsberichten der k. 
Akademie, d. d. 5. Juni, besprochen. Dort sind auch für die aus- 
geführten Messungen die Tabellen und die Art des Messens 
mitgetheilt, sowie die Angaben über die Abbildungen des 
ganzen Kopfes in linearen Zeichnungen in natürlicher Grrösse, 
die jetzt ebenfalls vorliegen. Messungen sind im Ganzen 
an etwas über 400 Individuen vorgenommen worden. 

Die plastischen Reproductionen sind seit 1858 in den 
Buchhandel gekommen, in Verlag bei J. A. Barth in 
Leipzig*). 



9) ,,Etfanographiscb6 Ba^entypen in Metall , von Ceylon bis Kasbgar 
und vom Panjab bis östlich von Assam: 

275 Abformnngen der vorderen Hälfte des Kopfes, and 
30 Handabformungen, 
7 Fassabformongen. 
Nach hohlen Gypsmasken über Lebende.*' 
Der Preis in der Metallansgabe ist f&r Kopf zu 24 Mk., für Hand 



H. V, Schlagintweit : Heber die ethtiographischen Gegenstände etc. 347 

Der GatalofjT der einzelnen abgeformten Individuen 
ist bis jetzt nur in Handexemplaren ausgegeben worden. 
Er wurde gedruckt in Verbindung mit den ersten nahezu 
gleichzeitigen Aufstellungen in London, in Indien und in 
St. Petersburg. Es folgte dann auf diese sogleich Bestellung 
für Paris, etwas später für München, Colombo in Ceylon, 
Holländisch Ostindien, u. s. w. 

Für die „Hindus" in der Tabelle ist die Reihenfolge 
vorzugsweise auf die g^enseitige Höhe der Gasten und 
Ragen basirt. Die ünterabtheilungen sind in Klammern 
gesetzt. „Aboriginer" ist die collective Bezeichnung für die 
Reste der Bewohner vor der arischen Einwanderung. Sie 
sind noch jetzt ^^) in den meist bewaldeten Regionen der 
Höhenzüge im Innern des halbinselförmigen Theiles von 
Indien, und an den Grenzen, gegen Westen und besonders 
gegen Osten, zu finden. 

Wie ich schon in den deutschen Reiseberichten zu erläutern 
Gelegenheit hatte *^), ist der Name „Aboriginer" oder „ür- 
ra9e" nicht so zu verstehen, als ob er bezeichne, dass jeder 
einzelne der betreffenden Stämme an bestimmter Stelle iso- 
lirt entstanden sei. Der Name bedeutet hier: niedere Ent- 



oder Fuss zu 12 Mk. berechnet, und es ist bei Abnahme der ganzen 
Eeihe der Preis der Köpfe von 6500 Mk. auf 6000 Mk. rcducirt, inclu- 
sive der Hände und der Füsse als Beigabe. — In Gyps (getönt) 100 
Köpfe zu 400 Mk. 

10) Die erwähnte Abhandlung meines Bruders Emil von 1875 ,,Ueber 
die geographische Verbreitung der Volkssprachen*' hat, in der statist- 
ischen Tabelle S. 373, die Zahlendaten für die Aboriginer-Ba9en wie 
folgt ergeben. Grösse ihrer Gebiete: 100 000 engl. Quadr. Meilen, darunter 
25 000 engl. Q. Meilen an der Ostgrenz^ des Reiches ; Bevölkerung 
2 800 000. Unter sich zeigen sie dabei in Ba9e und Sprache ebenfalls 
noch vielfache und grosse Verschiedenheit. 

Für das ganze Britisch - Vorderindien sind die entsprechenden 
Zahlenwerthe : Grösse der Gebiete 1857 080 engl. Q. Meilen ; Summe der 
Bevölkerung 236 267 775. 

11) „Reisen" Band I S. 645. 



1 



348 SiUung der math.-phys, Clasne vom 1. Dezember 1677. 

wicklangsstufe, Mangel an Zasammenhang mit den grosseren 
Nachbarra9en und Maugel an bestimmter Ueberliefernng 
über frühere Wohnsitze 

Die „Mussälmäns^^ bilden den Uebergang zu den Be- 
wohnern der Nachbarländer und folgen desshalb nach den 
Aboriginern. In Indien selbst sind sie vorherrschend arischer 
Ra9e, da zwar die Gastenunterschiede unter sich durch den 
Islam verschwunden sind, da aber die Quantität neuer, in 
die resultirende Bevölkerung eintretender Elemente eine 
verhältnissmässig geringe geblieben ist. 

„Gen. Nro/^ lässt durch die Art der Aneinanderreihung 
innerhalb der Haupstufen die Yertheilung nach den heimath- 
lichen Wohnsitzen überblicken. — Die romische Ziffer gibt 
eine der 4 Unterscheidungen im Tone der Eupferoberfläche 
an, wodurch die Hautfarbe, je nach Dunkelheit, markirt 
wurde. Bei Anwendung einer grosseren Zahl von Nü- 
ancirungen wäre in vielen Fällen die Wahl eine etwas will- 
knhrliche geblieben, da auch innerhalb der einzelnen Ba9en 
Personenunterschiede noch immer ziemlich weit gehen 
können. — Die klein gedruckten arabischen Ziffern geben 
die Reihe der Anfertigung. — Die Namen der Abgeformten 
bezeichnen meist auch Gaste und Ba9e, doch gibt es bei 
Mussälmäns, auch bei Buddhisten, weit verbreitete Abweich- 
ungen davon. — »»Fr." bedeutet Frau. — Die letzte Go- 
lumne der Zahlen ist Angabe des Alters in Jahren. 

Speciell bei den Händen und Füssen sind die Beziffer- 
ungen mit „Gen. Nro." und „Or. Nro." die gleichen wie 
bei den Köpfen, zu denen sie gehören; abgeformt wurden 
von den Extremitäten stets die rechten In den wenigen 
Fällen, in welchen die* betreffende Abformung des Kopfes 
zu Grunde ging, sind die Golumnen dafür leer. 



m 



H, V. Schlagintweit: lieber die ethnooraphi sehen Gegenstände etc, 349 

Vorderköpfe. 

I. Hiudü-Gasten. 



Gen. 
Nro. 


Ton und 
Or. No. 


Name; Gaste, nebst 
ünterabtheilungen. 


< 


Heimath. 






1. BrAhmans. 


1 


1 


II 124 

• 


Rampüja. 


39 


' 


2 


II 126 


Nabichänder. 


26 




3 


II 167 


Dinanäth. 


28 


Calcutta, Ben- 


4 


I[ 1S6 


Prösono Kiimar; 
(ßaläsni-Brähman). 


30 

I 


gälen. 


5 


II 26S 


Prankrishna; 
(Bäri-Brahman). 


80 

1 




6 


II 116 


Yeloji. 


33 ' Kälädgbi, mkhan 


7 


II 84 


Shaka; 


321 Närsmghpur, 






(Gängadhär). 




Central -Indien. 


8 


II 1»< 


Pärtab Singh; 
(Pändi-Brähman). 


22 


• 


9 


U 107 


Eülman; 

(Neväri-Brähman). 


21 


> Nepal, Himälaya. 


10 


11 841 


Ramhäri ; 

(Neväri-Brähman). 


24 


« 


11 


TT 19S 


Radhakishen. 


23 




12 


II 64 


Sbibram. 


34 


Gärhväl, Himal 


13 
14 


ü 846 
II 857 


Bhägua (Fr.) 
Rohäni (Fr.) 

2. Rajpüts. 


30 
33 


i Kashmir, Himal. 






a. Reine Ra^e. 


1 


15 


III 168 


Räma 


32 


Näddia, 


• 

e 


16 


III 868 


Uma Rama. 


86 


Calcatta, 


■'S, 


17 


III kl6 


Ramkumar. 


25 


Parnia, 




18 


III 8 50 


Mädbu Singh. 


45 


?^^' \ Himal 
Jamu, j 


19 


111288 


Sankar Singh. 


33 


[18' 


71. 3. Matl 


i.-pliys. Cl. L] 




23 





350 Sittung der math,-phy),. Ctangt vom 1. Detember 1877. 



1 



m... 


Kam. 


35 




III.S. 


Agam Singh; 
(Nepäl-Bajpüt). 


22 




in... 


Bhimägi; 

(Nepäl-ßajpQt). 


30 




Ullis 


Täudi; 

(Neräri). 


24 




in. 4. 


{Ne?»ri). 


18 


Nepil, Himalaja 


m... 


Nimti; 

■ (N..in). 


22 




niio 


Singhbir; 

(Nevari). 


42 




ni.g> 


Singhräj; 

(Goreng). 


18 




III, il 


Sarabira; 
(GütaDg). 


23 





c Pahäri- und Bhot-Rajpnts. 
«. Fah&Fl.RAjpHtB oder TbAknrs. 



in 


78 


III 


SS 


ni 


11 


m 


ei 


III 


TO 


III 


71 


III 


SS 



Lüri. 

Sern. 

Lal Singb. 

Dömia. 

Erishna. 

När Singk 

Tan Singh. 



Kämaon, Him- 
älaya. 



H, V. Scfdagintweit: lieber die ethnographischen Oegenstätide etc, 351 



Gen. 
Nro. 



Ton und 
Or. No 



Name; Gaste, nebst 
Unter ab theilungen. 



« 



Heimath. 



36 


111 68 


37 


IIT«o» 


38 


III »0 


39 


III 88 


40 


III 163 


41 


niiii 


42 


mts9 


43 


III >6» 


44 


III t«4 


45 


III 258 


46 


III «20 


47 


III 219 


48 


III 165 


49 


III 126 


50 


III «1» 


51 


III ISO 


52 


III 266 


53 


111213 


54 


IU231 


55 


III ISS 


56 


III 236 


57 


TTI 170 


58 


III 187 


59 


ni240 


60 


II 1 143 


61 


III 170 


62 


TTI 141 


63 


mi37 



Här Singh. 
Johar Singh. 
Shugru. 
Nitäi. 
Sonia (Fr.) 
Rüldu. 
Mulki. 
Lalua. 

Kishori (Fr.) 
Räsu (Fr.) 
Vombri (Fr.) 
Säma (Fr.) 
^Sukhia (Fr.) 
Guläbi (Fr.) 
Sita (Fr.) 
Rampiäri (Fr.) 
Maudüta (Fr.) 
Läka (Fr.) 
Sädni (Fr.) 
Nisha (Fr.) 
Büri (Fr.) 
Naugama (Fr.) 
Dälmi (Fr.) 

ß. Dögrras. 

Bikari Singh. 
Hoshiär. 
Mansa. 
Nagöria. 
Basti Rani. 



40 
26 
27 
30 
45 
25 
26 
27 
14 
15 
16 
17 
19 
26 
28 
28 
30 
32 
36 
37 
38 
16 
45 



24 
24 
31 
31 
34 



1 
I 



Gärhväl, Him- 
alaja. 

Simla, Himalaja. 



Külu, Himälaya. 



' Jamu , Himalaja. 



(Chämba, Him- 
alaja. 



Jämu, Himalaja 



23* 



352 Sitzung der math.-phys. Classe vom 1, Dezember 1877, 



Gen. 
Nro. 


Ton nnd 
Dr. No. 


Name; Gaste nobst 
Unter abtheil an gen. 


12 


Heimath. 


64 


III e> 


y. Bhot-Rajpitts. 

Man Singh. 




65 
66 


niii»6 

III 6( 


Nanda. 
Shirm Singh. 


14 
35 


Johar, Bimalaja. 


67 


III 66 


Pogu. 


55 




68 


ni TS 


Nain Singh. 


27 


1 


69 
70 
71 


HI 118 
III 74 
III 7 8 


Jasmal. 
KSrku. 
Himi. 


36 
38 
65 


Gärhvdl, Him- 
alaya. 


72 


in 77 


Kätik (Fr.) 

d. Kanets. 


32 


« 


73 


III 14« 


Hagru. 


20 


Sfmla, Uimalaja. 


74 


III 18« 


Nätaram. 


22 




75 
76 


III 191 
III 182 


Ghipa. 
Ealu. 


25 

30 


Ealu , Himalaja. 


77 


III 164 


Gopäl. 


28 




78 


III 189 


Biiddhu. 


35 


i 


79 


III asi 


Tika. 


12 




80 


III 14 


Padma. 


18 




81 


III 76 


Mega. 


20 




82 


m 4L 


Dülche. 


20 


> Lahol, Himalaya. 


83 


III 1 


Kirparam. 


28 




84 


III 646 


Earina. 


30 




85 


III 188 


Mamu (Fr.) 


27 




86 


III 48 


Hfsfliram. 


25 


• 

Eänaur, Himal. 


87 
"88 


HI 17 
III It 


Lässin. 
Kitop. 


35 
38 


Bisser, Uimalaya. 


89 


TTI166 


Nägi. 


16 


1 


90 
91 
92 


nil9S 
III 961 
III S60 


Gulzari. 
Daiädher. 
Mussäbi (Pr.) 


36 
37 
20 


Chämba, Him- 
' älaya. 


93 


ni2»8 


Kumäla (Fr.) 


33 


1 



H. V. Scklagintweit: Vtbtr die ethtiographischui QegenstäniU etc. 353 



94 


IIIlK 


96 


mm 


96 


nii.. 


97 


mm 


98 


m>s> 


99 


IV,.i 


100 


IV II. 


101 


IV... 


102 


IViii 


103 


IV II. 


101 


IV ,.1 


105 


rvm 


106 


IV... 


107 


IV... 


108 


IV, .1 


109 


IV... 


110 


IV M 



Pünit; 

(PaBopäla). 
M6hoii SiDgh. 
Löki. 
Änaii ; 

Bämbul (Fr.) 

4. Sddras. 
Hira; 

(HfBtri). 
MÜDni ; 

(Dhobi. 
8h6ki(Pr.); 1 
D6ya{Fr.}; ](TA6b 
Pio(Pr.)i I 
Mnesäi ; j 
Sadhai ; | 
Bolaki; /(Kai 

BhÖDdIa; 
Rfipa; 

Sflka (Fr.) ; 

(Hajäm). 
Gölak; 

(Uochi). 



6£;a, Bahär, 

P&tna, Bengalen, 
Lftkn^u, ÄQdh. 
Sattara, D^khan. 

Sfmia, Himälaya. 



Calcatta, Ben- 
gaUn. 



■ Etttak, Bengalen, 
Maradabäd, Hiu- 

dostän. 
Järnn, Himälaya. 
Patna, Bengalen. 

J$mn, Himalaja. 

Chimba, Him- 
älaya, 



354 Siüung dar math.-phi/». CloBK vom 1. Vexember 1877. 



0«. 
Sro. 


Tonnnd 
Or. No. 


UDterabtheilDDgen. 


1 


Heimath 


111 

112 
113 
114 
116 
116 


ni II 

III .1 

IV .. 
lUi» 

ni... 
in.. 7 


. Terelnzelte Hlndri- 

H«MerB»käsh;l 
Gnnda Singh; (S*!""- 
Hargal! Maharft«, 
Dalfl; 1 

Kn»; Singkaleseii. 
Gi-go! 1 


SU 

27 
35 
35 
32 
36 
16 


mme. 

j Shähpur, Pnnjab. 

Pnna, Dahan. 
(Gau, Ceylon. 

OoWmbo, Ceylon. 



II. Aborigiuer. 



117 


Uli» 


118 


IV 1.1 


119 


inii. 


120 


Uli«. 


121 


III i.i 


122 


in.M 


123 


IV... 


124 


IV 14. 


125 


IV 1.. 


126 


IV .1. 


127 


IV 11. 


128 


IV K. 



Dbäni; Sinb-pho. 
Sämbi; l^äga. 



Dölu; 



Metäla 

GorichÄDg : 
Hirak 
Käseob : 
Bhäiro 
LÖrknn; 
Mängnt ; 
Bbagvöt : 
Ram; 



Gohätti, Assäm. 
Difüiua , N^a- 

Gebirge. 
Maiiong, Kfaässia- 

Gebirge. 
Sikkim-Tanl?, 

Himälsya. 
Nepäl-TarÄi, 

Himil&ya. 



Bajm&häl, Ben- 



H. V. ScMaginlweit: Ueler die ethnographischen Oeggiwtände etc. 355 



Ge». 
Nro. 


Tod und 
Ot. No. 


N.ni., Bat 
.o,bar(b. 


natamn, 
gi.n.l. 


1 


Heimath. - 


129 


IV 1«. 


B<S<la; 




12 


Sohägpnr, 




130 


IV .. 


Pagele; 




38 


RamgSrb, 




131 


IVl.D 


Largäri; 




38 


1 




132 


IVi.i 


Bbiks; 


Gada. 


39 


Amarkäli- 




133 


IV n 


Dändo; 




22 


tak, 




134 


IV 1.. 


Längu; 




36 




.1 


136 


IVi.. 


Tülsa; 




40 


«blpnr, 


1 


136 


IV ■• 


Husäri; 




20 


iRamg^rh, 


i 


137 


IV. 0. 


Didi; 


Kola. 


24 


1 


i 


138 


IV. 0. 


Pädn; 




40 




a 


139 


IV 1.0 


Röna; 




20 


Amarkan- 




140 


IV •> 


Mingn; 


Bhila. 


23 


bk, 




141 


IV. 0. 


M6rbs; 




29 






142 


rv.o. 


PÜBBau; 




30 









m 


Haflsfflmins, Indien und Hooliaaien. 


Gen. 


Ton uod 


Name; Aagabe 


J ii.i».,^ 


Nro, 


Or. No. 


iaolirteD Anftietena. 


3 




1 


1 


■ 1 ■■ 


1 


1 ■ ■ 


143 


~II..7 


D^imn. 


20 


Jpätna lg 


144 


in... 


Bidii. 


25 


145 


ni... 


Gnban (Fr.) 


28 


Galcutta }% 


146 


III. SI 


Mügh. 


23 


JeesÖT IJ 


147 


ni... 


Häasan Kl.aD. 


30 


1 


148 


m.» 


Amir B4bag. 


31 


> Ägra, Hindostan. 


149 


ni.6. 


Miiza jCli Kban. 


31 




150 


in » 


Tättan. 


50 


Närainghpur, 
Central-Indien. 



35C 


Sittw^n 


iey M'itk.-phi/ii. Clatie 


"" 


'■ 


HitmUr 1S77. 


OeD. 1 Tod nn<I 
Nro. 1 Or. No 


i.olltt.i. Aurtr.li».. ;5: He.«.. Ib. 


151 ; BT... 

152 ; III iit 


Sijad Hiider. 16 
üsinän. 28 


Püna, Dekhan. 


153 : HI... 

154 III. .7 


SSjad Häisaii. 
Käbsji. 


24 
30 


Belläri, Maisjür. 


155 i Uli» 

156 1 111.» 


Ftzil; Belach. 
Täser. 


34 
20 


Bhäulpiir, Pänjäb. 


167 
158 


m... 
III i>i 


Madar Baksh. 
Chiimro. 


22 
24 


MuMu, Pänjab, 


159 


III... 


Asniti. 


31 




160 


III .. 


Beiab. 


34 




161 


III. .1 


Slädri Khan; 




22 




162 


III. i> 


Ghuläm Kha£i 


26 




163 


III .7. 


Faimlla Khao ; 




26 




164 
165 


III. 7. 
111.71 


Dilsher Khan; 
Mohammad Khan; 


1 


30 
33 


Peshanr Pänjib. 


166 


III .S. 




^ 


35 




167 


III... 


Sadülla Khan; 




40 




168 


III 111 


ilaf Khan ; 




42 




169 
170 

171 


III ..7 
III 1. 

HI >• 


Nadir Khan; Äfghfe 
Hau Nähdl Singh; 

Afghin. 
Salär. 


40 


Kandahir, Kihnl. 
1 


172 
173 


III •• 

UI .. 


N«fer. 
Malshdt. 


Jshikärpnr, Sindh, 


174 
175 


IHi.i 
IH.ii 


Enra. 
Kotäl A'li. 


SimU, Himilaya. 


176 


m 117 


Peidi. 




177 
178 


Hl IS. 

niiK 


Düdi. 
Alam. 


J^mu, HimÄlaya. 


179 


niiii 


Ödi. 






) 



1 



. üM'iifintweit: Uetier die ellmographüi:hett (iegttuitiMde ei 



mo. 


Or. No. 


isoiirten'AuftretenB. 


i. 


Ueimatb. 


180 


III 111 


Pänia(Pr.) 


48 


JSma, Himälaya. 


181 


111 » 


Amdn. 


15 




182 


III >I 


Ämii- Ali. 


19 




183 


III .1 


Mansär. 


18 




184 


III ., 


LaMii. 


19 




185 


Uli 11 


Hingau. 


22 




186 


m ., 


Karim Khan. 


24 




187 


III IS 


Sbaibh hmäel. 


25 




ISS 


III •■ 


Dill Mohammad. 


26 


Kashmi'r, Him- 


189 


ni „ 


Ali. 


28 


flaja. 


190 


III •• 


Küinal Kban. 


32i 




191 


m » 


GhaBr.. 


35 




192 


III » 


Eäriman. 


35] 




193 


III >■ 


Eümsl. 


35 




194 


III s> 


Kban Ulla Khan. 


39 




195 


IIIiu 


Snbhän Kban. 


40 




196 


III ■» 


Kteim Khan. 


44! 











ly. Tibeter. 








G«a. 
Nio. 


Tod 
Or. 


and 

So. 


Nati..;b.iBaddhi.t.D 

Volks- und Bajen- 

Ironnnni!. 


1 


Heim 


atli. 








a. BoiidbisteTi. 








197 


m 


10 


Känkpel! 




16 






198 


111 


37 


Sringh; 


f 


32 


1 




199 


m 


40 


Amacbri (Fr.); 


17 


1 BbaUD 


Him- 


200 


m 


1» 


Cbaoda (Pr.)i 


n 


21 


[ SUya. 




201 


in 


>• 


Surup; 




30 






90? 


II 




Fäsi; 1 


■^0 






203 


II 


OS 


Mändnk; Upcha«. 


22 


U.,a. 


Him- 


204 


11 


17 


Tenmp; 1 




23 





358 Sitzung der maüi.'phys. Glosse vom U Dezember 1877, 



Qen. 
Nro. 


Ton nod 
Dr. No. 


Name; bei Buddhisten 

Volks- and Ra$eii- 

trennang. 


l" 

< 


Heimath. 


205 


IT ISS 


Hägi (Fr.) ; \ Lep- 


23 


ISikkim, Uim- 
1 alaya. 


206 


nisi 


Nebu; j chas. 


40 


207 


in 101 


Kulpünta; . 


17 


\ 


208 


Ullis 


Gitang ; 


« 


19 




209 
210 


iiii»» 
miis 


Kaizaha ; 
Büddhiman; 


Bhots- 


20 

25" 


> Nepal, Himalaya. 


211 


III its 


Simsin ; 




26 




212 


III ist 


Bäklu; 




30 




213 


IltlO 


Lnpsan; ^ 


24 


Lhasa, Ost- Tibet. 


214 


III «s 


Räbden; Hünia. 


35 


Gnari Khörsam, 
Tibet, 


215 


m 4» 


Sonamangchog ; 




40 


^P^'*^' 1 m^ X 


216 


m so 


Därbti ; 




30 


Rupchu, Tibet. 


217 


III 18 


Sassu Löngdu; 




18 


' 


218 


ni 1 


Tnlsi Baiser 




24 




219 


m 18 


Samsak ; 




27 




220 


ni IS 


Tässi Töndab; 




30 




221 


III 80 


Chorchun (Fr.) ; 


> o 


23 


Ladak, Tibet 


222 


m 19 


Bibi (Fr.); 


s 


23 




223 


m 16 


Pimi (Fr.) ; 




26 


^ 


224 


TTI 11 


Sakina (Fr.); 




40 




225 


lU 4. 


Mfraba (Fr.) ; 




50 


i 


226 


nitss 


Pingo ; 




20 




227 


III s 


Ghangpnnchen ; 




25 


>Nübra, Tibet. 


228 


III 79 


Chängchun(Fr.);j 
b. Massälmäns. 


16 


♦ 


229 


TTI 81 


Ali Mohammad. 


19 




230 
231 


III 197 
III 85 


Mohammad Eässim. 
Ali Yar. 


21 
22 


Bälti, Tibet. 


232 


III 21 


Mäuli. 






23 


■ 



H. V, Schlag intweit : Üeher die ethnographischen Gegenstände etc. 359 



Gen. 
Nro. 



233 
234 
235 
236 

237 

238 
239 
240 
241 
242 
243 
244 

245 
246 
247 
248 
249 
250 
251 
252 



Ton und 
Gr. No. 



III 27 

IIIiio 

III 43 
III 14 

III 40 

III 3 6 

in 37 

III 30 

III 96 

III 9t 

III 51 

III 58 

III 61 
III 20 
III 54 
III 248 
m247 
III 169 
nil84 
mi85 



Name; bei Buddhisten 
Volks- und fia9en- 
tronnnng. 






Heimath. 



Piru. 


24 


Bauu. 


30 


Ghuläm. 


31 


Bähiman. 


22 


Häzir Ali. 


25 


Ali Hassan 


26 


Kärim. 


25 


Eurban Khan. 


29 


Mahachäud. 


30 


Imam Khan. 


35 


Ghaus Khan. 


20 


Sher Mohammad. 


35 


Ehair Ali. 


37 


HuUo. 


23 


Mömin. 


40 


Eäli Ehan. 


45 


Chöllo. 


32 


Ehöda Bakäsh. 


22 


Säfor. 


25 


Fatih Ehan. 


25 



Bälti, Tibet. 



Güe-Hasöra , Ti- 
bet. 



Täshing - Hasöra, 
Tibet. 

Gilgit, Tibet. 
Hazära,Himalay a. 



T. Türkis ans Central-Asien. 



Gen. 
Nro. 



Ton und 
Gr. No. 



Name; 
a) arischer Ba9C. 






Heimath. 



253 


l 6 


254 


l 7 


255 


I 5 


256 


I 81 


257 


I 9 



a. Möghnls. 
Neäs. 

Mohammad Amin. 
Yüssuf. 
Islam. 
Adil. 



35 
38 
45 
28 
35 



Ehötan, 
\ Yarkand, 







Osh, Kökand. 

Faizabad , Ba* 
dakhshän. 



360 SUzung der maiK-phyu. CUnsse vom 1. Dezember 187 7, 



Gen. 
Nro. 


Ton nnd 
Or. No. 


Name; 
b) aro-tnranischer Ba9e, 


Alter. 1 


Heimath. 






b. Argons. 






258 


m « 


Tikintäs ; 
Bhot-Eashmiri. 


25 


V 


259 


11( 47 


KMm Bakash; 
Bhot-Eashmm. 


30 




260 


Tn »1 


Ida; 
Bhot-Yarkandi. 


21 


Ladäk, Tfbet. 


261 


ni 6B 


Amin; 
Bhot-Tarkändi. 


24 


. 


262 


III 4» 


E^kel ; 
Bhot-Tarkandi. 


28 


4 





VI. 


Fremde Baten in Indien; Neger. 


Oen. 
Nro. 


Ton und 
Or. No. 


Name; 
Benennung nach Volk. 


• 
< 


Heimath. 






Parsi. 






263 


I 89 


Soräbji Palamji. 


14 


1 






Indo-Portugiese. 




f Bombay, K6nkan. 


264 


IV 88 


Francis Lop. 
Jude. 


34 


1 


265 


I 8 


Marad. 

B^rm^sen. 


40 


Eärchi, Bokhära. 


266 
267 


11 160 
II 160 


Mäipu. 
Shongai. 


24 
34 

! 


1 Ava, BiSrma. 



H. V. Sehlagintweit : üeher die ethnographischen Gegenstände etc. 361, 



Gen. 

Nro. 



268 



269 



270 
271 

272 



273 
274 

275 



Ton und 
Or. No 



Name; 
Benennung nach Volk. 



kl 



Heimath. 



II 800 



Iltei 



II 871 
11876 



IV 



86 



IV 874 
IV 875 



IV 



878 



Chinese. 
Vam-po ; als „Laskar^* 
oder Matrose. 

Ghina-Beugalu 
Bimu. 

Javauesische 
Mussälmans. 

Anidvan. 
Kassim. 

Sidi-Neger. 

Marzük ; 

als Matrose z. Z. in Bombay. 

Krü-Neger. 
Ngima; 
Däko; 



28 



Kanton, China. 



18 



Otak, Bengal. 



Aureh ; 



S J 
'S s 

08 



15 
32 

24 



1 



ChiribÖn, Java. 



18 
21 

25 



Vanika in Zänzi- 
bar, Afrika. 

Manna , i 
PortSt.Ge-1-gi 

erg., m 

BÄrkoTown, ) *^ 



Hände. 



Ö«; 


Nr.der Köpfe 


Gaste oder Ba9e. 


< 




Nro.d 
Hand 


Gen. 
Nro. 


Or. 
Nro. 


Heimath. 


1 
2 
3 
4 


21 
24 


184 
148 


Nepäl-Rajpüt. 
Nepal-Rajpüt. 
Neväri. 
Neväri. 


22 
15 
18 
40 


Nepal, Himälaya. 



i 

I 

I 



362 Sitiiung der tnaih.-phys. Classe vom 1, Dezember 1877. 







Nr. der Köpfe 



5 

6 

7 



Gen. 
Nro. 



Or 
Nro. 



28 
27 



8 


33 


9 


35 


10 


98 


11 


135 


12 


151 


13 


152 


14 


153 


15 




16 




17 




18 




19 


199 


20 




21 


201 


22 


208 


23 


198 


24 


204 


25 


206 


26 


205 


27 


270 


28 


271 


29 


273 


30 


275 



141 
1S9 

70 

69 

SS9 

1P2 

116 
114 
119 



140 

189 
1S8 
127 
147 
ISl 
185 
S71 
175 
S74 
271 



Gaste oder Ra^e. 



o 



9 



Heimath. 



Gorkha; (Gdrung). 
Görkha; (Gdrang). 
Pahari-Hajpüt | S 
Pahäri-Rajpüt > g 
Pahäri-Kajpät 
Väisia (Fr.) 
G5d. 

MussälmaD. 

Mussälmän. 

Mussälmän. 

Mussälmän. 

Mussälmän (Fr.) 

Bhot. 

Bhot. 

Bhot (Fr.) 

Bhot (Fr.) 

Bhot. 

Bhot. 

Bhot. 

Lepcha. 

Lepcha. 

Lepcha (Fr.) 

Javanesen-Mussulmäu. 

Javanesen-Mussälmän. 

Krü-Neger. 

Krü-Neger. 



23 
18 
32 
30 
33 
22 
40 

34 
16 
28 
24 
21 
12 
20 
17 
30 
30 
19 
32 
23 
40 
23 
15 
32 
18 
25 



[Nepal, Hituälaya. 

KätnaonHimälaja 

Simla, Himalaja. 

Jäblpur, Central- 
Indien. 

Calcutta,Bei) gälen 

[Puna, Dekhan. 

Belläri, Maissür. 
Kashmir, Himäl. 



Bhutan, Himälaya 



Sikkim, 

Nepal, 

Nepal, 

Sikkim, 

Sikkim, 

Sikkim, 



od 

oS 
} ^ 

a 

H 



[Chiribon, Java. 
iLiberia, Afrika. 



H. V. Schlagintweit : lieber die ethnographischen Gegenstände etc. 363 



Fasse- 





Nr. der Köpfe 


Gaste oder Ba9e. 


• 
-4^ 


• 


»X? qj 
P 2 


Gen. 


Or. 


Heimath. 




Nro. 


Nro. 




5 




1 


• 




Pahäri-Bajput oder 


32 £ämaoii,Himälaya 








Thäkur. 






2 


98 


239 


Väisia (Fr.) 


22 


Simla, Himalaja. 


3 






Mussälmäu. 


34 


Galcutta, BengäU 


4 






Mussälman. 


20 


KashmiryJiimeAsLjSL. 


5 


205 


185 


Lepcha (Fr.) 


23 


Sikkim,Himälaya . 


6 


270 


271 


Ja vanesen-Mussälman . 


15 


Chiribon, Java. 


7 


275 


S72 


Krü-Neger. 


25 


Liberia, Afrika. 



Ausser den Ra9entypen aus Indien und Hochasien sind, 
ebenfalls als Gegenstand des Buchhandels, noch anzuführen : 
„Afrikanische Ra9entypen, aus Marokko ^^), die ich 
nach Abformungen und Messungen meines Bruders 
Eduard**) herausgab. Die Reihe besteht aus 26 In- 
dividuen, und zwar sind 5 davon als Büsten, nach 
Hohlform auch des Hinterkopfes, 21 als Vorderköpfe 
gegeben. Für 9 derselben liegen auch die Hände, für 
5 die Füsse vor. 



12) Verlag von J. A. Barth, Leipzig, 1875. In Metall: Büste 
ä 120 Mk., Vorderkopf a 24 Mk., Hand oder Fuss ä 12 Mk. Ganze 
Beihe reducirt auf 1000 Mk. In Gyps (getönt) ganze Beihe 200 Mk. 

13) „Die Völkerstämme und Ba9en" heschrieb er in Cap. III, 
S. 44—57 in dem Werke: Der spanisch-marokkanische Krieg 
in den Jahren 18&0 und 1860. Von Eduard Schlagintweit. Leipzig, 
F. A. Brockhaus, 1863. Zahlreiche Körpermessungen liegen inMscr. mir vor. 

Der Verfasser, der diesen Krieg mitmachte, fiel später als Haupt- 
mann im k. b. Generalstabe, zu Kissingen am 10. Juli 1866. 



B64 SiUung der math.-phyß. Classe vom U Dtzemher 1877, 

Dessgleichen sind zu nenueu: 
„Indianer-Ra9entypen aus Amerika" von meinem Bru- 
der Robert. 9 Vorderköpfe ^*). 

B. Register der Objeete der Cultur und der 

der Technik, 
verzeichnet in den „Abtheilnngen II. bis XX.^^ 

Mit der Erläuterung der Abtheilungen ist aus dem 
Gataloge, der im Bildersaale aufii^t, auch die Signatur der 
Gruppen und einzelner der grosseren Gegenstänäe gegeben ; 
beschreibender Bericht darüber wird in Band VIII der „Re- 
sultß" enthalten sein. Als eine der Vorarbeiten hiezu, die 
schon durchgeführt ist, kann ich noch jenes Theiles des 
„General- Verzeichnisses" erwähnen, welcher als Blätterca- 
talog für etwas über 500 der für Indien characteristischen 
G^ensfcände die localeu Benennungen im Hindostäni oder 
in den provinciell verschiedenen indischen Sprachen enthält. 
Die Untersuchung derselben wurde mit Beihilfe des Münshi 
Säyad Mohammad Said, den ich von Galcutta aus auf einige 
Zeit nach Europa mitgenommen hatte, in gleicher Weise 
bearbeitet, wie ich bei der Pnblication des geographischen 
Glossariums, im III. Bande der „Results'S schon zu be- 
sprechen hatte. 

Der Bezifferung in der Signatur ist die Reihefolge iu 
der Aufstellung zu Grunde gelegt, wobei auf möglichst gün- 
stige Benützung des Raumes Rücksicht zu nehmen war. 
Jene Gegenstände, die in der Halle zu Nürnberg verpackt 
stehen, oder zur Zeit in der k. Neuen Pinakothek zu München 
und, in wenigen Exemplaren noch, in Schloss Jägersburg 
sich befinden, sind, mit Angabe des Lagerplatzes, da ein- 
geschaltet, wo sie an verwandte Gegenstände der Aufstellung 
im grossen Saale sich anschliessen. 

14) Verlag von Ed. Heinr. Majer, Cöbi und Leipzig, 1870. In 
Metall a 30 Mk., ganze Reihe 216 Mk.; in Gyps (getönt) a 7 Mk., 
nnd 54 Mk. 



H, t\ ScUagintweit: Ueher die ethnographischen Gegenstände etc. 365 

Abth. II. eemälde; 

(hier nur solche, die von Eingeborüen gemacht sind). 

In Oel: Porträts (Brustbilder) von indischen ßajas; 

lebensgross; in Goldrahmen tinter Glas. 
In Gouache: Tibetische Gottheiten und Gebete; 

auf Leinen; in Goldrahmen unter Glas. 
In Wasserfarben: 

a) Mythologische Hindu-Darstellungen aus Kashmir ; 
zahlreiche Miniaturen ; in Goldrahmen unter Glas. 

b) Abbildungen von Hindu-Gottheiten; von heiligen 
Thieren; in gepressten Rahmen unter Glas. 

c) Tibetische Götter und Gebete, in Originalrahmen 
und auf Pappe; Schwarzdruck. 

Miniaturen auf Elfenbein: 

a) Porträts der indischen Rajas und ihrer Veziere, 
der Sihk-Könige, und der Emirs von Kabul; in 
Goldrahmen unter Glas. 

b) Indische Gebäude; in Goldrahmen unt^r Glas. 
Aquarelle aufBeispapier: Chinesische Malereien, 

in Tibet gekauft; in Goldrahmen unter Glas. 

Glimmerschiefer- Bilder: Darstellung der ver- 
schiedenen Gewerbe und der religiösen Secten der 
Hindus. Mit einer besonderen Farbmischung auf 
Glimmerschiefer gemalt; in passenden Schwarz- 
rahmen. 

Ornamente: 

a) Schwarz in der Grösse der Originale, die durch- 
brochenen Marmorarbeiten in Moscheen, Hindü- 
tempeln und Mausoleen darstellend; 

b) Muster für Stpffedruck in genauer von Einge- 
bornen ausgeführter Nachbildung der Originale, 
— Auf Leinwand aufgezogen mit Aufhängung. 

Ansicht eines hohen Buddha-Tempels mit 
allen Details der Ornamente. 

[1877. 8. Math-phys. Cl. I.] 24 



366 SiUung der matK-phys. Cltuse vom J. Denember XS77, 

Buddha-Götter, dreiauf einem Blatte; mit Rahmen. 

Holzdrucke von tibetischen Holzblöcken. Auf Gar- 
tens aufgezogen; in Originalrahmen. 

Alle Bilder sind mit erklärenden Unterschriften 
versehen ; zugleich ist der Eigenname in orien- 
talischen Characteren beigefügt. 

Bezeichnung und Aufstellung: 
II. 19. Grosse indische Portraits, 3 Stücke. 

20. Gouache-Malerei auf Pflanzenmark, 6 Stücke. 

21. Kleinere Gouache auf Pflanzenmark, 2 Stücke. 

22. Elfenbein-Miniaturen, indische, 31 Stücke; hieven 
27 in Nürnberg, 4 in München. 

23. Glimmerschiefer-Bilder aus Indien, in schwarzen 
Rahmen; aufgestellt in München, 26 Stücke. 

24. Bilder aus Kashmir in schwarzen Rahmen; in 
München, 49 Stücke. 

25. Kleine Zeichnungen und Aquarelle von Einge- 
bornen. Aus Indien und Tibet; in Nürnberg und 
München, 15 Stücke. 

Abth. in. Plastische Fiffnren und Sonlptnren. 

Statuetten, die verschiedenen Gewerbe Indiens dar- 
stellend; alle sehr fein aus Thon modellirt, bemalt 
und bekleidet, so dass sie Facsimiles der Gostüme 
und der Beschäftigungen bilden. 

Religiöse Figuren. 

a) Aus Holz: Zwei grosse, reich vergoldete Buddha- 
Statuen, von denen die eine 1 1 Fuss 3 Zoll, die 
andere 10 Fuss 9 Zoll engl, hoch ist. (architektonisch- 
monumental). Kleinere Figuren, Götter der Hindus 
und der Buddhisten. — Denksäuleu an Todte 
mit Schnitzereien. 

b) AusMetall: Gottheiten der Hindus u.d. Buddhisten. 



11 
11 

11 

i> 
»1 
11 



H. V, ScMagifUweit: lieber die ethnographischen Gegenstände etc. 367 

c) Aas Thon : Tibetische Medaillons und Talismane, 
Gottheiten bietend oder Inschriften. Zum Theil 
vergoldet oder coloriri. 

d) Aus Stein: Tibetische Gebetsteine mit Figuren 
und Inschriften. — Hindü-Gottheiten ; Buddha- 
Figuren in Alabaster. — Die Inschriften sind 
entziffert und übersetzt. 

Bezeichnung und Aufstellung: 

III. 13. Indochinesische Sculptur. 
„ 14. Altindisehe Sculptur in Trapp-Gestein. 
„ 32. Zwei monumentale Büddha-Figaren. 
„ 40. Nepalesische Gultusgegenstände aus Bronce, 55 St. 
„ 43. Indische Gasten-Statuetten, 18 Stücke; 7 aufgestellt. 
„ 45. Jaipur-Marmorgegenstände, Steinmosaiken. 
„ 62. Geschnitzte Holzteller des indischen Kunstgewerbes, 

2 Stücke. 
„ 66. Plastisch verzierte Dachziegeln aus Nepal, 2 Stücke. 
„ 73. Plastische Copie einer Maske zu Buddha- Dramen, 

in Original-Grösse. 
r, 93. Rohe Opferthiere aus Thon, aus Central -Indien, 
„ 145. Hindu-Denksaulen an Todte, 2 Stücke. 
„ 147. Fischergott auf Holzsäule. 



Abth. IV. Modelle. 

Aus Holz. Indische Pagoden und Brücken. — Europä- 
isches Haus. — Boote und Hausgeräthe. — Mühlen. 
— Grosse tibetische Gebetniauer. — Tibetische Re- 
liquien-Monumente oder Chörtens. 

Aus Stein. Der Taj zu Agra. — Alabasterarbeiten aus 

Jäipur. 
Aus Papiermache und Wachs. Indische essbare 

Früchte, colorirt. 

24* 



368 SiiMung der math.-phys. Claase vom 1, Deäember 1877. 

Bezeichnung nnd Aufstellung: 
IV. 12. Mauer -Modell (Gerüst und Steine), complet; für 
die tibetische Gebetmauer (z. Z. noch in Jägers- 
burg). 

„ 47. Früchte-Modelle, 30 Stücke. 

fi 64. Architektonische und technische Modelle : Gebäude, 
Boote und Brücken ; Original- Arbeit aus Indien 
und Eashmir; zum Theil verpackt in der Halle. 

rt 103. Architectur-Ornamente; mechanisch copirte Faesi- 
miles, 12 Stücke. 

Abth. y. Mttnaen in Metall-Gopien. 

Gestempelte Silberklumpen und Geldstücke in Silber; 
Münzen aus Tibet und aus Indien, unter ihnen manche 
ältere; femer etwas Goldstaub aus Turkistan. 

Bezeichnung und Aufstellung: 

y. 151. Tämbus oder gestempelte Klumpen, 2 Stücke; der 

grössere entsprach in Silber 240 Mk. 
„ 152. Geprägte asiatische und europäische Münzen, mit 

tibetischen Privatstempeln; 12 Stücke. 
„ 153. Rundes Eupfergeld mit quadratischer Oeffiinug in 

der Mitte. 
n 154. Goldstaub aus dem Diluvium des nordlichen Eün- 

lün-Bandes. 

Abt&. VI. Tibetische Oesrenstände des B^ddha-Cnltas. 

Eine sehr reichhaltige Zusammenstellung der in reli- 
giösen Verrichtungen von den tibetischen Buddha-Priestern 
benützten Gegenstände; viele in Metall geschnitten, andere 
aus Holz geschnitzt ; auch Arbeiten aus Stein oder aus Pa- 
piermache; meist colorirt. — Gottheiten; Hausaltäre; Opfer- 
schalen; Medaillons und Amulette, nebst Modellen zum 



H, V. ScUagintweit: lieber die ethnographischen Gegenstände etc, 369 

Formen; Räncherwaaren zum Opfern; Weihrauchgefasse ; 
Glocken; Rosenkränze; Priesterembleme (Väjras, Svästikas, 
Si^el); Gebetcylinder mit Gebeten; grosse groteske Masken 
(übernatürlicher Grösse) aus Papiermache zur Auffülirung 
religiöser Schauspiele ; Gewänder der Priester bei Opferhand- 
Inngen; Holzblöcke mit Gebeten. — Alles detaillirt be- 
schrieben, zum Theil in Emil Schlagintweit^s „Buddhism 
in Tibet." 

Die G^enstände des Hindu-Gultus, in geringerer 
Anzahl, sind in gleicher Vollständigkeit in der Samm- 
lung vertreten; aber wegen der weit grösseren Ver- 
schiedenartigkeit der Gegenstände unter sich sind sie 
hier in jenen der einzelnen Gruppen angegeben, denen 
die Art ihrer Ausführung sie anschliesst. 



Bezeichnung und Aufstellung: 

VI. 11. Gebetsteine des Büddha-Cultus aus 1 Gebetmauer, 
23 Stücke. 

„ 15. Tibetische Gebetrolle in Rahmen. 

„ 16. Tibetische Gultusbilder auf Leinwand aus grossen 
Lamaserien, eingerahmt; 7 Stücke. 
Buddhistische Gebettafeln, schwarzer Druck auf 
Pflanzenpapier. Theils in Nürnberg, theils in Mün- 
chen; 20 Stücke. 

„ 26. Tibetische Holz-Tafeln, als Xylographie-Stöcke ge- 
schnitten; 7 Stücke. 

„ 27. Drucke von buddhist. Xylographien, als Facsimiles 
in Europa ausgeführt und auf Garton gezogen; 
20 Stücke. In Nürnberg und in München. 

„ 28. Grosses Elostersi^el als Stempel, in Holz ge- 
schnitten; aus Gentral-Tibet. In München. 

„ 29. Tibetische Trompete mit Menschenknochen. 

„ 30. Tibetische musikalische ete. Cultusgegenstände, 8 St. 



„ 17. 
„ 18. 



t 

\ 



11 



n 



370 Süiuny der fiMth,'phys. Clatfic vim L Dezember 1877, 

VI. 31. Tibetisches guittarartiges Musikinstrament mit 

Trommelfell. In der Halle. 
„ 33. Tibetischer Holz-Obelisk. 

34. Modelle von Ghörtens oder gemauerten Reliquien* 

behält^rn in Tibet, 9 Stücke. 
38t Mittelgrosse buddhistische Cultusgegenstande (ti- 
betische), 40 Stücke. 
„ 39. Kleinerebuddhisti8cheCultusgegenstände(tibetische), 

100 Stücke. ^ 

„ 72. Masken der Buddha-Priester zu religiösen Dramen 

in Tibet, 7 Stücke ; verpackt in der Halle. 
„ 74. Rasirmesser in roh vergrosserter Form> bei den 

tibetischen Priester-Dramen gebraucht. 
„ 101. Zauberstocklein aus Holz aus Hinter-Indien. 

(Zu vergl. viele der Gegenstande in Abth. III, 

IV, u. a.) 



Abth. VII. Mnsikalisohe Instrumente. 

Pauken; Trommeln; Cymbeln; Trompeten aus Metall 
und Menschenknochen, letztere aus Tibet; Gong; Guitarre; 
Violinen; Pfeifen und Schalmeien. 

* 

Bezeichnung und Aufstellung: 

VII. 71. Eine tibetische Doppelpauke. 

(Musikalische Objecte des „Gultus*^ sind auch VI. 
Nrö. 29, 30, 31 ; XVI. Nro. 83). 

Abth. Vin. Waffen. 

Die Galawaffen der Räjas; die indischen, tibetischen 
und turkistanischen Volkswaffen in alten und neuen Formen ; 
die Waffen der rohen, bisher noch wenig besuchten Abori- 
ginerstämme im Inneren von Indien und längs seiner 
Grenzen. — Stein- und Lunten-Flinten aus Turkistan, auch 



n, V, Schlag inttceit: U eher die ethnographischen Gegenstände etc. 371 

Fliuten aus Tibet. — Jagflinten und Pistolen — Harnisch 
und Panzerhemd ; tibetischer „Schiksalspauzer.** — Helme. 
— Schwerter, Streitäxte, Spiesse, Dolche, Schilde, Panzer- 
gürtel, Schleuder-Ringe, Keulen und Waftenstöcke, Bogen, 
Köcher und Pfeile. - Opfermesser, darunter auch für Men- 
schenopfer. — Pulverhörner und BandouliÄren. 

Bezeichnung und Aufstellung: 

VnilO. Schilde alte Formen; 2 Stücke. 

„ 50. Ein Blasrohr mit vergifteten Pfeilen , 4 Bund ; 
aus dem Khässia Gebirge. 

„ 94. Complete Sikhrüstung, bestehend aus Draht- Hemd 
und vergoldeten Eisenplatten; mit Dolch. 

„ 95. Eine Handschiene der Sikhs. 

„ 96. Indische Schwerter, 2 Stücke. 

„ 98. Pulverhörner, 3 Stücke. 

„ 99. Kleiner Schild aus Leder. 

„ 100. Eiserne Sikbrüs+ung , mit „Kettenhemd'' (oder 
schwerem Drahthemd). 

„ 102. Indischer Dolch. 

„ 107. Schildkröten-Schild. 

„ 108. Grosse Mauer-Flinten, 2 Stücke. 

r, 109. Revolverflinte mit Lunte. 

„ 110. Mittelgrosse WaiSen aus Indien, theils in München 
aufgelegt, theils in der Halle; 20 Stücke. 

„ 111. Grosses ungeschäftetes Plintenrohr (antik);* Länge 
6' 5", Durchmesser an der Mündung '/*"; aufge- 
stellt in München. 

n 112. Schwere ungeschäftete Mauerfiinte, zum Einsetzen 
und Drehen auf Befestigungen; Länge 4^ Durch- 
messer an der Mündung '/«''; aufgestellt in München 

,, 113. Lunten-Flinte mit gekrümmtem Schafte und mit 
Messingbeschlägen; Länge 5' 3''; aufgestellt in 
München. 



372 Sitzung der math.-phya Glosse vom i. Dezember 1877, 

VIII. 114. Steinflinte mit gekrümmtem Schafte (sehr selten); 

Länge 4' SV»''; aufgestellt in München. 
n 115. Geradegeschäftete Lnntenflinte von bedeutender 

Grosse; Länge 5' Vl2^* ; aufgestellt in Manchen. 
„ 116. Indische und tibetische Flinten, 30 Stücke. 
„ 117. Sikh-Schwert mit Armschiene. 
„ 118. Indische Säbel, 14 Stücke. 
n 119. Speer von Eisen, ganz Metall, sehr dünn; Längte 

7' 3^'; aus Südindien; aufgestellt in München. 
n 120. Schwerter von Aboriginern, 3 Stücke'. 
rt 121. Altindisches langes Schwert. 
„ 122. Doppeldolche mit je 2 Klingen, 3 Stücke. 
„ 123. Dolche, 6 Stücke. 

n 124. Dolche, Beile und Hauen; älteste Formen, 9 St. 
„ 125. Bogen und Pfeile der Aboriginer, 5 Stücke. 
n 126. Waffenstöcke aus Sikkim, 2 Stücke. 
„ 127. Waffenstock aus Südindien mit aufgesetzten Pfeil* 

spitzen. 
„ 129. Degenstock mit lackirter Hülse. 
„ 148. Rohe hölzerne Waffen, in der Halle; 8 Stücke. 
„ 149. Säbel, Messer, etc. mittelgross, in der Halle; 

10 Stücke. 



Abth. IX. Zelte. 

Originale, ganz complet mit allem Zubehör an Zelt- 
stricken, Zeltstangen, Pflöcken, Hämmern u. s. w.: 

Tibetisches Priesterzelt; tibetisches Hirtenzelt; turki- 
stanisches Hirtenzelt; indische Zelte (Reisezelt mit dop- 
peltem Dache ; Schlafzelt). 

Bezeichnung und Aufstellung: 

IX. 144. Zelte von Europäern und von verschiedenen Eiu- 
gebornen; in Verpackung in der Halle, 



H, V, Schlaginttoeit : lieber die ethnographischen Gegenstände etc. 373 

Abth. X. Sättel nnd Zanmzeng. 

* Beitsättel; Packsättel; Satteltaschen und Reisesäcke; 
Packgerät he und Körbe; Schabraken; Zäume und Halftern; 
Hufeisen; Peitschen. 

Bezeichnung und Aufstellung: 
X. 49. Sättel mit Zaumzeug, vollständig, 7 Stücke; und 
ein englischer Sattel aus Indien, als Beilage, zum 
Vergleiche. 



Abth. XI. Xleidangrs-Stttoke 

Stoffe kostbarer Brokate; Tücher; Musselins; Luxus- 
leder; Gold und Silberborten; geraachte Böcke aus Seide, 
Baumwolle, Schafwolle, auch aus Bast und Pelz. — Jacken aus 
Seide, Baumwolle, Schafwolle und Pelz; üeberwürfe; Bein- 
kleider ; Socken und Strümpfe. — Hüte und Mützen aus 
Sammt und Seide mit Goldborten, aus Wolle, Pelz, Pilz 
und Stroh. — Turbane; Kopfbinden. — Sandalen, Schuhe 
und Stiefel aus Leder, auch aus Pelz, Wolle, Stroh und 
Holz. — Handschuhe. — Foulards und Leibbinden. 

Bezeichnung und Aufstellung: 

XI. 1. Gewänder von Seide, aus dem N. Westl. Indien und 
den Nachbarstaaten, 5 Stücke. 
„ 2. Jacken, a) 1 Stück ornamental, 

b) 3 Stücke gewöhnlichen Gebrauches. 
„ 3. Eopfbedekungen, 8 Formen. 
„ 6. Tibetische Stiefel, 1 Paar. 
„ 7. Hüte (in den kleinen Kästen), 2 Reihen. 
„ 9. Strohhüte, tibetische, 3 Stücke. 
„ 35. Tibetische Schuhe und Stiefel, 4 Paar. 
„ 36. Wollene Röcke aus Turkistän, 7 Stücke. 
„ 37. Grosse tibetische Röcke, 3 Stücke, und kleinere 
Gegenstände. 



374 Sitzung der maih,'phy%, CUuse vom t, Desember JS77* 

XI. 69. Strohhut als Hut und als Regendach. 

„ 70. Schilf-Kapntze als Regendach. 

n 130. Kleidungsstücke und Behänge aus Tibet und Tur- 
kistan, 13 Stücke. (Der „Einzug mit den Sikh* 
Kanonen in Calcutta^S europäisches Bild, als Bei- 
lage zu den Gostümen.) 



Abih. XJI. Sehmnoksadheii uid Toilettengeff^nstfaide der Frauen. 

Fussringe und Armbänder aus Silber, Kupfer, Zink, 
Bronce, auch Bein, Glas und Holz. — Halsbänder und 
Kleiderspaugen , darunter feine Silberarbeiten. — Finger- 
ringe; Ohrringe; Nasenringe; Zehen ringe; Haarschmuck und 
künstlicher Zopf. — Brechen. — Fächer. — Kämme. — 
Gold- und Silbertressen. 



Bezeichnung und Aufstellung: 

Xn 75. Etwas über 100 Armringe von Aboriginern, von 
Indiern, von Tibetern. 

„ 76. Fussringe^ älteste und neue Formen, 11 Stücke. 

„ 77. Nasenringe, von indischen Frauen getragen, 9 St. 

„ 78. Ohrenringe und andere Schmackgegenstände für 
Gesicht und Ohren. 

,, 79. Fingeringe niederer indischer Gasten. 

„ 80. Schmuckgegenstände von Indiem und Aboriginern, 
Halsbänder und Halsketten, 16 Stücke. 

n 81. Agraffen aus Tibet; andere kleine Schmuckgegen- 
stände, tibetisch sowohl als indisch. 

,) 88. Amuletten und Schambedeckungen der Aboriginer. 
ostlich von Assam, 5 Stücke. 

„ 89. Reich omamentirte Priester-Agraffe. 

„ 90. Haar-Zierden, 3 Stücke, 



n 



H. t. Schlag intweit: Ueber die ethnogr<Tiphisdien Gegenstände etc, 375 

XII. 131. Halsgebänge und ornamental gehaltene Schniuck- 
gegenstände : 

a) 20 Stücke, sehr selten, 

b) 40 Stücke, in rohen Formen. 
150. Diverse Toiletten-Gegenstände, 80 Stücke, vertheilt 

in' den Räumen der grösseren Eisten ; in der Halle. 



Abth. XIII. Laokwaaren ans Holz and ans Paplermaohö. 

Penale. — Schreibzeuge. — Kästchen. — Schachteln. 
— Arbeitskästchen. — Teller. — Scbmuckbehälter. 

Bezeichnung und Aufstellung: 

XIII. 51. Indische Lack -Arbeiten, Kästchen und Schaalen; 
16 Stücke. 
„ 58. Lacklöffql-Gruppe in abnehmender Grosse 1 Päck- 
chen bildend, nebst kleinen Lackwaaren; 12 Stücke. 



Abth. XIV. Papiere nnd Zenge. 

Mit Angabe der Localität und des Stoffes; in 9 ge- 
bundene Foliobücher vereint, als wesentlich charakteristisch 
für die orientalische Industrie. 

Bezeichnung und Aufstellung: 

XIV. 44. Proben der Gewebe-Productionen, sowie der Papier- 
anfertigung aus Indien und aus Hochasien; 351 
Stücke, in 9 Folio-Bänden (gebunden). Aufgestellt 
in München: 70 Papiere, 281 Zeuge. 

Abth. XV. Bttoher nnd Proben der yerschiedenen Schriftarten. 

Aus Indien: Manuscripte und Druck von Büchern 
und Documenten; Briefe der eingebornen Bajas, auch in 



376 Süsung der matk.'phys.^ CUuh vom 1, Desember 1877, 

der f&r den Transport vorgeschriebenen Umhüllaug; in 
Tibetisch, Sanskrit, Hindostäni, P^njabi, Eashmiri, Nepale- 
sisch, Tamil and Singhalesisch. 

Bezeichnung und Aufstellung: 

XV. 41. Proben tibetischer Manuscripte, 40 Stücke. 
n 42. Proben indischer Manuscripte, 9 Stücke. 



Abth. XVI. Haii0einrie1itii]iflni-&egen8tfinde. 

Teppiche. Zeltteppiche. — Grössere und kleinere 
wollene, anch mit Pelz verbrämte Teppiche aus 
Tibet. -- Filzteppiche aus Turkist&n. 

Matten aus Stroh und Bast; aus Baumwolle; aus 
Filz. — Pelze ; roh gearbeitete Thierfelle der Abori- 
giner. 

Betten. Caravanenbett aus Turkistan. (In Indien 
liegen die Eingeborenen auf Matten.) Aus Indien 
Bettfüsse zum Matten au&pannen. 

Geschirre. 

a) Aus Thon : Wassergefässe ; Theekannen ; Suppen- 
schüsseln, Teller und grosse Schüsseln. Die von 
Europäern in Indien gebrauchten Irdenwaaren. 
— Sehr verschiedenartige tibetische Geschirre; 
Kohlenbecken aus Tibet; — Bemalte Trinkpor- 
cellanschalen aus Turkistan mit Lederetuis för 
Transport. 

b) Aus Holz : Löffel, Schüsseln, Teller mit schönen 
Ornamenten. — Turkistanisches Servicebrett. 

c) Aus Metall: Löffel, Schüsseln, Theekannen, 
Trinkgefasse, Serviceplatten. 

Bezeichnung und Aufstellung: 
XYI. 52. Altindisches Buhekästchen. 



H. V. Schlagintweit: lieber die ethnographischen Gegenstände etc. Sil 

XVI. 59. Holz- und Elfenbein-Kästchen, eingelegt ; 3 Stücke, 

„ 60. Hindü-Bronce-Geräthe; Teller, 6 Stücke. 

„ 61. Holzbüchsen mit Deckeln, 3 Stücke. 

n 63. Holzkasten mit Blecli, indische Form. 

„ 65. Thonwaaren, nebst Kochgeschirr aus Kupfer, in- 
dische Formen und Arbeiten. (Indo-europäischer 
Heisswasser-Teller aus England als Beigabe). — Auch 
Schreibzeuge, Messer, Scheeren u. s. w., 60 Stücke. 

n 83. Kiste mit Hausgeräthen , meist tibetisch, auch 
1 Priesterpauke und Cultns*Objecte (noch in Schloss 
Jägersburg). 

„ 84. Zahlreiche Hausgeräthe , auch mittelgrosse 6e-> 
brauclisg^enstände, in die grossem Kisten bei Ver- 
packen vertheilt, wie Hükas, Reibzeug aus Holz 
für Feuer, Matten u. s. w. 

„ 85. ELausgeräthe und decorative Gegenstände, mittel- 
gross. 

„ 92. Metallgefäss, Hausgenlthe; 7 Stücke. 

n 104. Altindischer Fussschemmel. 

n 105. Südindische Bast-Matten. 

„ 106. Indische Stäbchen-Matten. 

„ 128. Ornamentaler indischer Reisestock. 

n 132. Gefässe von Thon, 5 Stücke. 

ft 133. Geföss aus weissem Stein. 



Abth. XVII. Kleinere Mnsliohe G^erftthe. 

Betelbüchsen und Betelbeutel. — Messer zum Betel- 
schneiden. — Schlosser. — Schnupftabaksdosen. — Tabaks- 
pfeifen. — Tintenzeuge. — Feuerzeuge. — Schneebrillen. 

— Spielzeuge für Kinder. — Siegel, private und amtliche. 

— Gehänge mit Pincette, Nadel etc. für den Leibgurt. — 



378 Sittung der maiK-^hyB. CHane tma 1. Dezember 1877. 

Garten für Reisegegenstaude. — Lunten stricke. — Spiegel. 
— Sonnenschirme. — Regenschirme. — Scheeren. — But- 
tergefass. — Spielkarten. — Waschgeräthe. — Sehr ver- 
schiedenartige Schreib- und Tintenzeage. 

Bezeichnung und Aufstellung: 

XVII. 4. Indische R^enschirme. 
n 5. Indischer Fächer mit Pfauenfedern. 
„ ä. Stdnhammer. 
„ 67. Altindische Oelbrenner. 
n 82. Priestergeräthe und kleine Hausgeräthe, meist aus 

Tibet. In München aufgestellt. 
yt 86. Spielkarten: a) flache cylindrische ; b) gebogene, 

alsHohlkugel-Segmentegestaltete ; tibetisch, 2 Spiele. 
„ 87. Tibetische Würfel. 
^ 91. Vorhängschlösser, 2 Stücke. 
„ 97. Lepcha-Speisestäbchen mit Messer. 
„ 137. Hausgeräthe, kleinere; verpackt in der Halle. 



Abth. XYIII. Korbwaaren. 

Zierkorbchen (aus Bombay) aus Kokusnussfasern mit 
Käferflügeln besetzt. — Korb mit Leder als^ Reisekoffer. -*- 
Farbige Körbchen aus Südindien. — Gylindrische , sphär- 
ische und rechteckige Körbchen für häuslichen Gebrauch; 
für Schmucksachen. 

Bezeichnung und Aufstellung: 

XVIII. 46. Korbgeflechte aus Bast, 4 Stücke. 

„ 48. Indische geflochtene Kästchen, 4 Stücke. 

„ 53. Korb- und Rohrwaaren, 20 Stücke. 

„ 54. Früchtenkorb von Holz. , 

„ 55. Altindischer lackirter Korb, grosse Form. 

„ 56. AHindischer lackirter Korb, kleinere Form. 



i/. V. Scklagintweit: lieber die ethnographischen Gegenstände etc. 379 

Abth. JQX. LedergrefiCsse. 

Lederschlauch, statt Boot, zum üebersetzen über Flüsse 
— d. i. Haut mit Zubehör. — Wasserschläuche als Ge- 
päckstücke für Menschen und für Thiere. — Oelgefass. 

Bezeichnung und Aufstellung: 

XIX. 57. Wassertaschen aus Leder, 2 Stücke. 
„ 134. Lederschlauch zum Aufblasen; beim Ueberseitzen 
über Flüsse, mit 2 Rudern, in reitendem Sitze be- 
nützt. 
„ 135. Schläuche aus Leder zum Wassertragen, 3 Stücke. 
r, 136. Amphoraartiges Gefass aus Leder. 



Abth. XX. Agrricnltiirger&the ; Instmmente und Maasse. 

Die ersteren sind, wegen ihrer Grösse, sämmtlich in der 
Halle. Die Reihe enthält Pflüge, Eggen , Dreschflegel aus 
Tibet (in Indien wird- von Vieh „ausgetreten''), Spaten, 
Schaufeln, Hämmer, Ruder, Taue, Stricke , tibetische Seil- 
brücke , Lepcha- Bergwerkshammer , Waagen , Messgefässe 
und Maassstäbe. 

Von den Ackergeräthen wurden wegen der eigen- 
thümlichen, in gewisser Anwendung auch practisch 
zu berücksichtigenden Formen, auf Veranlassung der 
Hohenheim'schen Akademie für Landwirthschaft ver- 
kleinerte Modelle noch angefertigt. 

Bezeichnung und Aufstellung: 

XX. 68. Ein Lepcha-Längemaass aus Sikkim. 

„ 138. Die Pflüge von Indien, Tibet und Turkistän; als 
complet zu betrachtend^ Reihe. 7 Stücke, aufge- 
stellt in der Halle. 

„ 139. Getreidemühlen, 5 Modelle der Eingebornen, ver- 
packt in der Halle. 



380 Sitmng der matK'phys. CUuse vom 1, Battnher 1877. 

XX. 140. Dreschflegel aus Tibet, breit und flach; in der Halle. 
n 141. Eggen aus Indien und aus Tibet, 3 Stücke; in der 

Halle. 
„ 142. Joche für Zebu- und für Yak- Vieh, 3 Stücke; in 

der Halle. 
„ 143. Ackergerathe , Modelle in reducirter Grosse; in 

München. 
y, 145. Seilbrücke mit Holzknie, Original; aus Tibet. 
r, 155. Kleinere Gerathe : Waage, Gefasse ; aus Indien und 

aus Tibet. 




i 



Einsendungen von Druckschriften. 381 



Terzeichniss der eingelaufenen Bnehergeschenke. 



Van der physiccH.'medicin. Gesellschaft in Würzburg \ 
Verhandlangen. Neue Folg«. XL Bd. 1877. 8. 

V(m> der natwforschenden OeselUchaft in DorpcU: 

Archiv für die Naturkunde. I. Serie: VÜI. Bd. IL Serie Bd. VIL 3. 
1876. 77. 8. - 

Von der deutschen geologischen Gesellschaft in Berlin: 
Zeitschrift. XXIX. Bd. Januar— März 1877. 1877. 8. 

Vom Verein für siebenhürgisohe Landeskunde in Hermnnnstadt: 

a) Archiv. Neue Folge. 13. Bd. 1876. 77. "8. 

b) Jahresbericht für das Vereinsjahr 1875/76. 8. 

Vom naturhistorischen Verein in Augsburg: 
24. Bericht im Jahre 1877. 1877. 8. 

Von der Senkenhergischen naturforschenden Gesellschaft 

in Frankfurt a,/M,: 

Bericht 1875—76. 1877. 8. 
Abbandlungen. Bd. I. 1877. 4. 

Vom eoohgisch'fninerälogischen Verein in Begensburg: 

Correspondenz-Blatt. Jahrgang XXX. 1876. 8. 
[1877. 3. Math.-phys. CL] 25 



382 Einsendungen von Druckschriften. 

Von der Je. h Akademie der Wissenschaften in Kräkau: 
Antropologia, Tom. I. 1877. 8. 

Vom Verein für Erdkunde zu Haue a,/S.: 
Mittheiltmgen 1877. 1877. 8. 

Von der G. Schwetschke^ sehen Verlagsbuchhandlung in Halle a./S.i 

Die Natur. Zeitung zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Eenntniss. 
1877. No. 1—31. 32. 4. 

Von der k. hayer. Central -Landioirthschaftsschtde in Weihenstephani 

Mittheilungen aus dem Weihenstepbaner Laboratorium von Prof. Dr. 
Lintner. Freising 1877. 8. 

Von der k, Sternwarte zu Münster: 

Resultate der in den 43 Jahren 1833 — 1875 angestellten Sternschnuppen- 
Beobachtungen von Ed. Heis. 1877. 4. 

. Von der naturforschenden Gesellschaft in Emden : 
62. Jahresbericht 1876. 1877. 8. 

Vom naturhistorisch-medicinischen Verein in Heidelberg: 
Verhandlungen. Neue Folge. Bd. U. 1877. 8. 

Von der Oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde 

in Giessen: - 

16. Bericht Im Juni 1877. 8. 

Von der natwrforsohenden Gesellschaft in Freiburg i.jB.: 
Berichte über die Verbandlungen. Bd. VII. 1877. 8. 

Von der Societä italiana di scienze natwali in Milano : 
Atti. Vol. XIX. Fogli 1—24. 1876. 77. 8. 

Von der Äccademia Gioenia di scienze naturdli in Gatania: 

Atti. Serie 3. Tom. IX. 1876. 8. 

Von der AcadSmie des sciences in Paris: 
Comptes rendus. Tom. 85 1877. 4. 



ll 

1 



( 



JfSinsenäungen von Druckschriften 383 

Von der Boyäl Irish Academy in Dublin: 

a) Transactions. Science. Vol. XXVI. 1875—76. 4. .^ 

b) List of the Merabres, Julj 1876. 1876. 8. t, 

i 

Von der Zoölogiccd Society in London: \ 

a) Transactions. Vol. X. 1877. 4. | 

b) Proceedings. 1877, Part. I, 1877. 8. 

c) „ 1876. Part. IV. 1877. 8. 

Von der Boyäl Institution of Great Britain in Lfmdon : 
Proceedings. Vol. VIII. 1876. 8. 

Vom War Departement, Surgem OeneraVa Office in WashingUm : 

Circnlar No. 9 : Report on the Transport of Sick and Wounded, by G. 
A. Otis. 1877. 4. 

Von der ü. 8. Oeologicäl and geographical Survey of the Territories 

in Washington: 

Bulletin of the U. S. Entomological Commission. No. 1 — 2. 1877. 8. 

Von der Sociiti hotanique de France in Paris: 

Bulletin, tom. XXIV. 1877. 8. 

Balletin. Tom. XXI. 1875. Session eztraordinaire d*Angers 1875. 8. 

Von der SoeiiU des sciences physiqttes et naiureHles in Bordeaux: 
H^moires. 2«* serie. Tom. II. 1877. 8. 

Von der SociHi d'histoire natureUe in Golmar: 
Bulletin. Ann^s 16 et 17. 1875 et 1876. 1877. 8. 

Von der Finniachen Gesellschaft der Wissenschaften in Helsingfors : 

a) Bidrag tili kannedom of Finlands Natur och Folk. Heft 20. 25. 
26. 1876—77. 8. 

b) Observations m^t^orologiques. Ann^ 1874. 1876. 8. 

Vom Instituto y Observatorio de marina in San Fernando, Gadiz : 

Almanaque nautico para 1878. Madrid 1877. 8. 

25* 



i 



384 Einsendungen von Druckaehnften» 

Von der Societä dei NaturälisU in Modena: 
Annnario. Anno XL 1877. 8. 

Von der SociiU Imperiale dtai Naturalistes in Moskau: 
BnUetin 1877. 1877. 8. 

Von der k, Akademie der Wissenschaften in Stockholm: 
Meteorologiska Jakttagelser. Vol. 16. 1876. 4. 

Von der Sternwarte in Leiden: 

Catabgns yan de Boeken in de Bibliotheek der Sterrenwacht te Leiden. 
8* Gravenhage 1877. 8. 

Vom statistischen Bureau der Hauptstadt Budapest: 
Publicationen. No. XHL XIV. BerHn 1877. 8. 

Vom Departement of ihe Interior in Washington : 
Report on the Rocky -Mountain Locnst^ bj A. S. Packard .^ 1877. 8. 

Von der American Oeographieal Society in New-York: 
Journal. Vol. 5. 6. 1874. 1874—76. 8. 

Von der Staats-Ackerhau-Behörde von Ohio in Columhusi 
30. Jahresbericht f. d. J. 1875. 1876. 8. 

Von der American Academy of Arts & Sciences in Boston: 
Proceedings. New Series. Vol. 4. 1877. 8. 

Von der American Medical Association in Washington: 

Transactions. Vol. XXVIL und Supplement zu Vol. XXVII. Phila- 
delphia 1876. 8. 

Vom Essex Institute in Salem: 
Bulletin. VoL 8. 1876. 8. 

Von der Bedaction des American Journal of Science and Arts 

in NeW'Haven: 

The American Journal of Science and Arts. Vol. 13. 14. 1877. 8. 



{ 
i 



Einsendungen von Druckschriften, 385 

Von der kaiserl. Akademie der Wissenschaften in Fetersburg: 

V 

Das fünfzigjährige Doctorjabiläum des Akademikers Geheimrath Johann 
Friedrich Brandt am 12.(24.) Januar 1876. 1877. 8. 

Von der Societe malacologique de Belgique in Brüssel: 
Annales Tom I— X. Annee 1863—75. 8. 

Vom Museum of comparative zoology at Harvard College 

in Cambridge, U. 8. Ä : 

Memoirs. Vol. V. 1877. 4. 

Von der astronomischen Gesellschaft in Leipzig: 
Vierteljahrsschrift. 12. Jahrgang. 1877. 8. 

Von der Gesellschaft böhmischer Mathematiker und Physiker "in Prag : 
Archiv mathematiky a fysiky. Tom I. 1875 — 76. 8. 

Von dem Museum des Kgr, Böhmen in Frag: 

Vortrag des Geschäftsleiters in der General -Versammlung der Gesell- 
schaft des Museums des Egr. Böhmen am 25. Mai 1877. 8. 

Vom Verein für Erdkunde in Leipzig; 
Mittheilungen 1876. 1877. 8. 

Von der k. k, Akademie der Wissenschaften in Krakau: 

a) ßozprawjr (Sitzungsberichte), Mathem. Classe Tom. III. 1876. 8. 

b) Sprawozdanie komisyi fizyjograf. Tom. X. 1876. 8. 

Vom k. preuss. geodätischen Institut in Berlin: 
Astronomisch-geodätische Arbeiten im J. 1876. 1877. 4. 

Von der naturforschenden Gesellschaft in Bamberg: 
11. Bericht für 1875 und 1876. 1876. 8. 

Von der Sternwarte des eidgenössischen Polytechnikums in Zürich: 

Schweizerische meteorologische Beobachtungen. XIII. Jahrgang 1876. 
1876-77. 4. 



386 Einsendungen von Druckschriften. 

Von der naturforschenden Gesellschaft in Danzig: 
Schriften. Neue Folge. Bd. IV. 1876. 8. 

Von der k, ungarischen geologischen Anstalt in Budapest: 
Mittheilangeu aas dem Jahrbache. Bd. VI. 1877. 8. 

Vom Siebenbürgischen Verein für Naturwissenschaften in Hermann- 

Stadt : 

Verhandlangen and Mittheilongen. Jahrg. 27. 1877. 8. 

Von der Universite catholique in Louvain: 

a) De febre paerperali aact. Ern. Lambert. 1876. 8. 

b) Recherches sar les acides chloro-bromo-propioniqaes glycöriqaes par 
U. Wareg-Massalski. 1875. 8. 

Vom B, Comitato geologico d* Italia in Eom: 

Memorie per senrire alla descrizione della carta geologica d' Italia. 
Vol. III. 1876. 4. 

Von der B, Äccademia dei Lincei in Bom: 
Atti. Anno 274. 1876—77. Serie III. Transanti Vol. I. 1877. 4. 

Von der Societä aoriatica di scienze naturodi in Triestx 
Bolletino. Vol. III. 1877. 8. 

Von der Zoological Society in Philadelphia: 
The 5"» annaal Report, read April 26"» 1877. 8. 

Von der American Pharmaceuticai Association in Philadelphia: 

Proceedings at the 24*^ annaal Meeting ^held in Philadelphia 1876. 
1877. 8. 

Vom Department of Agricülture in Washington: 

a) Monthly Reports for the years 1875 & 1876. 1876-77. 8. 

b) Report of the Commissioner of Agricalture for the year 1875. 

1876. a. 



Einsendungen von Druckschriften, 387 

Vom Department of the Interior in Wcishington: 

a) Report of the ü. S. Geological Survey of the Territories, by F. 
V. Hayden. Vol. II. 1875. 4. 

b) The Grotto Geyser of the Yellowstone National Park. s. a. fol. 

c) Catalogae of the Publications of the U. S. Geological Survey of 
the Territories. 2^ ed. 1877. 8. 

Vom Ü. S. Navdl Ohservatory in WaMngton: 

AstroDomical and meteorological Observations made daring the year 
1874. 1877. 4. 

Vom Lpceum of natural history in Neto-York: 
Proceedings 11* Series No. 1—4. 1873-74. 8. 

Von der Academy of natural Sciences in Davenport^ Jowa : 
Proceedings. Vol. I. 1867 - 1876. 1876. 8. 

Von der k. k. Akademie der Wissenschaften in Wien: 

a) Denkschriften. Mathem.-naturw. Cl. Bd. 86. 1876. 4. 

b) Sitzangsberichte. Mathem.-natniw. Classe. 

I. Abtheil. Bd. 72 fleft 1-5. 





» 


73. 


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1 5; 




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74. 


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1 u. 2. 


II. Abtheil. 


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1—5. 




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1—3. 




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1 u. 2. 


III. Ahtheil. 


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3—5. 




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72. 


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1-5, 


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73. 


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1-5. 1875—1876. 8. 



Vom Verein für Erdkunde in Dresden: 
XIII. u, XIV. Jahresbericht. 1877. 8. 

Von der landwirthschaftlichen CentralschiUe in Weihenstephan: 
Jahresbericht pro 1876/77. 1877. 8. 

Von der deutschen Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens 

in Yokohama: 

Mittheilangen. 11. Heft. Novemb. 1876. 4. 



388 Einsendungen von Druckschriften. 

Vom Meteorohgicdl Department of the Government of India 

in Calcutta: 

a) Indian Meteorological Memoirs. Vol. I. 1876. fol. 

b) Report on the Meteorology of India in 1875. By Henry F. Blan- 
ford. I. year. 1877. fol. 

c) Beport of the Vizagapatam and Backergange Cyclones of October 
1876, by J. EUiott. 1877. fol. 

d) Beport on the Administration of the Meteorological Department of 
the Government of India in 1875—76. 1877. fol. 

Von der Lese" und Bedehälle der h. k. technischen Hochschule 

in Wien: 

Jahresbericht 6. Vereinsjahr 1876/77. 1877. 8. 

Von der k. k, Universität in Greiz: 

Die Selbstverdanungs-Processe der Magenschleimhant von Hanns Enn- 
drat. 1877. 8. 

Von der physikalischen Gesellschaft in Berlin: 

Die Fortschritte der Physik im Jahre 1872. XXVIII. Jahrgang. 

1876—77. 8. 

Vom naturhistorischen Verein der preuss. BheMande in Bonn: 
Verhandinngen. Jahrgang 34. 

Von der k, k. geographischen Gesellschaft in Wien: 
Mittheilangen. 19. Bd. 1876. 8. 

Vom botanischen Verein in Landshut: 

6. Bericht über die Vereinsjahre 1876/77. 1877. 8. 

Von der meteorologischen Centralanstält in Zürich: 
Schweizerische meteorologische Beobachtungen. 14. Jhrg. 1877. 1877. 4. 

Vom naturtvissenschaftl. Verein in Magdeburg: 

7. Jahresbericht. 1877. 8. 

Von der Gesellschaft böhmischer Chemiker in Pragi 
Zprävy. Bd. IIL 1877. 8. 




. J 



Einsendungen von Druckschriften, 389 

Von der Äccademia Fontificia di Nuovi Lincei in Born: 
Atti. Anno XXX. Sessione IV. 1877. 4. 

Von der Societe Boycde des sciences naturales in Luxemburg: 

Garte geologiqne du Grand -Dache de Luxcmboorg, par N. Wies etc. 
8 Blatt, fol. 1877, nebst Text in 8. 

Von der B, Ästronomical Society in London: 
Monthly Notices. Vol. XXXVIIL 1877. 8. 

Von der Soeieti entomologique de Beigique in Brüssel: 
Annales. Tom. XX. 1877. 8. 

Von der Societe des sciences naturelles in Neucliatel: 
Bulletin. Tom. XL 1877. 8. 

Von der Societä Toscana di scienze naturaHi in Pisa: 
Atti. Vol. III. 1877. 8. 

Von dem Institut Boy cd Grand- Ihicaif Section des sciences natureUes 

in Luocemburg: 

Pablications. Tom. 16. 1877. 8. 

Vom Observatoire Boyal in Brüssel: 

a) Annales. Tom. XXIII. XXIV. XXV. 1874—77. 4. 

b) Annnaire. 1877. 44« annee 1876. 8. 

c) Essai snr la vie et les oayrages de L. A. J. Quetelet par Ed. 
Maüly. 1875. 8. 

d) Notices extraites de Tannuaire de TObservatoire royal de Bmxelles 
pour 1875 et 1876. 8. 

e) Memoire snr la temp^ratnre de Tair a Bmxelles 1833 — 1872. 
(Snpplöment) ; par Em. Qnetelet. 1876. 4. 

Von der Äeadimie des sciences in Lyon: 
Memoires. Classe des sciences. Tom. XXII. 1876—77. 8. 



390 Einsendungen von ! Druckschriften. 

Vom Herrn A, Kötliker in Würzbarg: 
üeber die Jakobson'sohen Organe des MenBcben. Fostscbrift. 1877. 4. 

Vom Herrn Emanuel Böricky in Prag: 

Die Arbeiten der cbemiscb-petrologiscben Abtheilnng der Landesdorch- 
forscbong von Böhmen. 111. Bd. V. Abtb. 1877. 8. 

Vom Herrn Beyrich in Berlin: 
üeber jurassiscbe Ammoniten von Mombassa. 1877. 8. 

Vom Herrn Carl Homstein in Prag: 

Astronomische, magnetische und meteorologische Beobachtungen an der 
k. Sternwarte za Prag i. J. 1876. 37. Jahrg. 1877. 4. 

Vom Herrn Gerhard wm Baih in Bonn: 

a) Mineralogische Beitrage. 1877. 8. 

b) Vorträge und Mittheilungen in der niederrheinischen Gesellschaft 
für Natur- und Heilkunde. 1877. 8. 

c) Mineralogische Mittheilungen (Neue Folge). Leipzig 1877. 8. 

Vom Herrn Ruddf Wolf in Zürich: 
Astronomische Mittheilungen No. XLIV. 1877. 8. 

Vom Herrn A. Mühry in Göttingen: 
Ueber die exacte Natur-Philosophie. 1877. 8. 

Vom Herrn Carl Friedrich Majer in München: 

General-Bericht über die Cholera - Epidemieen im Königreich Bayern 
1873 u. 74. 1877. 8. 

Vom Herrn Wilhelm Dokoupü in Bistritz: 
Das Eisen als Baustoff. 1877. 8. 

Vom Herrn Hermann Scheffler in Braunschweig: 

Die Naturgesetze und ihr Zusammenhang mit den Prinzipien der ab- 
strakten Wissenschaften. Theil I. IL Leipzig 1876--77. 8. 




Einsendungen von Druckscliriften. 391 

Vom Herrn Ämand Baumgarten in Kremsmiimter: 

a) Geschichte der Sternwarte der Benediktiner -Abtei Kremsmünster. 
Von P. Sigmund Fellö<?ker. Linz 1864. 4. 

b) Mittlere Oerter von Fixsternen nach den Beobachtungen der Stern- 
warte Eremsmüuster 1877, von P. G. Strasser. 1877* 8. 

Vom Herrn P. Käuffer in Kaiserslautern: 
Die Arbeit des Dampfes in der Dampfmaschine, s. 1. 1877. 4. 

Vom Herrn B» Claudius in Bonn: 
Die Potentialfunktion und das Potential. 1877. 8. 

Vom Herrn Thomas Bdt in London: 
The glacial Period in the Southern Hemisphere« 1877. 8. 

Van den Herren A. Hirsch und E, Plantamour in Genf: 

Nivellement de precision de la Suisse par A. Hirsch et E. Plantamour. 
Livr. VI. 1877. 4. 

Vom Herrn C. Berg in Buenos- Aires: 

a) Untersuchungen über die Gattang Mimallo Hfibner's und ihre 
Arten, s. 1. s. a. 8. 

b) Patagonische Lepidopteren. Moskau 1876. 8. 

c) Enumeracion de las plantas europeas que se hallan como silvestres 
en la provincia de Buenos-Aires y en Patagonia. 1877. 8. 

d) Orugas acuaticas de la familia de Bombjcidae. Palustra Azollae 
7 Palustra tenuis. 1876. 8. 

e) Estudios lepidopterolögicos. 1877. 8. 

Vom Herrn Johann Bitter von Fuscarin in Budapest: 
Das Stereometer. 1877. 8. 

Vom Herrn E. Begel in 8t Petersburg: 
Descriptiones plantarum novarum et minus cognitarum fasc. I. 1877. 8. 

Vom Herrn P, de Tchihatcheff in Paris : 

La v^g^tation du globe par A. Grisebach, traduit par P. de Tchiha- 
tcheff. Tom« II. fasc. 2. 1878. 8. 



392 Einsendungen von Druckschriften. 

Vom Herrn Richard Otoen in London: 

Deacription of the fossil Reptilia of South Africa. Vol. I. Tent. Vol. II 
Plates. 1876. 4. 

Vom Herrn John Ericsson in New-York: 
Contributions to tbe Centennial Exhibition. 1876. 4. 

Vom Herrn Fortunato Pasquede in Neapel: 

Sopra alcnne mostmosita del fiore della viola odorataetc. e suUateoria 
della peloria in generale. 1877. 4. 

Fom Herrn A, Ecker in Ifreiburg: 

a) Ueber den queren Hinterhauptswulst am Schädel verschiedener 
europäischer Völker, s. 1. 1877. 4. 

b) Zur Eenntniss des Körperbaues früherer Einwohner der Halbinsel 
Florida, s. 1. 1877. 4. 

Vom Herrn Max Braun in Würzburg: 
Lacerta Lilfordi und Lace^a muralis. 1877. 8. 

Vom Herrn E. Plantamour in Genf: 

Determination telegraphiqne de la difference de longitude entre Tob- 
serratoire de Zürich et les stations astronomiques du Pfander et du 
Gäbris. 1877. 4. 

Vom Herrn John J. Stevenson in NeuhYork: 

Report of progress in the Greene and Washington District of the bitu- 
minous coal-fields of Western Pennsylvania. Harrisburg 1876. 8. 

Vom Herrn F, V. Hayden in Washington : 

Annual Report of the U. S. Gcological Survey of the Territories for the 
years 1873 & 1874. 1874—76. 8. 

Vom Herrn Karl Weihrauch in Dorpat: 

Zehnjährige Mittelwerthe (1866 bis 1875) nebst neunjährigen Stunden- 
mitteln (1867 bis 1-^75) für Dorpat. 1877. 8. 

Vom Herrn 0. (7. Marsh in New-Haven: 
Introduction and Succession yertebrate lifo in America. 1877, 8, 




Einsendungen i)on Druckschriften. 393 

Vom Herrn P. Biccardi in Modena: 

a) Solle opere di Alessandro Volta. 1877. 4. 
b} Lettera a Cesare Correnti, Presidente della societa geografica ital. 
1877. 4. 

Vom Herrn Josidh P. Cooke in Cambridge: 
Contributions from the chemical Laboratory of Harvard-College. 1877. 8. 

Vom Herrn Carl Gegenhaur in Heidelberg \ 
Grundriss der vergleichenden Anatomie. 2. Aufl. Leipzig 1878. 8. 

Vom Herrn Augustino Todaro in Palermo: 
Hortns botanicns Panormitanns. Yol. I. 1877. foL 

Vom Herrn Mdsens in Brüssei: 

Des paratonnerres ^jbablis sur THotel de ville de Bmxelles en 18G5. 
1877. 8. 

Vom Herrn Giuseppe Coco Zanghy in Catania: 

Un' errata-corrige proposta in Zoologia owero 11 mio viaggio in Tiberia 
de ed il vero pesce di S. Pietro. 4. 

Vom Herrn Ä, P. Bogdanow iu Moskau: 

Forma i sreda etc. (russisch) Form und Mitte in ihren Beziehungen zur 
Zoologie und Medicin. 1877. 4. 

Vom Herrn M. Deydier in. Oran : 
La locomotion a^rienne. 1877. 8. 



Sach-Eegister. 



Acrylsänre 330. 

Alamioiamanode 90. 

Archseopterin, Fund des Skeletes 155. 

Bernonlirsche Zahlen 157. 
Büchergeschenke 149, 297, 381. 

Elnfioss des Lösnngsmittels auf die Absorption sspectra 234. 
Electromotorische Kraft einiger Thermosäulen 292. 
Ethnographische Gegenstande 836. 

Flnorescenz der lebenden Netzhaut 226. 

Gehirn eines Gorilla 96. 

Hydroxysauren 323. 

Influenz, electrische, auf nichtleitende feste Körper 1. 

Milch auf Thonplatten 263. 

Ozon-Beobachtungen in der Libyschen Wüste 77. 

Paramethoxyphenylglycocoll und 
Paraniethoxyphenylglycolsaure 273. 



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I 



396 Sach-Begister. 

Sterengeseti, das 802. 

Theorie der stationären Strtarang 188. 

Verhalten des Wassers in engen Banmen bei Glühhitse 216. 

Ueber den Wassergehalt des Eiweisses 285. 

Zimmtsaareathylester, polymerisirte, 276. 



Namen-Register. 



Ascherson 77. 

T. Baer K. Ernst (Nekrolog) 142. 
V. Beetz 90, 292. 
V. Bezold 188, 226. 
V. Bischoff 96. 

Ehrenberg Christ. Gottfried (Nekrolog) 141. 

Engelhardt 226. 

Erlenmejer 278, 276, 328, 880. 

Hofmeister W. Fried. Benedict (Nekrolog) 147. 

T. Joliy 1, 284. 

V. Kobell 140, 216. 
Kondt 234. 

Lehmann 263. 

Pettenkofer 268. 

Pfaff 216. 

Poggendorf J, Chr. (Nekrolog) 145. 



26 



* ■ 



398 Namen-Begister, 

Schl&i^tweilrSak&Dl&nski 386. 
Schröder 802. 
Seidel 157. 



Tegel 286. 



Wfillner 1. 



Zittel 77, 155. 



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